Montag, 19. September 2016

(Not) supposed to be a butterfly

Hay Itsu,
es ist bei mir gerade 23:23 und ich bin eben erst nach Hause gekommen. Morgen muss ich um 9 an der Uni sein und das heißt vor 7 aufstehen aber ich bin viel zu aufgekratzt um jetzt schlafen zu gehen und so kommt es, dass ich dir schreibe, dann du weißt ja If I don't write to empty my mind, I go mad.
Wobei 'mad' gar kein Ausdruck ist.
Heute war mein erster Tag an der Uni und bevor ich jetzt von irgendetwas anderem und eigentlich viel wichtigerem anfange möchte ich dir den letzten Eindruck erzählen, den ich eben mitgenommen habe bevor ich losgefahren bin - die Unibibliothek bei Nacht.
Ich weiß es klingt vermutlich ziemlich kitschig aber unsere Unibibo ist verglast zum größten Teil und die FIN (Fakultät für Informatik) liegt direkt nebenan. Als ich eben mitten in der Nacht aus dem Gebäude kam und einen silbern beleuchteten Kristallpalast mit lauter Büchern vor mir hatte, musste ich einen Moment innehalten. Man sieht Dinge nur ein einziges Mal zum allerersten Mal und diesen Moment möchte ich mir einfach auf diesem Blog festhalten. Weil es wunderschön war.

Nun zur Realität.
Die Menschen in meinem Vorkurs sind zum größten Teil sehr still, was daran liegen könnte, dass sie Informatiker werden wollen aber auch daran, dass es der erste Tag war und Einige vielleicht einfach ein bisschen Zeit brauchen um aus sich raus zu kommen. Außerdem ist die ruhige Atmosphäre ganz gut zum Lernen und ich werde es spätestens wieder vermissen, wenn ich in einem überfüllten Hörsaal sitze.
Außerdem musste ich heute das erste Mal seit Jahren wieder Kopfrechnen, was etwas anstrengend ist wenn man so ein Taschenrechnermensch ist wie ich, aber am Ende des Tages ging es dann doch recht schnell und somit denke ich, dass die Zeit dieses kleine Problemchen in naher Zukunft lösen wird.
Außerdem war heute Abend unsere erste Gruppenaktivität - Spieleabend. So richtig mit Brettspielen und so. Es war ein bisschen so, wie ich es mir vorgestellt hatte und ein bisschen auch nicht. Es war ganz unterhaltsam.

Die besten Momente sind jedoch die, in denen die Mentoren (also Studierende höherer Semester) immer anfangen mit "Wir sind Informatiker ..." und generell einem dieses "wir" so präsentiert wird, denn ein "wir" gab es bei mir vorher nie wirklich seit dem ich mit sechs Jahren eingeschult wurde und jetzt versucht man das Gefühl vermittelt zu bekommen, dazu zu gehören und das ist irgendwie ziemlich ungewohnt aber auch ziemlich angenehm, weil es auch egal ist ob man dabei mit Menschen gleichgesetzt wird, die allgemein hin als 'Nerds' bezeichnet werden, die merkwürdig aussehen, Sadisten sind, Satanisten oder Masochisten (wobei ich tatsächlich innerhalb eines Abends alles einmal kennen gelernt habe). Interessant sind sie auf jeden Fall, diese Menschen und mal gucken wer so hängen bleiben wird nach den Einführungswochen.

Und ich bin auf dem Unicampus meinem besonderen Menschen über den Weg gelaufen. (Eigentlich habe ich vermutlich nicht das Recht dazu, ihn 'mein' besonderer Mensch zu nennen. An sich haben wir zurzeit nicht viel miteinander zu tun und Besitzansprüche habe ich schon gar nicht - auch wenn ich mir das immer wieder ins Gedächtnis rufen muss.) Dass ich ihn an der Uni sehen würde wusste ich. Es lässt sich nunmal auch nicht vermeiden wenn er dort wohnt und seine Fakultät von meiner nicht weit entfernt ist. Obwohl ich es also genau wusste, hat das nichts daran geändert, dass mein Herzschlag eine Schocksekunde ausgesetzt hat nur um danach verrückt zu spielen und ich erst sauer, dann glücklich und dann einfach nur noch traurig geworden bin.

N. hat mir schon geraten zum Arzt zu gehen, weil ich in letzter Zeit einfach ständig traurig bin und das immer häufiger und mittlerweile auch schon über einen längeren Zeitraum aber das kommt für mich wohl nicht in Frage. Ich habe viel mit ihm darüber geredet in letzter Zeit aber wirklich etwas an der Tatsache geändert hat es natürlich nicht.

