Tess Carlsson
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☆ Name Tess Carlsson
☆ Alter 17 Jahre
☆ Geburtstag 30. Oktober → Skorpion
☆ Nationalität Amerikanisch
☆ Wohnort Forks; USA
☆ Beruf Schülerin; Nebenjob in einem Diner
☆ Sexuelle Orientierung heterosexuell
☆ Beziehungsstatus Single
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☆ Haare glattes, eingestuftes, dunkelblondes Haar bis zur Mitte ihres Rückens
☆ Augen braun | bei Lichteinfall: goldene Punkte
☆ Statur schlank | wirkt zart und zerbrechlich | breitere Hüften | Körbchengröße B
☆ Größe & Gewicht 1.64 | 52
☆ Stil löchrige Hüfthosen | bauchfrei | Blusen | zu große, kuschelige Pullover
☆ Besondere Merkmale Vielzahl an Leberflecken | immer recht blass
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☆ Mutter Paula Caroline Carlsson
☆ Vater Robert Carlsson
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☆ Charakter verträumt | verpeilt | planlos | kreativ | unaufmerksam | freundlich | wortgewandt | nachdenklich | intelligent | offen
☆ Vorlieben Kaugummi | Instand-Essen | To-Go-Gerichte | Schokolade | Vögel | Strand | Wälder | Sonne | Licht | Regen | Fotografie | Zeichnen | Schreiben | Piano- und Violinenmusik
☆ Abneigungen Gummibärchen | Zwiebel | erschreckt werden | Zickenterror | Geschrei | Wind
☆ Macken Aufmerksamkeitsdefizit | Kaugummi | kitzelig | friert ständig | überempfindliche Haut | Morgenmuffel
☆ Geheime Wünsche ein Vogel sein und davonfliegen | um die Welt reisen
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Tess' Eltern sind unbekümmerte Menschen mit durchschnittlichem Einkommen. Ihre Mutter ist Schriftstellerin und einige ihrer Werke sind sogar halbwegs bekannt. Ihre unorganisierte Art hat Tess von dieser geneerbt. Das Mädchen hat keine Ahnung, was es einmal mit seinem Leben anfangen will. Neben der Schule jobbt Tess, um sich ihre vielen Hobbies leisten zu können. Mittlerweile finanziert sie so auch ihre WG. Tess' Familie kommt aus Missoula in Monata und trotz ihrer verträumten Weise ist sie dort immer zurecht gekommen. Tess war fast jedes Jahr an der Westküste, um dort Urlaub zu machen, und hat sich vorgenommen, nach ihrem 16. Geburtstag dorthin zu ziehen. Genau das hat sie getan - wie es jetzt weiter gehen soll, weiß sie selbst nicht so recht.
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Dana Warren
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☆ Name Dana Warren
☆ Alter 18 Jahre
☆ Geburtstag 19. August → Löwe
☆ Nationalität Amerikanisch
☆ Wohnort Forks; USA
☆ Beruf Schülerin
☆ Sexuelle Orientierung bisexuell
☆ Beziehungsstatus Single
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☆ Haare schwarzes schulterlanges Haar mit Pony
☆ Augen grün
☆ Statur breite Hüften | lange Beine | Körbchengröße D
☆ Größe & Gewicht 1.73 | 65
☆ Stil auffällig | schwarz-weiß | figurbetont
☆ Besondere Merkmale Narbe an Knie und rechtem Unterarm | silberne Armreifen | Ring mit dem Zeichen für "unendlich" | Kette mit einem kreisförmigen Anhänger aus purpurnen Herzen und silbernen Steinchen [meist unter dem Oberteil versteckt]
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☆ Mutter Sandy Loyan → 40; Krankenschwester
☆ Vater Kevin Warren → 42; Handelsreisender
☆ Geschwister Nola Warren → 12; Schülerin | Isaac Warren → 23; BWL-Student
☆ Haustiere Strawberry → 10
☆ Geschwister Nola Warren → 12; Schülerin | Isaac Warren → 23; BWL-Student
☆ Haustiere Strawberry → 10
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☆ Charakter Einzelgängerin | sarkastisch | ruhig | Pokerface | unnahbar | uninteressiert | Nerd | benutzt viele Schimpfwörter | intelligent | fantasielos | zu ihrer Familie jedoch offen und lieb
☆ Vorlieben Mopeds | ältere Männer | Bücher & Filme | Computer | vertraute Menschen | Beeren | Katzen | ihre Geschwister | Mode | schwarz & weiß | Regen | Dunkelheit | Joghurt | Giraffen | Fische
☆ Abneigungen helles Licht | Neonfarben | Hunde | Zicken | Blondinen | Gummisüßigkeiten | Gemüse | schlafen | Spinnen | laute Menschen | Fremdsprachen | Beleidigungen | Ungerechigkeit
☆ Macken Kaffee | Zigaretten | Energy-Drinks
☆ Geheime Wünsche in eine größere Stadt ziehen
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Dana stammt mütterlicherseits aus einer sehr alten und wohlhabenden Familie. Ihre Mutter Sandy rebellierte mit 17 Jahren gegen ihre Eltern und brach aus dem gesellschaftlichen Leben aus; sie traf auf Danas Vater und ließ sich prompt von ihm schwängern, heiratete ihn und wollte ein glückliches Leben führen. Doch stattdessen verließ sie ihn nach Nolas Geburt wieder und zog zu ihrer Familie zurück. Sie hatte bemerkt, dass dieses Leben als Mutter nichts für sie war, ohne Reichtum und eine Rolle, in der sie sich verlieren konnte. Dana war damals sechs Jahre alt; sie vermisst ihre Mutter manchmal sehr, andererseits aber ist sie sehr wütend auf sie, dass sie sie und ihre Geschwister - und ihren Vater! - einfach so verlassen hat. Für Isaac ist es noch schwerer, immerhin war er schon elf Jahre alt und hatte so viel mehr Zeit mit ihr verbracht als die beiden anderen Kinder. Manchmal redet er davon, dass er sie eines Tages besuchen möchte und Dana hofft inständig, dass er das nicht tun wird; sie hat Angst davor, dann auch ihn zu verlieren.
Dana ist jedoch auch ohne ihre Mutter sehr zufrieden mit dem Familienleben. Ihr Vater ist ein sehr netter und verständnisvoller Mensch, der mit den Charakteren seiner unterschiedlichen Kindern klar kommt und alles dafür tut, dass sie das tun können, was sie wollen und können. Viele Klassenlehrer von Dana haben ihn im Laufe ihrer Schulzeit angerufen und ihm voller Sorge mitgeteilt, dass sich das Mädchen sehr wenig an der Gemeinschaft beteiligt. Natürlich machte er sich deswegen Sorgen, doch Kevin ist ein Mensch, der über so etwas redet und so konnte Dana ihm klarmachen, dass es ihr gut geht und sie sich in der Schule einfach als Einzelgängerin wohler fühlt. In der Familie Warren gibt es schlicht und ergreifend kein Misstrauen und keine Geheimnisse: sie sind eine Einheit.
Auch mit ihren Geschwistern versteht sich Dana unheimlich gut. Natürlich kommt es immer wieder zu diversen Streits, aber alle drei stehen sich trotz ihrer unterschiedlichen Charaktere sehr nahe. Von ihrem Bruder bekam Dana den Ring mit dem Zeiche für Unendlichkeit, als sie erfuhr, dass er sehr weit weg von ihr studieren würde - näher an ihrer Mutter als an ihr. Und Nola schenkte Dana zu ihrem letzten Geburtstag die Halskette, die das Mädchen trotz der Farbe tagein, tagaus trägt. Dana liebt ihre Familie mehr als alles andere und kann sich ein Leben ohne sie nicht vorstellen. Und darum bangt Dana sehr; ihre kleine Schwester hatte im Kindesalter einen Nierentumor. Vor allem ihr Vater war von dieser Situation sehr überfordert; Dana hofft, dass Nola in Remission bleibt und sich das nicht noch einmal wiederholt.
Dana ist jedoch auch ohne ihre Mutter sehr zufrieden mit dem Familienleben. Ihr Vater ist ein sehr netter und verständnisvoller Mensch, der mit den Charakteren seiner unterschiedlichen Kindern klar kommt und alles dafür tut, dass sie das tun können, was sie wollen und können. Viele Klassenlehrer von Dana haben ihn im Laufe ihrer Schulzeit angerufen und ihm voller Sorge mitgeteilt, dass sich das Mädchen sehr wenig an der Gemeinschaft beteiligt. Natürlich machte er sich deswegen Sorgen, doch Kevin ist ein Mensch, der über so etwas redet und so konnte Dana ihm klarmachen, dass es ihr gut geht und sie sich in der Schule einfach als Einzelgängerin wohler fühlt. In der Familie Warren gibt es schlicht und ergreifend kein Misstrauen und keine Geheimnisse: sie sind eine Einheit.
Auch mit ihren Geschwistern versteht sich Dana unheimlich gut. Natürlich kommt es immer wieder zu diversen Streits, aber alle drei stehen sich trotz ihrer unterschiedlichen Charaktere sehr nahe. Von ihrem Bruder bekam Dana den Ring mit dem Zeiche für Unendlichkeit, als sie erfuhr, dass er sehr weit weg von ihr studieren würde - näher an ihrer Mutter als an ihr. Und Nola schenkte Dana zu ihrem letzten Geburtstag die Halskette, die das Mädchen trotz der Farbe tagein, tagaus trägt. Dana liebt ihre Familie mehr als alles andere und kann sich ein Leben ohne sie nicht vorstellen. Und darum bangt Dana sehr; ihre kleine Schwester hatte im Kindesalter einen Nierentumor. Vor allem ihr Vater war von dieser Situation sehr überfordert; Dana hofft, dass Nola in Remission bleibt und sich das nicht noch einmal wiederholt.
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Damien Lucs
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★ Name Damien Joshua Lucs
★ Alter 176 Jahre [verwandelt im Alter von 19 Jahren]
★ Geburtstag 6. März → Fische
★ Nationalität Britisch
★ Wohnort Seattle; USA
★ Beruf Schüler
★ Sexuelle Orientierung heterosexuell
★ Beziehungsstatus Single
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★ Haare schwarzes, gegeltes Haar
★ Augen tiefrot [als Mensch: braun]
★ Statur schlank | muskulös
★ Größe & Gewicht 1.84 | 77
★ Stil Jeans | Lederjacken | schwarz
★ Besondere Merkmale mit ungegelten Haaren sieht er total süß aus
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★ Mutter Elaine Lucs †
★ Vater Steffan Lucs †
★ Geschwister Judie Lucs †
★ Geschwister Judie Lucs †
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★ Charakter aggressiv | jähzornig | überzeugend | ungeduldig | blutrünstig | arrogant | nimmt sich was er will
★ Vorlieben süße Mädchen | Dämmerung | schwarz | Menschenblut
★ Abneigungen Regen | Wälder | Tierblut | Verteidigung
★ Macken zu sehr von sich überzeugt
★ Geheime Wünsche seine "Sängerin" finden
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Damien Lucs war schon immer ein Mensch, den man nicht unbedingt als "gut" bezeichnen konnte. Er war ein mittelmäßiger Schüler, der seine Klassenkameraden nur zu gerne verhöhnte und verspottete. Seine Eltern respektierte er nicht und der einzige Mensch auf der Welt, den er wirklich geliebt hat, war seine kleine Schwester Judie. Damien tat all das aber nicht, um irgendjemandem etwas zu beweisen oder einfach, um zu rebellieren. Es ist schlicht und einfach sein Charakter - er kann einfach nicht verstehen, warum er anders sein sollte. In dem Sinne war seine Verwandlung zum Vampir eine Art Erlösung für den damals 19-Jährigen. Denn so fand er eine Art, indem er seinen Charakter ausleben konnte, ohne dass jemand ihn verurteilen konnte.
Verwandelt wurde der junge Mann von einer jungen Vampirin namens Josephine. Sie lauerte ihn auf seinem Weg nach Hause auf und biss ihn, um sich einen Gefährten zu schaffen. Blöderweise hatte Damien ganz andere Pläne, als er plötzlich als Vampir aufwachte. Er blieb eine ganze Weile bei der Vampirin und ließ sich von ihr ausbilden und stärken. Doch noch als Neugeborener und somit als Stärkerer der beiden verließ er Josephine, um sich frei und ungebunden ausleben zu können und nicht auf sie hören zu müssen. Sie fand sein Vorhaben natürlich heraus und es kam zu einem Kampf, den die Vampirin verlor; Damien ließ ihren Körper zurück, ohne zu wissen, ob sie nun tot oder lebendig war. Seitdem wandelt er durch die Welt und ergötzt sich an dem Leid seiner Opfer, sucht sich die schönsten unter ihnen aus. Er liebt das Spiel der Verführung, das letzte Funkeln in den Augen seiner Auserwählten. Aber schon seit einer Weile ist für Damien dieses Spiel langweilig geworden. Er sucht nach einer neuen Herausforderung und deshalb versucht er nun, seine "Sängerin" zu finden. Noch hatte er keinen Erfolg. Deshalb hat er sich eine andere Herausforderung gesucht: Schüler - im öden, regnerischen Forks an der Westküste der USA...
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DAMIEN.
Die Leiche der vermissten Holiday M. (16) wurde am vergangenen Sonntag aus dem Wald in der Nähe des Highways geborgen. Noch sind sich die Pathologen unklar, was die Todesursache sein könnte. "Sie hat viel Blut verloren", erzählt Jonathan Reyn, Pathologe des Seattle Hospitals, "und die Einstiche im Hals sind tierischen Ursprungs. Gleichzeitig zeigt sie aber auch deutliche Spuren von Missbrauch." Die Polizei ermittelt weiter.
Ich beobachtete im Spiegel, wie sich meine schmalen Lippen zu einem zufriedenen Lächeln verzogen. Die armen Eltern des Mädchens, die Freunde und Verwandten, all die Menschen in Seattle, die nun in der ständigen Angst lebten, dass ihnen oder ihren Kindern auch so etwas zustoßen könnte! Ich lachte. Sollten sie sich nur fürchten - bald schon würden sie erkennen, wie berechtigt dies gewesen war. Denn niemand konnte sich vor mir verstecken. Niemand.
Mit großen Schritten durchquerte ich die kleine Einzimmerwohnung, die ich mir gemietet hatte, und betrat das Treppenhaus. Es wurde Zeit, sich einer neuen Herausforderung zu stellen. Ich warf einen Blick auf die Uhr an meinem rechten Handgelenk und legte dann einen menschlichen Zahn zu. Heute war mein erster Tag an der Forks Highschool und ich wollte doch nicht zu spät kommen und mein neuestes Opfer verpassen. Noch hatte ich es mir nicht ausgesucht, aber ich wusste, es würde sich schon jemand finden, der mich reizte. Es gab sie immer. Zuletzt dieses kleine Mädchen Holiday mit dem süßen Augenaufschlag und dem gepunkteten Regenschirm.
Gemächlich trat ich aus dem Wohnhaus und warf einen schnellen Blick in den Himmel. Wie jeden Tag bedeckten Wolken die Sonne und machten es mir so möglich, einen Fuß vor die Haustüre zu setzen. Eigentlich war dieses Kaff wirklich schön, zumindest für jemanden wie mich, für Vampire. Es gab zwar auch andere solcher Städte, aber diese hier hatte einen besondere Reiz: die Cullens. Ich bleckte interessiert die Zähne. Sie würden es sicher nicht zulassen wollen, dass ich mich hier an irgendjemandem vergriff. Es würde Spaß machen, sie zu überlisten. Sehr viel Spaß sogar. Außerdem hatte ich schon sehr lange keinen meiner Art mehr gesehen. Nicht, dass ich Sehnsucht danach hatte, aber es würde gut tun, diesen Vampiren auf der Nase zu tanzen.
Ich warf eine Blick auf das spartanische Schild, das man vor einer Reihe von roten Hütten aufgestellt hatte: Forks Highschool. Was für ein kreativer Name. Ich war schon an anderen kleinen Städte vorbeigekommen, die deutlich ideenreicher gewesen waren. Holiday war auf eine Schule namens Lindgarden gegangen und hatte sich jeden Morgen sehr fein dafür gemacht.
Ich grinste. Ich würde diesem Ort etwas Abwechslung gönnen. Es war wirklich eine gute Idee gewesen, hierher zu kommen. Zufrieden schulterte ich meine Tasche und betrat dann das erste Gebäude, das mir in den Sinn kam. Es war die Caféteria, in der sich viele Schüler geflüchtet hatten, um sich vor dem Regen zu schützen und auf die erste Stunde zu warten. Ich warf einen Blick auf den Stundenplan, den ich mich vor einigen Tagen geholt hatte und setzte mich dann auf einen Platz am Fenster, von wo aus ich alles im Blick hatte. Scheinbar desinteressiert ließ ich meinen Blick über die lachenden Mädchen, protzenden Jungs und Nerds schweifen. Niemand erweckte meine Neugier - noch. Doch ich hatte es im Gefühl, in dieser Stadt wartete etwas auf mich ...
TESS.
Mit verschränkten Armen drückte ich die losen Bücher an meine Brust und schlüpfte in meinen rechten Stiefel. Nebenbei fiel mir auf, dass ich zwei unterschiedliche Socken trug - eine Hautfarbene und eine weiß-rot-gestreifte. Ich hätte die Schultern darüber gezuckt doch wollte auf keinen Fall riskieren, dass mir die Bücher aus den Armen vielen. Die goldbraune Ledertasche rutschte mir von der Schulter und landete in meiner Ellenbogenbeuge als ich umständlich versuchte hinter mir ab zu schließen. Hastig rannte ich die Treppen hinunter und kaute emsig auf dem Pfefferminz-Kaugummi während ich vor mich hin nuschelte. "Es sollte verboten sein so früh zur Schule zu müssen." Das war eine der Tatsachen, die sich selbst nach meinem Umzug nicht geändert hatten. Ich war froh den ganzen morgen noch in keinen Spiegel gesehen haben zu müssen. Sicherlich standen meine Haare in alle Richtungen ab wie eine Löwenmähne und ich hatte Augenringe bis zu den Mundwinkeln. Gestern war mein erster Arbeitstag gewesen und meine allerersten Kunden waren eine Familie, ein Vater mit zwei bildhübschen Töchtern gewesen, von denen eine etwa in meinem Alter war und die Andere ein ganzes Stück jünger. Sie war mit Abstand das niedlichste Mädchen gewesen, das mit je über den Weg gelaufen war, da war ich mir ganz sicher und ich lächelte bei dem Gedanken an sie, als ich in meinen Schokoladenbraunen Chevie stieg. Sie hatte sich ganze 10 Minuten lang nicht entscheiden können, was sie essen wollte. Jede andere Bedienung wäre ganz sicher an ihr verzweifelt, aber ich habe so lange mit ihrer geredet, bis nur noch drei Gerichte übrig blieben waren, dann haben wir beide ihren Vater überredet mit uns beiden Schere-Stein-Papier zu spielen und jeder von uns war eine der drei Nummern auf der Speisekarte. Letztendlich gewann ihr Vater, der sich das Gesündeste ausgesucht hatte und wir waren uns ganz sicher, dass er geschummelt hatte. Am Ende hatte sie aber ein Abendessen, dass ihr schmeckte und sie versprachen, bald wieder zu kommen damit sie die anderen beiden Sachen auch noch probieren konnte. Ihr Name war Nola. Ich dachte daran wie glücklich und aufgeweckt sie gewesen war als ich zu meiner neuen Schule fuhr.
