Neben dem Studium und der Arbeit habe ich es in den letzten Monaten irgendwie geschafft, ein paar Serien zu schauen, von denen mir vor allem meine Mitbewohnerin immer wieder vorschwärmt. Auch "sense8" war darunter, eine Serie auf Netflix, in der es um acht Menschen geht, welche plötzlich telepathisch miteinander verbunden sind und neben ihren alltäglichen Problemen nun auch noch damit klarkommen müssen, sieben anderen Stimmen im Kopf zu haben. Die Serie hat mir unglaublich gut gefallen, sodass ich sie gerade auch noch ein zweites Mal schaue, und ich liebe sie inzwischen sehr. Es gibt viele schöne Szenen mit Sätzen, die sehr zum Nachdenken anregen, und der Satz, der mich dazu bringt, dir heute diesen Blogpost zu schreiben, ist folgender:
Stecken wir fest oder ist das nur, wie Leben sich anfühlt?
Ich weiß nicht, ob du dieses Gefühl kennst. Wenn ich deine letzten Blogposts so lese - was ich gerne immer wieder tue, wenn es mir schlecht geht und ich das Gefühl brauche, dass irgendjemand auf dieser Welt ab und zu an mich denkt - dann weiß ich es nicht. Du klingst so, als würdest du total mit dem Leben schwimmen, immer wissen, was deine Zukunft bereithält, niemals stehen bleiben. Du studierst, du lebst, du machst etwas. Du weißt, dass du weiter studieren möchtest, du weißt ungefähr, was du danach tun wirst. Du hast Ziele, Wünsche, Träume.
An manchen Tagen weiß ich nicht, ob ich so etwas noch habe. An manchen Tagen fühlt es sich für mich so an, als wäre ich irgendwo stecken geblieben. Als wäre ich die, die ich vor zwei Jahren war. Als hätte sich seitdem nichts geändert, als würde ich immer noch an denselben Problemen nagen und nicht vorankommen. Als wäre da eine Mauer, die verhindert, dass ich mich weiterentwickle. Vielleicht ist das auch nur dieses "Erwachsensein", von dem alle sprechen. Vielleicht fühlt sich dieses Erwachsensein so an. Als ob man am Ende angekommen wäre. Als ob da nichts mehr wäre, was es zu erreichen gilt. Weil sich alles so... weit weg anfühlt. So unerreichbar.
In einer Woche ziehe ich um. Heute in einer Woche und um diese Uhrzeit - es ist jetzt 21:37 Uhr - sitze ich in meiner neuen Wohnung in meinem neuen Bett. In einer anderen Stadt. Immer noch mit meiner Mitbewohnerin, aber trotzdem wird irgendwie alles anders sein. Eine neue Umgebung, die es zu erkunden gilt, neue Einkaufsläden, neue Nebenstraßen, ein neuer Bahnhof, neue Zugfahrten, neue Gleise, von denen man abfährt. Eine ganz neue Welt, in gewisser Weise, auch wenn sie nur 20 Minuten Zugfahrt von meinem momentanen Zuhause entfernt ist... Es liegen Welten dazwischen. Morgen in einer Woche werde ich immer noch 22 Jahre alt sein, ich werde immer noch komplett ausgewaschenes Haar haben, immer noch braun gebrannt sein, weil ich diesen Sommer öfter draußen war als je zuvor. Werde immer noch ich selbst sein, und doch wird sich etwas, eine Kleinigkeit und doch etwas so Großes, verändert haben... Dann bin ich nicht mehr Duisburgerin, sondern Gelsenkirchnerin. (Schon krass, wie sich alles verschiebt.)
Leben geht weiter, immer. Das Leben um mich herum dreht sich immer weiter. Leute kommen und gehen. Ich ziehe um. Das Semester ist fast vorbei. Die Klausuren rücken näher. Meine Mitbewohnerin hat einen neuen Freund. Meine Arbeitskollegin ist im Krankenstand. Meine Unikollegin ist gerade auf Bootsfahrt in den Niederlanden. Es ist warm, bald ist es wieder kalt. Es passiert so viel. Dazwischen stehe ich und weiß nicht recht, ob ich mitschwimmen, mitlaufen soll, oder ob ich nicht zu müde dafür bin. Ob ich nicht lieber stehen bleiben möchte... Einfach aufhören will. Es einfach beenden?
In sense8 kommen noch viele andere schöne Sätze vor. Sätze, die zum Nachdenken anregen. "Das Leben lässt nicht immer zu, dass wir die beste Version unserer selbst sind." Vielleicht wäre ich jemand anderes geworden, hätte ich keine Depressionen. Vielleicht wäre ich besser, schöner, würde ich anderen Menschen mehr Freude machen, wäre ich nicht so feige. Vielleicht hätten mich nicht so viele Menschen, wäre... hätte... was wäre, wenn... Dieses Gedankendenken wollte ich mir eigentlich schon lange abgewöhnen. Ist gar nicht so einfach.
Denkst du, du bist die beste Version deiner selbst, Hanna? Denkst du, du lebst dieses Leben als die beste Version von dir, die du dir, der Welt, den Menschen um dich rum, bieten kannst? Ich glaube, das ist irgendwie mein Ziel. Die beste Version meiner selbst zu sein. So zu sein, dass nicht nur andere mich lieben können, sondern auch ich mich selbst.
Ich hab dich lieb. Als Abschied hinterlasse ich dir ein schönes Zitat aus meiner neuen Lieblingsserie:
Das Unmögliche ist nur einen Kuss von der Wirklichkeit entfernt.
Ines
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen