Dienstag, 20. März 2018

Schmetterlingszuflüchte

Hay Liebes,
heute ist Tag 8 nach deinem letzten Post und in 9 Tagen schreibe ich die (hoffentlich) letzte Matheklausur meines Lebens. In 10 Tagen habe ich Geburtstag. Ich werde 21.
Ich weiß nicht, wieso es mir gerade wichtig ist, das für dich aufzuschreiben. Vermutlich möchte ich mich selbst daran erinnern.
21.
...22...23...und du kannst ja gar nicht wissen was du willst.
Ich weiß noch, wie ich vor zwei Jahren einfach jemanden haben wollte, der mit mir tanzt. Eigentlich wollte ich mein ganzes Leben immer jemanden haben, der mit mir tanzt und ich schätze diesen Platz hat lange "mein Weib" eingenommen und jetzt wohnt sie in einer anderen Stadt und sie fehlt mir ganz fürchterlich. Mein besonderer Mensch tanzt auch mit mir, wenn ich das möchte aber dennoch tue ich es kaum.
Vielleicht wollte ich auch immer nur die Chance haben zu tanzen.
Vielleicht kann ich gar nicht wissen, was ich will.
Ist es nicht irgendwie gemein? Einen Großteil der wichtigsten Entscheidungen unseres Leben treffen wir in diesen Jahren. Sie wirken sich auf den weiteren Verlauf immens aus doch dabei können wir gar nicht wissen, was wir wollen.
Wann wissen wir überhaupt, wann wir wissen können, was wir wollen?

Ich kann nicht ermessen, was für eine riesige Entscheidung es für dich gewesen sein muss, so weit wegzuziehen und dich von vielen Menschen und Dingen - mal freiwillig und mal unfreiwillig - loszulösen. Vielleicht werde ich nie zu soetwas im Stande sein. Ich bin mir auf jeden Fall sicher, dass ich dafür jemanden bräuchte, der mich antreibt.
Hast du jemanden, der dich antreibt?

Mein besonderer Mensch hat mich eben noch auf eine andere Frage gebracht.
Du warst damals viel in Dresden und dann in Westdeutschland und ich glaube du kennst generell Menschen, die überall verstreut sind (worauf du echt stolz sein kannst, mal ganz nebenbei gesagt) und ich frage mich gerade, wie du die Überbleibsel und Unterschiede unseres Ost-West-Konfliktes so mitbekommst. Als Österreicherin hast du ja bestimmt eine recht objektive Sichtweise drauf, oder?

Meine Tante ist der einzige Teil meiner Familie, der im Westen wohnt und zu dem wir derzeit Kontakt haben. Mit "wir" meine ich "ich" und es ist schon sehr anders dort, was aber auch daran liegt, dass sie auf dem Dorf wohnt und ich schon immer Stadt gewöhnt war. Ich weiß nicht direkt, wie ich das einordnen kann.

Ich habe einen langen Tag mit sehr viel Mathe und Kopfschmerzen hinter mir und trotzdem fühle ich mich jetzt, da ich angefangen habe in dieses weiße Feld zu tippen wieder voller Ideen und Fragen an dich, aber ich denke, es wäre besser es bei der einen Frage zu belassen und mir die Anderen (obwohl ich sie ganz bestimmt vergesse) für spätere Briefe aufzuheben. Ich habe ehrlich gesagt sofort als ich deinen letzten Brief gelesen habe wieder angefangen zu antworten, weil ich schonwieder Tränen in den Augen hatte beim Lesen und irgendwie bist du der einzige Mensch, der das immer und immer wieder zustande bekommt - Freudentränen von mir einzufordern.
Ich hab von dir gelesen und es ging mir schlagartig besser, selbst nach so einem ermüdenden, unangenehmen Tag.

Und noch was:
Du hattest lange Zeit in deinem Status stehen "Heimat ist ein Begriff, der keinen Plural kennt." und auch wenn das sprachlich vollkommen richtig ist, muss ich dir in anderen Hinsichten mittlerweile widersprechen. Heimat kann vieles sein. Orte, Städte, Menschen .... vor allem verschiedene Menschen zur gleichen Zeit, die sich nicht an ein und demselben Ort aufhalten, das kann ich jetzt ganz sicher sagen.