Auf dem Parkplatz angekommen versuchte ich ganz ehrlich, mich nicht ins Parkverbot zu stellen doch wenn ich noch weiter rumgekurvt wäre um einen Parkplatz zu finden wäre ich definitiv zu spät gekommen. Der abgesengte Bortstein in der Nähe der Einfahrt kam daher mehr als gelegen und ich sprang leichtfüßig aus dem Wagen. Die Bücher waren mittlerweile in der Tasche gelandet und mit eben dieser über der Schulter eilte ich zu einem älteren Gebäudetrakt um pünktlich zum Geschichtsunterricht zu kommen.
Als ich gemeinsam mit dem Klingelzeichen zum Unterrichtsbeginn in den Raum stapfte schauten mich sowohl Lehrer als auch Klassenkameraden an, als käme ich vom Mond. Ohne ein weiteres Wort setzte ich mich auf den Platz ganz hinten rechts, am Fenster und breitete den gesamten Inhalt meiner Ledertasche auf dem Tisch aus, als der Schlüsselbund auf die Tischplatte traf verursachte es ein lautes Klirren, was mir abermals die Blicke der Klasse einfing, dieses Mal eher verärgert, als überrascht. Ich versuchte meinen Kopf zwischen den Schultern zu verstecken während ich alles wieder ordentlich in die Tasche zurück sortierte. Ich hatte vergessen mein Handyakku zu laden, was zur Folge hatte, dass mein einziger Wecker heute Morgen nicht geklingelt hat und hätte nicht irgendjemand im Treppenhaus diesen Höllenlärm veranstaltet hätte ich mir den Schulbesuch sicherlich ganz sparen können. Ich war die letzten zwei Nächte nicht zum Schlafen gekommen und deshalb todmüde. Ich wünschte ich könnte behaupten, dass ich wenigstens die Nächste durch gefeiert hätte aber statt dessen musste ich gestern bis spät abends im Diner arbeiten und um wach zu bleiben hatte ich so viel Kaffee getrunken, dass ich einfach nicht mehr richtig in den Schlaf kam und vorgestern Nacht war sowieso diese ganze Katastrophe passiert. Da hatte man sich kaum einen Monat und der einzige Mitbewohner den man hat und der einen normalerweise größtenteils in Ruhe ließ kommt Abends nach Hause und erleidet einen richtigen Nervenzusammenbruch, redete davon, dass seine Schwester von einem Tier angefallen wurde. Ich habe noch nie einen ausgewachsenen jungen Mann so weinen sehen. Jedenfalls konnte ich ihn damit nicht einfach so allein lassen und hatte die Nacht damit verbracht ihm Mut zu zu reden und ihn zu trösten. Für mich tat es letztendlich nichts zur Sache, wie gut ich jemanden kannte oder nicht. Manchmal ist da sein, das Einzige, was man tun kann.
Jemand ließ ein Buch neben mich auf die Tischplatte knallen, dass es noch lauter schallte als vorhin mein Schlüsselbund und ich schrak heftig aus meinen Gedanken. "Ich wäre ihnen sehr verbunden, wenn sie den Unterricht wenigstens ein einziges Mal mit ihrer geistigen Anwesenheit beehren würden, Miss Carlsson."
Mist ... schon wieder.
DANA.
Ich träumte vom Meer; unendlich weit und unglaublich blau. Ich träumte davon, an einem Strand zu stehen, die warme Sonne auf meiner Haut zu spüren und meine Zehen im weißen Sand zu vergraben. Ich träumte, dass ich tanzte, mich im Kreis drehte, lachte. Ich träumte von Freiheit; so federleicht und kaum zu fassen in der Welt, die nach dem Erwachen auf mich wartete.
Ich blinzelte und kniff die Augen zusammen. Jetzt war ich wach; durch das Fenster meines Zimmers blendeten mich die Strahlen der Morgensonne und es roch nach Waffeln. Kurz blieb ich noch liegen, mit geschlossenen Augen dachte ich über den vor mir liegenden Tag nach. Dann raffte ich mich auf, schlüpfte in meine flauschigen Hausschuhe, die Nola ausgesucht hatte, und schlenderte langsam, noch schlaftrunken und ergriffen von meinem so unglaublichen, wunderschönen Traum, in die Küche, von wo aus der Geruch nach Waffeln kam.
Papa war bereits wach. Er schob mir meinen morgendliche Kaffeetasse zu. Als Dank gähnte ich ihm ins Gesicht und ließ mich auf einen der Stühle fallen. Er lachte und strich über mein vom Schlafen zerzaustes Haar. Ein Wunder, dass er mit seinen rissigen Händen nicht hängen blieb. Er sah müde aus, als ob er die ganze Nacht nicht geschlafen hätte, aber trotzdem lächelte er mich an. Ich stellte mir vor, wie er mit neunzehn oder zwanzig Jahren ausgesehen haben musste und kam zu dem Schluss, dass die Last des Lebens ihn viel zu schnell altern ließ. Papa war doch noch gar nicht so lange auf der Welt; trotzdem wirkte er, als hätte er so viel mehr Lebenserfahrung.
Nola tapste barfuß herein und winkte gut gelaunt. Sie war ein absoluter Morgenmensch; immer gut gelaunt und fröhlich, selbst zu dieser unsittlichen Zeit. Ich mochte das, immerhin war es Nola, mein süßer Engel, meine kleine Schwester, die allerbeste Freundin auf der ganzen Welt. Sie drückte mir einen Kuss auf die Wange und kicherte, plapperte in einem fort von unserem Restaurantbesuch am gestrigen Abend und über die überaus nette Kellnerin dort. Ich nickte und nickte, während ich an meinem Kaffee nippte und eine Waffel von meinem Vater stahl. Er lächelte - wie immer.
Mein Blick fiel auf den leeren Stuhl mir gegenüber und ich hielt für einen Moment inne und konzentrierte mich nur darauf. Nola rechts von mir redete weiter, während Papa meinem Blick folgte. Er wusste immer automatisch, woran ich gerade denke. Ich hasste es, dass dieser Platz leer war; dass Isaac nicht da war, sondern weit weg an einem College in der Nähe von unserer Mutter. Mein Bruder fehlte mir. Ich konnte es kaum erwarten, ihn wieder zu sehen - er hatte sich angekündigt, Freitag wollte er hier auftauchen. Nur noch fünf Tage. War doch leicht auszuhalten - oder?
Ich parkte mein schwarzes Motorrad neben einem rostigen roten Chevy und steckte die Hände in meine Jackentaschen. Ich war froh, dass niemand mich bemerkte; mir war nicht nach Reden, immer noch schwebte der Gedanke an meinen Bruder in einem Kopf. Ich vermisste ihn so sehr. Seufzend warf ich einen Blick auf meine Uhr und beeilte mich dann, in meine Klasse zu kommen. Setzte mich auf meinen Platz in der letzten Reihe, blickte aus dem Fenster und drehte an dem Ring mit dem Zeichen für "Unendlichkeit", den mir mein Bruder vor seiner Abreise geschenkt hatte. Unendlich. Die Bedeutung ist schön, aber sie war noch schöner, als er noch in meiner Nähe war.
Ich versuchte, mich auf den Unterricht zu konzentrieren. Ein neuer Schüler fiel mir auf, groß und muskulös, außerdem auffallend perfekt wie die Cullen-Familie. Wohl ein entfernter Verwandte. Ich beobachtete ihn eine Weile. Viel zu schnell, viel zu elegant, viel zu viel. Ich mag ihn nicht, entschied ich. Eigentlich mochte ich ohnehin niemanden. War nunmal so.
Außer meine Familie.
TESS:
„Was ist denn nur mit dir los heute?“,fragte mich dieses Mädchen aus meinem Mathekurs abwertend. Ihren Namen hatte ich vergessen aber ich glaubte, dass sie Janine hieß. „Ich meine, wie oft bist du eingeschlafen? Zwei Mal? Drei Mal? In einer einzigen Mathestunde! Mädchen, hast du überhaupt geschlafen?“ Ich griff nach einem Tablett und reihte mich hinter einem Jungen mit dicker Brille ein, der vermutlich einige Klassenstufen unter mir war. Er lächelte und ich lächelte zurück während ich darüber nachdachte, dass ich es mochte wenn man mich „Mädchen“ nannte, auch wenn das in den meisten Fällen nicht nett gemeint war. Mir fiel wieder ein, dass mich meine Klassenkameradin etwas gefragt hatte. „Um … naja nicht so richtig.“ Ich nahm mir einen Apfel und einen Obstsalat. Den Apfel ließ ich gleich in meiner Tasche verschwinden, den Obstsalat trug ich auf meinem Tablett zu einem Tisch am Fenster. „Zu viel gefeiert am Wochenende?“,das neugierige Mädchen folgte mir. Ich lächelte abwesend, meine Gedanken drehten sich nach wie vor abwechselnd um meinen Mitbewohner und das kleine Mädchen von gestern. „Naja, schön wär's.“ Ich riss die Plastikgabel vom Boden des Behälters ab und begann in meinem Obstsalat herum zu stochern. Der Regen vor dem Fenster zog meinen Blick auf sich und ich sah zu wie die Menschen draußen rannten und Hefter und Rucksäcke über ihre Köpfe hielten um nicht allzu nass zu werden auf dem kurzen Weg zur Cafeteria während ich am Rande wahrnahm, dass der Tisch um mich herum voller wurde. „Tess? Haaallooo?“, jemand fuchtelte mir mit der Hand vor dem Gesicht herum. „Lass sie, Janine, du siehst doch, dass sie heute nicht so auf dem Damm ist.“,warf jemand ein. Janine protestierte. „Klar, ich will doch nur wissen wieso!“
Ich schaute zu ihr hinüber ohne sie wirklich an zu sehen. „Naja ich wohne doch in dieser WG. Der Typ, dem die Wohnung gehört kam gestern vollkommen fertig nach Hause.“ Jetzt sah ich ihr direkt in die Augen als ich sagte. „Seine Schwester wurde von einem Tier angefallen. Sie hat sehr viel Blut verloren. Sie ist tot. Sie war nicht viel älter als wir.“ Janine schlug dramatisch die Hand vor dem Mund. Ihre Augen weiteten sich und sie erinnerte mich an eine Comicfigur. „Das ist ja schrecklich!“,warf die Stimme, die mich vorhin verteidigt hat wieder ein. Ich nickte und widmete mich wieder meinem Obstsalat. „Mein Mitbewohner hat sich also die ganze Nacht bei mir ausgeheult und ist dann sofort losgefahren um seiner Familie bei zu stehen. Alles war ziemlich chaotisch.“ Ich nahm aus dem Augenwinkel das Nicken meiner Mitmenschen war. „Oh Gott, das tut mir Leid.“,sagte jemand. „Dann braucht man sich ja nicht zu wundern, wenn du so neben der Spur bist.“,meinte Janine. Irgendjemand lächelte mich an. „Für jemanden, der die ganze Nacht keinen Schlaf bekommen hat siehst du aber ziemlich heiß aus.“ Das war Michael. Er stand auf Männer. Ich kannte ihn aus dem Kunstkurs. Er rückte seinen Stuhl näher an meinen und beäugte mich kritisch. „Deine Haare sind zerzaust aber das gibt dir etwas verwegenes. Make-Up brauchst du ja sowieso nicht. Bei der Auswahl deiner Klamotten hättest du sorgsamer sein können aber sonst … fabelhaft.“ Ich grinste ihn an und steckte ihm ein paar Scheiben Banane in den Mund damit er ruhig war.
Auf der anderen Seite neben mir stellte Janine wieder eine Frage. „Wie war ihr Name?“ Ich wandte mich ihr zu. „Hm?“ „Ihr Name.“,wiederholte sie. „Das Mädchen, was gestorben ist, weißt du wie sie hieß?“ Ich zuckte mit den Schultern und senkte den Blick. „Holiday.“ Der Rest des Tisches ließ ebenfalls den Kopf hängen. „Arme Holiday.“
DAMIEN.
Gelangweilt ließ ich mich auf einen Tisch am Fenster fallen. Die Idee, eine Schule zu besuchen, um sich einer neuen Herausforderung zu stellen, kam mir auf einmal irrsinnig vor. Natürlich war es etwas Neues und ich hatte schon einige interessante Gerüche aufgeschnappt, aber niemand hatte so etwas Unglaubliches an sich wie die kleine, süße Holiday. Ob das überhaupt möglich war? Ich schüttelte den Kopf als Antwort, verschränkte die Arme, lehnte mich in dem unbequemen Caféteria-Stuhl zurück und ließ meinen Blick durch den Raum schweifen.
Durch meinen ausgeprägten Gehörsinn hörte ich sie alle. Uninteressiert - Menschengespräche, wie wenig faszinierend sie doch waren - hörte ich mal hier und mal da rein, hörte Geheimnisse und Geschichten, hörte tröstende Worte und den Namen "Holiday". Moment - Holiday? Ich runzelte die Stirn, drehte mich auf meinem Stuhl ein bisschen nach rechts und konzentrierte mich auf den Tisch. Von dort war dieses Stichwort gekommen. Sie schienen über das zu reden, was in der Zeitung stand und - ah. Dieses eine, blonde Mädchen, schien Holidays Bruder zu kennen. Ich legte den Kopf schief und musterte sie; Mittelmaß. Aber irgendwie erinnerte mich Tess - wie jemand sie gerade nannte - an Holiday. Sie wirkte unglaublich zart und zerbrechlich, besaß diesen unschuldigen Augenaufschlag. Ich grinste etwas. Vielleicht hatte ich jetzt mein neuestes Opfer gefunden.
Ich warf einen Blick auf die Uhr, erhob mich und hängte mir meine Tasche um. Es war Zeit, meinem neuen Schülerdasein nachzugehen; Biologie stand auf dem Plan. Ziemlich demotiviert machte ich mich auf den Weg zu dem Klassenraum. Als ich eintrat, wurde ich schlagartig motivierter; da saß ja die große Holiday und zwar alleine. Unauffällig ließ ich meinen Blick auf der vermeintlichen Suche nach einem Platz durch den Raum schweifen und ließ mich dann, als hätte ich es nicht von Anfang an geplant, neben Tess nieder. Ich wandte mich sofort ihr zu, lächelte entschuldigend. "Darf ich hier sitzen oder ist dieser Platz besetzt?" Meine Stimme war samten, glitt wahrscheinlich in ihr Innerstes und ließ sie erschaudern. Ich beobachtete die Reaktion interessiert. Ja. Das war sie.
TESS.
Ich zuckte zusammen als ich angesprochen wurde. Die Federtasche, die ich gerade auf den Tisch legen wollte glitt mir aus den Fingern und der Inhalt verteilte sich auf der Tischplatte. Sie war bis zum anschlag voll gewesen, bedauernt sah ich dabei zu, wie einige der Auarellbundstifte auf das Ende des Tisches zurollten. Ich wusste, dass die Mienen brechen würden, würden sie unten aufschlagen. Das waren teure Stifte. Doch eine Hand schob sich in mein Blickfeld und rettete sie vor dem sicheren Tod. Die Hand gehörte zur Stimme, das wusste ich, zu dieser unglaublichen Stimme, tief und samtig und warm und melodisch und ... bevor mir noch mehr adjektive in den Sinn kamen fiel mir ein, dass es vermutlich höflich wäre mich zu bedanken und auf seine Frage zu antworten. "Ähm... danke und klar, der Platz ist frei. Aber auch nicht ohne Grund, ich meine, nicht, dass mir das öfter passieren würde oder so. Nomalerweise passe ich auf diese Stifte besser auf.", murmelte ich vor mich hin und lächelte während ich mit akribischer Sorgfalt meine Stifte von der Tischplatte sammelte und zählte. Einer fehlte - weiß. Ich schaute zu meinem neuen Banknachbarn mit der tollen Stimme auf und vergaß im gleichen Moment die Frage, die ich ihm hatte stellen wollen. Seine Erscheinung war dermaßen eindrucksvoll, dass ich nicht wusste, wo ich zuerst hinsehen sollten, also flogen meine Augen auf seinem ganzer Körper und seinem Gesicht so schnell hin und her, dass es vermutlich für ihn aussehen musste, als hätte ich einen Anfall so viel wie ich blinzelte. Ich versuchte mich auf etwas bestimmtes zu konzentrieren, wie zum Beispiel die Blässe seiner Haut, die markanten Wangenknochen oder die ausdrucksstarken, dunklen Augenbrauen. Mir fiel außerdem auf, dass er einen außergewöhnlich guten Kleidungsstil hatte und obwohl ich ihn kaum eine Minute sah wusste ich, dass er nicht zu den Menschen gehörte, die in ihrer Freizeit Jogginghosen trugen. Genrell viel mir absolut keine Art von Mensch ein, in die ich ihn irgendwie hineinkatgorisieren konnte. Ich versuchte nicht allzu sehr auf seinen Körper zu achten. Ich hätte es nicht in Ordnung gefunden, bei unserer ersten Begegnung so eine Art von Gedanken zu denken, auch wenn ich nicht leugnen konnte, dass ich mich auf Anhieb körperlich von ihm angezogen fühlte, was nicht zuletzt an seinem Geruch gelegen haben könnte, der schwer und süß in der Luft lag und mein Gehirn benebelte. Meine Gänsehaut verriet mich. Doch tatsächlich war das, was mich an ihm am meisten fesselte seine scharlachroten Augen. Die Art wie er mich ansah, triumphierend und irgendwie auf eine Art, die mich zugleich anzog und ängstigte gab mir das Gefühl, als würde ein kalter Schatten direkt in meinen Körper fahren. Ich spürte, wie ich zu zittern begann und versuchte es zu unterbinden. Als der Lehrer den Raum betrat und um unsere Aufmerksamkeit bat ließ mein Gegenüber, wennauch nur für einen winzigen Moment, den Blick nach vorn schweifen. Ich fühlte mich, als hätte er mich freigegeben und mein Körper sackte ganz leicht zusammen. Ich konnte den Blick nur mit größter Mühe und auch nur für ein paar Sekunden auf meinen Schoß senken und ohne mich konkret dazu entschieden zu haben verließ meine Lippen ein leises. "Wow."
DAMIEN.
Ich schenke dem Mädchen, das Holiday so ähnlich sah, jenes Lächeln, das jedem Menschen eine Gänsehaut bescherte, und reichte ihr die Aquarellstifte, die ich vor dem sicheren Tod gerettet hatte. Holiday hatte auch gezeichnet und ihre Stifte wie einen Schatz gehütet; innerlich frohlockte ich über diese offensichtliche Ähnlichkeit. Das war das, was ich gesucht hatte; jemanden wie Holiday. Und Tess reagierte genau wie sie, reagierte fasziniert und unsicher und anziehend. Nach außen hin blieb ich natürlich völlig ruhig und erwiderte ihren bewundernden Blick gelassen; aber mein Inneres brodelte. Ich wollte dieses Mädchen, wollte ihr Blut, wollte meine Zähne in diese so bleiche, weiße Haut schlagen und sie bis zum letzten Tropfen aussaugen.
