Freitag, 17. September 2021

Schmetterlinge vergessen nicht

 Dear Hanna.

Still thinking of you. I am still here and I still love you. ♥



Freitag, 10. April 2020

Verflochtene Flügel

Dear Hanna.

Heute schreibe ich dir, weil ich daran denken muss, dass wir Schmetterlinge sind. Schmetterlinge, die ihre Flügel ausbreiten und sich in die Lüfte erheben. Sich vom Wind tragen lassen, den Wolken entgegen. Wobei das Wetter heute schön ist und ich kaum Wolken am Himmel sehen kann. Frühling - hast du es schon gesehen? Ich sehe überall Osterglocken, Vergissmeinnicht und Löwenzahn. Die Bäume strecken sich bunt dem Himmel entgegen wie wir. Die Natur sprießt. Ich glaube, ich auch.

Anfang dieses Monats sind wir umgezogen, in unsere erste gemeinsame Wohnung. Düsseldorf. Wir gehen am Rhein spazieren, Hand in Hand, erkunden die neue Umgebung zu zweit. Wir richten uns langsam ein, stolpern über Umzugskartons und bauen uns ein gemütliches Nest. Genug Decken sind auf jeden Fall vorhanden. Es ist schön, das hier zu erleben. Zusammen zu sein. Ich genieße es und bin glücklich, auch wenn die momentanen weltweiten Umstände es nicht vollkommen zulassen.

Ich schreibe dir, weil ich immer an dich denken muss, wenn ich versuche herauszufinden, was mir eigentlich Spaß macht. Ich vermisse meine kreative Seite - das Schreiben, das Malen, Basteln. Ich vermisse es, RPGs zu schreiben, ohne meinem Perfektionismus und Druck in die Quere zu kommen. Ich muss dabei immer an dich denken, weil es mit dir immer wunderbar funktioniert hat. Du und ich, wir haben einander nie negative Gedanken ausgelöst. Wir haben uns an den Händen gehalten und sind gemeinsam in den Himmel empor geflogen. Ich vermisse dich. Und doch ist es schön, wie es ist.

Ich vermisse die Tinte in meinen Flügeln, die du so geliebt hast, und doch fliege ich auch ohne noch weiter, immer weiter. Meine Flügel sind vielleicht noch ein bisschen grau, vielleicht an den Spitzen, aber sie werden immer bunter, breiten sich aus. Ich verbringe viel Zeit mit Menschen, die mir gut tun, und entferne mich von denen, die Schlechtes in mir auslösen. Ich schreibe wieder Tagebuch, oldschool mit der Hand, und es tut mir gut, meine Gedanken festhalten zu können. Ich arbeite daran, im Wintersemester ins Pharmaziestudium einzusteigen - ich freue mich wahnsinnig! Und die Tinte, die wird auch eines Tages wiederkommen. Vielleicht nicht heute oder morgen, vielleicht nur kurz, aber ich weiß, dass ich es kann, dass mein von dir so geliebtes Talent, mit Worten Bilder zu malen, nicht verschwinden wird. Eines Tages werde ich es wieder tun können, werde Seite um Seite füllen mit Buchstaben, Fäden aus Worten, die zu Geschichten verflochten werden.

Bis dahin schenke ich dir meine Gedanken, meine Liebe und hoffe, dass du ebenfalls nie vergisst, dass wir Schmetterlinge sind - miteinander verwoben durch diesen Blog, unsere Worte, unsere gemeinsamen Erinnerungen. Ich denke an dich.

Ines.

Dienstag, 27. November 2018

Bunte Flügel für Schmetterlinge

Dear Hanna.


Schon eine ganze Weile her, dass ich hier etwas getippt habe. Zuletzt noch vor meinem Umzug nach Gelsenkirchen und es fühlt sich an, als wären seitdem Jahre vergangen. Es ist so vieles geschehen, so viel Schlechtes und Gutes und Schreckliches und Bezauberndes. Wie viel kann ein Mensch erleben. Manchmal habe ich das Gefühl, zu platzen vor Glück und an anderen Tagen zerreißt es mich vor Schmerz. Heute ist einer dieser Tage dazwischen, ein müder Tag. Ich liege im Bett. Und du?

Ich habe das Gefühl, ich bin in den letzten Monaten, vielleicht sogar Jahren, grau geworden. Meine Flügel, deren Tinte und Farben du immer so geliebt hast, sind farblos geworden, sind vollkommen verblasst. Ich bin ein grauer Schmetterling auf der Suche nach etwas, was ihm wieder Farbe verleiht. Es ist schwierig, ein grauer Schmetterling zu sein, es tut weh und es ist nicht einfach, aber ich blicke nach vorne. Suche nach Farbe. Nach Tinte. Versuche zu schreiben, versuche aufzustehen und etwas zu tun, und sei es nur, mein Zimmer immer und immer wieder umzustellen. Ich lese. Ich gehe nach draußen an die frische Luft. Ich kuschle mit Menschen, ich fahre durch die Gegend, ich lebe. Ich lebe sogar noch als grauer Schmetterling, auch wenn mir wenig davon Freude bereit. An manchen Tagen ist die Welt wunderschön, bin ich mit meinem Freund zusammen, sehe ich liebe Menschen oder passiert sonst etwas Tolles und ich fühle nichts. Das sind graue Tage. Farblose Tage.

Tage voller Farbe sind selten geworden. Manchmal passieren sie, sind aus heiterem Himmel einfach da und überfordern mich, aber machen mir unglaublich viel Freude. Ich klammere mich daran fest, ich versuche, sie zu genießen, aber sie sind wie Seife, die immer wieder aus deiner Hand flutscht, je mehr du versuchst, sie festzuhalten. Ich hatte am Wochenende schöne bunte Tage, vielleicht ist das Kontingent für dieses Jahr jetzt erschöpft. Aber es hat sich allemal gelohnt.
Und zwischen all diesem Schmerz und der Farblosigkeit und den bunten Tagen und dem Leben werde ich langsam erwachsen. Erledige ich Telefonate, suche mir eine neue Mitbewohnerin, habe mir sogar ein Tattoo stechen lassen. Wenn ich mir meine "Will ich unbedingt mal tun"-Listen ansehe, die ich vor Jahren geschrieben habe, dann habe ich davon echt viel schon abgehakt, obwohl ich im Moment das Gefühl habe, das Leben rase nur so vor mir davon. Aber ich wohne alleine in einer schönen Stadt, ich verdiene Geld und studiere ein Fach, für das ich Begeisterung aufbringen kann, ich habe Freunde und Familie, eine wundervolle Beziehung, knallrote Haare, ein Tattoo... Ich bereue nichts, denn es hat mich hierhin geführt, denke ich. Jeder Fehler, den ich gemacht habe. Jetzt bin ich hier.

Manche Tage sind grau. Aber ich glaube daran, dass ich wieder bunte Flügel bekommen werde, wenn ich nur weiterhin nach vorne schaue, nach etwas Farbe Ausschau halte und so gut lebe, wie ich nur kann. Ich versuche es, Hanna. Ich versuche es wirklich. Wünsch mir Glück.

In Liebe,
Itsu

Samstag, 21. Juli 2018

Der schönste Schmetterling, der man sein kann

Hay Liebes,
diese Woche ist ein Schmetterling in meine Straßenbahn geflogen und ich habe ihn so lange hartnäckig mit meinen Augen verfolgt, bis ich sicher sein konnte, dass er es wieder rausgeschafft hat. Letztendlich war er nur ein paar wenige Stationen in der Bahn gefangen aber er tat mir unsagbar Leid, in dieser kurzen Zeit.
Außerdem lief eben gerade "Pocahontas" von AnnenMayKantereit auf der Party, auf der ich war also bin ich von dort aus nach Hause gegangen, um dir zu schreiben.

In deinem letzten Post (den ich eben erst gelesen habe), hast du gemeint, dass ich immer eine Richtung habe, in die ich mich fortbewege und mich gefragt, ob ich die beste Version meiner selbst bin. Ich glaube, ich kann dir dazu einen langen Blogpost verfassen und das werde ich jetzt auch tun:

Ich war eines dieser Kinder, die von klein auf wussten, was sie machen wollten. Hat man mich gefragt, was ich später machen will, was ich haben oder sein will, hatte ich ein paar sehr einfache Antworten darauf:
Ich möchte lange Haare haben.
Ich möchte Modedesignerin werden.
Ich möchte eine Katze haben und ein Baumhaus und ich möchte eine kleine Tochter haben.

Ersteres ließ sich damals ziemlich gut verwirklichen und ich bin heute auch immernoch sehr zufrieden damit. Das Zweite allerdings - meine Berufung - meinen Lebenstraum - habe ich mir tatsächlich ausreden lassen. Ich habe sehr viel Zeit und Kraft investiert, mich dagegen zu wehren aber ich merke heute, dass ich es nichtmehr verfolge. Es hat für mich keine Priorität mehr, keine Wichtigkeit. Es war ein so fester Bestandteil meiner selbst und nun ist es weg.
Ich wurde gelehrt, dass ich einen Plan haben muss um zu erreichen war ich will und das ist es, was ich tue:
Ich mache Pläne.
Das ist es, was ich kann, was mir liegt und was fast immer gut geht. Ich mache Pläne und diese Pläne sind gut und dadurch bekomme ich in der Regel, was ich möchte, realisiere, was ich mir vornehme. Ich bin ein Mensch, der bekommt, was er möchte, ein Mensch, dem Dinge gelingen.

Umso mehr wirft es mich aus der Bahn, wenn Dinge passieren, die etwas zu Nichte machen. Plötzlich brechen mir Menschen weg. Für die Realisierung großer Pläne braucht man allerdings ein Team, oder irgendetwas kommt dazwischen und es gibt für mich in der Regel keinen Plan B.

Ich kann verstehen dass es Leute gibt, die mich vielleicht für meine Art zu leben bewundern. Ich sehe, dass es so ist in den Augen aller Menschen, die mitbekommen, was ich alles mache und unter einen Hut kriege und die es anerkennen, allerdings ohne auch nur den geringsten Gedanken daran, das selbst auch tun zu können. In Wahrheit würde denke ich, niemand gern so leben wie ich.

Meiner Lebenseinstellung: Dinge hinter mir zu lassen, die mich behindern oder runterziehen könnten, habe ich viele Menschen geopfert, Menschen, die ich sehr liebe, aber auch Menschen, die diese Menschen nun nichtmehr sind. Wenn ich mir allerdings diejenigen Menschen ansehe, die noch übrig geblieben sind bzw. diejenigen, die ich von allen am meisten mochte, so waren das doch immer auf ihre Art und Weise sehr eigene Menschen. Aufbrausend. Extrovertiert auf den ersten Blick aber mit einer tiefen Seele. Spontane Menschen. Unikate.
Meine älteste Freundin, die du als "mein Weib" kennst, hat mir erzählt, dass sie dieses Jahr ein Wochenende spontan mit ihrer Mitbewohnerin nach Disneyland gefahren ist. - Einfach so, weil sie Bock drauf hatte. Sie macht immer wieder Kurztrips und ist gewandt was die englische Sprache betrifft. Sie hat unsichere Momente aber für mich ist sie einfach grandios und furchtlos und fantastisch. Sie führt eine Art von Leben, die ich mir nicht vorstellen könnte, die komplett gegen meine Natur spricht, ein spontanes, abenteuerreiches Leben, ein Leben, aus dem man einfach Geschichten erzählen kann, ein Leben, dass ich manchmal beneide. Ich liebe sie abgöttisch dafür, dass sie es ab und an mit mir teilt.