Du hast mich angezogen, ausgezogen, großgezogen.
Ich feier diese Zeile soo sehr,
weil es nicht das ist,
was man erwartet.
♥

Zu Hause kann alles sein Itsu,
auch ein Brief.

Liebe,
~Evoliette


Montag, 12. März 2018

Schmetterlingszufälle

Dear Hanna.

Es ist schon sehr, sehr spät und eigentlich sollte ich bereits schlafen oder zumindest schlafen gehen, aber weil mich dieser Moment gerade berührt, möchte ich dir gerne hier und jetzt schreiben. Ich habe vor einigen Wochen schon einmal angefangen, hier etwas zu tippen, aber dann war doch nicht der richtige Zeitpunkt dafür. Heute ist er da. Denn heute, gerade vor wenigen Minuten, habe ich diesen Blog hier angeklickt, deinen neuen Post gelesen und du wirst nicht erraten können, was für Musik im Hintergrund gerade lief. [...] Tatsächlich AnnenMayKantereit. Dieser Zufall hat mich so berührt, dass ich es dir jetzt einfach erzählen muss. Allerdings lief nicht Valerie, auch wenn mich das Cover auch unglaublich berührt, sondern Barfuß am Klavier. Dennoch: Wow. Schicksal.


Hanna, du hast mich nach meiner Tante gefragt, und weil es gerade halb 1 Uhr nachts ist, ich in acht Stunden aufstehen muss, es mir nicht gut geht und ich alleine bin, möchte ich dir antworten. Meine Tante hat mich verlassen. Nachdem ich hierher gezogen war, vollkommen abstürzte, nicht mehr wusste, wer ich bin, warum ich bin, als es schlimmer wurde, als sich die ganze Welt einfach nur noch nach Schmer anfühlte, habe ich viele Menschen in meinem Leben vernachlässigt und auch sie zählte darunter. Sie machte einen Schlussstrich und ließ mich seitdem nicht mehr in ihr Leben. Ich habe sie nicht gesehen seitdem, und ich scheue mich davor, ihr gegenüber zu treten. Sie war jahrelang ein fester Bestandteil meines Lebens, meine beste Freundin in den schwersten Zeiten, doch wie das Leben so spielt, wollte sie mich irgendwann nicht mehr. Ich bin auch heute noch oft sehr traurig darüber, aber ich weiß, dass es ihr gut geht, mit ihrem Mann, ihren Katzen, ihren Büchern, und ich versuche, das Beste zu geben, um so stabil zu werden, dass sie mich eines Tages vielleicht wieder in ihr Leben lässt. (Ich bezweifle es im Moment ein wenig.)

Weißt du: Ich glaube, wir alle sind ein wenig durch unsere Familien verstört. Ob es die Genetik ist, die uns Krankheiten, gewisse Veranlagungen, Depressionen mitgibt, oder ob es die Erziehung ist, die uns verkorkst. Meine Familie beispielsweise weicht jedem Streit und jeder Kritik aus. Sie ist gut darin, eine heile Welt vorzuspielen, obwohl hinter der Fassade ganze Universen zusammenbrechen. Ich habe das nahtlos von ihr übernommen. Lieber verdränge und heuchle ich vor, als die Scherben zusammenzukehren und zu kitten, was noch zu kitten ist. Es fällt mir schwer, aus diesem Muster auszubrechen, auch wenn ich es so gut es geht versuche. Doch immerhin habe ich jahrelang in dieser Familie gelebt, bin damit aufgewachsen... Es ist nicht leicht, zu erkennen, dass etwas nicht ganz richtig läuft, wenn man es nicht anders gewohnt ist. Aber ich habe das Gefühl, jetzt, wo ich nicht mehr bei ihnen wohne, es besser zu erkennen. Und ich will es besser machen. So gut es nur geht. Denn ich glaube, wir haben die Wahl. Wir haben immer die Wahl. Und wenn meine Familie mir Kritikunfähigkeit und einen Hang zum Alkoholismus mitgibt, dann werde ich alles dafür tun, nicht dieselben Fehler zu machen wie sie. Ich glaube nicht an Schicksal, ich glaube daran, dass ich mein Leben selbst leiten, selbst in die richtige Richtung schieben kann. Mein Leben gehört mir.