Natürlich tat ich das nicht. Zum Glück kam in genau diesem Moment der Lehrer in die Klasse und ich löste den Blickkontakt, als ich zu ihm sah. Ohne diese Unterbrechung hätte ich mich vielleicht nicht mehr zurückhalten können; hätte sie getötet und damit die Volturi aufgehetzt. Ich war diesem glatzköpfigen, kleinen Mann beinahe dankbar dafür, dass er gerade jetzt hereingekommen war. Schnell wandte ich meinen Oberkörper nach vorne und damit ein bisschen von dem Mädchen neben mir ab, das ihn sich zusammenzusinken schien und ein leises "Wow" ausstieß. Ich unterdrückte ein triumphierendes Lächeln. Ja. Sie gehörte mir; ich würde sie erobern und dann würde sie völlig mir gehören. Sie würde sterben, genau wie Holiday mit einem zufriedenen Lächeln.
Den Rest der Stunde konzentrierte ich all meine Sinne auf den Unterricht. Nun - das stimmte nicht ganz. Immer wieder schnappte ich den Geruch von Tess auf, der blumig und süß in der Luft hing und mich hungrig werden ließ. Ich konnte fast schon spüren, wie meine Augen schwar wurden vor Hunger, wie meine Gedanken immer wieder abschweiften, zu ihrem frei liegenden Hals, den Geräuschen, die sie von sich geben würde. Sie war zwar nicht die liebe kleine Holiday, aber zumindest ... Ich unterdrückte ein zufriedenes Seufzen. Gut, dass ich hierher gekommen war. Das war eine sehr, sehr gute Idee gewesen.
TESS.
Auf Biologie konnte ich mich noch weniger konzentrieren also sowieso schon, da mein Blick immer wieder zu meinem gottgleichen Banknachbarn, nach dessen Namen ich mich nicht zu fragen traute, glitt. Ich kam echt nicht darauf klar, wie man so gut aussehen konnte und sein Geruch stahl auch noch den kläglichen Rest meiner Konzentration.
Als die Stunde vorrüber war, packten wir beide unsere Sachen zusammen, wobei ich gleich zwei Mal etwas fallen ließ und ich sah sein Schmunzeln darüber aus dem Augenwinkel. Immerhin waren es nicht noch einmal die Stifte gewesen, sondern lediglich mein Notizheft und das Biologiebuch, das mit genau dem selben Lärm auf den Tisch prallte wie das Mathebuch der Lehrerin heute morgen, als ich das erste Mal an diesem Tag Unaufmerksam gewesen war und wie auch beim ersten mal zuckten die Leute im Klassenraum zusammen uns funkelten mich böse an.
Danach senkte ich den Blick krampfhaft auf meine Schuhe, unter welche die ungleichen Socken waren und als ich die Tasche fertig gepackt hatte und wieder auf sah, war mein Banknachbar bereits verschwunden. Ich war gleichermaßen erleichtert und enttäuscht als ich mich auf den Weg zum Kunstraum machte.
Der Kunstraum lag in der obersten Etage und es war der hellste und größte Raum der Forks Highs School, wenn man von der Sporthalle mal absah. Während sich an zwei Seiten des Raumes große Fenster befanden, war eine Wand von oben bis unten voll mit Regalen und Schränken, in denen sich alle möglichen Zeichenuntensilien befanden, sowie Gips, Ton und alles andere, was das Künstlerherz begehrte. An der einzigen freihen Wand war die Tür, das Lehrerpult, die Tafel, der Beamer und ein Papierkorb. Ich hatte mir einen Platz weit hinten ausgesucht, der so weit am Fenster lag, dass einem ein atemberaubender Blick auf den Wald hinter dem Schulgelände aufgetan wurde.
Die Lehrerin war eine stämmige Frau mit roten Wangen und dem klischeemäßigen Künstlerschal, in rot. Außerdem hatte sie Kreide an den Klamotten und ein Lächeln auf den Lippen, das mir jedes Mal symphatisch war, wenn ich sie sah. In der letzten Stunde hatten wir begonnen eine Szene zu kreiren, die wir, so erzählte sie uns, heute in vier Jahreszeiten darstellen sollten. Ich hatte in der letzten Stunde den Ausblick aus dem Fenster gezeichnet und hatte damit quasi den Jackpot gezogen, denn was veränderte sich in den Jahreszeiten schon mehr als ein Wald? Ich machte mich also ans Zeichnen.
Ich begann mit Herbst, weil es jetzt gerade Herbst war und ich die Zeichnung vom letzten Jahr nur noch verfeinern musste, doch als ich mit Winter beginnen wollte, wo die Bäume kahl und Äste und Boden schneebedeckt sind stieß ich auf eine winzige Komplikation. Mein weißer Aquarellstift war verschwunden. Es dauerte eine Weile bis mir einfiel, dass das die Frage war, die ich meinem Banknachbarn stellen wollte bevor mich sein gutes Aussehen regelrecht erschlagen hatten. "Hast du meinen weißen Aqurellstift gesehen?" Ich schlug mir die Hand an den Kopf und runzelte die Stirn. Seufzent begann ich mit dem Bild für Frühling. Wir würden nächste Stunde noch ein bisschen Zeit zum Zeichnen bekommen und bis dahin würde ich den Stift hoffentlich wieder haben.
DANA.
Interessiert beugte ich mich weiter über das aufgeschlagene Buch auf dem Tisch und verfehlte so um einige Zentimeter den Joghurtbecher neben dir. Kurz dachte ich daran, dass das Nola jetzt zum Lachen gebracht hätte und entschied dann, erst mein Essen in meinem Mund verschwinden zu lassen, ehe ich mich wieder der Computertechnik zu wandte. Der Tisch würde es mir wohl danken, und ich mir wohl selbst auch, nicht, dass es noch jemand sah und darauf kam, mich daraus anzusprechen. Ich wollte nicht angesprochen werden. Ich wollte eigentlich sowieso gar nichts.
Mit einem lautlosen Seufzen lehnte ich mich in dem unbequemen Cafeteria-Sessel zurück und rührte geistesabwesend in dem Waldbeerenjoghurt, während ich mich in dem großen, überfüllten Raum umsah. Überall saßen oder standen Schüler, ich konnte ihr Lachen hören und ihre ungestümen Beleidigungen, ich konnte Paare sehen, die sich innig küssten, und Geschwister, die ihre Köpfe zusammen steckten und über etwas redeten, was nur Geschwistser hören durften. Das erinnerte mich erneut an meinen Bruder; wie sehr ich ihn vermisste. Ich hoffte so sehr, dass er wiederkam.
Mein Blick fiel auf eine Gruppe unweit von mir und auf einen Blondschopf, der mir merkwürdig bekannt vorkam. Stirnrunzelnd behielt ich die Person mit den langen Haaren im Auge, während ich ab und an von meinem Joghurt aß und wartete darauf, dass diese ihren Kopf hob, um sie identifizieren zu können. Tatsächlich musste ich nicht lange warte, und als es so weit war, schoss mir sofort eine Erinnerung durch den Kopf, nicht lange her, gestern Abend, als wir in dem einzigen Restaurant dieses Kaffs gewesen waren, weil Dads Kochkünste ... nicht erwähnenswert waren.
Nola hatte ein bisschen herumgezickt - sie vermisste unsere alte Heimat und ihre Freunde am meisten, was ich durchaus verstehen konnte - und wollte sich schließlich einfach nicht zwischen den einzelnen Speisen entscheiden. Da war diese Kellnerin gewesen, mit faszinierendem Haar und einem Lächeln, das man nicht so leicht vergaß. Sie hatte sich rührend um Nola gekümmert, hatte mit dieser geredet als wäre sie eine Erwachsene, und wie sehr Nola das genossen hat! Und diese Kellnerin - Tess hatte Nola sie einmal genannt, konnte ich mich vage erinnern - saß nun nicht unweit von mir auf einem Tisch der Caféteria und lachte und redete mit ihren Freunden. Es war komisch, jemanden erst in Kellneruniform und dann als Schülerin zu erleben. Es passte nicht zusammen.
Seufzend stellte ich den inzwischen leeren Joghurtbecher auf den Tisch ab und verschränkte die Arme vor der Brust. Eine ganze Weile beobachtete ich das Mädchen noch, teils fasziniert und teils fast enttäuscht, dass sie ein ganz normaler Mensch war. Das Klingeln meines Handys riss mich aus meinen Gedanken; ich schreckte hoch, angelte in meiner Hosentasche danach und hob sofort ab, als ich sah, dass es die Nummer meines Vaters war. Normalerweise rief er nur während der Schulzeit an, wenn es etwas Wichtiges war; sofort bekam ich Herzrasen und ein metallischer Geschmack breitete sich in meinem Mund aus. Was war passiert? Was?
Viel von den Worten bekam ich nicht mit. Das Einzige, was ich wirklich bewusst wahrnahm, waren die Worte Nola ist im Krankenhaus und Die Ärzte sagen, es ist der Krebs. Meine Lippen wurden trocken und mein Hals wurde es auch und ich saß mitten in einer vollen Caféteria und fühlte mich den Tränen nahe, spürte, wie sie in mir hochkrochen und über meine Augen emporquellen wollten. Ich schob sie mit reiner Willenskraft zurück, legte auf und erhob mich. Sogar das Tablett ließ ich stehen; stattdessen schnappte ich mir nur meine Umhängetasche und rannte hinaus aus diesem Raum; gerade noch rechtzeitig, ehe die Tränen überschwappten.
Zum Glück gab es Motorradhelme; und während ich mich darauf schwang, um zu fliehen, setzte ich mir diesen auf. Dann startete ich den Motor und fuhr los; einfach geradeaus, durch die Stadt, darüber hinaus, in dem Wissen, dass ich nicht wusste, wohin ich fuhr und in dem Wissen, dass ich jetzt nicht zurück in die Schule konnte - geschweige denn ins Krankenhaus. Nein, nein, ich konnte Nola nicht noch einmal so sehen, so schwach, so teilnahmslos, so ... am Aufgeben. Also fuhr ich, und fuhr, ich fuhr solange, bis meine Handknochen wehtaten, weil ich die Lenker so fest umklammert hielt, und bis es nicht mehr weiterging, weil sich vor mir das stille Meer ausbreitete wie eine sanfte Decke, die mir Einhalt gebietet. Sobald ich das sah, diese Idylle, beruhigte ich mich soweit, dass ich stoppen und den Helm absetzen konnte. Der leichte Wind brannte auf meinem tränennassen Gesicht und nichts und niemand schien hier zu sein, menschenleer war es auf der Klippe, auf der ich mich befand. Das gefiel mir. Ich stieg ab und schob mein Motorrad noch ein Stück, ehe ich es stehen ließ und mich auf ein Treibholz am Meer niederließ. Dort schloss ich die Augen. Und versuchte, zu vergessen.
COLLIN.
Das ursprüngliches Kaffetrinken mit meinem Cousin war in eine regelrechte Stammesversammlung ausgeartet. Paul hatte sich über den Kuchen hergemacht bevor Sam kam. Obwohl er bald Vater wurde war er ein Kindskopf wie er und je. Sam war nicht eingeladen gewesen, er meinte Lee hätte den Kuchen bei ihrem Spaziergang in der Nähe gerochen (wärs glaubt) der Kleine war zwar lebhaft und aufgeweckt, aber "Hay Dad da drüben gibts Kuchen.", konnte man ihm garantiert noch nicht entlocken. Rachel hatte den Zwerg beschäftigt während Sam und Emily sich mit Jake und den anderen unterhielten. Anscheind gab es Hinweise darauf, dass ein Nomade den Einwohnern von Forks zeitweise ziemlich nahe war ohne, dass wir etwas davon mitbekommen hatten. Emmett Cullen hatte seinen Geruch and er Highschool bemerkt, doch dort gab es zu viele Menschen, als das man einen Blutsauger so ohne weiteres ausmachen konnte. Seine Spur hatte sich verloren. Auf die Antwort hin, was dieser Schrank von einem Vampir an der Forks High School zusuchen hatte waren wir alle in Gelächter ausgebrochen. Vor allem Seth, der mitlwerweile sehr gut mit allen befreundet war konnte sich nicht vorstellen, dass Emmett einen verantwortungsvollen Lehrer angeben könnte.
Als Sam losgeworden war, weshalb er gekommen war hatte ich mich von der Gruppe entfernt. Früher hatten wir uns als Rudel versammelt wenn es soetwas zu besprechen gab. Heute gab es nur noch einige von uns, die sich noch regelmäßig verwandelten um ab und an Streifen zu laufen. Sam hatte Jake die Verantwortung für das gesamte Rudel übertragen nachdem sein Sohn geboren wurde. Jeder von uns konnte verstehen, dass er lieber mit seiner Frau udn seinen Kindern mitaltern würde anstatt sie in hohem Alter zu überleben. Das hatte allerdinsg zur Folge, dass Sam sich nicht mehr so oft verwandeln durfte. Jacob hingegen verwandelte sich fast täglich. Zum einen erwartete ihn ein quasi unendliches Leben mit Renesmee und zum Anderen hatte Nessi einmal gemeint, er wäre erträglicher wenn er ein Wolf war, dann könnte er nicht so viel reden. Aus irgendeinen Grund hatte das Jacob tierisch amüsiert.
Ich nahm einen kleinen Trampelfad zum Strand während ich nachdachte und mich von der grotesken Zusammenführung des Nachmittags erholte.
Leah war nicht dabei gewesen.
Ich versuche mir ein zu reden, dass es dran lag, dass sie nicht eingeladen war und Seth war ja auch nicht dort gewesen und genrell war das eine sehr spontane Aktion gewesen doch in Wirklichkeit wusste ich, dass sie absichtlich fern geblieben war. Zwar kümmerte sie sich rührend um Lee, aber sie hatte dabei immer diesen melanchonischen Blick. Vermutlich musste er sie an Sam erinnern. Leah und er kannten sich schließlich schon seit sie Kinder waren. Gedankenverloren kickte ich ein größeres Stück Treibholz aus dem Weg. Ich hatte den Strand erreicht, verfolgte die Flugbahn des Holzstückes und beobachtete, wie es zu den Füßen einer Frau landete. "Verzeihung.",rief ich ihr zu. Sie reagierte nicht. Ihr Kopf war gesenkt. Sie sah gar nicht gut aus. Ich joggte zu ihr und nahm neben ihr auf dem Treibholzsstamm platz, auf dem sie saß. Ich legte eine Hand auf ihre Schulter. "Hey, alles in Ordnung? Ist dir schlecht oder so? Soll ich einen Arzt holen?" Sie wirkte als würde sie jeden Augenblick zusammenbrechen.
EMMETT.
Er war einfach da, von einem Moment auf den anderen: der Geruch eines fremden Vampirs. Immer wieder war es dasselbe in den letzten Tagen: Egal, wo ich war, im Einkaufszentrum oder in der Schule, überall verfolgte mich dieser Geruch. Ein fremder Geruch, der mich nervös machte, der in mir eine Kampfeslust und Aggressivität weckte, die ich in meinem neuen Beruf nicht gebrauchen konnte. Seit Jahren war ich nun dem Menschenblut ausgewichen, doch mitten unter ihnen meinen vampirischen Instinkt brodeln zu spüren, machte es schwerer für mich. Mit jedem Tag verstand ich Jaspers Abneigung gegen Menschenmassen immer mehr. Manchmal war es kaum auszuhalten. Zum Glück gab es Toiletten, in denen ich mich wieder beruhigen konnte.
Ich hielt die Luft an, um nichts zu riechen und sah mich in dem fast menschenleeren Gang der Highschool um. Kaum ein Schüler war zu sehen und ich konnte mir nicht erklären, woher der verdammte Geruch kam. Wahrscheinlich hatte ich es mir einfach eingebildet. Kopfschüttelnd schulterte ich meine Tasche und ging schnell weiter zum Lehrerzimmer. Dort wollte ich den Geschichtslehrer abholen, der mich heute zu meiner neuen Klassen geleiten würde. Ja, heute durfte ich endlich damit anfangen, selbst zu unterrichten. Zwar nur als Praktikant und mit dem Lehrer im Nacken, aber das würde sicher Spaß machen. Über Geschichte wusste ich jede Menge, schließlich war ich einmal mitten drin gewesen. Heute würde es um den 2. Weltkrieg gehen.
"Ah, Mr. Cullen." Der Mann war viel kleiner als ich und strahlte mit nikotingelben Zähnen zu mir herauf. Ich packte seine winzige Hand und schüttelte sie, versuchte, menschlich normal zuzugreifen und ihm dabei nicht sämtliche Knochen zu brechen. Das war also Mr. James - klein, Bierbauch, und mit einem sehr gruseligen Grinsen. Er wirkte aber offen und wie ein Plappermaul. Das bewahrheitete sich auch in der nächsten Sekunde, als er mir auf die Schulter klopfte (wofür er sich auf die Zehenspitzen stellen musste) und anfing, über die nächste Unterrichtsstunde zu schwafeln. Ich nickte und stellte einige Fragen, deren Antworten ich schon längst wusste, während wir langsam das Gebäude verließen und zu einem anderen Haus wanderten.
Ich mochte die Forks Highschool nicht sonderlich. Die vielen einzeln herumstehenden Häuser, die alle dringend einer Renovierung bedurften und die Lehrer, von denen die meisten so aussahen, als wären sie so alt wie ich es in Wirklichkeit war. Aber Bella wollte nicht weg von hier und sie gehörte zu der Familie. Also hatte ich mich schließlich dazu herabgelassen, an diesem Ort ein Praktikum anzufangen. Immer noch besser, als von meiner Familie wegzumüssen. Sie bedeutete mir viel, nach solanger Zeit. Ich lächelte kurz bei dem Gedanken und hielt Mr. James dann die Türe zum Klassenraum auf. Er schien das äußerst toll zu finden, denn, ich schwöre, er hüpfte fast schon über die Türschwelle und durch den halben Klassenraum, ehe er sich mit Schwung in die letzte Bank setzte und mir damit wohl das Wort übergab. Sehr schön. Showtime.
Ich trat ebenfalls in den Raum legte meine Tasche auf dem Lehrertisch ab, ehe ich mich zu den Schülern umdrehte, die mich teils erwartungsvoll und teils aus Herzchenaugen musterten. Einer der Nachteile eines Vampirdaseins: Man war viel zu attraktiv. Ich steckte meine Hände in die Hosentaschen und grinste in die Runde. "Mein Name ist Emmett Cullen. Ich bin Praktikant hier und studiere gerade an der Universität "Geschichte und Wirtschaftskunde". Die nächste paar Stunden werde ich euch hier einiges beibringen. Bei Fragen könnt ihr natürlich immer eure Hand heben. Unser Thema heute ist der zweite Weltkrieg aus der Sicht der USA."
Ich zwinkerte leicht in die Runde, als ein Junge hinten kurz gelangweilt stöhnte und nahm dann ein Stück Kreide zur Hand. Das lief doch gut.
TESS.