Auch die anderen Menschen in meiner Umgebung müssen für mich immer etwas haben, etwas besonderes, herausstechendes, damit ich überhaupt den Willen aufbringen kann, mehr Zeit mit ihnen verbringen zu wollen. Ich bin sehr schnell von Menschen erschöpft und/oder gelangweilt und das ist eine sehr schlechte Eigenschaft von mir. Ich gebe Menschen keine Chance.
Mein besonderer Mensch hat mich im letzten Jahr dazu gedrängt, über meinen Schatten zu springen und mich darauf einzulassen, Freundschaft mit jemandem zu schließen, der introvertiert ist und eher schüchtern und mich reden lässt, mich laut und anstrengend sein lässt, ohne etwas dagegen zu haben, ein ... ja vermutlich ein bisschen ein Mauerblümchen.
Ich habe mein Bestes gegeben, mich darauf einzulassen und mitlerweile habe ich sie immer und immer mehr in mein Herz geschlossen.

Itsu,
als ich mein Studium begonnen habe, habe ich zu meiner Mutter gesagt "Egal ob mir dieses Studium gefallen wird oder nicht, ich werde es durchziehen." Das hätte ich getan, ehrlich, auch wenn es mich unglücklich gemacht hätte und weißt du warum? Das ist der Plan gewesen und ich bin nunmal so. Mitlerweile liebe ich mein Studium vom ersten Semester an aber das war mehr Glück, als alles andere. Ich habe auch während meines Lebens einige Entscheidungen getroffen, Dinge zu wollen, die sich im Nachhinein betrachtet als gar nicht so gut rausstellten, aber ich wollte sie und bekam sie und habe mich damit arrangiert, damit zu leben. Aber nur, weil ich den Plänen, die ich mache, strickt folge und sie aufgehen lasse, heißt das nicht, dass mein Leben besser ist als das von irgendwelchen anderen Personen.
Ehrlich gesagt wäre ich nie fähig dazu, mich mal in mein Auto zu setzen und einfach irgendwohin zu fahren, meine Freundin und einige Sachen zu packen und einen Kurztrip zu unternehmen oder auch nur, wenn ich es wollte, ein Wochenende ins Disneyland zu fahren.
Ich bin spießig, unflexibel, herrisch, egozentrisch, ungeduldig, leicht reizbar, ich bin eine schlechte Freundin, ich bin laut und anstrengend, ich bin eine Angeberin, ich bin neidisch. Ich komme mit mir selbst nicht klar und kann selbst nach wie vor nicht lange mit mir allein sein. Ich bin außerdem stolz, was dazu führt, dass ich solche Dinge in der Regel nicht ausspreche und ich muss weinen, wenn ich wütend werde. Ich bin ängstlich. Ich bin oberflächlich. Ich verbringe einen viel zu großen Teil meiner Zeit damit, zu vermissen.

Was ich damit sagen will: Obwohl der Großteil meines Lebens immer darauf ausgerichtet war, Dinge richtig zu machen statt mich selbst wirklich restlos glücklich, habe ich es dennoch nicht geschafft, für alle Beteiligten die beste Version meiner selbst zu sein. Vielleicht bin ich das für meine Mum aber das wars auch schon. Auch wenn es für anderen Menschen so aussehen mag, als würden mir alle Dinge, die ich tue zufliegen, es steckt immer eine Menge Anstrengung dahinter ...auch wenn diese Anstrengung an manchen Tagen darin besteht, sich aufzuraffen morgens aufzustehen.

Liebes, es sind zwei vollkommen unterschiedliche Dinge, die bester Version seiner selbst zu sein, die man aus teifsten Herzen sein will oder die beste Version seiner selbst zu sein, die man für andere Personen sein kann. In den wenigsten Fällen, kannst du beides zeitgleich und irgendwie trage ich dies als eine Gewissheit mit mir, die sich unumstößlich tief in mir verwurzelt anfühlt. Als eine Wahrheit. Eigentlich trifft der Satz "Du kannst es nie allen recht machen" ziemlich gut.

Ich finde man muss immer aufpassen, dass man selbst immer genau so viel für sich selbst tut, dass alles weiterlaufen kann. Solange ich meinen Plänen nachgehen funktioniert alles, solange bin ich beschäftigt, solange sieht alles gut aus. Ich mache mir Listen, weißt du? Vielleicht hilft dir das
"Was bringt mich weiter? - im Studium - im Privatleben - für späteren Berufserfolg - für einen volleren Geldbeutel - für meine Seele. Alles einzelnen Liste, wenn mir wieder was einfällt, arbeite ich es ab..
Gerade jetzt tut es mir in der Seele gut, dass es dich gibt, dass ich dir schreiben kann, dass ich deine Briefe lesen kann. Nicht, dass IRGENDWER da draußen ist, sondern dass genau DU es bist. Mein kleiner Schmetterling!

Und wenn du dich gerade mal wieder so fühlst, als würdest du nicht weiterkommen, bist du vielleicht wie mein Schmetterling den Tag nur in einer Bahn eingesperrt. Es dauert vielleicht gar nicht so lange wie du denkst, dich wieder daraus zu befreien und wenn du es dann rausgeschafft hast, stellst du vielleicht sogar fest, dass sich die Bahn ganz ohne dein Zutun schon weiter bewegt hat - ein paar Stationen weiter in die richtige Richtung.

Ich hab sich sehr lieb, Liebes.
Schreib mir, wie deine neue Wohnung sich anfühlt!
Schlaf gut.

♥
~Evoliette

Montag, 9. Juli 2018

Ist es das, wie Leben sich anfühlt.

Dear Hanna.

Neben dem Studium und der Arbeit habe ich es in den letzten Monaten irgendwie geschafft, ein paar Serien zu schauen, von denen mir vor allem meine Mitbewohnerin immer wieder vorschwärmt. Auch "sense8" war darunter, eine Serie auf Netflix, in der es um acht Menschen geht, welche plötzlich telepathisch miteinander verbunden sind und neben ihren alltäglichen Problemen nun auch noch damit klarkommen müssen, sieben anderen Stimmen im Kopf zu haben. Die Serie hat mir unglaublich gut gefallen, sodass ich sie gerade auch noch ein zweites Mal schaue, und ich liebe sie inzwischen sehr. Es gibt viele schöne Szenen mit Sätzen, die sehr zum Nachdenken anregen, und der Satz, der mich dazu bringt, dir heute diesen Blogpost zu schreiben, ist folgender:

Stecken wir fest oder ist das nur, wie Leben sich anfühlt?

Ich weiß nicht, ob du dieses Gefühl kennst. Wenn ich deine letzten Blogposts so lese - was ich gerne immer wieder tue, wenn es mir schlecht geht und ich das Gefühl brauche, dass irgendjemand auf dieser Welt ab und zu an mich denkt - dann weiß ich es nicht. Du klingst so, als würdest du total mit dem Leben schwimmen, immer wissen, was deine Zukunft bereithält, niemals stehen bleiben. Du studierst, du lebst, du machst etwas. Du weißt, dass du weiter studieren möchtest, du weißt ungefähr, was du danach tun wirst. Du hast Ziele, Wünsche, Träume.
An manchen Tagen weiß ich nicht, ob ich so etwas noch habe. An manchen Tagen fühlt es sich für mich so an, als wäre ich irgendwo stecken geblieben. Als wäre ich die, die ich vor zwei Jahren war. Als hätte sich seitdem nichts geändert, als würde ich immer noch an denselben Problemen nagen und nicht vorankommen. Als wäre da eine Mauer, die verhindert, dass ich mich weiterentwickle. Vielleicht ist das auch nur dieses "Erwachsensein", von dem alle sprechen. Vielleicht fühlt sich dieses Erwachsensein so an. Als ob man am Ende angekommen wäre. Als ob da nichts mehr wäre, was es zu erreichen gilt. Weil sich alles so... weit weg anfühlt. So unerreichbar.

In einer Woche ziehe ich um. Heute in einer Woche und um diese Uhrzeit - es ist jetzt 21:37 Uhr - sitze ich in meiner neuen Wohnung in meinem neuen Bett. In einer anderen Stadt. Immer noch mit meiner Mitbewohnerin, aber trotzdem wird irgendwie alles anders sein. Eine neue Umgebung, die es zu erkunden gilt, neue Einkaufsläden, neue Nebenstraßen, ein neuer Bahnhof, neue Zugfahrten, neue Gleise, von denen man abfährt. Eine ganz neue Welt, in gewisser Weise, auch wenn sie nur 20 Minuten Zugfahrt von meinem momentanen Zuhause entfernt ist... Es liegen Welten dazwischen. Morgen in einer Woche werde ich immer noch 22 Jahre alt sein, ich werde immer noch komplett ausgewaschenes Haar haben, immer noch braun gebrannt sein, weil ich diesen Sommer öfter draußen war als je zuvor. Werde immer noch ich selbst sein, und doch wird sich etwas, eine Kleinigkeit und doch etwas so Großes, verändert haben... Dann bin ich nicht mehr Duisburgerin, sondern Gelsenkirchnerin. (Schon krass, wie sich alles verschiebt.)
Leben geht weiter, immer. Das Leben um mich herum dreht sich immer weiter. Leute kommen und gehen. Ich ziehe um. Das Semester ist fast vorbei. Die Klausuren rücken näher. Meine Mitbewohnerin hat einen neuen Freund. Meine Arbeitskollegin ist im Krankenstand. Meine Unikollegin ist gerade auf Bootsfahrt in den Niederlanden. Es ist warm, bald ist es wieder kalt. Es passiert so viel. Dazwischen stehe ich und weiß nicht recht, ob ich mitschwimmen, mitlaufen soll, oder ob ich nicht zu müde dafür bin. Ob ich nicht lieber stehen bleiben möchte... Einfach aufhören will. Es einfach beenden?

In sense8 kommen noch viele andere schöne Sätze vor. Sätze, die zum Nachdenken anregen. "Das Leben lässt nicht immer zu, dass wir die beste Version unserer selbst sind." Vielleicht wäre ich jemand anderes geworden, hätte ich keine Depressionen. Vielleicht wäre ich besser, schöner, würde ich anderen Menschen mehr Freude machen, wäre ich nicht so feige. Vielleicht hätten mich nicht so viele Menschen, wäre... hätte... was wäre, wenn... Dieses Gedankendenken wollte ich mir eigentlich schon lange abgewöhnen. Ist gar nicht so einfach.
Denkst du, du bist die beste Version deiner selbst, Hanna? Denkst du, du lebst dieses Leben als die beste Version von dir, die du dir, der Welt, den Menschen um dich rum, bieten kannst? Ich glaube, das ist irgendwie mein Ziel. Die beste Version meiner selbst zu sein. So zu sein, dass nicht nur andere mich lieben können, sondern auch ich mich selbst.