Weißt du, Hanna, ich muss oft an dich denken. Ich liebe es, an dich zu denken, an das Mädchen, das so weit weg von mir ist und doch so nahe. Ich liebe es, dass du irgendwo da draußen ein anderes Leben führst, studierst, aus deinem Fenster hinausblickst und die Autos beobachtest, spazieren gehst, dich mit Freunden triffst, am Leben teilnimmst. Ich liebe es, dass du da draußen bist und lebst, und in schlimmen Momenten tröstet mich dieses Wissen, dass du lebst. Bitte mach weiter damit. Es ist so schön, dich in meinem Leben zu haben. [...] Huch, ich werde sentimental. Ich sollte mich wohl ganz schnell in mein Bett begeben und schlafen, denn morgen ist ein neuer Tage und ich hoffe sehr, dass es mir morgen besser gehen wird. Manchmal hilft Schlafen einfach gegen alles.

Ich hab' dich so furchtbar lieb.

Itsu

Freitag, 9. März 2018

Schmetterlingsfamilie

Hay Itsu,
es ist 2:21 morgens, ich bin ein paar hundert Kilometer von der Adresse entfernt zu der du immer deine wundervollen Briefe geschrieben hast. Ich habe übrigens alle aufgehoben und vor, sie alle in ein Album zu kleben, sobald ich mal Zeit habe, was bestimmt nie vorkommen wird.
Ich habe ein bisschen Alkohol intus und das Bedürfnis, mich dafür bei dir zu entschuldigen aber vor etwa einer halben Stunde saß ich im Wohnzimmer dieses herrlich verwinkelten Hauses, das mein besonderer Mensch lieben würde und habe ganz laut AnneMayKantereit mitgesungen, das ich damals nicht mochte, als ich es von dir gehört habe und langsam erst so richtig lerne zu lieben, auch wenn "lieben" vermutlich etwas übertrieben ist. Es tut mir auch Leid, dass ich so lange gebraucht habe zu erkennen, was du daran liebst. Naja also ich saß da und meinte mich zu erinnern, dass du mir damals erzählt hast, wie gut du dich mit deiner Tante verstehst und wie erwachsen du dabei geklungen hast. Irre ich mich? Es ist schon so verdammt lange her ...

Jedenfalls muss ich unweigerlich an dich denken, liebe süße Itsu, wenn ich diese Musik höre und so war es mir ein Bedürfnis, dir jetzt sofort zu schreiben. Wenn ich dir nicht schreibe, schreibe ich gar nicht mehr.

Erinnerst du dich noch daran, wofür du früher das Internet genutzt hast? Als man noch nicht sämtliche Filme der Welt streamen konnte, als man es noch nicht zum Lernen brauchte und Internet nicht immer und überall verfügbar war. Eigentlich hatte ich mir vorgenommen, während meines Aufenthaltes hier keine Verbindung mit dem Internet aufzubauen und mir meine Ruhe zu nehmen, aber ich hab mein Vorhaben gebrochen und mir für diesen Post das Passwort geben lassen und trotzdem hab ich nicht das Gefühl, meinen Vorsatz gebrochen zu haben. Dir zu schreiben ist für mich immernoch mehr so, als würde ich mit dem Füller auf Papier rumkritzeln, auch wenn ich unterm Strich noch nicht einmal etwas handschriftlich für dich auf Papier verfasst habe, was sträflich ist, wenn ich etwas genauer darüber nachdenke.