Ich stöbselte meine Kopfhörer aus den Ohren, als ich die Stimmen um mich herum nicht mehr darüber hinweg hören konnte. Der Lehrer hatte den Raum betreten und ich bemühte mich die Kopfhörer nicht zu sehr zusammen zu knorkeln als ich sie eilig zurück in die Tasche stopfte. An meienr alten Schule hatte ich öfter im Unterricht Musik gehört und dabei gezeichnet und dergleichen aber ich saß in der zweiten Reihe und da wären meine Kopfhörer aufgefallen, außerdem wollte ich nicht gleich einen schlechten Eindruck hinterlassen. Mr. James war zwar etwas gruselig, aber durchaus nett. Ich bewunderte wie ein Mann in seinem Alter immer so aufgeregt sein konnte, außerdem mochte ich die Begeisterung, mit der er seinem Job nachging. Doch der Mann, der hinter dem Lehrerpult zu sprechen begann war nicht Mr. James.
Ich schaute von dem Chaos in meiner Tasche auf und dachte im ersten Moment, es wäre wieder mein Banknachbar aus dem Biologiekurs. Doch schon nach den ersten Sekundenbruchteilen bemerkte ich, dass er doppelt so muskulös und ein ganzes Stück größer war, allerdings nicht minder schön. Es war war nicht schwer sie zu vergleichen. Sie hatten beide blasse Haut, schwarzes kurzes Haar und braune Augen, außerdem einen tadellosen Kleidungsstil und wohlgeformte Gesichtszüge. Während mein Mitschüler allerdings eher etwas bedrohliches an sich hatte, nicht zuletzt durch das kräftige Rot in seinen Augen, war dieser Praktikant vor der Tafel, obwohl breiter und muskulöser, fast schon niedlich. Als er breit grinste (und ich hatte noch nie ein so breites und tsrahlendes Grinsen auf dem Gesicht eines Lehrers gesehen) sah er nicht viel älter aus als meine Mitschüler und die Grübchen auf seinen Wangen ließen ihn wie einen Engel wirken, auch wenn mir dieser Vegleich zuwieder war. Es war so ein Klischee. Der scharfe Praktikant, der aussieht wie ein Engel. Seine Haare waren kurz aber ich war mir sicher, dass er Locken hätte, würde er sie länger wachsen lassen. Sein Kreuz war so breit, dass es beinahe die halbe Tafel einnahm und ich konnte erst lesen, was er angeschrieben hatte als er sich wieder der Klasse zuwandte. Während ich mühsam versuchte dem zu folgen, was er mit warmer, tiefer und samtener erzählte fragte ich mich, ob es Lehrern erlaubt war ein Sweatshirt zu tragen, unter dem sich die Brust- und Bauchmuskeln abzeichneten. Die gesamte weibliche Lehrerschaft musste sich doch bereits das Maul über ihn zerreißen.
Seine Schrift war länglisch, geschwungen und sah an der Tafel aus wie ein alter Buchdruck. Ich kannte keinen Menschen mit so einer kkuraten Handschrift. Hatten Lehrer nicht sonst eine Sauklaue? Ich hatte eine Gänsehaut. Dieser Refenrendar war sicher nicht wie ein ganz normaler Lehrer, ganz sicher.
DANA.
Meine Gedanken waren ein einziger Wirbelsturm und ich befand mich mittendrin. Immer noch waren da die Worte meines Vaters und ich hörte sie in meinem Kopf in einem Fort. Nola ist im Krankenhaus. Die Ärzte sagen, es ist der Krebs. Ich konnte die Tränen auf meiner Wange spüren und das gelegentliche Zittern meines Körpers. Ich spürte das nasse, kalte Treibholz, auf dem ich saß, und einen Moment lang dachte ich, dass ich vielleicht aufstehen sollte, bevor ich mir eine Erkältung holte. Aber dann musste ich lachen, denn was ist schon eine Erkältung gegen Krebs?
Und so saß ich auf diesem Treibholz, den Kopf gesenkt und den Sand zu meinen Füßen betrachtend. Ich versuchte, die Tränen zu besiegen, versuchte, mich wieder zu beruhigen, aber alles, was ich zustande brachte, waren weitere Tränen und Schluchzer, die mich überfielen. Ich fühlte, wie mein Herz wehtat bei dem Gedanke an die schöne, liebe Nola, die erneut diese Höllenqualen durchleiden würde müssen. Alles tat mir weh bei diesem Gedanken. Und ich stand mitten in diesem Wirbelsturm und konnte nicht vor und nicht zurück, stand mittendrin und war gefangen.
Die Gegenwart einer anderen Person bemerkte ich erst, als ich eine Berührung an meiner Schulter wahrnahm und sich eine Stimme neben mir erhob. Ich konnte nur schwer verstehen, was sie sagte, denn meine schreienden Gedanken tobten und übertönten alles. Ich sah auf und versuchte mich an einem Lächeln, was ziemlich scheiterte. Der Mann neben mir war groß, muskulös und obwohl sein Körper wirkte wie der eines 25-Jährigen sah ich in seinen Augen, dass er eigentlich viel jünger war. Er sah mich besorgt an, und ich fragte mich einen Moment lang, wie ich wohl aussah: vom Weinen gerötete Augen, mein Haar vom Motorradhelm zerzaust und zitternd. Kein Wunder, dass er dachte, ich bräuchte Hilfe. Aber die brauchte ich nicht. Also schüttelte ich nur den Kopf und versuchte, Worte zu formen, die nicht als Schluchzer aus meinem Mund kommen könnten.
"Mir fehlt nichts", brachte ich schließlich heraus und dachte, dass das eine Lüge war. Mir fehlte die intakte Familie, die ich vor einer halben Stunde noch hatte. Diese Familie, die, wie ich wusste, durch diesen kleinen Telefonanruf wieder einen Riss innehatte. Nola war es doch, die uns immer wieder zum Lachen brachte, Nola war unser gemeinsamer Sonnenschein. Und jetzt lag sie wieder im Krankenhaus und ich musste das Bild verdrängen, wie sie das zwischen Schläuchen und tausend Krankenschwestern ganz klein in ihrem Bett lag und blass und jung und zerbrechlich wirkte. Ich durfte nicht daran denken; ich musste endlich aufhören, zu weinen und dann losfahren, um meinem Vater beizustehen. Aber stattdessen kamen wieder Tränen, die ich nicht zurückhalten konnte. Und der junge Mann sah mich an, als würde er meinen Worten nicht glauben. Kein Wunder - würde ich auch nicht.
COLLIN.
Unbeholfen sah ich die Frau an. Ihr Kinn zitterte und sie bemühte sich sichtlich, nicht in lautes Heulen auszubrechen wobei sich ihre Miene grotesk verzog. Sie trug dick Eyeliner, welcher wie schwarze Tinte ihre Wangen hinunterrann und dunkle Linien auf ihre Wangen malten. Umständlich und hektisch kramte ich in der Tasche meiner Bermudas nach Taschentüchern und während ich ein sauberes daraus angelte und es ihr entgegenhielt täschelte ich unbeholfen ihre Schulter.
Einen Moment überlegte ich sogar, sie in den Arm zu nehmen aber sie war eine wildfremde Person und vermutlich würde das auch einen eher unseriösen Eindruck hinterlassen. Als ich bemerkte, dass das Zittern ihres Körpers durch mein Schulterklopfen (meine Hand war fast so groß wie ihre gesamte Schulter) nur verstärkt wurde ließ ich die Hand sinken und räusperte mich verlegen.
Ich wollte dieser Frau nicht helfen. Wie auch? Ich kannte sie ja gar nicht. Aber ich konnte sie jetzt auch nicht einfach so da sitzen lassen. Das tat man einfach nicht. Außerdem sah sie immernoch gefährlich labil aus. Hoffentlich hatte sie jetzt keinen Nervenzusammenbruch. Bedauerlicherweise sah es allerdings ganz danach aus.
Ich sah ihre zu, wie sie sich mit dem Taschentuch, das sich binnen Sekunden mit Wasser und Maskara vollgesaugt hatte, das Gesicht abtupfte. Dann schnäuzte sie hinein und ich angelte ein neues aus meiner Tasche und reichte es ihr.
"Ähm... also...", ich war nicht gut darin, Leute zu trösten. Das war irgendwie nie nötig gewesen. Meine Eltern waren sehr glücklich und Geschwister hatte ich nicht. Und meine Versuche Leah mit irgendwelchen dämlichen Telepatie-Witzen auf zu heitern haben auch nie geklappt.
Ich beschloss mich vor zu stellen. "Mein Name ist Collin. Collin Littlesea." Das war immerhin ein Anfang, besser als einfach schweigend neben ihr zu sitzen, oder? "Also ich...." ich kratze mich verlegen an der Schulter. "Wenn ich irgendwas für dich tun kann... jemanden anrufen oder so. Ich könnte dich auch nach Hause bringen. Du siehst nicht so aus als ob ... naja ... also ..." Ich versuchte neu anzusetzen um es zu vermeiden ihr zu sagen, wie übel sie aussah."Ich meine, kommt ja auch drauf an wo du überhaupt hinwolltest. Ist ..." Mir fiel wieder ein, dass ich sie bereits gefragt hatte ob alles in Ordnung sei und ich verstummte. Meine Hände fuhren nervös meine Oberschenkel rauf und rab während ich einen Weg zu finden versuchte aus der Sache wieder raus zu kommen.
Eine plötzlich aufkommende Briese brachte uns beide zu frösteln. Sie wohl eher als mich. Ich konnte die Gänsehaut auf ihrem Unterarm sehen. Sie war viel zu dünn angezogen um an den Strand zu gehen. "Wie bist du überhaupt hergekommen?" Ich war mir sicher, dass sie nicht in La Push wohnte, konnte aber auch weit und breit kein Fahrzeug entdecken, mit dem sie hergekommen sein konnte und Forks - die nächste Stadt - war definitif zu weit entfernt, als dass man von dort nach hier zu Fuß laufen konnte. Ich rekte den Hals, obwohl ich schon so locker über sie drüberweg schauen konnte, so klein und zusammengesunken, wie sie dort auf dem Treibholz neben mir saß.
EMMETT.
Ich war in meinem Element. Früher hätte ich nie gedacht, dass ich mir als Beruf einmal den des Lehrers aussuchen würde, doch inzwischen hatte ich herausgefunden, dass es genau das war, was zu mir passte. Ich konnte reden, etwas, was ich ohnehin den ganzen Tag und gerne tat, und ich konnte damit das Wissen von hundert Jahren an andere weitergeben. Ich hatte Zuhörer, die an meinen Lippen hingen, ob nun gewollt oder ungewollt, und es gefiel mir, ganz vorne zu stehen und zu sehen, wie sie alles zu mir aufsahen. Das war also mein Traumberuf.
Die Stunde ging schneller vorüber als gedacht. Ich beendete sie beim Klingeln, obwohl ich noch lange nicht fertig war, doch als ehemaliger Schüler wusste ich natürlich, dass nach diesem Geräusch sowieso niemand mehr zuhören würde. Also bedankte ich mich bei der Klasse für ihre Mitarbeit und entließ sie, nicht ohne sie alle noch einmal zu mustern. Doch ich konnte keinen Geruch riechen, der mich an den Vampir erinnerte, und so ließ ich sie alle gehen und packte meine Tasche. Schade, dass es so schnell vorbei gewesen war; ich konnte es kaum erwarten, erneut zu unterrichten.
Mr. James gesellte sich zu mir und setzte sich auf den Lehrertisch. Er fing an zu reden, doch ich hörte ihm nur halbherzig zu. Das reichte sowieso für meinen Vampirverstand; er zählte auf, was ihm gefallen hatte und was nicht und weil ich wusste, dass ich perfekt war, schaltete ich in meinem Inneren aus. Es interessierte mich nicht, was dieser alte Mann dachte, dessen Unterricht, wie ich mich entsinnen konnte, immer sterbenslangweilig gewesen war. Meine Methode war besser, das wusste ich, also war mir seine Meinung völlig egal. Er verstand es nicht, aber ich ließ ihn reden.
Das Mädchen stolperte genau vor mir und in dem Moment, als ich einatmete. Der Geruch traf mich und ich wusste nicht, welcher mich mehr aus der Bahn brachte: der des Vampirs, den wir suchten, oder jener süße dieses Mädchens, der mir den Atem raubte. Geistesgegenwärtig fing ich sie auf, und dieser Geruch hing in der Luft und der Vampir war so nah und doch nicht hier, aber sie roch intensiv nach ihm. Ich sah ihr in die Augen, doch die waren braun und faszinierend und ohne eine Spur von dem Rot, das ich suchte. Das war erleichternd - und der Geruch nach Vampir war beunruhigend.
TESS.
Nach dem Unterricht - und um nicht noch länger mit dem Blick an meinem neuen Referendar hängen zu bleiben - beschloss ich wieder Musik zu hören. Trotz anfänglicher Vorsicht beim Einpacken waren die Kopfhörerkabel hoffnungslos verknotet und während ich von meinem Platz aufstand und den Raum verließ lößte sich plötzlich das Kabel und schlang sich mit Schwung gleichzeitig um mein rechtes Bein und den Haken am Tisch in der ersten Reihe, an dem man für gewöhnlich seine Tasche anhing. Ich geriet ins Wanken und knickte um, stolperte und landete geradewegs in den kühlen Armen des angehenden Lehrers. Mit einer einzigen geschmeidigen Bewegung fing er mich auf und als sich unsere Blicke begegneten war ich wieder gefangen. Ich hatte das Gefühl er würde viel mehr sehen als nur meine Augen. Sein Blick war, ich konnte es nicht anders bezeichnen - betörend und fasziniert.
So wie er mich ansah, wäre ich am liebsten nie wieder aus seinem Griff geflohen. Seine Hände waren noch kälter als meine Arme, was eine echte Meisterleistung war, denn ich hatte die Körpertemperatur einer Leiche. Aber seine Haut fühlten sich glatt an und gleichzeitig hart, aber angenehm. Absolut alles in diesem Moment war angenehm, sein Griff, sein Geruch, sein Blick und mein viel zu lauter Herzschlag. Ich versuchte nach Luft zu greifen um wieder klar denken zu können und einen winzigen Augenbglick später stellte er mich wieder hin, auf meine wackeligen Beine und ich machte unbeholfen das Kopfhörerkabel von dem Haken los. "Verzeihung.", murmelte ich und versuchte den Blick gesenkt zu halten. Meine Wangen wurden ganz warm, als ich bemerkte in was für einer laszieven Pose ich mich befand während ich an dem hartnäckigen Kabel zupfte. Mein Hintern zeigte genau in Richtung der beiden Lehrer und ich beeilte mich.
Mr. James räusperte sich "Das sind ja wirklich gefährliche Dinger, die sie da haben.", meinte er mit einem Lachen in der Stimme und ich fragte mich, ob er meine Kopfhörer meinte, oder nur meinen Po anstarrte. Die Situation schlug ins Unangenehme. "Sie sollten vielleicht einfach das nächste Mal besser auf sich aufpassen.", das war die Honig-Samt-Stimme von Mr. Cullen und als ich das Gewirr endlich losgemacht und mich wieder zu ihm umgedreht hatte, lächelte er halb und halb war seine Stirn gerunzelt. Mr. James sah ganz ähnlich aus.
Undendschlossen, ob ich mich noch einmal entschuldigen sollte blieb ich im Raum stehen, doch Mr. James trieb mich mit einem Grinsen an, wobei er seine Nikotingelben Zähne in ganzer Pracht zeigte. "Müssen sie nicht in ihren nächsten Kurs?",fragte er. Einen Moment stand ich kerzengerade wie die Maus vor einer Katze stehen, dann stürmte ich fast aus dem Raum.
Die Flure waren tatsächlich schon ganz leer und da es draußen regnete waren die Schüler vermutlich bereits alle in ihren Klassenräumen. Ich hatte gerade mal eine Minute den Raum zu wechseln, also rannte ich, die Kopfhörer an mir herunterbaumelnd, zum Französischraum in der zweiten Etage. Ich kam mehr oder minder zu spät, aber die Lehrerin lächelte nur mit ihrem schmalen Mund und fragte, "Tellement à la hâte, Miss Carlsson?". Ich lächelte halb und antwortete auf Französisch, dass es ein sehr stressiger Tag war. Sie nickte nur, wobei sie wohl streng wirken wollte, lächelte jedoch weiterhin über meine akkurate Antwort.
Ich mochte Französisch, an meiner alten Schule war ich ein Ass gewesen und es war das einzige Fach, zudem ich mich nach diesem Vorfall in Geschichte noch in der Lage fühlte.
DANA.
Die Anwesenheit des fremden Mannes führte dazu, dass das Schluchzen langsam weniger wurde und ich mich beruhigte. Wenn es etwas gab, was ich verhindern wollte, dann war es genau das: vor einem Fremden zu heulen. Obwohl es mich störte, dass er meine gesuchte Einsamkeit unterbrochen hatte, war ich doch froh, dass ich durch ihn langsam wieder die Kontrolle über mich bekam. Ich atmete tief ein und aus, bis die Tränen weniger wurden und ich langsam wieder Luft holen konnte, ohne sofort zu schluchzen.
TESS.
Mit verschränkten Armen drückte ich die losen Bücher an meine Brust und schlüpfte in meinen rechten Stiefel. Nebenbei fiel mir auf, dass ich zwei unterschiedliche Socken trug - eine Hautfarbene und eine weiß-rot-gestreifte. Ich hätte die Schultern darüber gezuckt doch wollte auf keinen Fall riskieren, dass mir die Bücher aus den Armen vielen. Die goldbraune Ledertasche rutschte mir von der Schulter und landete in meiner Ellenbogenbeuge als ich umständlich versuchte hinter mir ab zu schließen. Hastig rannte ich die Treppen hinunter und kaute emsig auf dem Pfefferminz-Kaugummi während ich vor mich hin nuschelte. "Es sollte verboten sein so früh zur Schule zu müssen." Das war eine der Tatsachen, die sich selbst nach meinem Umzug nicht geändert hatten. Ich war froh den ganzen morgen noch in keinen Spiegel gesehen haben zu müssen. Sicherlich standen meine Haare in alle Richtungen ab wie eine Löwenmähne und ich hatte Augenringe bis zu den Mundwinkeln. Gestern war mein erster Arbeitstag gewesen und meine allerersten Kunden waren eine Familie, ein Vater mit zwei bildhübschen Töchtern gewesen, von denen eine etwa in meinem Alter war und die Andere ein ganzes Stück jünger. Sie war mit Abstand das niedlichste Mädchen gewesen, das mit je über den Weg gelaufen war, da war ich mir ganz sicher und ich lächelte bei dem Gedanken an sie, als ich in meinen Schokoladenbraunen Chevie stieg. Sie hatte sich ganze 10 Minuten lang nicht entscheiden können, was sie essen wollte. Jede andere Bedienung wäre ganz sicher an ihr verzweifelt, aber ich habe so lange mit ihrer geredet, bis nur noch drei Gerichte übrig blieben waren, dann haben wir beide ihren Vater überredet mit uns beiden Schere-Stein-Papier zu spielen und jeder von uns war eine der drei Nummern auf der Speisekarte. Letztendlich gewann ihr Vater, der sich das Gesündeste ausgesucht hatte und wir waren uns ganz sicher, dass er geschummelt hatte. Am Ende hatte sie aber ein Abendessen, dass ihr schmeckte und sie versprachen, bald wieder zu kommen damit sie die anderen beiden Sachen auch noch probieren konnte. Ihr Name war Nola. Ich dachte daran wie glücklich und aufgeweckt sie gewesen war als ich zu meiner neuen Schule fuhr.