Ich hab dich lieb. Als Abschied hinterlasse ich dir ein schönes Zitat aus meiner neuen Lieblingsserie:

Das Unmögliche ist nur einen Kuss von der Wirklichkeit entfernt.

Ines

Dienstag, 10. April 2018

Flügelschläge nach hier und dort.

Dear Hanna.

Ich habe sowohl deinen letzten als auch deinen vorletzten Post nur Tage, nachdem du ihn eingestellt hast, bereits gelesen. Bis jetzt kam ich aber nicht dazu zu antworten, geschweige denn dazu, dir zu deinem Geburtstag zu gratulieren. Deshalb möchte ich es hier noch einmal nachholen: Alles, alles Liebe zum Geburtstag! Ich hoffe, dass du dich hast feiern lassen und dass du von lieben Menschen umgeben warst, welche dir gut tun. Hast du Geschenke bekommen? Bist du betrunken in deine Torte gestürzt? Ich versuche mir vorzustellen, wie du deinen Geburtstag gefeiert hast, weit weg von mir, in diesem anderen Bundesland, in dem du dich im Moment befindest.

Schon komisch, oder? Wie wir Jahr für Jahr älter werden, wie die Erwartungen anderer Menschen an uns steigen und wir uns doch gar nicht so sehr ändern. Hat man einmal dieses Alter erreicht, in dem wir uns im Augenblick befinden, erwarten die "Erwachsenen" plötzlich, dass sein Leben auf die Reihe kriegt, das man Entscheidungen trifft und für die Konsequenzen einsteht. Nur, weil von einem Tag auf den anderen sich plötzlich eine kleine Ziffer verändert hat. Gleichzeitig trauen sie einem vieles immer noch nicht dazu, obwohl man selbst der Meinung ist, schon längst für dieses und jenes Verantwortung tragen zu können. Alter ist schon eine komische Sache. Ich vergesse auch nach vier Monaten noch immer mal wieder, dass ich schon 22 Jahre alt bin und wenn man mich fragt, will ich immer noch erst 21 sagen. Mein Freund wird dieses Jahr 30. Mehr Lebenserfahrung als ich hat er auf jeden Fall. Trotzdem behaupte ich, mehr davon zu haben als andere 22-Jährige. Alter und Alter, das lässt sich doch einfach nicht vergleichen. Im Endeffekt ist es auch nur eine Zahl.

Du hast in deinem vorletzten Post über meine Entscheidung gesprochen, nach Deutschland zu ziehen und wie schwer es mir gefallen sein muss. Ich war zu dem Zeitpunkt 20 Jahre alt und ich glaube, so viel Gedanken habe ich mir gar nicht darum gemacht. Es stand irgendwann fest und dann habe ich getan, was getan werden musste, und ich glaube, dass ich mir gar nicht die Zeit genommen habe, es als Entscheidung oder gar als schwere Entscheidung wahrzunehmen. Es war einfach etwas, was ich machen wollte, also habe ich es durchgezogen und glücklicherweise hatte ich ja die Hilfe meiner Mitbewohnerin und meiner Ex-Freundin, die mir beide ganz viel beibrachten und zeigten. Meine Mutter war beispielsweise keine große Hilfe, denn sie hat es erst wirklich verstanden, als ich schon fast zur Tür raus war. Aber ich habe es geschafft. Nicht alleine, aber dennoch ist es wohl eine Leistung, auf die ich stolz sein kann. Ausgewandert mit 20 Jahren. Schon krass.

Umziehen. Umziehen ist schon ziemlich schön. Dieses Jahr ziehen Lena und ich ein paar Städte weiter nach Gelsenkirchen, weil uns unsere momentane Wohnung zu teuer und zu groß geworden ist. Ich freue mich jetzt schon darauf. Eine neue Umgebung, eine neue Einrichtung, eine neue Möglichkeit, alles anders zu machen - ich liebe es. Eigentlich glaube und sage ich immer, dass ich kein großer Fan von Veränderungen bin, aber gleichzeitig finde ich es auch total spannend und toll. Und das hier wird definitiv eine positive Veränderung. Ich überlege jetzt schon, wie ich mein Zimmer einrichte, dabei habe ich weder den Mietvertrag noch die Maße unserer Wohnung zur Hand. Aber man kann nie zu spät damit anfangen. Und träumen ist ja sowieso immer erlaubt! Die nächsten Wochen und Monate werde ich sicher ganz viel von meiner neuen Wohnung träumen.

Das schöne Wetter, Entscheidungen, die das Leben besser machen, ein neues, frisches Semester, dem man mit viel Ehrgeiz entgegen blicken kann und die Aussicht auf einen wundervollen Sommer... Da kann es einem nur gut gehen, oder? Zumindest ich bin im Moment unglaublich gut gelaunt, hüpfe nur so durch die Gegend und freue mich unglaublich auf den Sommer. Nicht nur wegen dem Umzug, sondern auch auf die Wochenenden in Karlsruhe bei meinem Freund, auf die Events, die ich besuchen werde, aber auch einfach nur auf die Freistunden auf dem Campus, die man im Sommersemester auf der Wiese verbringen kann. Alles erscheint ein bisschen besser, weniger düster als im Winter, alles ist heller, schöner, die Zukunft wirkt nicht mehr ganz so dunkel. Diese Jahreszeit ist wundervoll, ein Heilmittel gegen jegliche Depressionen.

Ich hab dich lieb, Hanna.

Ines

Mittwoch, 4. April 2018

Schmetterlingswärme

Hay Liebes,
falls du den Post davor noch nicht gesehen hast: Es sind 2.

Gestern und heute waren die ersten beiden warmen Tage dieses Jahres und nun gewittert es. Es blitzt die ganze Zeit und donnert und bietet gerade die beste Stimmung, dir diesen Blogeintrag zu schreiben.
Findest du nicht auch, dass der erste warme Tag im Jahr so eine gewisse Magie hat? An solchen Tagen passieren schlimme Dinge nur selten und wenn doch, dann kommen sie einem gar nicht so schlimm vor. Jeder ist irgendwie besser gelaunt als sonst und wenn man draußen steht und sein Gesicht von der Sonne wärmen lässt, gibt es für einen ganz kurzen Moment nichts, was dich bedrückt.

Heute war außerdem der erste richtige Unitag meines vierten Semesters. Eigentlich war es das schon gestern, aber ich hatte gestern keine Veranstaltungen. Nun bin ich also wieder auf dem Campus, der bei solchem Wetter immer maßlos überfüllt ist und auf dem sich Studenten auf den Fluren drängen, herumirrend ihre Räume suchen oder mit ihren Büchern und Laptops auf den Wiesen sitzen, sodass man sich vorkommt als wäre man direkt in einen amerikanischen Teenagerfilm gefallen. Es ist wieder Leben auf dem Campus eingekehrt und ich liebe das, liebe es mich mittags auf den Mensavorplatz zu setzen, die Sonne auf meinen Haaren zu fühlen und die Leute dabei zu beobachten, wie sie ihrem ganz normalen Tagesgeschehen nachgehen. Oft bin ich selbst zu gestresst dafür aber jetzt gerade, wo die Uni zwar wieder angefangen hat aber auch noch nicht richtig, nehme ich mir nur allzu gern die Zeit dafür.

Am kommenden Samstag feiere ich meinen Geburtstag und ich muss sagen im Großen und Ganzen bin ich ganz zufrieden so, wie es gerade ist. Ich bin 21 und dabei und studiere bisher ein bisschen besser als Regelstudienzeit. Ich habe zwar keinen Kontakt mehr zu Lucy, aber dafür noch immer zu meinem Weib, das schon länger nichtmehr in meiner Nähe wohnt und ich bin sehr stolz darauf, dass es trotzdem für mich klappt, mit ihr weiterhin Kontakt zu halten. Im Grunde bin ich darin nämlich nicht sonderlich gut. Ich umgebe mich immernoch viel mit den Leuten von meinem besonderen Menschen, aber das reicht mir, solange ich Teddy habe - und einen so guten Kontakt zu meinem Cousin, den ich zwar glaube ich noch nie erwähnt habe, der aber, wenn er gerade mal hier ist, wie ein Bruder für mich ist. Es sind wenige Menschen, mit denen ich mich wirklich gern umgebe und ich merke, dass mein Interesse an Menschen im ganz Allgemeinen von Jahr zu Jahr weiter sinkt, aber es reicht mir. Zurzeit reicht es mir. Zurzeit bin ich zufrieden damit.

Ich verbringe meine Zeit jetzt größtenteils damit, Filme oder Serien zu sehen, habe schon ewig nicht richtig gezockt aber wenn ich kann, versuche ich immernoch manchmal ein bisschen kreativ zu sein, zu basteln, mir irgendetwas auszudenken, aber ich merke, dass das schwieriger wird mit der Zeit, die vergeht. Ich erinnere mich noch daran, wie ich früher vor Kreativität nur so übergesprudelt bin und dass sie jetzt immer und immer weniger wird, erfüllt mich mit bedauern. Ich dachte es wäre ein fester Bestandteil meines Charakter, kreativ zu sein, aber vielleicht gehörte es auch nur zu meiner Kindheit. Ich möchte heute, an einem so schönem Tag mit einem so atemberaubenden Gewitter auch nicht trübsal blasen.

Ich denke an dich, Liebes,
lass mal wieder was von dir hören.
Ich hab dich lieb,
Evo

Dienstag, 20. März 2018

Schmetterlingszuflüchte

Hay Liebes,
heute ist Tag 8 nach deinem letzten Post und in 9 Tagen schreibe ich die (hoffentlich) letzte Matheklausur meines Lebens. In 10 Tagen habe ich Geburtstag. Ich werde 21.
Ich weiß nicht, wieso es mir gerade wichtig ist, das für dich aufzuschreiben. Vermutlich möchte ich mich selbst daran erinnern.
21.
...22...23...und du kannst ja gar nicht wissen was du willst.
Ich weiß noch, wie ich vor zwei Jahren einfach jemanden haben wollte, der mit mir tanzt. Eigentlich wollte ich mein ganzes Leben immer jemanden haben, der mit mir tanzt und ich schätze diesen Platz hat lange "mein Weib" eingenommen und jetzt wohnt sie in einer anderen Stadt und sie fehlt mir ganz fürchterlich. Mein besonderer Mensch tanzt auch mit mir, wenn ich das möchte aber dennoch tue ich es kaum.
Vielleicht wollte ich auch immer nur die Chance haben zu tanzen.
Vielleicht kann ich gar nicht wissen, was ich will.
Ist es nicht irgendwie gemein? Einen Großteil der wichtigsten Entscheidungen unseres Leben treffen wir in diesen Jahren. Sie wirken sich auf den weiteren Verlauf immens aus doch dabei können wir gar nicht wissen, was wir wollen.
Wann wissen wir überhaupt, wann wir wissen können, was wir wollen?

Ich kann nicht ermessen, was für eine riesige Entscheidung es für dich gewesen sein muss, so weit wegzuziehen und dich von vielen Menschen und Dingen - mal freiwillig und mal unfreiwillig - loszulösen. Vielleicht werde ich nie zu soetwas im Stande sein. Ich bin mir auf jeden Fall sicher, dass ich dafür jemanden bräuchte, der mich antreibt.
Hast du jemanden, der dich antreibt?