Naja, morgen geht es mit der Gruppe bowlen. Ich bin fürchterlich schlecht im bowlen aber ich hoffe, ich kann mich zu den wenigen gesprächigen Menschen gesellen, denn die Kommunikation brauche ich und dann wird es vielleicht wieder so angenehm wie heute und ein bisschen freu ich mich auch drauf - sogar auf Mathe. (Oh Mann, so weit ist es mit mir schon gekommen. :D) Und einer meiner Mitstudenten hat heute einen Satz gesagt, der irgendwie hängen geblieben ist, auch wenn er spaßig gemeint war.

Der muss geschont werden für die Realität.

Es wird sich erst noch herausstellen, was von dem was jetzt passiert und was passieren wird so gewollt ist.
Vielleicht bin ich einfach (nicht) dazu gemacht, ein richtiger flugfähiger Schmetterling zu sein.
Und mit diesen zugegebenermaßen bedrückenden Worten entlasse ich dich in den Rest deines Tages. Tut mir Leid, dass ich in letzter Zeit immer so traurig bin.

Ich hoffe dir geht es besser, Liebes.
~Evoliette

Donnerstag, 15. September 2016

Kampfesmüder Schmetterling

Dear Hanna.

Ich habe ein Bild mit einem Spruch gefunden, der mich irgendwie an alles erinnert hat. An das Leben. Daran, dass man häufig vergisst, dass diese Welt nicht immer nur aus Drama und Kampf bestehen muss, nicht immer aus Versuchen, das Beste zu machen und das Richtige zu tun. Eigentlich sollte die Welt gar nicht so sein. Klar, so ganz ohne jedes bisschen Streit, Diskussion und Entscheidungen wäre das Leben langweilig und vermutlich nicht mehr ganz lebenswert. Doch wir vergessen manchmal, dass wir die Wahl haben zwischen Kämpfen und sagen: Okay. Okay. Ist gut. Dann geh halt, oder dann geh ich halt, denn ich muss nicht ständig kämpfen, muss mich nicht ständig anstrengen, ich darf auch mal sagen, nein. Ich darf auch mal einfach was tun, ohne dass es nachzuvollziehen ist. Ich bin niemandem Rechenschaft schuldig. Und ich tu, was ich tun will, egal, wie sehr mich 2 Drittel der Menschheit dafür hassen werden.


Manchmal vergessen wir, dass die richtigen Menschen vielleicht gerade die sind, die wir kaum bemerken, weil sie wie selbstverständlich sind. Das sind vielleicht die, um die wir uns weniger Sorgen machen, die, die nicht immer meckern, sondern auch mal sagen: Ist gut. Hier hast du ein Bonbon. Verstehst du? Verstehst du, was ich meine? Manchmal ist man das ewige Kämpfen vielleicht einfach leid, will alles auf Status Quo zurücksetzen und sich ein Weilchen zurücklehnen. Und einfach sein. Wer man sein will, wer man ist - ohne, dass andere es immer beurteilen, einen einschränken, beschützen, oder sonst was wollen. Einfach man selbst. Ohne Kompromisse. [Muss schön sein.]

Hab dich lieb.

Ines

Donnerstag, 8. September 2016

Schmetterlingszukünfte

Hay Liebes, ich bins wieder.
Weißt du ich habe heute ein Zitat gelesen:

"If I don't write to empty my mind, I go mad."
~Lord Byron

Und dabei an dich gedacht.
Naja, eigentlich dachte ich daran, dass das ziemlich gut auf mich zutrifft und weil ich zurzeit keine Posts unter dem Tag 'bad day' hochladen soll, schreibe ich dir.
Eigentlich war der Tag heute gar nicht soo schlecht. Für meinen derzeitigen Gemütszustand war ich sogar ziemlich produktiv. Mein derzeitiger Stress ist natürlich absichtlich herbei geführt, schließlich hat mein Studium immer noch nicht angefangen und ich könnte mich theoretisch noch bis Oktober zurücklehnen und nichts tun, aber dafür bin ich einfach nicht der Mensch.
Naja am Wochenende ist dann also der Auftritt meiner Tanzkinder, mein eigener Auftritt mit meinem Weib - der letzte um genau zu sein - und von meiner ehemaligen Schule aus wurde ich auch gefragt ob ich dieses WE noch was machen kann und somit ist gerade alles wieder voll und anstrengend aber nach diesem Wochenende ist auch alles vorbei. Achso und ein Kleid habe ich auch noch gemacht, das dieses WE präsentiert wird und somit war ich gestern und heute den ganzen Nachmittag in der Schule für Mode und Design und habe daran gearbeitet und mitlerweile tun meine Handgelenke weh vom Nähen und meine Knöchel und mein Rücken vom verkrampften an-der-Nähmaschiene-sitzen, auch wenn das Training heute Abend etwas geholfen hat. Vollkommen fertig und mit schmerzenden Gliedern schläft es sich aber auf jeden Fall gut ein.