Auf dem Parkplatz angekommen versuchte ich ganz ehrlich, mich nicht ins Parkverbot zu stellen doch wenn ich noch weiter rumgekurvt wäre um einen Parkplatz zu finden wäre ich definitiv zu spät gekommen. Der abgesengte Bortstein in der Nähe der Einfahrt kam daher mehr als gelegen und ich sprang leichtfüßig aus dem Wagen. Die Bücher waren mittlerweile in der Tasche gelandet und mit eben dieser über der Schulter eilte ich zu einem älteren Gebäudetrakt um pünktlich zum Geschichtsunterricht zu kommen.
Als ich gemeinsam mit dem Klingelzeichen zum Unterrichtsbeginn in den Raum stapfte schauten mich sowohl Lehrer als auch Klassenkameraden an, als käme ich vom Mond. Ohne ein weiteres Wort setzte ich mich auf den Platz ganz hinten rechts, am Fenster und breitete den gesamten Inhalt meiner Ledertasche auf dem Tisch aus, als der Schlüsselbund auf die Tischplatte traf verursachte es ein lautes Klirren, was mir abermals die Blicke der Klasse einfing, dieses Mal eher verärgert, als überrascht. Ich versuchte meinen Kopf zwischen den Schultern zu verstecken während ich alles wieder ordentlich in die Tasche zurück sortierte. Ich hatte vergessen mein Handyakku zu laden, was zur Folge hatte, dass mein einziger Wecker heute Morgen nicht geklingelt hat und hätte nicht irgendjemand im Treppenhaus diesen Höllenlärm veranstaltet hätte ich mir den Schulbesuch sicherlich ganz sparen können. Ich war die letzten zwei Nächte nicht zum Schlafen gekommen und deshalb todmüde. Ich wünschte ich könnte behaupten, dass ich wenigstens die Nächste durch gefeiert hätte aber statt dessen musste ich gestern bis spät abends im Diner arbeiten und um wach zu bleiben hatte ich so viel Kaffee getrunken, dass ich einfach nicht mehr richtig in den Schlaf kam und vorgestern Nacht war sowieso diese ganze Katastrophe passiert. Da hatte man sich kaum einen Monat und der einzige Mitbewohner den man hat und der einen normalerweise größtenteils in Ruhe ließ kommt Abends nach Hause und erleidet einen richtigen Nervenzusammenbruch, redete davon, dass seine Schwester von einem Tier angefallen wurde. Ich habe noch nie einen ausgewachsenen jungen Mann so weinen sehen. Jedenfalls konnte ich ihn damit nicht einfach so allein lassen und hatte die Nacht damit verbracht ihm Mut zu zu reden und ihn zu trösten. Für mich tat es letztendlich nichts zur Sache, wie gut ich jemanden kannte oder nicht. Manchmal ist da sein, das Einzige, was man tun kann.
Jemand ließ ein Buch neben mich auf die Tischplatte knallen, dass es noch lauter schallte als vorhin mein Schlüsselbund und ich schrak heftig aus meinen Gedanken. "Ich wäre ihnen sehr verbunden, wenn sie den Unterricht wenigstens ein einziges Mal mit ihrer geistigen Anwesenheit beehren würden, Miss Carlsson."
Mist ... schon wieder.
DANA.
Ich träumte vom Meer; unendlich weit und unglaublich blau. Ich träumte davon, an einem Strand zu stehen, die warme Sonne auf meiner Haut zu spüren und meine Zehen im weißen Sand zu vergraben. Ich träumte, dass ich tanzte, mich im Kreis drehte, lachte. Ich träumte von Freiheit; so federleicht und kaum zu fassen in der Welt, die nach dem Erwachen auf mich wartete.
Ich blinzelte und kniff die Augen zusammen. Jetzt war ich wach; durch das Fenster meines Zimmers blendeten mich die Strahlen der Morgensonne und es roch nach Waffeln. Kurz blieb ich noch liegen, mit geschlossenen Augen dachte ich über den vor mir liegenden Tag nach. Dann raffte ich mich auf, schlüpfte in meine flauschigen Hausschuhe, die Nola ausgesucht hatte, und schlenderte langsam, noch schlaftrunken und ergriffen von meinem so unglaublichen, wunderschönen Traum, in die Küche, von wo aus der Geruch nach Waffeln kam.
Papa war bereits wach. Er schob mir meinen morgendliche Kaffeetasse zu. Als Dank gähnte ich ihm ins Gesicht und ließ mich auf einen der Stühle fallen. Er lachte und strich über mein vom Schlafen zerzaustes Haar. Ein Wunder, dass er mit seinen rissigen Händen nicht hängen blieb. Er sah müde aus, als ob er die ganze Nacht nicht geschlafen hätte, aber trotzdem lächelte er mich an. Ich stellte mir vor, wie er mit neunzehn oder zwanzig Jahren ausgesehen haben musste und kam zu dem Schluss, dass die Last des Lebens ihn viel zu schnell altern ließ. Papa war doch noch gar nicht so lange auf der Welt; trotzdem wirkte er, als hätte er so viel mehr Lebenserfahrung.
Nola tapste barfuß herein und winkte gut gelaunt. Sie war ein absoluter Morgenmensch; immer gut gelaunt und fröhlich, selbst zu dieser unsittlichen Zeit. Ich mochte das, immerhin war es Nola, mein süßer Engel, meine kleine Schwester, die allerbeste Freundin auf der ganzen Welt. Sie drückte mir einen Kuss auf die Wange und kicherte, plapperte in einem fort von unserem Restaurantbesuch am gestrigen Abend und über die überaus nette Kellnerin dort. Ich nickte und nickte, während ich an meinem Kaffee nippte und eine Waffel von meinem Vater stahl. Er lächelte - wie immer.
Mein Blick fiel auf den leeren Stuhl mir gegenüber und ich hielt für einen Moment inne und konzentrierte mich nur darauf. Nola rechts von mir redete weiter, während Papa meinem Blick folgte. Er wusste immer automatisch, woran ich gerade denke. Ich hasste es, dass dieser Platz leer war; dass Isaac nicht da war, sondern weit weg an einem College in der Nähe von unserer Mutter. Mein Bruder fehlte mir. Ich konnte es kaum erwarten, ihn wieder zu sehen - er hatte sich angekündigt, Freitag wollte er hier auftauchen. Nur noch fünf Tage. War doch leicht auszuhalten - oder?
Ich parkte mein schwarzes Motorrad neben einem rostigen roten Chevy und steckte die Hände in meine Jackentaschen. Ich war froh, dass niemand mich bemerkte; mir war nicht nach Reden, immer noch schwebte der Gedanke an meinen Bruder in einem Kopf. Ich vermisste ihn so sehr. Seufzend warf ich einen Blick auf meine Uhr und beeilte mich dann, in meine Klasse zu kommen. Setzte mich auf meinen Platz in der letzten Reihe, blickte aus dem Fenster und drehte an dem Ring mit dem Zeichen für "Unendlichkeit", den mir mein Bruder vor seiner Abreise geschenkt hatte. Unendlich. Die Bedeutung ist schön, aber sie war noch schöner, als er noch in meiner Nähe war.
Ich versuchte, mich auf den Unterricht zu konzentrieren. Ein neuer Schüler fiel mir auf, groß und muskulös, außerdem auffallend perfekt wie die Cullen-Familie. Wohl ein entfernter Verwandte. Ich beobachtete ihn eine Weile. Viel zu schnell, viel zu elegant, viel zu viel. Ich mag ihn nicht, entschied ich. Eigentlich mochte ich ohnehin niemanden. War nunmal so.
Außer meine Familie.
TESS:
„Was ist denn nur mit dir los heute?“,fragte mich dieses Mädchen aus meinem Mathekurs abwertend. Ihren Namen hatte ich vergessen aber ich glaubte, dass sie Janine hieß. „Ich meine, wie oft bist du eingeschlafen? Zwei Mal? Drei Mal? In einer einzigen Mathestunde! Mädchen, hast du überhaupt geschlafen?“ Ich griff nach einem Tablett und reihte mich hinter einem Jungen mit dicker Brille ein, der vermutlich einige Klassenstufen unter mir war. Er lächelte und ich lächelte zurück während ich darüber nachdachte, dass ich es mochte wenn man mich „Mädchen“ nannte, auch wenn das in den meisten Fällen nicht nett gemeint war. Mir fiel wieder ein, dass mich meine Klassenkameradin etwas gefragt hatte. „Um … naja nicht so richtig.“ Ich nahm mir einen Apfel und einen Obstsalat. Den Apfel ließ ich gleich in meiner Tasche verschwinden, den Obstsalat trug ich auf meinem Tablett zu einem Tisch am Fenster. „Zu viel gefeiert am Wochenende?“,das neugierige Mädchen folgte mir. Ich lächelte abwesend, meine Gedanken drehten sich nach wie vor abwechselnd um meinen Mitbewohner und das kleine Mädchen von gestern. „Naja, schön wär's.“ Ich riss die Plastikgabel vom Boden des Behälters ab und begann in meinem Obstsalat herum zu stochern. Der Regen vor dem Fenster zog meinen Blick auf sich und ich sah zu wie die Menschen draußen rannten und Hefter und Rucksäcke über ihre Köpfe hielten um nicht allzu nass zu werden auf dem kurzen Weg zur Cafeteria während ich am Rande wahrnahm, dass der Tisch um mich herum voller wurde. „Tess? Haaallooo?“, jemand fuchtelte mir mit der Hand vor dem Gesicht herum. „Lass sie, Janine, du siehst doch, dass sie heute nicht so auf dem Damm ist.“,warf jemand ein. Janine protestierte. „Klar, ich will doch nur wissen wieso!“
Ich schaute zu ihr hinüber ohne sie wirklich an zu sehen. „Naja ich wohne doch in dieser WG. Der Typ, dem die Wohnung gehört kam gestern vollkommen fertig nach Hause.“ Jetzt sah ich ihr direkt in die Augen als ich sagte. „Seine Schwester wurde von einem Tier angefallen. Sie hat sehr viel Blut verloren. Sie ist tot. Sie war nicht viel älter als wir.“ Janine schlug dramatisch die Hand vor dem Mund. Ihre Augen weiteten sich und sie erinnerte mich an eine Comicfigur. „Das ist ja schrecklich!“,warf die Stimme, die mich vorhin verteidigt hat wieder ein. Ich nickte und widmete mich wieder meinem Obstsalat. „Mein Mitbewohner hat sich also die ganze Nacht bei mir ausgeheult und ist dann sofort losgefahren um seiner Familie bei zu stehen. Alles war ziemlich chaotisch.“ Ich nahm aus dem Augenwinkel das Nicken meiner Mitmenschen war. „Oh Gott, das tut mir Leid.“,sagte jemand. „Dann braucht man sich ja nicht zu wundern, wenn du so neben der Spur bist.“,meinte Janine. Irgendjemand lächelte mich an. „Für jemanden, der die ganze Nacht keinen Schlaf bekommen hat siehst du aber ziemlich heiß aus.“ Das war Michael. Er stand auf Männer. Ich kannte ihn aus dem Kunstkurs. Er rückte seinen Stuhl näher an meinen und beäugte mich kritisch. „Deine Haare sind zerzaust aber das gibt dir etwas verwegenes. Make-Up brauchst du ja sowieso nicht. Bei der Auswahl deiner Klamotten hättest du sorgsamer sein können aber sonst … fabelhaft.“ Ich grinste ihn an und steckte ihm ein paar Scheiben Banane in den Mund damit er ruhig war.
Auf der anderen Seite neben mir stellte Janine wieder eine Frage. „Wie war ihr Name?“ Ich wandte mich ihr zu. „Hm?“ „Ihr Name.“,wiederholte sie. „Das Mädchen, was gestorben ist, weißt du wie sie hieß?“ Ich zuckte mit den Schultern und senkte den Blick. „Holiday.“ Der Rest des Tisches ließ ebenfalls den Kopf hängen. „Arme Holiday.“
DAMIEN.
Gelangweilt ließ ich mich auf einen Tisch am Fenster fallen. Die Idee, eine Schule zu besuchen, um sich einer neuen Herausforderung zu stellen, kam mir auf einmal irrsinnig vor. Natürlich war es etwas Neues und ich hatte schon einige interessante Gerüche aufgeschnappt, aber niemand hatte so etwas Unglaubliches an sich wie die kleine, süße Holiday. Ob das überhaupt möglich war? Ich schüttelte den Kopf als Antwort, verschränkte die Arme, lehnte mich in dem unbequemen Caféteria-Stuhl zurück und ließ meinen Blick durch den Raum schweifen.
Durch meinen ausgeprägten Gehörsinn hörte ich sie alle. Uninteressiert - Menschengespräche, wie wenig faszinierend sie doch waren - hörte ich mal hier und mal da rein, hörte Geheimnisse und Geschichten, hörte tröstende Worte und den Namen "Holiday". Moment - Holiday? Ich runzelte die Stirn, drehte mich auf meinem Stuhl ein bisschen nach rechts und konzentrierte mich auf den Tisch. Von dort war dieses Stichwort gekommen. Sie schienen über das zu reden, was in der Zeitung stand und - ah. Dieses eine, blonde Mädchen, schien Holidays Bruder zu kennen. Ich legte den Kopf schief und musterte sie; Mittelmaß. Aber irgendwie erinnerte mich Tess - wie jemand sie gerade nannte - an Holiday. Sie wirkte unglaublich zart und zerbrechlich, besaß diesen unschuldigen Augenaufschlag. Ich grinste etwas. Vielleicht hatte ich jetzt mein neuestes Opfer gefunden.
Ich warf einen Blick auf die Uhr, erhob mich und hängte mir meine Tasche um. Es war Zeit, meinem neuen Schülerdasein nachzugehen; Biologie stand auf dem Plan. Ziemlich demotiviert machte ich mich auf den Weg zu dem Klassenraum. Als ich eintrat, wurde ich schlagartig motivierter; da saß ja die große Holiday und zwar alleine. Unauffällig ließ ich meinen Blick auf der vermeintlichen Suche nach einem Platz durch den Raum schweifen und ließ mich dann, als hätte ich es nicht von Anfang an geplant, neben Tess nieder. Ich wandte mich sofort ihr zu, lächelte entschuldigend. "Darf ich hier sitzen oder ist dieser Platz besetzt?" Meine Stimme war samten, glitt wahrscheinlich in ihr Innerstes und ließ sie erschaudern. Ich beobachtete die Reaktion interessiert. Ja. Das war sie.
TESS.
Ich zuckte zusammen als ich angesprochen wurde. Die Federtasche, die ich gerade auf den Tisch legen wollte glitt mir aus den Fingern und der Inhalt verteilte sich auf der Tischplatte. Sie war bis zum anschlag voll gewesen, bedauernt sah ich dabei zu, wie einige der Auarellbundstifte auf das Ende des Tisches zurollten. Ich wusste, dass die Mienen brechen würden, würden sie unten aufschlagen. Das waren teure Stifte. Doch eine Hand schob sich in mein Blickfeld und rettete sie vor dem sicheren Tod. Die Hand gehörte zur Stimme, das wusste ich, zu dieser unglaublichen Stimme, tief und samtig und warm und melodisch und ... bevor mir noch mehr adjektive in den Sinn kamen fiel mir ein, dass es vermutlich höflich wäre mich zu bedanken und auf seine Frage zu antworten. "Ähm... danke und klar, der Platz ist frei. Aber auch nicht ohne Grund, ich meine, nicht, dass mir das öfter passieren würde oder so. Nomalerweise passe ich auf diese Stifte besser auf.", murmelte ich vor mich hin und lächelte während ich mit akribischer Sorgfalt meine Stifte von der Tischplatte sammelte und zählte. Einer fehlte - weiß. Ich schaute zu meinem neuen Banknachbarn mit der tollen Stimme auf und vergaß im gleichen Moment die Frage, die ich ihm hatte stellen wollen. Seine Erscheinung war dermaßen eindrucksvoll, dass ich nicht wusste, wo ich zuerst hinsehen sollten, also flogen meine Augen auf seinem ganzer Körper und seinem Gesicht so schnell hin und her, dass es vermutlich für ihn aussehen musste, als hätte ich einen Anfall so viel wie ich blinzelte. Ich versuchte mich auf etwas bestimmtes zu konzentrieren, wie zum Beispiel die Blässe seiner Haut, die markanten Wangenknochen oder die ausdrucksstarken, dunklen Augenbrauen. Mir fiel außerdem auf, dass er einen außergewöhnlich guten Kleidungsstil hatte und obwohl ich ihn kaum eine Minute sah wusste ich, dass er nicht zu den Menschen gehörte, die in ihrer Freizeit Jogginghosen trugen. Genrell viel mir absolut keine Art von Mensch ein, in die ich ihn irgendwie hineinkatgorisieren konnte. Ich versuchte nicht allzu sehr auf seinen Körper zu achten. Ich hätte es nicht in Ordnung gefunden, bei unserer ersten Begegnung so eine Art von Gedanken zu denken, auch wenn ich nicht leugnen konnte, dass ich mich auf Anhieb körperlich von ihm angezogen fühlte, was nicht zuletzt an seinem Geruch gelegen haben könnte, der schwer und süß in der Luft lag und mein Gehirn benebelte. Meine Gänsehaut verriet mich. Doch tatsächlich war das, was mich an ihm am meisten fesselte seine scharlachroten Augen. Die Art wie er mich ansah, triumphierend und irgendwie auf eine Art, die mich zugleich anzog und ängstigte gab mir das Gefühl, als würde ein kalter Schatten direkt in meinen Körper fahren. Ich spürte, wie ich zu zittern begann und versuchte es zu unterbinden. Als der Lehrer den Raum betrat und um unsere Aufmerksamkeit bat ließ mein Gegenüber, wennauch nur für einen winzigen Moment, den Blick nach vorn schweifen. Ich fühlte mich, als hätte er mich freigegeben und mein Körper sackte ganz leicht zusammen. Ich konnte den Blick nur mit größter Mühe und auch nur für ein paar Sekunden auf meinen Schoß senken und ohne mich konkret dazu entschieden zu haben verließ meine Lippen ein leises. "Wow."
DAMIEN.
Ich schenke dem Mädchen, das Holiday so ähnlich sah, jenes Lächeln, das jedem Menschen eine Gänsehaut bescherte, und reichte ihr die Aquarellstifte, die ich vor dem sicheren Tod gerettet hatte. Holiday hatte auch gezeichnet und ihre Stifte wie einen Schatz gehütet; innerlich frohlockte ich über diese offensichtliche Ähnlichkeit. Das war das, was ich gesucht hatte; jemanden wie Holiday. Und Tess reagierte genau wie sie, reagierte fasziniert und unsicher und anziehend. Nach außen hin blieb ich natürlich völlig ruhig und erwiderte ihren bewundernden Blick gelassen; aber mein Inneres brodelte. Ich wollte dieses Mädchen, wollte ihr Blut, wollte meine Zähne in diese so bleiche, weiße Haut schlagen und sie bis zum letzten Tropfen aussaugen.