Mein besonderer Mensch hat mich eben noch auf eine andere Frage gebracht.
Du warst damals viel in Dresden und dann in Westdeutschland und ich glaube du kennst generell Menschen, die überall verstreut sind (worauf du echt stolz sein kannst, mal ganz nebenbei gesagt) und ich frage mich gerade, wie du die Überbleibsel und Unterschiede unseres Ost-West-Konfliktes so mitbekommst. Als Österreicherin hast du ja bestimmt eine recht objektive Sichtweise drauf, oder?

Meine Tante ist der einzige Teil meiner Familie, der im Westen wohnt und zu dem wir derzeit Kontakt haben. Mit "wir" meine ich "ich" und es ist schon sehr anders dort, was aber auch daran liegt, dass sie auf dem Dorf wohnt und ich schon immer Stadt gewöhnt war. Ich weiß nicht direkt, wie ich das einordnen kann.

Ich habe einen langen Tag mit sehr viel Mathe und Kopfschmerzen hinter mir und trotzdem fühle ich mich jetzt, da ich angefangen habe in dieses weiße Feld zu tippen wieder voller Ideen und Fragen an dich, aber ich denke, es wäre besser es bei der einen Frage zu belassen und mir die Anderen (obwohl ich sie ganz bestimmt vergesse) für spätere Briefe aufzuheben. Ich habe ehrlich gesagt sofort als ich deinen letzten Brief gelesen habe wieder angefangen zu antworten, weil ich schonwieder Tränen in den Augen hatte beim Lesen und irgendwie bist du der einzige Mensch, der das immer und immer wieder zustande bekommt - Freudentränen von mir einzufordern.
Ich hab von dir gelesen und es ging mir schlagartig besser, selbst nach so einem ermüdenden, unangenehmen Tag.

Und noch was:
Du hattest lange Zeit in deinem Status stehen "Heimat ist ein Begriff, der keinen Plural kennt." und auch wenn das sprachlich vollkommen richtig ist, muss ich dir in anderen Hinsichten mittlerweile widersprechen. Heimat kann vieles sein. Orte, Städte, Menschen .... vor allem verschiedene Menschen zur gleichen Zeit, die sich nicht an ein und demselben Ort aufhalten, das kann ich jetzt ganz sicher sagen.


Du hast mich angezogen, ausgezogen, großgezogen.
Ich feier diese Zeile soo sehr,
weil es nicht das ist,
was man erwartet.
♥

Zu Hause kann alles sein Itsu,
auch ein Brief.

Liebe,
~Evoliette


Montag, 12. März 2018

Schmetterlingszufälle

Dear Hanna.

Es ist schon sehr, sehr spät und eigentlich sollte ich bereits schlafen oder zumindest schlafen gehen, aber weil mich dieser Moment gerade berührt, möchte ich dir gerne hier und jetzt schreiben. Ich habe vor einigen Wochen schon einmal angefangen, hier etwas zu tippen, aber dann war doch nicht der richtige Zeitpunkt dafür. Heute ist er da. Denn heute, gerade vor wenigen Minuten, habe ich diesen Blog hier angeklickt, deinen neuen Post gelesen und du wirst nicht erraten können, was für Musik im Hintergrund gerade lief. [...] Tatsächlich AnnenMayKantereit. Dieser Zufall hat mich so berührt, dass ich es dir jetzt einfach erzählen muss. Allerdings lief nicht Valerie, auch wenn mich das Cover auch unglaublich berührt, sondern Barfuß am Klavier. Dennoch: Wow. Schicksal.


Hanna, du hast mich nach meiner Tante gefragt, und weil es gerade halb 1 Uhr nachts ist, ich in acht Stunden aufstehen muss, es mir nicht gut geht und ich alleine bin, möchte ich dir antworten. Meine Tante hat mich verlassen. Nachdem ich hierher gezogen war, vollkommen abstürzte, nicht mehr wusste, wer ich bin, warum ich bin, als es schlimmer wurde, als sich die ganze Welt einfach nur noch nach Schmer anfühlte, habe ich viele Menschen in meinem Leben vernachlässigt und auch sie zählte darunter. Sie machte einen Schlussstrich und ließ mich seitdem nicht mehr in ihr Leben. Ich habe sie nicht gesehen seitdem, und ich scheue mich davor, ihr gegenüber zu treten. Sie war jahrelang ein fester Bestandteil meines Lebens, meine beste Freundin in den schwersten Zeiten, doch wie das Leben so spielt, wollte sie mich irgendwann nicht mehr. Ich bin auch heute noch oft sehr traurig darüber, aber ich weiß, dass es ihr gut geht, mit ihrem Mann, ihren Katzen, ihren Büchern, und ich versuche, das Beste zu geben, um so stabil zu werden, dass sie mich eines Tages vielleicht wieder in ihr Leben lässt. (Ich bezweifle es im Moment ein wenig.)

Weißt du: Ich glaube, wir alle sind ein wenig durch unsere Familien verstört. Ob es die Genetik ist, die uns Krankheiten, gewisse Veranlagungen, Depressionen mitgibt, oder ob es die Erziehung ist, die uns verkorkst. Meine Familie beispielsweise weicht jedem Streit und jeder Kritik aus. Sie ist gut darin, eine heile Welt vorzuspielen, obwohl hinter der Fassade ganze Universen zusammenbrechen. Ich habe das nahtlos von ihr übernommen. Lieber verdränge und heuchle ich vor, als die Scherben zusammenzukehren und zu kitten, was noch zu kitten ist. Es fällt mir schwer, aus diesem Muster auszubrechen, auch wenn ich es so gut es geht versuche. Doch immerhin habe ich jahrelang in dieser Familie gelebt, bin damit aufgewachsen... Es ist nicht leicht, zu erkennen, dass etwas nicht ganz richtig läuft, wenn man es nicht anders gewohnt ist. Aber ich habe das Gefühl, jetzt, wo ich nicht mehr bei ihnen wohne, es besser zu erkennen. Und ich will es besser machen. So gut es nur geht. Denn ich glaube, wir haben die Wahl. Wir haben immer die Wahl. Und wenn meine Familie mir Kritikunfähigkeit und einen Hang zum Alkoholismus mitgibt, dann werde ich alles dafür tun, nicht dieselben Fehler zu machen wie sie. Ich glaube nicht an Schicksal, ich glaube daran, dass ich mein Leben selbst leiten, selbst in die richtige Richtung schieben kann. Mein Leben gehört mir.

Weißt du, Hanna, ich muss oft an dich denken. Ich liebe es, an dich zu denken, an das Mädchen, das so weit weg von mir ist und doch so nahe. Ich liebe es, dass du irgendwo da draußen ein anderes Leben führst, studierst, aus deinem Fenster hinausblickst und die Autos beobachtest, spazieren gehst, dich mit Freunden triffst, am Leben teilnimmst. Ich liebe es, dass du da draußen bist und lebst, und in schlimmen Momenten tröstet mich dieses Wissen, dass du lebst. Bitte mach weiter damit. Es ist so schön, dich in meinem Leben zu haben. [...] Huch, ich werde sentimental. Ich sollte mich wohl ganz schnell in mein Bett begeben und schlafen, denn morgen ist ein neuer Tage und ich hoffe sehr, dass es mir morgen besser gehen wird. Manchmal hilft Schlafen einfach gegen alles.

Ich hab' dich so furchtbar lieb.

Itsu

Freitag, 9. März 2018

Schmetterlingsfamilie

Hay Itsu,
es ist 2:21 morgens, ich bin ein paar hundert Kilometer von der Adresse entfernt zu der du immer deine wundervollen Briefe geschrieben hast. Ich habe übrigens alle aufgehoben und vor, sie alle in ein Album zu kleben, sobald ich mal Zeit habe, was bestimmt nie vorkommen wird.
Ich habe ein bisschen Alkohol intus und das Bedürfnis, mich dafür bei dir zu entschuldigen aber vor etwa einer halben Stunde saß ich im Wohnzimmer dieses herrlich verwinkelten Hauses, das mein besonderer Mensch lieben würde und habe ganz laut AnneMayKantereit mitgesungen, das ich damals nicht mochte, als ich es von dir gehört habe und langsam erst so richtig lerne zu lieben, auch wenn "lieben" vermutlich etwas übertrieben ist. Es tut mir auch Leid, dass ich so lange gebraucht habe zu erkennen, was du daran liebst. Naja also ich saß da und meinte mich zu erinnern, dass du mir damals erzählt hast, wie gut du dich mit deiner Tante verstehst und wie erwachsen du dabei geklungen hast. Irre ich mich? Es ist schon so verdammt lange her ...

Jedenfalls muss ich unweigerlich an dich denken, liebe süße Itsu, wenn ich diese Musik höre und so war es mir ein Bedürfnis, dir jetzt sofort zu schreiben. Wenn ich dir nicht schreibe, schreibe ich gar nicht mehr.

Erinnerst du dich noch daran, wofür du früher das Internet genutzt hast? Als man noch nicht sämtliche Filme der Welt streamen konnte, als man es noch nicht zum Lernen brauchte und Internet nicht immer und überall verfügbar war. Eigentlich hatte ich mir vorgenommen, während meines Aufenthaltes hier keine Verbindung mit dem Internet aufzubauen und mir meine Ruhe zu nehmen, aber ich hab mein Vorhaben gebrochen und mir für diesen Post das Passwort geben lassen und trotzdem hab ich nicht das Gefühl, meinen Vorsatz gebrochen zu haben. Dir zu schreiben ist für mich immernoch mehr so, als würde ich mit dem Füller auf Papier rumkritzeln, auch wenn ich unterm Strich noch nicht einmal etwas handschriftlich für dich auf Papier verfasst habe, was sträflich ist, wenn ich etwas genauer darüber nachdenke.

Wovon ich dir nun eigentlich erzählen wollte. Was ist aus der Tante eigentlich geworden? Ich hatte meine 8 Jahre meines Lebens nicht gesehen und dann nochmal 4 und nun bin ich hier und habe ein bisschen das Gefühl, sie vermisst zu haben - schonwieder. Und dann, nur weniger Minuten nach diesem Moment mit der AnneMayKantereitMusik fiel mir ein, dass ich von einer Seite meiner Familie Depressionen habe und von der anderen vielleicht irgendwann ein Alkoholproblem und fragte mich, ob mein Leben deshalb schon  irgendwie von Anfang an verwirkt war und ob ich deshalb so Angst davor hatte, irgendwann mal den Großteil meiner Zeit allein mit meinen Kindern zu erbringen, wenn ich älter bin, ohne (m)einen Mann. Ein ziemlich ernüchterner Gedanke.

Hay Itsu, überleg mal wie lange wir uns jetzt schon kennen. Mit genug Liebe und ausreichend Abstand ist aus uns beiden echt was geworden, das viel viel länger lebt als ein Schmetterling.