Wovon ich dir nun eigentlich erzählen wollte. Was ist aus der Tante eigentlich geworden? Ich hatte meine 8 Jahre meines Lebens nicht gesehen und dann nochmal 4 und nun bin ich hier und habe ein bisschen das Gefühl, sie vermisst zu haben - schonwieder. Und dann, nur weniger Minuten nach diesem Moment mit der AnneMayKantereitMusik fiel mir ein, dass ich von einer Seite meiner Familie Depressionen habe und von der anderen vielleicht irgendwann ein Alkoholproblem und fragte mich, ob mein Leben deshalb schon  irgendwie von Anfang an verwirkt war und ob ich deshalb so Angst davor hatte, irgendwann mal den Großteil meiner Zeit allein mit meinen Kindern zu erbringen, wenn ich älter bin, ohne (m)einen Mann. Ein ziemlich ernüchterner Gedanke.

Hay Itsu, überleg mal wie lange wir uns jetzt schon kennen. Mit genug Liebe und ausreichend Abstand ist aus uns beiden echt was geworden, das viel viel länger lebt als ein Schmetterling.


Oh man ich liebe diesen Song, echt jetzt.
Naja, auf jeden Fall ist es schon irgendwie komisch, was aus Menschen wird, die alles dafür tun, irgendwie für bestimmte Menschen perfekt zu werden. Kannst du dir vorstellen, dass die meisten Leute, die meine Eltern kennen sie um ihre Kinder beneiden? Es ist ja nicht so, alsob ich das nicht mitbekommen würde. Ich frage mich, ob es das ist, was ich die ganze Zeit über bezwecken wollte und ob ich darauf stolz sein sollte, nun kaum noch Stress mit meinen Eltern zu haben und was aus mir geworden wäre, wenn ich einfach so geblieben wäre, wie mich Lucy mochte, oder N. oder all die Menschen, die ich bisher enttäuscht habe, indem ich nicht so war, wie ich hätte sein müssen um sie nicht zu verlassen, oder zumindest besser zu verlassen, als ich es nun letztendlich getan hatte, insofern es tatsächlich irgendwie möglich ist jemanden "auf gute Art und Weise" zu verlassen.

Ich bin eine ziemlich weiter Strecke hierher gefahren mit meinem eigenen Auto und frage mich gerade, wie weit weg du wohl von hier aus gesehen bist. Vielleicht bist du ja ganz nah?
Ich werde jetzt, denke ich, diesen Valerie-Coversong nochmal anstellen, den Laptop zuklappen und noch ne Zeit lang an dich denken, bevor ich heute viel zu spät einschlafe.

Hay,
ich hab dich lieb!
Schlaf gut,
~Evoliette

Dienstag, 2. Januar 2018

Schmetterlingsstress

Hay meine Liebe,

ich weiß es ist ne Weile her aber ich habe beschlossen mir jetzt und hier zwischen dem ganzen Trubel und Stress meines Unilebens eine halbe Stunde Zeit zu nehmen, dir zu schreiben, weil ich mich so wahnsinnig über deinen Blogeintrag gefreut habe (nachdem mich mein Freund mindestens 15 mal daran erinnert hat, das endlich mal zu tun).

Von dir zu lesen, erinnert mich immer daran, dass es mehr gibt. Mehr, für das man eigentlich ja lebt - nicht um Testate in der Uni zu bestehen, nicht um seine Hochschulgruppe zu retten, nicht um Tag für Tag für Tag stundenlang Aufgaben zu erledigen. Man lebt vielmehr dafür, Briefe an Freunde zu schreiben, kreativ zu sein und Geschichten zu erfinden oder mit seinem Freund zu streiten, ob man ein Liebesdrama oder eine trashige Animeserie abends im Fernsehen schauen möchte.
Zurzeit ist es manchmal schwer, das eigentliche Leben, das eigentliche Ziel nicht aus den Augen zu verlieren, obwohl meine zahlreichen Teilziele eigentlich genau darauf ausgelegt sind.