Natürlich tat ich das nicht. Zum Glück kam in genau diesem Moment der Lehrer in die Klasse und ich löste den Blickkontakt, als ich zu ihm sah. Ohne diese Unterbrechung hätte ich mich vielleicht nicht mehr zurückhalten können; hätte sie getötet und damit die Volturi aufgehetzt. Ich war diesem glatzköpfigen, kleinen Mann beinahe dankbar dafür, dass er gerade jetzt hereingekommen war. Schnell wandte ich meinen Oberkörper nach vorne und damit ein bisschen von dem Mädchen neben mir ab, das ihn sich zusammenzusinken schien und ein leises "Wow" ausstieß. Ich unterdrückte ein triumphierendes Lächeln. Ja. Sie gehörte mir; ich würde sie erobern und dann würde sie völlig mir gehören. Sie würde sterben, genau wie Holiday mit einem zufriedenen Lächeln.
Den Rest der Stunde konzentrierte ich all meine Sinne auf den Unterricht. Nun - das stimmte nicht ganz. Immer wieder schnappte ich den Geruch von Tess auf, der blumig und süß in der Luft hing und mich hungrig werden ließ. Ich konnte fast schon spüren, wie meine Augen schwar wurden vor Hunger, wie meine Gedanken immer wieder abschweiften, zu ihrem frei liegenden Hals, den Geräuschen, die sie von sich geben würde. Sie war zwar nicht die liebe kleine Holiday, aber zumindest ... Ich unterdrückte ein zufriedenes Seufzen. Gut, dass ich hierher gekommen war. Das war eine sehr, sehr gute Idee gewesen.
TESS.
Auf Biologie konnte ich mich noch weniger konzentrieren also sowieso schon, da mein Blick immer wieder zu meinem gottgleichen Banknachbarn, nach dessen Namen ich mich nicht zu fragen traute, glitt. Ich kam echt nicht darauf klar, wie man so gut aussehen konnte und sein Geruch stahl auch noch den kläglichen Rest meiner Konzentration.
Als die Stunde vorrüber war, packten wir beide unsere Sachen zusammen, wobei ich gleich zwei Mal etwas fallen ließ und ich sah sein Schmunzeln darüber aus dem Augenwinkel. Immerhin waren es nicht noch einmal die Stifte gewesen, sondern lediglich mein Notizheft und das Biologiebuch, das mit genau dem selben Lärm auf den Tisch prallte wie das Mathebuch der Lehrerin heute morgen, als ich das erste Mal an diesem Tag Unaufmerksam gewesen war und wie auch beim ersten mal zuckten die Leute im Klassenraum zusammen uns funkelten mich böse an.
Danach senkte ich den Blick krampfhaft auf meine Schuhe, unter welche die ungleichen Socken waren und als ich die Tasche fertig gepackt hatte und wieder auf sah, war mein Banknachbar bereits verschwunden. Ich war gleichermaßen erleichtert und enttäuscht als ich mich auf den Weg zum Kunstraum machte.
Der Kunstraum lag in der obersten Etage und es war der hellste und größte Raum der Forks Highs School, wenn man von der Sporthalle mal absah. Während sich an zwei Seiten des Raumes große Fenster befanden, war eine Wand von oben bis unten voll mit Regalen und Schränken, in denen sich alle möglichen Zeichenuntensilien befanden, sowie Gips, Ton und alles andere, was das Künstlerherz begehrte. An der einzigen freihen Wand war die Tür, das Lehrerpult, die Tafel, der Beamer und ein Papierkorb. Ich hatte mir einen Platz weit hinten ausgesucht, der so weit am Fenster lag, dass einem ein atemberaubender Blick auf den Wald hinter dem Schulgelände aufgetan wurde.
Die Lehrerin war eine stämmige Frau mit roten Wangen und dem klischeemäßigen Künstlerschal, in rot. Außerdem hatte sie Kreide an den Klamotten und ein Lächeln auf den Lippen, das mir jedes Mal symphatisch war, wenn ich sie sah. In der letzten Stunde hatten wir begonnen eine Szene zu kreiren, die wir, so erzählte sie uns, heute in vier Jahreszeiten darstellen sollten. Ich hatte in der letzten Stunde den Ausblick aus dem Fenster gezeichnet und hatte damit quasi den Jackpot gezogen, denn was veränderte sich in den Jahreszeiten schon mehr als ein Wald? Ich machte mich also ans Zeichnen.
Ich begann mit Herbst, weil es jetzt gerade Herbst war und ich die Zeichnung vom letzten Jahr nur noch verfeinern musste, doch als ich mit Winter beginnen wollte, wo die Bäume kahl und Äste und Boden schneebedeckt sind stieß ich auf eine winzige Komplikation. Mein weißer Aquarellstift war verschwunden. Es dauerte eine Weile bis mir einfiel, dass das die Frage war, die ich meinem Banknachbarn stellen wollte bevor mich sein gutes Aussehen regelrecht erschlagen hatten. "Hast du meinen weißen Aqurellstift gesehen?" Ich schlug mir die Hand an den Kopf und runzelte die Stirn. Seufzent begann ich mit dem Bild für Frühling. Wir würden nächste Stunde noch ein bisschen Zeit zum Zeichnen bekommen und bis dahin würde ich den Stift hoffentlich wieder haben.
DANA.
Interessiert beugte ich mich weiter über das aufgeschlagene Buch auf dem Tisch und verfehlte so um einige Zentimeter den Joghurtbecher neben dir. Kurz dachte ich daran, dass das Nola jetzt zum Lachen gebracht hätte und entschied dann, erst mein Essen in meinem Mund verschwinden zu lassen, ehe ich mich wieder der Computertechnik zu wandte. Der Tisch würde es mir wohl danken, und ich mir wohl selbst auch, nicht, dass es noch jemand sah und darauf kam, mich daraus anzusprechen. Ich wollte nicht angesprochen werden. Ich wollte eigentlich sowieso gar nichts.
Mit einem lautlosen Seufzen lehnte ich mich in dem unbequemen Cafeteria-Sessel zurück und rührte geistesabwesend in dem Waldbeerenjoghurt, während ich mich in dem großen, überfüllten Raum umsah. Überall saßen oder standen Schüler, ich konnte ihr Lachen hören und ihre ungestümen Beleidigungen, ich konnte Paare sehen, die sich innig küssten, und Geschwister, die ihre Köpfe zusammen steckten und über etwas redeten, was nur Geschwistser hören durften. Das erinnerte mich erneut an meinen Bruder; wie sehr ich ihn vermisste. Ich hoffte so sehr, dass er wiederkam.
Mein Blick fiel auf eine Gruppe unweit von mir und auf einen Blondschopf, der mir merkwürdig bekannt vorkam. Stirnrunzelnd behielt ich die Person mit den langen Haaren im Auge, während ich ab und an von meinem Joghurt aß und wartete darauf, dass diese ihren Kopf hob, um sie identifizieren zu können. Tatsächlich musste ich nicht lange warte, und als es so weit war, schoss mir sofort eine Erinnerung durch den Kopf, nicht lange her, gestern Abend, als wir in dem einzigen Restaurant dieses Kaffs gewesen waren, weil Dads Kochkünste ... nicht erwähnenswert waren.
Nola hatte ein bisschen herumgezickt - sie vermisste unsere alte Heimat und ihre Freunde am meisten, was ich durchaus verstehen konnte - und wollte sich schließlich einfach nicht zwischen den einzelnen Speisen entscheiden. Da war diese Kellnerin gewesen, mit faszinierendem Haar und einem Lächeln, das man nicht so leicht vergaß. Sie hatte sich rührend um Nola gekümmert, hatte mit dieser geredet als wäre sie eine Erwachsene, und wie sehr Nola das genossen hat! Und diese Kellnerin - Tess hatte Nola sie einmal genannt, konnte ich mich vage erinnern - saß nun nicht unweit von mir auf einem Tisch der Caféteria und lachte und redete mit ihren Freunden. Es war komisch, jemanden erst in Kellneruniform und dann als Schülerin zu erleben. Es passte nicht zusammen.
Seufzend stellte ich den inzwischen leeren Joghurtbecher auf den Tisch ab und verschränkte die Arme vor der Brust. Eine ganze Weile beobachtete ich das Mädchen noch, teils fasziniert und teils fast enttäuscht, dass sie ein ganz normaler Mensch war. Das Klingeln meines Handys riss mich aus meinen Gedanken; ich schreckte hoch, angelte in meiner Hosentasche danach und hob sofort ab, als ich sah, dass es die Nummer meines Vaters war. Normalerweise rief er nur während der Schulzeit an, wenn es etwas Wichtiges war; sofort bekam ich Herzrasen und ein metallischer Geschmack breitete sich in meinem Mund aus. Was war passiert? Was?
Viel von den Worten bekam ich nicht mit. Das Einzige, was ich wirklich bewusst wahrnahm, waren die Worte Nola ist im Krankenhaus und Die Ärzte sagen, es ist der Krebs. Meine Lippen wurden trocken und mein Hals wurde es auch und ich saß mitten in einer vollen Caféteria und fühlte mich den Tränen nahe, spürte, wie sie in mir hochkrochen und über meine Augen emporquellen wollten. Ich schob sie mit reiner Willenskraft zurück, legte auf und erhob mich. Sogar das Tablett ließ ich stehen; stattdessen schnappte ich mir nur meine Umhängetasche und rannte hinaus aus diesem Raum; gerade noch rechtzeitig, ehe die Tränen überschwappten.
Zum Glück gab es Motorradhelme; und während ich mich darauf schwang, um zu fliehen, setzte ich mir diesen auf. Dann startete ich den Motor und fuhr los; einfach geradeaus, durch die Stadt, darüber hinaus, in dem Wissen, dass ich nicht wusste, wohin ich fuhr und in dem Wissen, dass ich jetzt nicht zurück in die Schule konnte - geschweige denn ins Krankenhaus. Nein, nein, ich konnte Nola nicht noch einmal so sehen, so schwach, so teilnahmslos, so ... am Aufgeben. Also fuhr ich, und fuhr, ich fuhr solange, bis meine Handknochen wehtaten, weil ich die Lenker so fest umklammert hielt, und bis es nicht mehr weiterging, weil sich vor mir das stille Meer ausbreitete wie eine sanfte Decke, die mir Einhalt gebietet. Sobald ich das sah, diese Idylle, beruhigte ich mich soweit, dass ich stoppen und den Helm absetzen konnte. Der leichte Wind brannte auf meinem tränennassen Gesicht und nichts und niemand schien hier zu sein, menschenleer war es auf der Klippe, auf der ich mich befand. Das gefiel mir. Ich stieg ab und schob mein Motorrad noch ein Stück, ehe ich es stehen ließ und mich auf ein Treibholz am Meer niederließ. Dort schloss ich die Augen. Und versuchte, zu vergessen.
COLLIN.
Das ursprüngliches Kaffetrinken mit meinem Cousin war in eine regelrechte Stammesversammlung ausgeartet. Paul hatte sich über den Kuchen hergemacht bevor Sam kam. Obwohl er bald Vater wurde war er ein Kindskopf wie er und je. Sam war nicht eingeladen gewesen, er meinte Lee hätte den Kuchen bei ihrem Spaziergang in der Nähe gerochen (wärs glaubt) der Kleine war zwar lebhaft und aufgeweckt, aber "Hay Dad da drüben gibts Kuchen.", konnte man ihm garantiert noch nicht entlocken. Rachel hatte den Zwerg beschäftigt während Sam und Emily sich mit Jake und den anderen unterhielten. Anscheind gab es Hinweise darauf, dass ein Nomade den Einwohnern von Forks zeitweise ziemlich nahe war ohne, dass wir etwas davon mitbekommen hatten. Emmett Cullen hatte seinen Geruch and er Highschool bemerkt, doch dort gab es zu viele Menschen, als das man einen Blutsauger so ohne weiteres ausmachen konnte. Seine Spur hatte sich verloren. Auf die Antwort hin, was dieser Schrank von einem Vampir an der Forks High School zusuchen hatte waren wir alle in Gelächter ausgebrochen. Vor allem Seth, der mitlwerweile sehr gut mit allen befreundet war konnte sich nicht vorstellen, dass Emmett einen verantwortungsvollen Lehrer angeben könnte.
Als Sam losgeworden war, weshalb er gekommen war hatte ich mich von der Gruppe entfernt. Früher hatten wir uns als Rudel versammelt wenn es soetwas zu besprechen gab. Heute gab es nur noch einige von uns, die sich noch regelmäßig verwandelten um ab und an Streifen zu laufen. Sam hatte Jake die Verantwortung für das gesamte Rudel übertragen nachdem sein Sohn geboren wurde. Jeder von uns konnte verstehen, dass er lieber mit seiner Frau udn seinen Kindern mitaltern würde anstatt sie in hohem Alter zu überleben. Das hatte allerdinsg zur Folge, dass Sam sich nicht mehr so oft verwandeln durfte. Jacob hingegen verwandelte sich fast täglich. Zum einen erwartete ihn ein quasi unendliches Leben mit Renesmee und zum Anderen hatte Nessi einmal gemeint, er wäre erträglicher wenn er ein Wolf war, dann könnte er nicht so viel reden. Aus irgendeinen Grund hatte das Jacob tierisch amüsiert.
Ich nahm einen kleinen Trampelfad zum Strand während ich nachdachte und mich von der grotesken Zusammenführung des Nachmittags erholte.
Leah war nicht dabei gewesen.
Ich versuche mir ein zu reden, dass es dran lag, dass sie nicht eingeladen war und Seth war ja auch nicht dort gewesen und genrell war das eine sehr spontane Aktion gewesen doch in Wirklichkeit wusste ich, dass sie absichtlich fern geblieben war. Zwar kümmerte sie sich rührend um Lee, aber sie hatte dabei immer diesen melanchonischen Blick. Vermutlich musste er sie an Sam erinnern. Leah und er kannten sich schließlich schon seit sie Kinder waren. Gedankenverloren kickte ich ein größeres Stück Treibholz aus dem Weg. Ich hatte den Strand erreicht, verfolgte die Flugbahn des Holzstückes und beobachtete, wie es zu den Füßen einer Frau landete. "Verzeihung.",rief ich ihr zu. Sie reagierte nicht. Ihr Kopf war gesenkt. Sie sah gar nicht gut aus. Ich joggte zu ihr und nahm neben ihr auf dem Treibholzsstamm platz, auf dem sie saß. Ich legte eine Hand auf ihre Schulter. "Hey, alles in Ordnung? Ist dir schlecht oder so? Soll ich einen Arzt holen?" Sie wirkte als würde sie jeden Augenblick zusammenbrechen.
EMMETT.
Er war einfach da, von einem Moment auf den anderen: der Geruch eines fremden Vampirs. Immer wieder war es dasselbe in den letzten Tagen: Egal, wo ich war, im Einkaufszentrum oder in der Schule, überall verfolgte mich dieser Geruch. Ein fremder Geruch, der mich nervös machte, der in mir eine Kampfeslust und Aggressivität weckte, die ich in meinem neuen Beruf nicht gebrauchen konnte. Seit Jahren war ich nun dem Menschenblut ausgewichen, doch mitten unter ihnen meinen vampirischen Instinkt brodeln zu spüren, machte es schwerer für mich. Mit jedem Tag verstand ich Jaspers Abneigung gegen Menschenmassen immer mehr. Manchmal war es kaum auszuhalten. Zum Glück gab es Toiletten, in denen ich mich wieder beruhigen konnte.
Ich hielt die Luft an, um nichts zu riechen und sah mich in dem fast menschenleeren Gang der Highschool um. Kaum ein Schüler war zu sehen und ich konnte mir nicht erklären, woher der verdammte Geruch kam. Wahrscheinlich hatte ich es mir einfach eingebildet. Kopfschüttelnd schulterte ich meine Tasche und ging schnell weiter zum Lehrerzimmer. Dort wollte ich den Geschichtslehrer abholen, der mich heute zu meiner neuen Klassen geleiten würde. Ja, heute durfte ich endlich damit anfangen, selbst zu unterrichten. Zwar nur als Praktikant und mit dem Lehrer im Nacken, aber das würde sicher Spaß machen. Über Geschichte wusste ich jede Menge, schließlich war ich einmal mitten drin gewesen. Heute würde es um den 2. Weltkrieg gehen.
"Ah, Mr. Cullen." Der Mann war viel kleiner als ich und strahlte mit nikotingelben Zähnen zu mir herauf. Ich packte seine winzige Hand und schüttelte sie, versuchte, menschlich normal zuzugreifen und ihm dabei nicht sämtliche Knochen zu brechen. Das war also Mr. James - klein, Bierbauch, und mit einem sehr gruseligen Grinsen. Er wirkte aber offen und wie ein Plappermaul. Das bewahrheitete sich auch in der nächsten Sekunde, als er mir auf die Schulter klopfte (wofür er sich auf die Zehenspitzen stellen musste) und anfing, über die nächste Unterrichtsstunde zu schwafeln. Ich nickte und stellte einige Fragen, deren Antworten ich schon längst wusste, während wir langsam das Gebäude verließen und zu einem anderen Haus wanderten.
Ich mochte die Forks Highschool nicht sonderlich. Die vielen einzeln herumstehenden Häuser, die alle dringend einer Renovierung bedurften und die Lehrer, von denen die meisten so aussahen, als wären sie so alt wie ich es in Wirklichkeit war. Aber Bella wollte nicht weg von hier und sie gehörte zu der Familie. Also hatte ich mich schließlich dazu herabgelassen, an diesem Ort ein Praktikum anzufangen. Immer noch besser, als von meiner Familie wegzumüssen. Sie bedeutete mir viel, nach solanger Zeit. Ich lächelte kurz bei dem Gedanken und hielt Mr. James dann die Türe zum Klassenraum auf. Er schien das äußerst toll zu finden, denn, ich schwöre, er hüpfte fast schon über die Türschwelle und durch den halben Klassenraum, ehe er sich mit Schwung in die letzte Bank setzte und mir damit wohl das Wort übergab. Sehr schön. Showtime.
Ich trat ebenfalls in den Raum legte meine Tasche auf dem Lehrertisch ab, ehe ich mich zu den Schülern umdrehte, die mich teils erwartungsvoll und teils aus Herzchenaugen musterten. Einer der Nachteile eines Vampirdaseins: Man war viel zu attraktiv. Ich steckte meine Hände in die Hosentaschen und grinste in die Runde. "Mein Name ist Emmett Cullen. Ich bin Praktikant hier und studiere gerade an der Universität "Geschichte und Wirtschaftskunde". Die nächste paar Stunden werde ich euch hier einiges beibringen. Bei Fragen könnt ihr natürlich immer eure Hand heben. Unser Thema heute ist der zweite Weltkrieg aus der Sicht der USA."
Ich zwinkerte leicht in die Runde, als ein Junge hinten kurz gelangweilt stöhnte und nahm dann ein Stück Kreide zur Hand. Das lief doch gut.
TESS.
Ich stöbselte meine Kopfhörer aus den Ohren, als ich die Stimmen um mich herum nicht mehr darüber hinweg hören konnte. Der Lehrer hatte den Raum betreten und ich bemühte mich die Kopfhörer nicht zu sehr zusammen zu knorkeln als ich sie eilig zurück in die Tasche stopfte. An meienr alten Schule hatte ich öfter im Unterricht Musik gehört und dabei gezeichnet und dergleichen aber ich saß in der zweiten Reihe und da wären meine Kopfhörer aufgefallen, außerdem wollte ich nicht gleich einen schlechten Eindruck hinterlassen. Mr. James war zwar etwas gruselig, aber durchaus nett. Ich bewunderte wie ein Mann in seinem Alter immer so aufgeregt sein konnte, außerdem mochte ich die Begeisterung, mit der er seinem Job nachging. Doch der Mann, der hinter dem Lehrerpult zu sprechen begann war nicht Mr. James.