Oh man ich liebe diesen Song, echt jetzt.
Naja, auf jeden Fall ist es schon irgendwie komisch, was aus Menschen wird, die alles dafür tun, irgendwie für bestimmte Menschen perfekt zu werden. Kannst du dir vorstellen, dass die meisten Leute, die meine Eltern kennen sie um ihre Kinder beneiden? Es ist ja nicht so, alsob ich das nicht mitbekommen würde. Ich frage mich, ob es das ist, was ich die ganze Zeit über bezwecken wollte und ob ich darauf stolz sein sollte, nun kaum noch Stress mit meinen Eltern zu haben und was aus mir geworden wäre, wenn ich einfach so geblieben wäre, wie mich Lucy mochte, oder N. oder all die Menschen, die ich bisher enttäuscht habe, indem ich nicht so war, wie ich hätte sein müssen um sie nicht zu verlassen, oder zumindest besser zu verlassen, als ich es nun letztendlich getan hatte, insofern es tatsächlich irgendwie möglich ist jemanden "auf gute Art und Weise" zu verlassen.

Ich bin eine ziemlich weiter Strecke hierher gefahren mit meinem eigenen Auto und frage mich gerade, wie weit weg du wohl von hier aus gesehen bist. Vielleicht bist du ja ganz nah?
Ich werde jetzt, denke ich, diesen Valerie-Coversong nochmal anstellen, den Laptop zuklappen und noch ne Zeit lang an dich denken, bevor ich heute viel zu spät einschlafe.

Hay,
ich hab dich lieb!
Schlaf gut,
~Evoliette

Dienstag, 2. Januar 2018

Schmetterlingsstress

Hay meine Liebe,

ich weiß es ist ne Weile her aber ich habe beschlossen mir jetzt und hier zwischen dem ganzen Trubel und Stress meines Unilebens eine halbe Stunde Zeit zu nehmen, dir zu schreiben, weil ich mich so wahnsinnig über deinen Blogeintrag gefreut habe (nachdem mich mein Freund mindestens 15 mal daran erinnert hat, das endlich mal zu tun).

Von dir zu lesen, erinnert mich immer daran, dass es mehr gibt. Mehr, für das man eigentlich ja lebt - nicht um Testate in der Uni zu bestehen, nicht um seine Hochschulgruppe zu retten, nicht um Tag für Tag für Tag stundenlang Aufgaben zu erledigen. Man lebt vielmehr dafür, Briefe an Freunde zu schreiben, kreativ zu sein und Geschichten zu erfinden oder mit seinem Freund zu streiten, ob man ein Liebesdrama oder eine trashige Animeserie abends im Fernsehen schauen möchte.
Zurzeit ist es manchmal schwer, das eigentliche Leben, das eigentliche Ziel nicht aus den Augen zu verlieren, obwohl meine zahlreichen Teilziele eigentlich genau darauf ausgelegt sind.

Ich versuche seit Monaten einen Termin zu finden, an dem ich mit einem guten Kumpel ins Kino gehen kann, weil wir das jedes so machen - außer letztes Jahr - denn wir haben keinen finden können. Nun versuche ich ihn zu überreden, mit mir Pitch Perfect 3 zu gucken. Außerdem habe ich eben ein Ticket für den Flixbus gekauft um am Freitag Lika in Braunschweig zu besuchen. Das wird sicherlich großartig. Es gibt einfach Menschen, die das Leben immer schöner machen können, auch wenn gerade alles etwas drunter und drüber geht.

Ich weiß nicht, ob ich meinen Blog jemals wieder anrühren werde. Aber vermutlich wäre es nur fair, dir etwas von meinem 2017 zu erzählen, in dem ich nun keinen einzigen Blogeintrag verfasst habe. Nunja also:
2017 war das Jahr, in dem die Leute angefangen haben in Fünferreihen auf unserer großen Kreuzung zu parken. Es war auch das Jahr, in dem ich anfing, sie dabei zu beobachten weil ich nämlich jetzt das Zimmer an der Kreuzung habe - das Zimmer meines Bruders. Es fühlt sich anders an hier drinnen, wohnlicher, privater, auch wenn meine Mum heute schonwieder vier mal reingekommen ist, um mich daran zu erinnern, das ich meine Jacken in den Schrank räumen sollte und manchmal ist das anstrengend aber die meiste Zeit über vergesse ich, dass ich gar nicht allein wohne.

2017 war auch das erste Jahr, in dem ich ein Testat verkackt habe, weil ich es wirklich nicht konnte, was eine vollkommen neue Erfahrung für mich war und mich seitdem wurmt. Ich weiß, es ist eigentlich lächerlich aber wenn man in seinem Leben immer schafft, was man sich vornimmt gewöhnt man sich irgendwann sehr daran. Und eigentlich möchte ich mich auch gar nicht umgewöhnen müssen.

Das letzte Jahr hat sich für mich angefühlt wie ein Jahr - nicht länger und nicht kürzer. Ich hatte einen angenehmen Sommer und abgesehen von ein paar Stolpertsteinen wie diesem Testat liebe ich mein Studium nach wie vor, sonst würde ich schließlich auch nicht freiwillig soviel Zeit da reinstecken. Ich bin nachwievor engagiert, auch wenn mir das Singen fehlt und manchmal vermisse ich noch mein altes, bequemes, sicheres Leben aber hey, auch das geht dann wieder vorbei und auch wenn alles ständig im Wandel ist, Dinge sich ändern und wieder ändern, so bist da immer du, die jetzt schon so viele Jahre an meiner Seite ist auch wenn ich mit monatelang nicht melde und glaub mir, ich weiß das unheimlich doll zu schätzen.

ich glaube mit diesen Worten schließe ich meinen Blogpost und gebe dir noch ein Lied mit, das ich durch meinen Freund kennengelernt habe. Vielleicht gefällt es dir. Vielleicht auch nicht. (:

I'm not the flame and you are defrost
let me explode
let me burst
let me 
shout
♥

Fühl dich ganz fest gedrückt und - ach ja! Fest vergessen!
Happy Birthday! ♥

~Evo

Sonntag, 3. Dezember 2017

Atmen

Dear Hanna.

Ein Jahr und länger ist es jetzt her, dass du deinen letzten Post auf "Evoliette" veröffentlicht hast. Ein Jahr, in welchem ich nichts von deinem Leben gelesen habe, mal abgesehen von deinen "Dear Mary Sue" Posts hier, die mich halb zum Weinen brachten vor Freude, die mich glücklich machten in sehr, sehr dunklen Momenten, in denen ich genau das gebraucht habe. Verrückt, wie schnell die Zeit vergeht, nicht wahr? Ein Jahr. Kaum zu glauben, dass jetzt wieder Schnee liegt, dass Adventszeit ist, ich jeden Tag ein Türchen öffnen kann, Weihnachten entgegen fiebere. Es ist Adventszeit... Manche denken in dieser Zeit an ihre Familien, ich denke an dich.

Ich weiß nicht, ob ich sagen kann, dass es mir gut geht. Gerade geht es mir gut. Gerade fahre ich von Karlsruhe nach Hause, hatte ein wunderschönes Wochenende mit meinem Freund und bin motiviert, gut drauf, ja, vielleicht sogar glücklich. Ich weiß aber auch, dass es Tage gibt, an denen ich diese Art von Gefühlen nicht nachvollziehen kann, an denen es mir alles andere als gut geht und ich fürchte diese Tage, diese Tage, an denen Nacht in meinem Herzen ist und ich nicht so fliegen kann, wie ich es gerne tun würde. Ich habe immer Angst vor diesen Tagen.

Ich schreibe nicht mehr viel, mal abgesehen von einigen Rollenspielen. Ich versuche es ab und an, aber mir fehlen die zündenden Ideen, die Ausdauer, die Zeit und Lust, mich hinzusetzen und einfach mal Seiten um Seiten zu füllen. Manchmal schaffe ich es, ein oder zwei Seiten zu schreiben, bei der Geschichte um Hanna und Thea, die in La Push landen, zum Beispiel, aber es ist nicht mehr so wie früher, wo die Worte einfach geflossen sind wie Honig. Ich werde erwachsen, ist es das? In ein paar Wochen werde ich 22 Jahre alt. Ich habe eine Wohnung, ein Studium, Arbeit, eine Beziehung. Fühlt sich alles schon sehr erwachsen an. Ich meine, ich hole Preisvorschläge für Laminat ein. Krass.

Leben macht manchmal müde... Erwachsen sein macht müde... Diese Routine, die es mit sich bringt, das Studium, für das man aufsteht, die Routine in der Arbeit, den Haushalt zu schmeißen, die Zeit, die man in eine Fernbeziehung investiert, den Rest der Zeit so zu koordinieren, um auch andere Freunde nicht komplett vor den Kopf zu stoßen... Leben ist anstrengend, aber irgendwie liebe ich es so sehr. Ich atme... Ich atme momentan gerne, und das ist das Beste, was ich gerade schreiben kann, für mich, dass ich momentan gerne atme, nicht damit aufhören möchte. Worte bringen mich momentan kaum zum Schweben, zum Fliegen, ich versuche wieder mehr zu lesen, ich schreibe meinen Blog (hey, siehst du, wie lange ich ihn schon führe, nach all den Jahren, in denen ich das nicht geschafft habe?), aber es geht nichts anderes über Musik. Musik ist das, was mich momentan am meisten zum Fliegen bringt, kennst du das Gefühl? Einfach die richtige Musik und dann schwebt man. Vielleicht wurde die Tinte aus meinen Flügeln gesaugt, vielleicht ist sie weg, oder sie ist begraben, ich weiß es nicht... Aber ich atme immer noch, und ich denke immer noch an dich. So oft!

Liebe Hanna, ich hoffe, dass auch du Freude hast am Atmen und am Leben. Am Erwachsenwerden, so anstrengend und ermüdend es manchmal auch sein kann. Schreib mir mal wieder, schlag ein wenig mit deinen eigenen Tintenflügeln, vielleicht geben auch meine dann mal wieder etwas von sich. Bis dahin wünsche ich dir eine wunderschöne Adventszeit und Weihnachten mit deinen Liebsten. Ich denke auch weiterhin an dich.

Ines

Dienstag, 13. Juni 2017

Dear Mary Sue IV

Hay Liebes,

ich schreibe dir, weil ich zurzeit versuche, regelmäßig deinen Blog zu lesen (damit ich nicht wieder soviel auf einmal verpasse) und weil ich eben deine letzten zwei Blogeinträge gelesen habe und weil ich gelesen habe, dass es dir immernoch nicht wirklich gut geht.

Du bist derzeit der einzige Mensch, dem ich schreibe. (chatten zählt nicht, ich meine schreiben - SCHREIBEN) Ich habe aufgehört mein Leben in meinem Blog festzuhalten als der größte Teil meines normalen Lebens ein Ende nahm und jetzt sitze ich hier in der Vorlesung und studiere.

Ich habe mein Leben so voll gepackt(wie immer), dass ich nicht dazu komme, mir über meine zwischenmenschlichen Beziehungen großartig Gedanken zu machen und mal abgesehen von ein paar kleineren Rückfällen ab und an mitten in der Nacht nachdem ich mit Teddy geschrieben habe oder wenn ich gerade unter Alkoholeinfluss stehe, klappt das ganz gut.
Ich komme deshalb anderen Menschen kalt vor.