Ich versuche seit Monaten einen Termin zu finden, an dem ich mit einem guten Kumpel ins Kino gehen kann, weil wir das jedes so machen - außer letztes Jahr - denn wir haben keinen finden können. Nun versuche ich ihn zu überreden, mit mir Pitch Perfect 3 zu gucken. Außerdem habe ich eben ein Ticket für den Flixbus gekauft um am Freitag Lika in Braunschweig zu besuchen. Das wird sicherlich großartig. Es gibt einfach Menschen, die das Leben immer schöner machen können, auch wenn gerade alles etwas drunter und drüber geht.

Ich weiß nicht, ob ich meinen Blog jemals wieder anrühren werde. Aber vermutlich wäre es nur fair, dir etwas von meinem 2017 zu erzählen, in dem ich nun keinen einzigen Blogeintrag verfasst habe. Nunja also:
2017 war das Jahr, in dem die Leute angefangen haben in Fünferreihen auf unserer großen Kreuzung zu parken. Es war auch das Jahr, in dem ich anfing, sie dabei zu beobachten weil ich nämlich jetzt das Zimmer an der Kreuzung habe - das Zimmer meines Bruders. Es fühlt sich anders an hier drinnen, wohnlicher, privater, auch wenn meine Mum heute schonwieder vier mal reingekommen ist, um mich daran zu erinnern, das ich meine Jacken in den Schrank räumen sollte und manchmal ist das anstrengend aber die meiste Zeit über vergesse ich, dass ich gar nicht allein wohne.

2017 war auch das erste Jahr, in dem ich ein Testat verkackt habe, weil ich es wirklich nicht konnte, was eine vollkommen neue Erfahrung für mich war und mich seitdem wurmt. Ich weiß, es ist eigentlich lächerlich aber wenn man in seinem Leben immer schafft, was man sich vornimmt gewöhnt man sich irgendwann sehr daran. Und eigentlich möchte ich mich auch gar nicht umgewöhnen müssen.

Das letzte Jahr hat sich für mich angefühlt wie ein Jahr - nicht länger und nicht kürzer. Ich hatte einen angenehmen Sommer und abgesehen von ein paar Stolpertsteinen wie diesem Testat liebe ich mein Studium nach wie vor, sonst würde ich schließlich auch nicht freiwillig soviel Zeit da reinstecken. Ich bin nachwievor engagiert, auch wenn mir das Singen fehlt und manchmal vermisse ich noch mein altes, bequemes, sicheres Leben aber hey, auch das geht dann wieder vorbei und auch wenn alles ständig im Wandel ist, Dinge sich ändern und wieder ändern, so bist da immer du, die jetzt schon so viele Jahre an meiner Seite ist auch wenn ich mit monatelang nicht melde und glaub mir, ich weiß das unheimlich doll zu schätzen.

ich glaube mit diesen Worten schließe ich meinen Blogpost und gebe dir noch ein Lied mit, das ich durch meinen Freund kennengelernt habe. Vielleicht gefällt es dir. Vielleicht auch nicht. (:

I'm not the flame and you are defrost
let me explode
let me burst
let me 
shout
♥

Fühl dich ganz fest gedrückt und - ach ja! Fest vergessen!
Happy Birthday! ♥

~Evo

Sonntag, 3. Dezember 2017

Atmen

Dear Hanna.

Ein Jahr und länger ist es jetzt her, dass du deinen letzten Post auf "Evoliette" veröffentlicht hast. Ein Jahr, in welchem ich nichts von deinem Leben gelesen habe, mal abgesehen von deinen "Dear Mary Sue" Posts hier, die mich halb zum Weinen brachten vor Freude, die mich glücklich machten in sehr, sehr dunklen Momenten, in denen ich genau das gebraucht habe. Verrückt, wie schnell die Zeit vergeht, nicht wahr? Ein Jahr. Kaum zu glauben, dass jetzt wieder Schnee liegt, dass Adventszeit ist, ich jeden Tag ein Türchen öffnen kann, Weihnachten entgegen fiebere. Es ist Adventszeit... Manche denken in dieser Zeit an ihre Familien, ich denke an dich.

Ich weiß nicht, ob ich sagen kann, dass es mir gut geht. Gerade geht es mir gut. Gerade fahre ich von Karlsruhe nach Hause, hatte ein wunderschönes Wochenende mit meinem Freund und bin motiviert, gut drauf, ja, vielleicht sogar glücklich. Ich weiß aber auch, dass es Tage gibt, an denen ich diese Art von Gefühlen nicht nachvollziehen kann, an denen es mir alles andere als gut geht und ich fürchte diese Tage, diese Tage, an denen Nacht in meinem Herzen ist und ich nicht so fliegen kann, wie ich es gerne tun würde. Ich habe immer Angst vor diesen Tagen.

Ich schreibe nicht mehr viel, mal abgesehen von einigen Rollenspielen. Ich versuche es ab und an, aber mir fehlen die zündenden Ideen, die Ausdauer, die Zeit und Lust, mich hinzusetzen und einfach mal Seiten um Seiten zu füllen. Manchmal schaffe ich es, ein oder zwei Seiten zu schreiben, bei der Geschichte um Hanna und Thea, die in La Push landen, zum Beispiel, aber es ist nicht mehr so wie früher, wo die Worte einfach geflossen sind wie Honig. Ich werde erwachsen, ist es das? In ein paar Wochen werde ich 22 Jahre alt. Ich habe eine Wohnung, ein Studium, Arbeit, eine Beziehung. Fühlt sich alles schon sehr erwachsen an. Ich meine, ich hole Preisvorschläge für Laminat ein. Krass.

Leben macht manchmal müde... Erwachsen sein macht müde... Diese Routine, die es mit sich bringt, das Studium, für das man aufsteht, die Routine in der Arbeit, den Haushalt zu schmeißen, die Zeit, die man in eine Fernbeziehung investiert, den Rest der Zeit so zu koordinieren, um auch andere Freunde nicht komplett vor den Kopf zu stoßen... Leben ist anstrengend, aber irgendwie liebe ich es so sehr. Ich atme... Ich atme momentan gerne, und das ist das Beste, was ich gerade schreiben kann, für mich, dass ich momentan gerne atme, nicht damit aufhören möchte. Worte bringen mich momentan kaum zum Schweben, zum Fliegen, ich versuche wieder mehr zu lesen, ich schreibe meinen Blog (hey, siehst du, wie lange ich ihn schon führe, nach all den Jahren, in denen ich das nicht geschafft habe?), aber es geht nichts anderes über Musik. Musik ist das, was mich momentan am meisten zum Fliegen bringt, kennst du das Gefühl? Einfach die richtige Musik und dann schwebt man. Vielleicht wurde die Tinte aus meinen Flügeln gesaugt, vielleicht ist sie weg, oder sie ist begraben, ich weiß es nicht... Aber ich atme immer noch, und ich denke immer noch an dich. So oft!

Liebe Hanna, ich hoffe, dass auch du Freude hast am Atmen und am Leben. Am Erwachsenwerden, so anstrengend und ermüdend es manchmal auch sein kann. Schreib mir mal wieder, schlag ein wenig mit deinen eigenen Tintenflügeln, vielleicht geben auch meine dann mal wieder etwas von sich. Bis dahin wünsche ich dir eine wunderschöne Adventszeit und Weihnachten mit deinen Liebsten. Ich denke auch weiterhin an dich.

Ines

Dienstag, 13. Juni 2017

Dear Mary Sue IV

Hay Liebes,

ich schreibe dir, weil ich zurzeit versuche, regelmäßig deinen Blog zu lesen (damit ich nicht wieder soviel auf einmal verpasse) und weil ich eben deine letzten zwei Blogeinträge gelesen habe und weil ich gelesen habe, dass es dir immernoch nicht wirklich gut geht.

Du bist derzeit der einzige Mensch, dem ich schreibe. (chatten zählt nicht, ich meine schreiben - SCHREIBEN) Ich habe aufgehört mein Leben in meinem Blog festzuhalten als der größte Teil meines normalen Lebens ein Ende nahm und jetzt sitze ich hier in der Vorlesung und studiere.