Naja, worauf dieser Post aber eigentlich hinauslaufen sollte ist folgendes:
Ich hab ja vielleicht schonmal erwähnt, dass wir mitlerweile zwei Mädels bei uns beim Tanzen haben, die schon ein Kind haben und die nächste ist mit Zwillingen schwanger. Auf jeden Fall hat eines der Mädchen heute erzählt, dass sie darüber nachdenkt noch ein zweites Kind zu bekommen und danach verlief das Gespräch Richtung Familienplanung und Geschwisterliebe und wie sich das bei uns so verhält. Ich muss sagen, normalerweise kotzt mich dieses ganze Babygedöhns ziemlich an auf die Dauer aber heute - heute war es wirklich schön, mit mit den beiden Mädels zu unterhalten, von denen eine verheiratet ist und Mami eines 11 Monaten alten Kindes und die andere schwanger mit Zwillingen und während erste ein Mensch ist, der ALLES plant (so wie ich) ist letztere jemand, der einfach Dinge auf sich zukommen lässt und beides sind erwachsene Menschen, die wirklich was aus ihrem Leben gemacht haben bisher und irgendwann haben wir einfach darüber geredet, was mir zurzeit so durch den Kopf geht und wie meine Zukunft aussehen könnte und die beiden Frauen, die mich sonst immer ansehen als wäre ich ein kleines Kind, haben mich wirklich ernst genommen und mir gut zugeredet und am Ende hat es mir wirklich GUT getan.

Weißt du ich bin ein Mensch, der plant aber ich bin auch ein Mensch, der sich mit Dingen abfindet. Während Lucy schon zehntausend Mal gegen ihre Eltern rebelliert hätte, hab ich einfach akzeptiert, hier mehr oder weniger eingesperrt (gewesen) zu sein. Ich habe akzeptiert, nicht gemocht und als Streber abgestempelt zu werden, weil ich gut in der Schule bin ohne etwas dafür zu tun weil sich jeder ohnehin gleich eine Meinung bildet. Ich habe akzeptiert, dass die Menschen manchmal einfach aus deinem Leben gehen WOLLEN und dass du manchmal nichts dagegen tun kannst sondern sie einfach ziehen lassen musst.
N. und ich sind sehr verschieden, besonders was unsere Vorstellungen von der Zukunft angeht und das macht mir ne scheiß Angst. Ich habe mich in den letzten zweieinhalb Jahren an so viel gewöhnt, dass ich gar nicht mitbekommen hatte, wie ich mich mit alledem abgefunden habe. Bis mir dann irgendwann gezeigt wurde, dass ich mich gar nicht damit hätte abfinden müssen.
Jedenfalls wollen alle Menschen um mich herum einfach, dass ich glücklich bin ... und ich?
Ich möchte einfach nicht irgendwann in dem Alter sein, in dem die Mädels vom Tanzen gerade sind und feststellen, dass ich mich mit etwas abgefunden habe.

Wenn ich über soetwas mit Menschen in meinem Alter bisher geredet hab, haben sie mir geraten nur an mich selbst zu denken und vielleicht sowas wie die Reißleine zu ziehen. Aber heute, als ich dort in unserem Studio mit den Mädels saß, gab es das erste Mal Menschen, die mir erzählt haben, wie es eben auch laufen KANN. Wie eine mögliche Zukunft aussehen kann, von den vielen Zukünften, die vor mir liegen und die sich ändern mit den Menschen in meinem Leben, die kommen und gehen.

Naja, außerdem hab ich mir in diesem Post hier vorgenommen, mich nochmal für deine Musik zu bedanken. Da die Taylor Swift Alben ohne Umweg auf meinem Handy landeten, höre ich heute immer noch Lieder, die ich vorher nicht kannte und unter anderem heute auf meinem Weg zum Park, in dem ich jetzt öfter lese solange das Wetter noch gut ist das hier:


I reach for you
But you were gone
I knew I had to go back home
You searched the world for something else to make you feel like what we had
And in the end in wonderland we both went mad

We found wonderland
You and I got lost in it
And we pretended it could last forever
We found wonderland
You and I got lost in it
And life was never worse but never better 

♥

If I don't write to empty my mind, I go mad.
Am Ende läuft es dann doch irgendwie immer wieder auf einen 'bad day'-Post hinaus.

Gute Nacht, Liebes.
~Evoliette