Zurzeit studiere ich und sehe einen merkwürdig beruhigenden Rhythmus darin. Wir bekommen Aufgaben, die wir sieben Tage später abgeben müssen und wir arbeiten und arbeiten bis zu den nächsten Prüfungen und dann arbeiten wir wieder und dann kommen wieder die nächsten Prüfungen und das wird noch mindestens vier Semester für mich so gehen und ich weiß, dass mir solange nichts passiert. Ich muss einfach leben und lernen, Aufgaben machen und studieren und ich weiß, dass solange ich das tue einfach alles konstant bleibt. Das hilft.

In viert Tagen heiratet AE. Ich hab ihn seit meinem Abiball nicht mehr gesehen, der ironischerweise auf den Tag genau ein Jahr vor seiner Hochzeit war, wenn ich gerade so darüber nachdenke. Früher habe ich ihn jeden Tag gesehen und jetzt hat er mit meinem Leben absolut nichts mehr zu tun und auch wenn ich ab und an an diese Hochzeit denken muss (daran, wie weit entfernt das alles für mich ist und wie ich damals reagiert habe, als ich davon erfuhr, dass sie verlobt waren) finde ich es erstaunlich, wie wenig mich all das noch trifft. Auch das Lucy Probleme hat. Oder wie einsam manche Leute sind.

Emmanuel habe ich vor ein paar Wochen das erste Mal seit meinem Abiball wieder gesehen und er hat sich so verändert. Im Grunde genommen sah er für mich genauso aus, wie damals als ich ihn kennengelernt hatte. Nichts als eine Maske. Aber vielleicht geht es ihm gut so. Und irgendwie ist es mir auch egal und manchmal macht es mich traurig.

Worauf ich hinaus will:
Es geht dir immernoch nicht gut, Itsu. Und ich lese, dass du dich mit deiner Mitbewohnerin streitest, mit der du dich doch früher so gut verstanden hast und ich lese, dass es für dich ein Kontra ist wieder näher an Österreich heranzuziehen, wo deine Familie wohnt. Ich hingegen wohnte mein ganzes Leben in ein und derselben Stadt und komme kaum raus und selbst ich habe es geschafft mich - vollständig unabsichtlich - von allem zu trennen, was in meiner Vergangenheit lag. Das passiert einfach. Es passiert von ganz allein.
Vielleicht ist das Zusammenwohnen gar nicht schuld daran, dass du und Lena euch streitet, vielleicht hättet ihr euch auch auseinandergelebt wenn ich ganz lange nichts zutun gehabt hättet oder ihr hättet euch gestritten und vielleicht (oder besser - vermutlich!) würdest du es auch schaffen den Kontankt zu deiner Familie so loose zu halten wie du möchtest, wenn du in Örsterreich wohnen würdest.

Du bist niemandem etwas schuldig.

Ich glaube ich habe es dir in meinem letzten Post schonmal geschrieben aber wenn es Menschnen schlecht geht, wenn sie Depressionen haben oder sich umbringen wollen, dann haben sie immernoch Depressionen, wollen sich umbringen und es geht ihnen schlecht, wenn du nicht mehr bei ihnen bist - wenn du dich nicht mehr kümmerst.
Du bist nicht Schuld am Elend der Welt aber genausowenig kannst du etwas dagegen tun, dass es dieses Elend gibt.
Es tut mir Leid, dass es dir immernoch nicht wieder besser geht, Liebes. Ich mache mir von hier aus wirklich Sorgen um dich. Ich wünsche dir, dass du bald wieder ein bisschen Licht siehst. Licht von dir, nicht von Sofa oder von irgendwelchen anderen Menschen, Licht, das aus dir herausstrahlt.
Weil du das nämlich allein schaffen kannst! (Glaub mir)

Und vielleicht solltest du auch einfach nur studieren.
Ich hab dich sehr lieb.

Pass auf dich auf bis zum nächsten Post.
~Evoliette

Freitag, 28. April 2017

Dear Mary Sue II + III

So before I save someone else, I’ve got to save myself 

So Liebes, hier bin ich wieder.
Das Lied hab ich aus offensichtlichen Gründen angehangen. Es passt zu dir, denn es gibt eine Sache, die ich dir gern in dein hübsches Lockenköpfchen hämmern würde, damit sie sich dort festpflanzt und bei Zeiten nicht mehr verloren geht:
Es ist nicht an dir, andere Menschen zu retten.
Wirklich nicht. So sehr du dich um Menschen sorgst, so sehr du dich kümmerst, so sehr sollte es bei dir an erste Stelle stehen, dich um dich selbst zu kümmern. Damit will ich nicht sagen, dass es eine gute Idee wäre, nur noch das zu machen, was du willst, aber ich denke ein spontanes Wochenende bei Menschen, die du liebst ist schonmal ein guter Anfang und ich hoffe, du lässt es nicht zu, dass dir das andere Leute wieder schlecht reden.

Ich habe eine Freundin, deren erster Freund ebenfalls krank war, ebenfalls Medikamente nahm, ebenfalls offene Selbstmordgedanken hatte. Seine Therapie hatte er, so wie ich das verstanden hatte, irgendwann abgebrochen, Sie hat versucht ihn zu retten und als sie feststellte, dass das nicht in ihrer Macht lag ohne selbst daran zu zerbrechen beschloss sie, sich von ihm zu trennen. Es geht einfach nicht, dass man von Menschen (egal absichtlich oder unabsichtlich, aus Krankheitsgründen oder bei vollkommener Gesundheit) als Spielball behandelt wird. "Sei für mich da und dann stoß ich dich wieder weg." Bei meiner Freundin ging es schließlich so weit, dass er ihr eintrichterte, wenn sie ihn verlässt, dann bricht er sich um.

Ich hoffe einfach, dass du dich von nichts und niemanden in so eine Lage drängen lässt. Wer solche Gedanken hat, wem es so schlecht geht, dem geht es schlecht und der wird diese Gedanken auch haben, egal ob du dich in ihrem/seinem Leben befindest oder nicht, egal ob du dich um sie kümmerst oder nicht. Diese Menschen haben ein Problem mit sich selbst, dass sie nur aus eigener Kraft lösen können.
So wie du dich auch nur selbst schützen, selbst retten kannst.
So wie wir uns alle nur selbst retten können.
Vielleicht ist der beste Weg dahin, einige Kontakte zu kappen, vielleicht wäre es das Beste, alles hinter sich zu lassen. Vielleicht wäre es die Entscheidung, monogam zu sein ... oder einfach eine Weile allein. Niemand kann dir sagen, was du zu tun oder zu lassen hast. Es gibt keine allgemeingültige Lösung für alle Probleme. Man stößt im Leben immer Menschen vor den Kopf, verletzt sie - verlässt sie. Aber ruf dir auch ins Gedächtnis, das die Entscheidung FÜR einen Menschen, nicht zwingend auch die Entscheidung GEGEN einen anderen ist, sondern dass die Menschen, die dir soetwas vorwerfen, das für sich selbst so aufnehmen. Es sind sie, die dir die Ultimaten stellen und damit auch sie, die es zu einer persönlichen Sache machen, wenn du eine Entscheidung triffst.
Es ist nicht deine Schuld.
Du kannst nicht immer Entscheidungen ausweichen. Du kannst nicht auf alle Rücksicht nehmen aber bitte, Liebes: Nimm Rücksicht auf dich.
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Ines,
erinnert du dich noch daran, dass wir früher immer Rollenspiele schreiben wollten, in denen alle verfügbaren männlichen (und meistens sehr sehr tollen) Charaktere auf ein und das selbe Mädchen standen? Oder höchstens mal auf zwei? Möglichst zeitgleich, damit es etwas Drama gab? Damit im Rollenspiel dann auch etwas PASSIERTE.
Ich sehe die Verwirklichung unserer Rollenspiele, allerdings nicht in einer Geschichte, sondern in deinem Leben zurzeit wieder.

Einen Tag schreibst du darüber, dass du dir nur wünschst, für irgendjemanden eine Nummer 1 zu sein, der für dich auch eine Nummer 1 ist. Einen Monat später, hattest du gleich zwei Menschen, auf die das zutraf.
Und trotzdem ging es dir damit nicht gut. 

Unsere Rollenspiele sorgten dafür, dass immer irgendjemand irgendwo Sex hatte (oder zumindest ein Date) während sich andere stritten und es wieder anderen schlecht ging. So läuft das eben, bei so vielen Beziehungssträngen. Schon in Rollenspielen war es manchmal schwierig, überhaupt noch den Überblick zu halten und ich will mir nicht vorstellen wie es ist, wenn man das in echt durchmacht.
Aber hey. Du bist dieses Mädchen. 
Ich lese in deinem Blog sehr viel davon, dass du dich außen vor - dass du dich allein fühlst - überflüssig. Andererseits lese ich von so vielen Leuten, denen du den Kopf verdrehst. Alina, Marudor, Sofa um ein paar Namen zu nennen. Es sind noch mehr.
Du hast nur so viele Probleme mit ihnen, weil du ihnen nicht egal bist. Sie lieben dich und sie hassen dich weil sie etwas für dich empfinden ... und nicht nur irgendetwas, Du machst dich manchmal selbst so klein und denkst, dass sie dich eher in ihrem leben "dulden", dass du nur darin bist, weil du so unbedingt darin bleiben möchtest, weil du dich "aufdrängst" und eigentlich bist du ja unwichtig.
Dabei siehst du gar nicht, dass du diese ganzen Probleme und scheiß Gefühle nur hast, weil sie so stark für dich empfinden. 
Die bist das Mädchen, dass sie lieben. Aus einem Grund. Aus vielen Gründen. Du bist absolut liebenswert, Itsu Wenn du das siehst, dann hast du den Sinn von meinen Blogposts hier erfasst.

Ich bin nicht dafür da, dir irgendwelche Vorschriften zu machen, dir zu sagen "das und das machst du falsch" und "das und das solltest du machen". Ich bin dafür da, als stiller Mitleser an deinem Leben teil zu nehmen, dir meine Eindrücke dazu zu vermitteln, da zu sein, wenn du mich brauchst (was ich in den letzten Monaten nicht war und das tut mir Leid) und irgendwie bin ich auch dazu da, auf dich ein bisschen aufpassen.

Aber in erster Linie musst du auf dich selbst aufpassen.
Bis dahin alles Liebe,

~Evoliette

Donnerstag, 27. April 2017

Dear Mary Sue I

Hay Itsu,
wie du weißt, ich habe die Zeit seit meinen Semesterferien damit verbracht deinen Blog zu lesen.

Komplett.

