Dienstag, 10. April 2018

Flügelschläge nach hier und dort.

Dear Hanna.

Ich habe sowohl deinen letzten als auch deinen vorletzten Post nur Tage, nachdem du ihn eingestellt hast, bereits gelesen. Bis jetzt kam ich aber nicht dazu zu antworten, geschweige denn dazu, dir zu deinem Geburtstag zu gratulieren. Deshalb möchte ich es hier noch einmal nachholen: Alles, alles Liebe zum Geburtstag! Ich hoffe, dass du dich hast feiern lassen und dass du von lieben Menschen umgeben warst, welche dir gut tun. Hast du Geschenke bekommen? Bist du betrunken in deine Torte gestürzt? Ich versuche mir vorzustellen, wie du deinen Geburtstag gefeiert hast, weit weg von mir, in diesem anderen Bundesland, in dem du dich im Moment befindest.

Schon komisch, oder? Wie wir Jahr für Jahr älter werden, wie die Erwartungen anderer Menschen an uns steigen und wir uns doch gar nicht so sehr ändern. Hat man einmal dieses Alter erreicht, in dem wir uns im Augenblick befinden, erwarten die "Erwachsenen" plötzlich, dass sein Leben auf die Reihe kriegt, das man Entscheidungen trifft und für die Konsequenzen einsteht. Nur, weil von einem Tag auf den anderen sich plötzlich eine kleine Ziffer verändert hat. Gleichzeitig trauen sie einem vieles immer noch nicht dazu, obwohl man selbst der Meinung ist, schon längst für dieses und jenes Verantwortung tragen zu können. Alter ist schon eine komische Sache. Ich vergesse auch nach vier Monaten noch immer mal wieder, dass ich schon 22 Jahre alt bin und wenn man mich fragt, will ich immer noch erst 21 sagen. Mein Freund wird dieses Jahr 30. Mehr Lebenserfahrung als ich hat er auf jeden Fall. Trotzdem behaupte ich, mehr davon zu haben als andere 22-Jährige. Alter und Alter, das lässt sich doch einfach nicht vergleichen. Im Endeffekt ist es auch nur eine Zahl.

Du hast in deinem vorletzten Post über meine Entscheidung gesprochen, nach Deutschland zu ziehen und wie schwer es mir gefallen sein muss. Ich war zu dem Zeitpunkt 20 Jahre alt und ich glaube, so viel Gedanken habe ich mir gar nicht darum gemacht. Es stand irgendwann fest und dann habe ich getan, was getan werden musste, und ich glaube, dass ich mir gar nicht die Zeit genommen habe, es als Entscheidung oder gar als schwere Entscheidung wahrzunehmen. Es war einfach etwas, was ich machen wollte, also habe ich es durchgezogen und glücklicherweise hatte ich ja die Hilfe meiner Mitbewohnerin und meiner Ex-Freundin, die mir beide ganz viel beibrachten und zeigten. Meine Mutter war beispielsweise keine große Hilfe, denn sie hat es erst wirklich verstanden, als ich schon fast zur Tür raus war. Aber ich habe es geschafft. Nicht alleine, aber dennoch ist es wohl eine Leistung, auf die ich stolz sein kann. Ausgewandert mit 20 Jahren. Schon krass.

Umziehen. Umziehen ist schon ziemlich schön. Dieses Jahr ziehen Lena und ich ein paar Städte weiter nach Gelsenkirchen, weil uns unsere momentane Wohnung zu teuer und zu groß geworden ist. Ich freue mich jetzt schon darauf. Eine neue Umgebung, eine neue Einrichtung, eine neue Möglichkeit, alles anders zu machen - ich liebe es. Eigentlich glaube und sage ich immer, dass ich kein großer Fan von Veränderungen bin, aber gleichzeitig finde ich es auch total spannend und toll. Und das hier wird definitiv eine positive Veränderung. Ich überlege jetzt schon, wie ich mein Zimmer einrichte, dabei habe ich weder den Mietvertrag noch die Maße unserer Wohnung zur Hand. Aber man kann nie zu spät damit anfangen. Und träumen ist ja sowieso immer erlaubt! Die nächsten Wochen und Monate werde ich sicher ganz viel von meiner neuen Wohnung träumen.