Ich schaute von dem Chaos in meiner Tasche auf und dachte im ersten Moment, es wäre wieder mein Banknachbar aus dem Biologiekurs. Doch schon nach den ersten Sekundenbruchteilen bemerkte ich, dass er doppelt so muskulös und ein ganzes Stück größer war, allerdings nicht minder schön. Es war war nicht schwer sie zu vergleichen. Sie hatten beide blasse Haut, schwarzes kurzes Haar und braune Augen, außerdem einen tadellosen Kleidungsstil und wohlgeformte Gesichtszüge. Während mein Mitschüler allerdings eher etwas bedrohliches an sich hatte, nicht zuletzt durch das kräftige Rot in seinen Augen, war dieser Praktikant vor der Tafel, obwohl breiter und muskulöser, fast schon niedlich. Als er breit grinste (und ich hatte noch nie ein so breites und tsrahlendes Grinsen auf dem Gesicht eines Lehrers gesehen) sah er nicht viel älter aus als meine Mitschüler und die Grübchen auf seinen Wangen ließen ihn wie einen Engel wirken, auch wenn mir dieser Vegleich zuwieder war. Es war so ein Klischee. Der scharfe Praktikant, der aussieht wie ein Engel. Seine Haare waren kurz aber ich war mir sicher, dass er Locken hätte, würde er sie länger wachsen lassen. Sein Kreuz war so breit, dass es beinahe die halbe Tafel einnahm und ich konnte erst lesen, was er angeschrieben hatte als er sich wieder der Klasse zuwandte. Während ich mühsam versuchte dem zu folgen, was er mit warmer, tiefer und samtener erzählte fragte ich mich, ob es Lehrern erlaubt war ein Sweatshirt zu tragen, unter dem sich die Brust- und Bauchmuskeln abzeichneten. Die gesamte weibliche Lehrerschaft musste sich doch bereits das Maul über ihn zerreißen.
Seine Schrift war länglisch, geschwungen und sah an der Tafel aus wie ein alter Buchdruck. Ich kannte keinen Menschen mit so einer kkuraten Handschrift. Hatten Lehrer nicht sonst eine Sauklaue? Ich hatte eine Gänsehaut. Dieser Refenrendar war sicher nicht wie ein ganz normaler Lehrer, ganz sicher.
DANA.
Meine Gedanken waren ein einziger Wirbelsturm und ich befand mich mittendrin. Immer noch waren da die Worte meines Vaters und ich hörte sie in meinem Kopf in einem Fort. Nola ist im Krankenhaus. Die Ärzte sagen, es ist der Krebs. Ich konnte die Tränen auf meiner Wange spüren und das gelegentliche Zittern meines Körpers. Ich spürte das nasse, kalte Treibholz, auf dem ich saß, und einen Moment lang dachte ich, dass ich vielleicht aufstehen sollte, bevor ich mir eine Erkältung holte. Aber dann musste ich lachen, denn was ist schon eine Erkältung gegen Krebs?
Und so saß ich auf diesem Treibholz, den Kopf gesenkt und den Sand zu meinen Füßen betrachtend. Ich versuchte, die Tränen zu besiegen, versuchte, mich wieder zu beruhigen, aber alles, was ich zustande brachte, waren weitere Tränen und Schluchzer, die mich überfielen. Ich fühlte, wie mein Herz wehtat bei dem Gedanke an die schöne, liebe Nola, die erneut diese Höllenqualen durchleiden würde müssen. Alles tat mir weh bei diesem Gedanken. Und ich stand mitten in diesem Wirbelsturm und konnte nicht vor und nicht zurück, stand mittendrin und war gefangen.
Die Gegenwart einer anderen Person bemerkte ich erst, als ich eine Berührung an meiner Schulter wahrnahm und sich eine Stimme neben mir erhob. Ich konnte nur schwer verstehen, was sie sagte, denn meine schreienden Gedanken tobten und übertönten alles. Ich sah auf und versuchte mich an einem Lächeln, was ziemlich scheiterte. Der Mann neben mir war groß, muskulös und obwohl sein Körper wirkte wie der eines 25-Jährigen sah ich in seinen Augen, dass er eigentlich viel jünger war. Er sah mich besorgt an, und ich fragte mich einen Moment lang, wie ich wohl aussah: vom Weinen gerötete Augen, mein Haar vom Motorradhelm zerzaust und zitternd. Kein Wunder, dass er dachte, ich bräuchte Hilfe. Aber die brauchte ich nicht. Also schüttelte ich nur den Kopf und versuchte, Worte zu formen, die nicht als Schluchzer aus meinem Mund kommen könnten.
"Mir fehlt nichts", brachte ich schließlich heraus und dachte, dass das eine Lüge war. Mir fehlte die intakte Familie, die ich vor einer halben Stunde noch hatte. Diese Familie, die, wie ich wusste, durch diesen kleinen Telefonanruf wieder einen Riss innehatte. Nola war es doch, die uns immer wieder zum Lachen brachte, Nola war unser gemeinsamer Sonnenschein. Und jetzt lag sie wieder im Krankenhaus und ich musste das Bild verdrängen, wie sie das zwischen Schläuchen und tausend Krankenschwestern ganz klein in ihrem Bett lag und blass und jung und zerbrechlich wirkte. Ich durfte nicht daran denken; ich musste endlich aufhören, zu weinen und dann losfahren, um meinem Vater beizustehen. Aber stattdessen kamen wieder Tränen, die ich nicht zurückhalten konnte. Und der junge Mann sah mich an, als würde er meinen Worten nicht glauben. Kein Wunder - würde ich auch nicht.
COLLIN.
Unbeholfen sah ich die Frau an. Ihr Kinn zitterte und sie bemühte sich sichtlich, nicht in lautes Heulen auszubrechen wobei sich ihre Miene grotesk verzog. Sie trug dick Eyeliner, welcher wie schwarze Tinte ihre Wangen hinunterrann und dunkle Linien auf ihre Wangen malten. Umständlich und hektisch kramte ich in der Tasche meiner Bermudas nach Taschentüchern und während ich ein sauberes daraus angelte und es ihr entgegenhielt täschelte ich unbeholfen ihre Schulter.
Einen Moment überlegte ich sogar, sie in den Arm zu nehmen aber sie war eine wildfremde Person und vermutlich würde das auch einen eher unseriösen Eindruck hinterlassen. Als ich bemerkte, dass das Zittern ihres Körpers durch mein Schulterklopfen (meine Hand war fast so groß wie ihre gesamte Schulter) nur verstärkt wurde ließ ich die Hand sinken und räusperte mich verlegen.
Ich wollte dieser Frau nicht helfen. Wie auch? Ich kannte sie ja gar nicht. Aber ich konnte sie jetzt auch nicht einfach so da sitzen lassen. Das tat man einfach nicht. Außerdem sah sie immernoch gefährlich labil aus. Hoffentlich hatte sie jetzt keinen Nervenzusammenbruch. Bedauerlicherweise sah es allerdings ganz danach aus.
Ich sah ihre zu, wie sie sich mit dem Taschentuch, das sich binnen Sekunden mit Wasser und Maskara vollgesaugt hatte, das Gesicht abtupfte. Dann schnäuzte sie hinein und ich angelte ein neues aus meiner Tasche und reichte es ihr.
"Ähm... also...", ich war nicht gut darin, Leute zu trösten. Das war irgendwie nie nötig gewesen. Meine Eltern waren sehr glücklich und Geschwister hatte ich nicht. Und meine Versuche Leah mit irgendwelchen dämlichen Telepatie-Witzen auf zu heitern haben auch nie geklappt.
Ich beschloss mich vor zu stellen. "Mein Name ist Collin. Collin Littlesea." Das war immerhin ein Anfang, besser als einfach schweigend neben ihr zu sitzen, oder? "Also ich...." ich kratze mich verlegen an der Schulter. "Wenn ich irgendwas für dich tun kann... jemanden anrufen oder so. Ich könnte dich auch nach Hause bringen. Du siehst nicht so aus als ob ... naja ... also ..." Ich versuchte neu anzusetzen um es zu vermeiden ihr zu sagen, wie übel sie aussah."Ich meine, kommt ja auch drauf an wo du überhaupt hinwolltest. Ist ..." Mir fiel wieder ein, dass ich sie bereits gefragt hatte ob alles in Ordnung sei und ich verstummte. Meine Hände fuhren nervös meine Oberschenkel rauf und rab während ich einen Weg zu finden versuchte aus der Sache wieder raus zu kommen.
Eine plötzlich aufkommende Briese brachte uns beide zu frösteln. Sie wohl eher als mich. Ich konnte die Gänsehaut auf ihrem Unterarm sehen. Sie war viel zu dünn angezogen um an den Strand zu gehen. "Wie bist du überhaupt hergekommen?" Ich war mir sicher, dass sie nicht in La Push wohnte, konnte aber auch weit und breit kein Fahrzeug entdecken, mit dem sie hergekommen sein konnte und Forks - die nächste Stadt - war definitif zu weit entfernt, als dass man von dort nach hier zu Fuß laufen konnte. Ich rekte den Hals, obwohl ich schon so locker über sie drüberweg schauen konnte, so klein und zusammengesunken, wie sie dort auf dem Treibholz neben mir saß.
EMMETT.
Ich war in meinem Element. Früher hätte ich nie gedacht, dass ich mir als Beruf einmal den des Lehrers aussuchen würde, doch inzwischen hatte ich herausgefunden, dass es genau das war, was zu mir passte. Ich konnte reden, etwas, was ich ohnehin den ganzen Tag und gerne tat, und ich konnte damit das Wissen von hundert Jahren an andere weitergeben. Ich hatte Zuhörer, die an meinen Lippen hingen, ob nun gewollt oder ungewollt, und es gefiel mir, ganz vorne zu stehen und zu sehen, wie sie alles zu mir aufsahen. Das war also mein Traumberuf.
Die Stunde ging schneller vorüber als gedacht. Ich beendete sie beim Klingeln, obwohl ich noch lange nicht fertig war, doch als ehemaliger Schüler wusste ich natürlich, dass nach diesem Geräusch sowieso niemand mehr zuhören würde. Also bedankte ich mich bei der Klasse für ihre Mitarbeit und entließ sie, nicht ohne sie alle noch einmal zu mustern. Doch ich konnte keinen Geruch riechen, der mich an den Vampir erinnerte, und so ließ ich sie alle gehen und packte meine Tasche. Schade, dass es so schnell vorbei gewesen war; ich konnte es kaum erwarten, erneut zu unterrichten.
Mr. James gesellte sich zu mir und setzte sich auf den Lehrertisch. Er fing an zu reden, doch ich hörte ihm nur halbherzig zu. Das reichte sowieso für meinen Vampirverstand; er zählte auf, was ihm gefallen hatte und was nicht und weil ich wusste, dass ich perfekt war, schaltete ich in meinem Inneren aus. Es interessierte mich nicht, was dieser alte Mann dachte, dessen Unterricht, wie ich mich entsinnen konnte, immer sterbenslangweilig gewesen war. Meine Methode war besser, das wusste ich, also war mir seine Meinung völlig egal. Er verstand es nicht, aber ich ließ ihn reden.
Das Mädchen stolperte genau vor mir und in dem Moment, als ich einatmete. Der Geruch traf mich und ich wusste nicht, welcher mich mehr aus der Bahn brachte: der des Vampirs, den wir suchten, oder jener süße dieses Mädchens, der mir den Atem raubte. Geistesgegenwärtig fing ich sie auf, und dieser Geruch hing in der Luft und der Vampir war so nah und doch nicht hier, aber sie roch intensiv nach ihm. Ich sah ihr in die Augen, doch die waren braun und faszinierend und ohne eine Spur von dem Rot, das ich suchte. Das war erleichternd - und der Geruch nach Vampir war beunruhigend.
TESS.
Nach dem Unterricht - und um nicht noch länger mit dem Blick an meinem neuen Referendar hängen zu bleiben - beschloss ich wieder Musik zu hören. Trotz anfänglicher Vorsicht beim Einpacken waren die Kopfhörerkabel hoffnungslos verknotet und während ich von meinem Platz aufstand und den Raum verließ lößte sich plötzlich das Kabel und schlang sich mit Schwung gleichzeitig um mein rechtes Bein und den Haken am Tisch in der ersten Reihe, an dem man für gewöhnlich seine Tasche anhing. Ich geriet ins Wanken und knickte um, stolperte und landete geradewegs in den kühlen Armen des angehenden Lehrers. Mit einer einzigen geschmeidigen Bewegung fing er mich auf und als sich unsere Blicke begegneten war ich wieder gefangen. Ich hatte das Gefühl er würde viel mehr sehen als nur meine Augen. Sein Blick war, ich konnte es nicht anders bezeichnen - betörend und fasziniert.
So wie er mich ansah, wäre ich am liebsten nie wieder aus seinem Griff geflohen. Seine Hände waren noch kälter als meine Arme, was eine echte Meisterleistung war, denn ich hatte die Körpertemperatur einer Leiche. Aber seine Haut fühlten sich glatt an und gleichzeitig hart, aber angenehm. Absolut alles in diesem Moment war angenehm, sein Griff, sein Geruch, sein Blick und mein viel zu lauter Herzschlag. Ich versuchte nach Luft zu greifen um wieder klar denken zu können und einen winzigen Augenbglick später stellte er mich wieder hin, auf meine wackeligen Beine und ich machte unbeholfen das Kopfhörerkabel von dem Haken los. "Verzeihung.", murmelte ich und versuchte den Blick gesenkt zu halten. Meine Wangen wurden ganz warm, als ich bemerkte in was für einer laszieven Pose ich mich befand während ich an dem hartnäckigen Kabel zupfte. Mein Hintern zeigte genau in Richtung der beiden Lehrer und ich beeilte mich.
Mr. James räusperte sich "Das sind ja wirklich gefährliche Dinger, die sie da haben.", meinte er mit einem Lachen in der Stimme und ich fragte mich, ob er meine Kopfhörer meinte, oder nur meinen Po anstarrte. Die Situation schlug ins Unangenehme. "Sie sollten vielleicht einfach das nächste Mal besser auf sich aufpassen.", das war die Honig-Samt-Stimme von Mr. Cullen und als ich das Gewirr endlich losgemacht und mich wieder zu ihm umgedreht hatte, lächelte er halb und halb war seine Stirn gerunzelt. Mr. James sah ganz ähnlich aus.
Undendschlossen, ob ich mich noch einmal entschuldigen sollte blieb ich im Raum stehen, doch Mr. James trieb mich mit einem Grinsen an, wobei er seine Nikotingelben Zähne in ganzer Pracht zeigte. "Müssen sie nicht in ihren nächsten Kurs?",fragte er. Einen Moment stand ich kerzengerade wie die Maus vor einer Katze stehen, dann stürmte ich fast aus dem Raum.
Die Flure waren tatsächlich schon ganz leer und da es draußen regnete waren die Schüler vermutlich bereits alle in ihren Klassenräumen. Ich hatte gerade mal eine Minute den Raum zu wechseln, also rannte ich, die Kopfhörer an mir herunterbaumelnd, zum Französischraum in der zweiten Etage. Ich kam mehr oder minder zu spät, aber die Lehrerin lächelte nur mit ihrem schmalen Mund und fragte, "Tellement à la hâte, Miss Carlsson?". Ich lächelte halb und antwortete auf Französisch, dass es ein sehr stressiger Tag war. Sie nickte nur, wobei sie wohl streng wirken wollte, lächelte jedoch weiterhin über meine akkurate Antwort.
Ich mochte Französisch, an meiner alten Schule war ich ein Ass gewesen und es war das einzige Fach, zudem ich mich nach diesem Vorfall in Geschichte noch in der Lage fühlte.
DANA.
Die Anwesenheit des fremden Mannes führte dazu, dass das Schluchzen langsam weniger wurde und ich mich beruhigte. Wenn es etwas gab, was ich verhindern wollte, dann war es genau das: vor einem Fremden zu heulen. Obwohl es mich störte, dass er meine gesuchte Einsamkeit unterbrochen hatte, war ich doch froh, dass ich durch ihn langsam wieder die Kontrolle über mich bekam. Ich atmete tief ein und aus, bis die Tränen weniger wurden und ich langsam wieder Luft holen konnte, ohne sofort zu schluchzen.
Ich konzentrierte mich auf den Mann neben mir und versuchte, den Gedanken an Nola für ein paar Sekunden zu verdrängen. Es gelang mir überraschend gut, vielleicht deswegen, weil es ziemlich amüsant war zu sehen, wie dieser Fremde versuchte, mir irgendwie zu helfen. Ich nahm das Taschentuch entgegen, dass er mir anbot, und nahm an, dass die Tränen mein Gesicht ziemlich verunstaltet hatten. Während ich versuchte, das Massaker zu beseitigen, musterte ich den Mann erneut, darauf konzentriert, nur ihn zu sehen und nicht den Rest der Welt. Er wirkte sehr unbeholfen und schien Stille nicht sonderlich zu mögen; zumindest stellte er sich schließlich vor und bot mir sogar an, mich nach Hause zu fahren. Nun, es hätte schlimmer sein können.
Ich steckte das schwarz gefärbte Taschentuch in meine Tasche und strich mir die Haare aus dem Gesicht. Konnte ich inzwischen sprechen, ohne erneut loszuschluchzen? Ich beschloss, dass es einen Versuch wert war. "Ich bin mit meinem Motorrad gekommen. Es steht dort." Ich zeigte in die ungefähre Richtung. "Ich werde schon alleine wieder nach Hause kommen. Danke." Das letzte Wort kam reichlich spät und verzögert und ich hoffte, dass er es nicht bemerkte. Aber er war eben nicht der einzige Mensch, der unbeholfen mit seinen Mitmenschen umging. Ich war auch nicht sonderlich gut in sozialen Kontakten.
Andres als Nola. Nola war so aufgeweckt und vertrauensvoll. Sie konnte immer Freundschaften schließen, wie mit dieser jungen Frau im Restaurant, die ich heute in der Schule erneut getroffen hatte. Nola schaffte es einfach, jeden Menschen für sich einzunehmen, selbst wenn dieser Jemand sich gar nicht mit ihr beschäftigen wollte. Nola hatte einfach diese Ausstrahlung, die dazu führte, dass jeder sie sofort mochte.
Ich spürte, wie die Tränen wieder anfingen, über meine Wangen zu fließen. Die Kontrolle war mir wieder entwischt, und ich verfluchte mich in Gedanken dafür. Ich wollte das nicht, wollte nur wieder meine Ruhe und dann ins Krankenhaus. Ich musste mich doch irgendwie beruhigen können! Doch das war wohl unmöglich.
"Verdammt", knurrte ich und vergrub mein Gesicht in den Händen. Der Fremde sollte mich nicht so schwach und erbärmlich sehen.
COLLIN.