Und das meine ich so. Ich habe alles gelesen - von Anfang an - auch das, was ich schon kannte, einfach um nochmal alle Anfänge zu wissen, Zusammenhänge und vor allem: Namen, Namen über Namen. Meine Laptop zeigt mir an, dass ich noch Akku habe für zwei Stunden, die Vorlesung geht noch 60 Minuten, also los:

Dinge, die an Itsuka alias Ines alias Pandakatze absolut wundervoll sind:


1) sich kümmern
Diese Seite heißt Dear Mary Sue und kam damals zu Stande, als mein Kontakt zu Tabea abbrach aber ich weiß gar nicht, ob du dich noch daran erinnerst, mit was das damals alles zusammenhingt. Einer der Gründe damals war Michelle, die mit ihren öffentlichen Selbstmordgedanken und dem ständigen hin und her "ich bin Schuld" und "es liegt an allen anderen und die ganze Welt ist eben kacke" alle, die sich davon beeindrucken ließen dermaßen in ihren Bann zog, dass sie anfingen sich um sie zu kümmern und das, was in diesem Fall nicht so wichtig, nicht so problematisch, dramatisch war, vernachlässigten.
Ines, du kümmerst dich.
Ich habe von all deinen Problemen gelesen, was dich aufgemuntert und vor allem: was dich runtergezogen hat innerhalb des letzten Jahres und das Meiste davon, hatte irgendwie (mal direkt, mal indirekt) damit zutun, dass du dich um Menschen sorgst. Vor allem um Marudor, der scheinbar wirklich Hilfe braucht, aber letztendlich bürdest du dir all das auf, weil du dich kümmerst. Michelle und ihr ganzes Drama ging mir damals ehrlich am Arsch vorbei und ich bin jemand, der generell nicht viel auf andere Menschen gibt, im Grunde genommen mag ich sie ja überhaupt nicht. Aber dir sind Menschen nicht egal. Du hast Mitgefühl in einem unglaublichen Ausmaß und du kümmerst dich um andere, selbst wenn du dich eigentlich um dich selbst kümmern solltest und das ist, egal wie egoistisch du dich manchmal fühlen magst, selbstlos und aufopferungsvoll.

2) da sein
Ich habe mich damals wirklich im Stich gelassen gefühlt. Du hingegen bist eine der wenigen Menschen in meinem Leben, die  bleiben, einfach IMMER bleiben. Du hast viel zu tun und ich auch aber ich kann darauf zählen:
Du bist (m)eine Konstante.
Ich habe seit letzten Jahr September gemerkt, wie schnell Menschen, die an als Freunde betrachtet hat, die an deiner Seite waren über Jahre einfach verschwinden. Ich habe Konstanten wie dich schätzen gelernt, denn genau das bist du. Du bist einfach da. Manchmal ist da sein alles, was man tun kann aber manchmal ist da sein auch das Einzige was man braucht. Egal wie oft du deine Blogs wechselst und umgestaltet, egal wie wuselig es in deinem Inneren immer aussieht, wie oft du deine Meinung änderst und sie wieder änderst, für mich bist du da. Du bist einfach da und für mich ist das absolut fantastisch.

3) lieben
Ich glaube ich habe in der langen Zeit, die wir nun keinen Kontakt hatten bestimmt 5 oder 6 Mal (oder öfter?) einfach mal ein Herzchen bekommen, oder eine virtuelle Umarmung, einfach etwas, das mir sagt, dass du mich lieb hast.
Du liebst.
Du liebst unglaublich doll und unglaublich viel und das ist zwar einer der Dinge, die dir zurzeit so viele Probleme bereiten, aber es ist etwas, worauf du so stolz sein kannst. Wenige Menschen sind dazu im Stande jemand anderem bedingungslose Liebe entgegen zu bringen. Ich sehe es an meiner Lucy und ich sehe es an N. und an vielen, vielen anderen Menschen. Sie lieben unter Vorbehalt. Du liebst einfach. Du lernst Menschen kennen und verknallst dich, du schließt sie in dein Herz und lässt sie nicht mehr gehen und auch wenn dir das ab und zu weh tut, auch wenn es dich quält und dich zu Boden wirft, du schaffst es, dir die Liebe in deinem Herzen zu bewahren und dich nicht gegen sie zu stellen. Du wirst niemals zu einer grummligen, alten Katzenoma werden. Ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass es irgendwann mal eine Zeit gibt, in der du niemanden liebst.
Und irgendetwas von dem, was man gibt, kommt immer zurück.

4) schreiben
Itsu, ich habe deinen Blog gelesen wie ein gutes Buch. Ich habe gemerkt, wie ich in der Vorlesung saß und wenn sie vorbei war, wie aus einem Trau gerissen wurde als ich den Laptop schließen musste und aufhörte zu lesen. Es ist wie dieser Moment, wenn man in einem Buch gefangen ist und sich komplett in der Geschichte verliert. Ich war in der Welt denn:
Du hast die Fähigkeit mit Worten, Welten zu erschaffen, aus denen man gar nicht mehr raus will.
Darüber haben wir uns kennen gelernt, über Worte. Diese Worte halten diesen Blog aufrecht, sie stützen unsere Beziehung und verbinden unsere Flügel zu etwas, was wirklich flugfähig ist. Du schreibst so unfassbar gut und du machst Menschen damit glücklich - völlig fremde Menschen, die versehendlich auf deiner FF-Seite landen aber auch Bekannte, wie mich, die sich Posts von dir immer und immer wieder durchlesen könnten, einfach weil sie toll sind - weil du toll bist! Das Schreiben ist toll an dir.

5) spontan sein
Ich habe in deinem Blog sehr sehr oft gelesen "und dann bin ich nach "XYZ" gefahren", "und dann fuhr ich zu ... nach ..." einfach so. Und dann bist du für sie da oder andersherum: lässt dich von ihnen trösten, aufbauen und schläfst bei ihnen oder in einem Hotel ohne mit der Wimper zu zucken.
Weißt du, dass ich bestimmt an einer Hand abzählen könnte, wie oft ich Magdeburg ohne meine Eltern mal verlassen habe? Ich habe noch nie ein Hotelzimmer bestellt und wenn ich mal mit dem Zug irgendwohin fahre, bestelle ich das Ticket Wochen vorher aus Angst, ich könnte irgendwo im Nirgendwo landen. Du fährst weg. bringst stundenlange Zugfahrten hinter dich als wäre es nichts ohne jegliche Vorbereitung getroffen zu haben. Du verabredest dich mit Leuten in anderen Städten, die du noch nie gesehen hast und bist bei all dem so unglaublich selbstständig und immer wieder so spontan, dass man echt neidisch werden könnte.
Du bist spontan.
Und egal wie oft du denkst, du gehst Leuten auf den Keks, das ist eine Eigenschaft, die dich umgänglich macht und auf jeden Fall alles andere als anstrengend.

6) sich einbringen
Du bist während der Zeit, in der wir uns kennen der SMJG beigetreten und  bist darin nicht nur aufgeblüht sondern hast dich auch sofort eingebracht. Du bringt dich in Schreibprojekte ein, nimmst an Events teil. Du gehst raus. Klar, am liebsten kuschelst du dich bei deinen geliebten Menschen oder einfach zu Hause irgendwo ein und "flauschst" Menschen oder Ivo oder wirst "geflauscht". Aber du scheust dich nicht, auf Menschen zu zugehen. Du bist kommunikativ, dir fällt es nicht schwer, Kontakte zu knüpfen und:
Irgendwie schaffst du es immer, teilzunehmen, dich einzubringen.
Du nimmst am Leben teil und siehst nicht nur zu, statt dessen reist du herum, siehst was von der Welt, triffst Menschen und wieder neue Menschen und erlebst Dinge. Du bist nicht nur Zuschauer deines Lebens, egal wie machtlos du dich manchmal fühlst. Das führt mich gleich zu Punkt 7:

7) mutig sein
Ines, du hast den Mut aufgebracht, deine Beziehung zu Andre nach JAHREN zu beenden. Du hast die Kraft, dich von Menschen loszureißen, die nicht gut für dich sind (auch wenn du vielleicht meistens noch zu lange brauchst um sie von denen, die gut für dich sind zu unterscheiden). Du bist nicht nur in eine andere Stadt, sondern gleich in ein anderen Land umgezogen, aus eigenem Antrieb, aus eigener Entschlossenheit. Du bist unsagbar mutig. Du hast schon so viel geschafft. Du bist selbstständig und auch wenn du es dir selbst nicht zutraust, du kommt allein klar. Du hast schon so viel geschafft in deinem Leben, wieso sollten die nächsten Herausforderungen nun plötzlich zu hoch sein?
Du bist zwar ein lockenköpfiges, kleines, knuffiges Ding aber du bist stark und mutig und es gibt Menschen, die zu dir aufsehen.
Ich zum Beispiel.

Jetzt ist meine Vorlesung erstmal vorbei und ich werde in die Mensa gehen um was zu essen und danach muss ich wieder Uniübungen machen aber ich werde schreiben, sobald ich wieder Zeit finde.
Vergiss niemals wieder wie toll du eigentlich bist!
(und fühl dich ganz doll geherzt)

~Evoliette
(mannomann tut es gut, das mal wieder in ein Fenster zu tippen)

Montag, 19. September 2016

(Not) supposed to be a butterfly

Hay Itsu,
es ist bei mir gerade 23:23 und ich bin eben erst nach Hause gekommen. Morgen muss ich um 9 an der Uni sein und das heißt vor 7 aufstehen aber ich bin viel zu aufgekratzt um jetzt schlafen zu gehen und so kommt es, dass ich dir schreibe, dann du weißt ja If I don't write to empty my mind, I go mad.
Wobei 'mad' gar kein Ausdruck ist.
Heute war mein erster Tag an der Uni und bevor ich jetzt von irgendetwas anderem und eigentlich viel wichtigerem anfange möchte ich dir den letzten Eindruck erzählen, den ich eben mitgenommen habe bevor ich losgefahren bin - die Unibibliothek bei Nacht.
Ich weiß es klingt vermutlich ziemlich kitschig aber unsere Unibibo ist verglast zum größten Teil und die FIN (Fakultät für Informatik) liegt direkt nebenan. Als ich eben mitten in der Nacht aus dem Gebäude kam und einen silbern beleuchteten Kristallpalast mit lauter Büchern vor mir hatte, musste ich einen Moment innehalten. Man sieht Dinge nur ein einziges Mal zum allerersten Mal und diesen Moment möchte ich mir einfach auf diesem Blog festhalten. Weil es wunderschön war.

Nun zur Realität.
Die Menschen in meinem Vorkurs sind zum größten Teil sehr still, was daran liegen könnte, dass sie Informatiker werden wollen aber auch daran, dass es der erste Tag war und Einige vielleicht einfach ein bisschen Zeit brauchen um aus sich raus zu kommen. Außerdem ist die ruhige Atmosphäre ganz gut zum Lernen und ich werde es spätestens wieder vermissen, wenn ich in einem überfüllten Hörsaal sitze.
Außerdem musste ich heute das erste Mal seit Jahren wieder Kopfrechnen, was etwas anstrengend ist wenn man so ein Taschenrechnermensch ist wie ich, aber am Ende des Tages ging es dann doch recht schnell und somit denke ich, dass die Zeit dieses kleine Problemchen in naher Zukunft lösen wird.
Außerdem war heute Abend unsere erste Gruppenaktivität - Spieleabend. So richtig mit Brettspielen und so. Es war ein bisschen so, wie ich es mir vorgestellt hatte und ein bisschen auch nicht. Es war ganz unterhaltsam.