Das schöne Wetter, Entscheidungen, die das Leben besser machen, ein neues, frisches Semester, dem man mit viel Ehrgeiz entgegen blicken kann und die Aussicht auf einen wundervollen Sommer... Da kann es einem nur gut gehen, oder? Zumindest ich bin im Moment unglaublich gut gelaunt, hüpfe nur so durch die Gegend und freue mich unglaublich auf den Sommer. Nicht nur wegen dem Umzug, sondern auch auf die Wochenenden in Karlsruhe bei meinem Freund, auf die Events, die ich besuchen werde, aber auch einfach nur auf die Freistunden auf dem Campus, die man im Sommersemester auf der Wiese verbringen kann. Alles erscheint ein bisschen besser, weniger düster als im Winter, alles ist heller, schöner, die Zukunft wirkt nicht mehr ganz so dunkel. Diese Jahreszeit ist wundervoll, ein Heilmittel gegen jegliche Depressionen.

Ich hab dich lieb, Hanna.

Ines

Mittwoch, 4. April 2018

Schmetterlingswärme

Hay Liebes,
falls du den Post davor noch nicht gesehen hast: Es sind 2.

Gestern und heute waren die ersten beiden warmen Tage dieses Jahres und nun gewittert es. Es blitzt die ganze Zeit und donnert und bietet gerade die beste Stimmung, dir diesen Blogeintrag zu schreiben.
Findest du nicht auch, dass der erste warme Tag im Jahr so eine gewisse Magie hat? An solchen Tagen passieren schlimme Dinge nur selten und wenn doch, dann kommen sie einem gar nicht so schlimm vor. Jeder ist irgendwie besser gelaunt als sonst und wenn man draußen steht und sein Gesicht von der Sonne wärmen lässt, gibt es für einen ganz kurzen Moment nichts, was dich bedrückt.

Heute war außerdem der erste richtige Unitag meines vierten Semesters. Eigentlich war es das schon gestern, aber ich hatte gestern keine Veranstaltungen. Nun bin ich also wieder auf dem Campus, der bei solchem Wetter immer maßlos überfüllt ist und auf dem sich Studenten auf den Fluren drängen, herumirrend ihre Räume suchen oder mit ihren Büchern und Laptops auf den Wiesen sitzen, sodass man sich vorkommt als wäre man direkt in einen amerikanischen Teenagerfilm gefallen. Es ist wieder Leben auf dem Campus eingekehrt und ich liebe das, liebe es mich mittags auf den Mensavorplatz zu setzen, die Sonne auf meinen Haaren zu fühlen und die Leute dabei zu beobachten, wie sie ihrem ganz normalen Tagesgeschehen nachgehen. Oft bin ich selbst zu gestresst dafür aber jetzt gerade, wo die Uni zwar wieder angefangen hat aber auch noch nicht richtig, nehme ich mir nur allzu gern die Zeit dafür.

Am kommenden Samstag feiere ich meinen Geburtstag und ich muss sagen im Großen und Ganzen bin ich ganz zufrieden so, wie es gerade ist. Ich bin 21 und dabei und studiere bisher ein bisschen besser als Regelstudienzeit. Ich habe zwar keinen Kontakt mehr zu Lucy, aber dafür noch immer zu meinem Weib, das schon länger nichtmehr in meiner Nähe wohnt und ich bin sehr stolz darauf, dass es trotzdem für mich klappt, mit ihr weiterhin Kontakt zu halten. Im Grunde bin ich darin nämlich nicht sonderlich gut. Ich umgebe mich immernoch viel mit den Leuten von meinem besonderen Menschen, aber das reicht mir, solange ich Teddy habe - und einen so guten Kontakt zu meinem Cousin, den ich zwar glaube ich noch nie erwähnt habe, der aber, wenn er gerade mal hier ist, wie ein Bruder für mich ist. Es sind wenige Menschen, mit denen ich mich wirklich gern umgebe und ich merke, dass mein Interesse an Menschen im ganz Allgemeinen von Jahr zu Jahr weiter sinkt, aber es reicht mir. Zurzeit reicht es mir. Zurzeit bin ich zufrieden damit.

Ich verbringe meine Zeit jetzt größtenteils damit, Filme oder Serien zu sehen, habe schon ewig nicht richtig gezockt aber wenn ich kann, versuche ich immernoch manchmal ein bisschen kreativ zu sein, zu basteln, mir irgendetwas auszudenken, aber ich merke, dass das schwieriger wird mit der Zeit, die vergeht. Ich erinnere mich noch daran, wie ich früher vor Kreativität nur so übergesprudelt bin und dass sie jetzt immer und immer weniger wird, erfüllt mich mit bedauern. Ich dachte es wäre ein fester Bestandteil meines Charakter, kreativ zu sein, aber vielleicht gehörte es auch nur zu meiner Kindheit. Ich möchte heute, an einem so schönem Tag mit einem so atemberaubenden Gewitter auch nicht trübsal blasen.

Ich denke an dich, Liebes,
lass mal wieder was von dir hören.
Ich hab dich lieb,
Evo