Ich fasste einen Beschluss. Da ich ohnehin von meinem verkorksten "Rudel" weg wollte und ich dieses Mädchen unter keinen Umständen sich selbst überlassen konnte, würde ich etwas tun, was uns beide ablenkte. "Hey, hör mal, also..." Ich hätte sie gerne bei ihrem Namen genannt, aber sie hatte sich nicht vorgestellt und was ihr fehlte, hatte sie mir auch nicht offenbart. Nicht verwerflich. "Was auch immer passiert ist, ist sicherlich verdammt scheiße, aber hier rumsitzen und die Mascara von deinem Gesicht in ein Taschentuch zu verfrachten hilft sicherlich auch nicht bei deinem Problem."
Mein dummes Dahergeredet schien sie aus einem mir unerfindlichen Grund zu beruhigen, also tat ich das, was ich am besten konnte und quatschte munter weiter. "Außerdem bist du viel zu dünn angezogen, um hier einfach so rumzusitzen. Es ist Herbst und die Sonne lässt sich selbst im Sommer nicht oft hier blicken. Du holst dir noch den Tod." Es war nur eine dumme Redewendung, doch als ich das Wort "Tod" erwähnte, gab sie einen leicht hysterischen Laut von sich. Oh, scheiße. War da etwa jemand gestorben? Das würde auf jeden Fall ihren aufgelösten Zustand erklären, aber ich hatte gehofft, sie wäre vielleicht nur von irgendeinem Typen verlassen worden oder so ähnlich und reagierte über. Ein Todesfall in der Familie dagegen...
"Also ich würde vorschlagen, wir gehen erstmal zurück zu deinem Motorrad, da hast du schon einmal Zeit, ein bisschen runterzukommen. Ein Kumpel von mir hat einen alten Chevy mit einer Tragfläche, damit bringen wir deine Maschine zu dir nach Hause. In dem Zustand solltest du lieber nicht fahren, schlimm genug, dass du damit hergekommen bist." Es hätte mich nicht gewundert, wenn sie einen Unfall gebaut hätte. "Das war leichtsinnig. Sicherlich braucht dich gerade jemand." Sie schluchzte auf. Mist. "Im Auto ist es warm und du bist in Null komma Nix zu Hause und wenn du da gerade nicht hin willst, dann könnten wir auch einen Kaffee trinken gehen oder so." Das klang jetzt wieder unseriös. Ich sprang auf. "Auf jeden Fall können wir hier nicht stzen bleiben. Was sagst du?"
EMMETT.
Das Mädchen wurde rot.
Ich konnte sehen, wie ihr das Blut in die Wangen schoss und sich diese dunkler verfärbten. Ich konnte spüren, wie der Vampir in mir sich aufbäumte und gegen meine langjährig trainierte Selbstbeherrschung ankämpfte. Ich fühlte, wie ich meinen Körper nicht mehr unter Kontrolle hatte, wie er sich instinktiv in eine geduckte Haltung begeben wollte, um die Beute im nächsten Moment anzuspringen. Ich konnte das Blut des Mädchens riechen, den süßen Duft, der mich und meine Sinne betörte. Meine Muskeln spannten sich an, bereit, auf Jagd zu gehen...
"Müssen Sie nicht zu Ihrem nächsten Kurs?" Ich zuckte zusammen, als Mr. James so plötzlich seine Stimme erhob und das Mädchen aus dem Raum flüchtete. Noch nie war ich diesem Mann dankbarer gewesen, das er so gerne redete. So schnell wie nur möglich schüttelte ich seine Hand, verabschiedete mich für meine Freistunde und schaffte es dann, unauffällig durch das Gebäude zu gehen, bis ich endlich beim Hinterausgang angekommen war und nach draußen in die frische Luft flüchten konnte. Dort angekommen rannte ich, rannte eine ganze Weile, bis ich nur noch von Bäumen umgeben war und kein Menschenduft mehr zu mir dringen konnte. Ich rammte meine stählerne Faust gegen einen Stamm und sah zu, wie dieser sich langsam dem Boden zuneigte und dann mit einem Krachen brach. Verdammt.
Minutenlang starrte ich den umgefallenen Baumstamm an und atmete tief ein und aus. Ich war so fasziniert von dem Geruch des Blutes und ihren geröteten Wangen, dass ich für eine ganze Weile vergaß, was ihre Aufmerksamkeit erst auf mich gezogen hatte: der Vampirgeruch. Schließlich ließ ich mich auf den Waldboden sinken, stütze meinen Kopf in meine Hände, schloss die Augen und versuchte zu analysieren, warum an ihr dieser Geruch haftete. Das Mädchen war definitiv nicht von meiner Spezies, das hatten ihre Augen bewiesen und auch ihre Tollpatschigkeit. Doch gleichzeitig roch sie so sehr nach Vampir, dass sie offensichtlich in dessen Nähe gewesen sein musste. Ich würde ihn also finden, wenn ich mir ihren Stundenplan ansah. Vielleicht konnte ich ihn so ausfindig machen und dann töten.
Und was das Mädchen anging, ihr Blut. Ich spürte die animalische Seite in mir erneut kochen, als ich daran dachte, spürte, wie alles in mir sich danach sehnte, meine scharfen Zähne in ihr weiches Fleisch zu graben. Sekunden später hatte ich mich von dem Boden erhoben und wanderte zurück zur Schule. Die nächste Stunde hatte ich Englisch und die Freude am Unterrichten würde mich schon von dem Gedanken abhalten, sie ebenfalls umzubringen...
TESS.
Die Französisch-stunde verging wie im Flug. Ich war mit den Gedanke ganz woanders: bei meinem Mitbewohner, mit dem ich Mitleid hatte, bei meinem neuen Banknachbarn in Biologie und den Referendaren, der mich einfach umgehauen hat ... im wahrsten Sinne des Wortes. Und dann war da zwischendurch immer wieder dieses kleine Mädchen von gestern im Diner, das mir ein Lächeln ins Gesicht zauberte.
Ich war der Meinung gewesen, dass ihre große Schwester, ein immer etwas desinteressiert drein-blickendes Mädchen auch in diesem Kurs sein würde, aber vermutlich hatte ich mich geirrt und sie ging einfach nur auf meine Schule.
Das Diner, ich hatte es lieb gewonnen. Der größte Teil der Gäste bestand aus alten Leuten und Witwern, die nie gelernt hatten etwas anderes zuzubereiten, als den Fisch, den sie nahezu jedes Wochenende angeln gingen aber auch Studenten, die froh waren über eine warme Mahlzeit, die nicht aus der Tiefkühltruhe kam und die nebenbei den Gelegenheit nutzten, sich über die Schule auszutauschen und ihre Hausarbeiten zu erledigen. Ein Mädchen gab es, dass immer am selben Tisch in der Ecke saß und las und eine ältere Dame, die ich besonders ins Herz geschlossen hatte, die an Vergesslichkeit litt, sich jeden Tag vornahm etwas neues auszuprobieren um dann schließlich immer wieder das gleiche zu bestellen. Sie war der einzige Gast, die ihren Teller nicht auf dem Tisch liegen ließ, wo wir ihn dann abräumten, sondern ihn immer persönlich zu mir an den Tresen brachte und sich dann mit mir unterhielt. Jedes Mal trug sie mir dann auf, dem Koch ein Kompliment auszurichten und jedes Mal tat ich es und John, Koch und mein Arbeitgeber, lachte darüber.
John war ein muskulöser, aber schmal gebauter Mann mit dem Ansatz eines krummen Rückens, der davon stammte, dass er einmal Leistungsschwimmen gemacht hatte und jetzt eben ein Koch war. Er war der Sohn der Vorbesitzerin und hatte das Diner erst letztes Jahr von seiner Mum übernommen. John war dunkelhäutig und hatte einen schwarzen Dreitagebart und bei jeder Gelegenheit, machte er einen Witz über seine Hautfarbe.
Ich war mir sicher, dass er mich heute Abend ein paar Überstunden machen lassen würde. Denn während ich in Französisch saß und mein Blick auf meine verschiedenfarbigen Socken glitt, erinnerte ich mich an meinen vollkommen chaotischen Morgen und daran, dass mich heute Abend nichts in der WG erwartete, als eine menschenleere Wohnung.
Damiens rote Augen schossen mir in den Kopf und ich bekam Gänsehaut.
Als es zur Pause klingelte, hatte ich meine Tasche picobello ordentlich eingeräumt und sogar die Kopfhörer einigermaßen unverknotet in die der Seitentasche verstaut. Mrs. Anvil hatte mich in der Stunde zum größten Teil in Ruhe gelassen, vermutlich hatte sie mir den stressigen Tag schon aufgrund meines Aufzugs abgenommen und nun machte ich mich schlendernt auf den Weg in die Cafeteria, wo es Bandnudeln mit Käsesoße gab und da mein Appetit wieder zurückgekehrt war, stopfte ich mir den Bauch voll.
Auf dem Weg zu Englisch kam Michael an mir vorbei und tadelte mich wegen meiner Essmanieren. Er gab eine kleine Stichelei von sich, mit der er ausdrückte, dass ich meine heißgeliebten Hüftjeans bald nicht mehr mit bauchfreien Oberteilen kombinieren könnte, wenn das nun jeden Tag so ging. Aber das war mich egal, schließlich wurde es Winter und selbst im Sommer war es hier vermutlich nie warm genug, ein bauchfreies Top in der Öffentlichkeit zu tragen.
"Dafür riechst du fantastisch!", rief er mir noch zu als ich abrupt in meinen Raum einbog und als ich schon wieder Mr. Cullens Gesicht erblickte, dieses Mal in der letzten Reihe um dem Unterrichtsgeschehen mit der Klasse gemeinsam zu folgen, wusste ich auch, woher dieser verdammt gute Geruch kam. Meine Haut begann zu kribbeln.
COLLIN.
Ich fasste einen Beschluss. Da ich ohnehin von meinem verkorksten "Rudel" weg wollte und ich dieses Mädchen unter keinen Umständen sich selbst überlassen konnte, würde ich etwas tun, was uns beide ablenkte. "Hey, hör mal, also..." Ich hätte sie gerne bei ihrem Namen genannt, aber sie hatte sich nicht vorgestellt und was ihr fehlte, hatte sie mir auch nicht offenbart. Nicht verwerflich. "Was auch immer passiert ist, ist sicherlich verdammt scheiße, aber hier rumsitzen und die Mascara von deinem Gesicht in ein Taschentuch zu verfrachten hilft sicherlich auch nicht bei deinem Problem."
Mein dummes Dahergeredet schien sie aus einem mir unerfindlichen Grund zu beruhigen, also tat ich das, was ich am besten konnte und quatschte munter weiter. "Außerdem bist du viel zu dünn angezogen, um hier einfach so rumzusitzen. Es ist Herbst und die Sonne lässt sich selbst im Sommer nicht oft hier blicken. Du holst dir noch den Tod." Es war nur eine dumme Redewendung, doch als ich das Wort "Tod" erwähnte, gab sie einen leicht hysterischen Laut von sich. Oh, scheiße. War da etwa jemand gestorben? Das würde auf jeden Fall ihren aufgelösten Zustand erklären, aber ich hatte gehofft, sie wäre vielleicht nur von irgendeinem Typen verlassen worden oder so ähnlich und reagierte über. Ein Todesfall in der Familie dagegen...
"Also ich würde vorschlagen, wir gehen erstmal zurück zu deinem Motorrad, da hast du schon einmal Zeit, ein bisschen runterzukommen. Ein Kumpel von mir hat einen alten Chevy mit einer Tragfläche, damit bringen wir deine Maschine zu dir nach Hause. In dem Zustand solltest du lieber nicht fahren, schlimm genug, dass du damit hergekommen bist." Es hätte mich nicht gewundert, wenn sie einen Unfall gebaut hätte. "Das war leichtsinnig. Sicherlich braucht dich gerade jemand." Sie schluchzte auf. Mist. "Im Auto ist es warm und du bist in Null komma Nix zu Hause und wenn du da gerade nicht hin willst, dann könnten wir auch einen Kaffee trinken gehen oder so." Das klang jetzt wieder unseriös. Ich sprang auf. "Auf jeden Fall können wir hier nicht stzen bleiben. Was sagst du?"
EMMETT.
Das Mädchen wurde rot.
Ich konnte sehen, wie ihr das Blut in die Wangen schoss und sich diese dunkler verfärbten. Ich konnte spüren, wie der Vampir in mir sich aufbäumte und gegen meine langjährig trainierte Selbstbeherrschung ankämpfte. Ich fühlte, wie ich meinen Körper nicht mehr unter Kontrolle hatte, wie er sich instinktiv in eine geduckte Haltung begeben wollte, um die Beute im nächsten Moment anzuspringen. Ich konnte das Blut des Mädchens riechen, den süßen Duft, der mich und meine Sinne betörte. Meine Muskeln spannten sich an, bereit, auf Jagd zu gehen...
"Müssen Sie nicht zu Ihrem nächsten Kurs?" Ich zuckte zusammen, als Mr. James so plötzlich seine Stimme erhob und das Mädchen aus dem Raum flüchtete. Noch nie war ich diesem Mann dankbarer gewesen, das er so gerne redete. So schnell wie nur möglich schüttelte ich seine Hand, verabschiedete mich für meine Freistunde und schaffte es dann, unauffällig durch das Gebäude zu gehen, bis ich endlich beim Hinterausgang angekommen war und nach draußen in die frische Luft flüchten konnte. Dort angekommen rannte ich, rannte eine ganze Weile, bis ich nur noch von Bäumen umgeben war und kein Menschenduft mehr zu mir dringen konnte. Ich rammte meine stählerne Faust gegen einen Stamm und sah zu, wie dieser sich langsam dem Boden zuneigte und dann mit einem Krachen brach. Verdammt.
Minutenlang starrte ich den umgefallenen Baumstamm an und atmete tief ein und aus. Ich war so fasziniert von dem Geruch des Blutes und ihren geröteten Wangen, dass ich für eine ganze Weile vergaß, was ihre Aufmerksamkeit erst auf mich gezogen hatte: der Vampirgeruch. Schließlich ließ ich mich auf den Waldboden sinken, stütze meinen Kopf in meine Hände, schloss die Augen und versuchte zu analysieren, warum an ihr dieser Geruch haftete. Das Mädchen war definitiv nicht von meiner Spezies, das hatten ihre Augen bewiesen und auch ihre Tollpatschigkeit. Doch gleichzeitig roch sie so sehr nach Vampir, dass sie offensichtlich in dessen Nähe gewesen sein musste. Ich würde ihn also finden, wenn ich mir ihren Stundenplan ansah. Vielleicht konnte ich ihn so ausfindig machen und dann töten.
Und was das Mädchen anging, ihr Blut. Ich spürte die animalische Seite in mir erneut kochen, als ich daran dachte, spürte, wie alles in mir sich danach sehnte, meine scharfen Zähne in ihr weiches Fleisch zu graben. Sekunden später hatte ich mich von dem Boden erhoben und wanderte zurück zur Schule. Die nächste Stunde hatte ich Englisch und die Freude am Unterrichten würde mich schon von dem Gedanken abhalten, sie ebenfalls umzubringen...
TESS.
Die Französisch-stunde verging wie im Flug. Ich war mit den Gedanke ganz woanders: bei meinem Mitbewohner, mit dem ich Mitleid hatte, bei meinem neuen Banknachbarn in Biologie und den Referendaren, der mich einfach umgehauen hat ... im wahrsten Sinne des Wortes. Und dann war da zwischendurch immer wieder dieses kleine Mädchen von gestern im Diner, das mir ein Lächeln ins Gesicht zauberte.
Ich war der Meinung gewesen, dass ihre große Schwester, ein immer etwas desinteressiert drein-blickendes Mädchen auch in diesem Kurs sein würde, aber vermutlich hatte ich mich geirrt und sie ging einfach nur auf meine Schule.
Das Diner, ich hatte es lieb gewonnen. Der größte Teil der Gäste bestand aus alten Leuten und Witwern, die nie gelernt hatten etwas anderes zuzubereiten, als den Fisch, den sie nahezu jedes Wochenende angeln gingen aber auch Studenten, die froh waren über eine warme Mahlzeit, die nicht aus der Tiefkühltruhe kam und die nebenbei den Gelegenheit nutzten, sich über die Schule auszutauschen und ihre Hausarbeiten zu erledigen. Ein Mädchen gab es, dass immer am selben Tisch in der Ecke saß und las und eine ältere Dame, die ich besonders ins Herz geschlossen hatte, die an Vergesslichkeit litt, sich jeden Tag vornahm etwas neues auszuprobieren um dann schließlich immer wieder das gleiche zu bestellen. Sie war der einzige Gast, die ihren Teller nicht auf dem Tisch liegen ließ, wo wir ihn dann abräumten, sondern ihn immer persönlich zu mir an den Tresen brachte und sich dann mit mir unterhielt. Jedes Mal trug sie mir dann auf, dem Koch ein Kompliment auszurichten und jedes Mal tat ich es und John, Koch und mein Arbeitgeber, lachte darüber.
John war ein muskulöser, aber schmal gebauter Mann mit dem Ansatz eines krummen Rückens, der davon stammte, dass er einmal Leistungsschwimmen gemacht hatte und jetzt eben ein Koch war. Er war der Sohn der Vorbesitzerin und hatte das Diner erst letztes Jahr von seiner Mum übernommen. John war dunkelhäutig und hatte einen schwarzen Dreitagebart und bei jeder Gelegenheit, machte er einen Witz über seine Hautfarbe.
Ich war mir sicher, dass er mich heute Abend ein paar Überstunden machen lassen würde. Denn während ich in Französisch saß und mein Blick auf meine verschiedenfarbigen Socken glitt, erinnerte ich mich an meinen vollkommen chaotischen Morgen und daran, dass mich heute Abend nichts in der WG erwartete, als eine menschenleere Wohnung.
Damiens rote Augen schossen mir in den Kopf und ich bekam Gänsehaut.
Als es zur Pause klingelte, hatte ich meine Tasche picobello ordentlich eingeräumt und sogar die Kopfhörer einigermaßen unverknotet in die der Seitentasche verstaut. Mrs. Anvil hatte mich in der Stunde zum größten Teil in Ruhe gelassen, vermutlich hatte sie mir den stressigen Tag schon aufgrund meines Aufzugs abgenommen und nun machte ich mich schlendernt auf den Weg in die Cafeteria, wo es Bandnudeln mit Käsesoße gab und da mein Appetit wieder zurückgekehrt war, stopfte ich mir den Bauch voll.
Auf dem Weg zu Englisch kam Michael an mir vorbei und tadelte mich wegen meiner Essmanieren. Er gab eine kleine Stichelei von sich, mit der er ausdrückte, dass ich meine heißgeliebten Hüftjeans bald nicht mehr mit bauchfreien Oberteilen kombinieren könnte, wenn das nun jeden Tag so ging. Aber das war mich egal, schließlich wurde es Winter und selbst im Sommer war es hier vermutlich nie warm genug, ein bauchfreies Top in der Öffentlichkeit zu tragen.
"Dafür riechst du fantastisch!", rief er mir noch zu als ich abrupt in meinen Raum einbog und als ich schon wieder Mr. Cullens Gesicht erblickte, dieses Mal in der letzten Reihe um dem Unterrichtsgeschehen mit der Klasse gemeinsam zu folgen, wusste ich auch, woher dieser verdammt gute Geruch kam. Meine Haut begann zu kribbeln.




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