Die besten Momente sind jedoch die, in denen die Mentoren (also Studierende höherer Semester) immer anfangen mit "Wir sind Informatiker ..." und generell einem dieses "wir" so präsentiert wird, denn ein "wir" gab es bei mir vorher nie wirklich seit dem ich mit sechs Jahren eingeschult wurde und jetzt versucht man das Gefühl vermittelt zu bekommen, dazu zu gehören und das ist irgendwie ziemlich ungewohnt aber auch ziemlich angenehm, weil es auch egal ist ob man dabei mit Menschen gleichgesetzt wird, die allgemein hin als 'Nerds' bezeichnet werden, die merkwürdig aussehen, Sadisten sind, Satanisten oder Masochisten (wobei ich tatsächlich innerhalb eines Abends alles einmal kennen gelernt habe). Interessant sind sie auf jeden Fall, diese Menschen und mal gucken wer so hängen bleiben wird nach den Einführungswochen.

Und ich bin auf dem Unicampus meinem besonderen Menschen über den Weg gelaufen. (Eigentlich habe ich vermutlich nicht das Recht dazu, ihn 'mein' besonderer Mensch zu nennen. An sich haben wir zurzeit nicht viel miteinander zu tun und Besitzansprüche habe ich schon gar nicht - auch wenn ich mir das immer wieder ins Gedächtnis rufen muss.) Dass ich ihn an der Uni sehen würde wusste ich. Es lässt sich nunmal auch nicht vermeiden wenn er dort wohnt und seine Fakultät von meiner nicht weit entfernt ist. Obwohl ich es also genau wusste, hat das nichts daran geändert, dass mein Herzschlag eine Schocksekunde ausgesetzt hat nur um danach verrückt zu spielen und ich erst sauer, dann glücklich und dann einfach nur noch traurig geworden bin.

N. hat mir schon geraten zum Arzt zu gehen, weil ich in letzter Zeit einfach ständig traurig bin und das immer häufiger und mittlerweile auch schon über einen längeren Zeitraum aber das kommt für mich wohl nicht in Frage. Ich habe viel mit ihm darüber geredet in letzter Zeit aber wirklich etwas an der Tatsache geändert hat es natürlich nicht.

Naja, morgen geht es mit der Gruppe bowlen. Ich bin fürchterlich schlecht im bowlen aber ich hoffe, ich kann mich zu den wenigen gesprächigen Menschen gesellen, denn die Kommunikation brauche ich und dann wird es vielleicht wieder so angenehm wie heute und ein bisschen freu ich mich auch drauf - sogar auf Mathe. (Oh Mann, so weit ist es mit mir schon gekommen. :D) Und einer meiner Mitstudenten hat heute einen Satz gesagt, der irgendwie hängen geblieben ist, auch wenn er spaßig gemeint war.

Der muss geschont werden für die Realität.

Es wird sich erst noch herausstellen, was von dem was jetzt passiert und was passieren wird so gewollt ist.
Vielleicht bin ich einfach (nicht) dazu gemacht, ein richtiger flugfähiger Schmetterling zu sein.
Und mit diesen zugegebenermaßen bedrückenden Worten entlasse ich dich in den Rest deines Tages. Tut mir Leid, dass ich in letzter Zeit immer so traurig bin.

Ich hoffe dir geht es besser, Liebes.
~Evoliette

Donnerstag, 15. September 2016

Kampfesmüder Schmetterling

Dear Hanna.

Ich habe ein Bild mit einem Spruch gefunden, der mich irgendwie an alles erinnert hat. An das Leben. Daran, dass man häufig vergisst, dass diese Welt nicht immer nur aus Drama und Kampf bestehen muss, nicht immer aus Versuchen, das Beste zu machen und das Richtige zu tun. Eigentlich sollte die Welt gar nicht so sein. Klar, so ganz ohne jedes bisschen Streit, Diskussion und Entscheidungen wäre das Leben langweilig und vermutlich nicht mehr ganz lebenswert. Doch wir vergessen manchmal, dass wir die Wahl haben zwischen Kämpfen und sagen: Okay. Okay. Ist gut. Dann geh halt, oder dann geh ich halt, denn ich muss nicht ständig kämpfen, muss mich nicht ständig anstrengen, ich darf auch mal sagen, nein. Ich darf auch mal einfach was tun, ohne dass es nachzuvollziehen ist. Ich bin niemandem Rechenschaft schuldig. Und ich tu, was ich tun will, egal, wie sehr mich 2 Drittel der Menschheit dafür hassen werden.


Manchmal vergessen wir, dass die richtigen Menschen vielleicht gerade die sind, die wir kaum bemerken, weil sie wie selbstverständlich sind. Das sind vielleicht die, um die wir uns weniger Sorgen machen, die, die nicht immer meckern, sondern auch mal sagen: Ist gut. Hier hast du ein Bonbon. Verstehst du? Verstehst du, was ich meine? Manchmal ist man das ewige Kämpfen vielleicht einfach leid, will alles auf Status Quo zurücksetzen und sich ein Weilchen zurücklehnen. Und einfach sein. Wer man sein will, wer man ist - ohne, dass andere es immer beurteilen, einen einschränken, beschützen, oder sonst was wollen. Einfach man selbst. Ohne Kompromisse. [Muss schön sein.]

Hab dich lieb.

Ines

Donnerstag, 8. September 2016

Schmetterlingszukünfte

Hay Liebes, ich bins wieder.
Weißt du ich habe heute ein Zitat gelesen:

"If I don't write to empty my mind, I go mad."
~Lord Byron

Und dabei an dich gedacht.
Naja, eigentlich dachte ich daran, dass das ziemlich gut auf mich zutrifft und weil ich zurzeit keine Posts unter dem Tag 'bad day' hochladen soll, schreibe ich dir.
Eigentlich war der Tag heute gar nicht soo schlecht. Für meinen derzeitigen Gemütszustand war ich sogar ziemlich produktiv. Mein derzeitiger Stress ist natürlich absichtlich herbei geführt, schließlich hat mein Studium immer noch nicht angefangen und ich könnte mich theoretisch noch bis Oktober zurücklehnen und nichts tun, aber dafür bin ich einfach nicht der Mensch.
Naja am Wochenende ist dann also der Auftritt meiner Tanzkinder, mein eigener Auftritt mit meinem Weib - der letzte um genau zu sein - und von meiner ehemaligen Schule aus wurde ich auch gefragt ob ich dieses WE noch was machen kann und somit ist gerade alles wieder voll und anstrengend aber nach diesem Wochenende ist auch alles vorbei. Achso und ein Kleid habe ich auch noch gemacht, das dieses WE präsentiert wird und somit war ich gestern und heute den ganzen Nachmittag in der Schule für Mode und Design und habe daran gearbeitet und mitlerweile tun meine Handgelenke weh vom Nähen und meine Knöchel und mein Rücken vom verkrampften an-der-Nähmaschiene-sitzen, auch wenn das Training heute Abend etwas geholfen hat. Vollkommen fertig und mit schmerzenden Gliedern schläft es sich aber auf jeden Fall gut ein.

Naja, worauf dieser Post aber eigentlich hinauslaufen sollte ist folgendes:
Ich hab ja vielleicht schonmal erwähnt, dass wir mitlerweile zwei Mädels bei uns beim Tanzen haben, die schon ein Kind haben und die nächste ist mit Zwillingen schwanger. Auf jeden Fall hat eines der Mädchen heute erzählt, dass sie darüber nachdenkt noch ein zweites Kind zu bekommen und danach verlief das Gespräch Richtung Familienplanung und Geschwisterliebe und wie sich das bei uns so verhält. Ich muss sagen, normalerweise kotzt mich dieses ganze Babygedöhns ziemlich an auf die Dauer aber heute - heute war es wirklich schön, mit mit den beiden Mädels zu unterhalten, von denen eine verheiratet ist und Mami eines 11 Monaten alten Kindes und die andere schwanger mit Zwillingen und während erste ein Mensch ist, der ALLES plant (so wie ich) ist letztere jemand, der einfach Dinge auf sich zukommen lässt und beides sind erwachsene Menschen, die wirklich was aus ihrem Leben gemacht haben bisher und irgendwann haben wir einfach darüber geredet, was mir zurzeit so durch den Kopf geht und wie meine Zukunft aussehen könnte und die beiden Frauen, die mich sonst immer ansehen als wäre ich ein kleines Kind, haben mich wirklich ernst genommen und mir gut zugeredet und am Ende hat es mir wirklich GUT getan.

Weißt du ich bin ein Mensch, der plant aber ich bin auch ein Mensch, der sich mit Dingen abfindet. Während Lucy schon zehntausend Mal gegen ihre Eltern rebelliert hätte, hab ich einfach akzeptiert, hier mehr oder weniger eingesperrt (gewesen) zu sein. Ich habe akzeptiert, nicht gemocht und als Streber abgestempelt zu werden, weil ich gut in der Schule bin ohne etwas dafür zu tun weil sich jeder ohnehin gleich eine Meinung bildet. Ich habe akzeptiert, dass die Menschen manchmal einfach aus deinem Leben gehen WOLLEN und dass du manchmal nichts dagegen tun kannst sondern sie einfach ziehen lassen musst.
N. und ich sind sehr verschieden, besonders was unsere Vorstellungen von der Zukunft angeht und das macht mir ne scheiß Angst. Ich habe mich in den letzten zweieinhalb Jahren an so viel gewöhnt, dass ich gar nicht mitbekommen hatte, wie ich mich mit alledem abgefunden habe. Bis mir dann irgendwann gezeigt wurde, dass ich mich gar nicht damit hätte abfinden müssen.
Jedenfalls wollen alle Menschen um mich herum einfach, dass ich glücklich bin ... und ich?
Ich möchte einfach nicht irgendwann in dem Alter sein, in dem die Mädels vom Tanzen gerade sind und feststellen, dass ich mich mit etwas abgefunden habe.

Wenn ich über soetwas mit Menschen in meinem Alter bisher geredet hab, haben sie mir geraten nur an mich selbst zu denken und vielleicht sowas wie die Reißleine zu ziehen. Aber heute, als ich dort in unserem Studio mit den Mädels saß, gab es das erste Mal Menschen, die mir erzählt haben, wie es eben auch laufen KANN. Wie eine mögliche Zukunft aussehen kann, von den vielen Zukünften, die vor mir liegen und die sich ändern mit den Menschen in meinem Leben, die kommen und gehen.

Naja, außerdem hab ich mir in diesem Post hier vorgenommen, mich nochmal für deine Musik zu bedanken. Da die Taylor Swift Alben ohne Umweg auf meinem Handy landeten, höre ich heute immer noch Lieder, die ich vorher nicht kannte und unter anderem heute auf meinem Weg zum Park, in dem ich jetzt öfter lese solange das Wetter noch gut ist das hier:


I reach for you
But you were gone
I knew I had to go back home
You searched the world for something else to make you feel like what we had
And in the end in wonderland we both went mad

We found wonderland
You and I got lost in it
And we pretended it could last forever
We found wonderland
You and I got lost in it
And life was never worse but never better 

♥

If I don't write to empty my mind, I go mad.
Am Ende läuft es dann doch irgendwie immer wieder auf einen 'bad day'-Post hinaus.

Gute Nacht, Liebes.
~Evoliette