Ich habe mein Leben so voll gepackt(wie immer), dass ich nicht dazu komme, mir über meine zwischenmenschlichen Beziehungen großartig Gedanken zu machen und mal abgesehen von ein paar kleineren Rückfällen ab und an mitten in der Nacht nachdem ich mit Teddy geschrieben habe oder wenn ich gerade unter Alkoholeinfluss stehe, klappt das ganz gut.
Ich komme deshalb anderen Menschen kalt vor.

Zurzeit studiere ich und sehe einen merkwürdig beruhigenden Rhythmus darin. Wir bekommen Aufgaben, die wir sieben Tage später abgeben müssen und wir arbeiten und arbeiten bis zu den nächsten Prüfungen und dann arbeiten wir wieder und dann kommen wieder die nächsten Prüfungen und das wird noch mindestens vier Semester für mich so gehen und ich weiß, dass mir solange nichts passiert. Ich muss einfach leben und lernen, Aufgaben machen und studieren und ich weiß, dass solange ich das tue einfach alles konstant bleibt. Das hilft.

In viert Tagen heiratet AE. Ich hab ihn seit meinem Abiball nicht mehr gesehen, der ironischerweise auf den Tag genau ein Jahr vor seiner Hochzeit war, wenn ich gerade so darüber nachdenke. Früher habe ich ihn jeden Tag gesehen und jetzt hat er mit meinem Leben absolut nichts mehr zu tun und auch wenn ich ab und an an diese Hochzeit denken muss (daran, wie weit entfernt das alles für mich ist und wie ich damals reagiert habe, als ich davon erfuhr, dass sie verlobt waren) finde ich es erstaunlich, wie wenig mich all das noch trifft. Auch das Lucy Probleme hat. Oder wie einsam manche Leute sind.

Emmanuel habe ich vor ein paar Wochen das erste Mal seit meinem Abiball wieder gesehen und er hat sich so verändert. Im Grunde genommen sah er für mich genauso aus, wie damals als ich ihn kennengelernt hatte. Nichts als eine Maske. Aber vielleicht geht es ihm gut so. Und irgendwie ist es mir auch egal und manchmal macht es mich traurig.

Worauf ich hinaus will:
Es geht dir immernoch nicht gut, Itsu. Und ich lese, dass du dich mit deiner Mitbewohnerin streitest, mit der du dich doch früher so gut verstanden hast und ich lese, dass es für dich ein Kontra ist wieder näher an Österreich heranzuziehen, wo deine Familie wohnt. Ich hingegen wohnte mein ganzes Leben in ein und derselben Stadt und komme kaum raus und selbst ich habe es geschafft mich - vollständig unabsichtlich - von allem zu trennen, was in meiner Vergangenheit lag. Das passiert einfach. Es passiert von ganz allein.
Vielleicht ist das Zusammenwohnen gar nicht schuld daran, dass du und Lena euch streitet, vielleicht hättet ihr euch auch auseinandergelebt wenn ich ganz lange nichts zutun gehabt hättet oder ihr hättet euch gestritten und vielleicht (oder besser - vermutlich!) würdest du es auch schaffen den Kontankt zu deiner Familie so loose zu halten wie du möchtest, wenn du in Örsterreich wohnen würdest.

Du bist niemandem etwas schuldig.

Ich glaube ich habe es dir in meinem letzten Post schonmal geschrieben aber wenn es Menschnen schlecht geht, wenn sie Depressionen haben oder sich umbringen wollen, dann haben sie immernoch Depressionen, wollen sich umbringen und es geht ihnen schlecht, wenn du nicht mehr bei ihnen bist - wenn du dich nicht mehr kümmerst.
Du bist nicht Schuld am Elend der Welt aber genausowenig kannst du etwas dagegen tun, dass es dieses Elend gibt.
Es tut mir Leid, dass es dir immernoch nicht wieder besser geht, Liebes. Ich mache mir von hier aus wirklich Sorgen um dich. Ich wünsche dir, dass du bald wieder ein bisschen Licht siehst. Licht von dir, nicht von Sofa oder von irgendwelchen anderen Menschen, Licht, das aus dir herausstrahlt.
Weil du das nämlich allein schaffen kannst! (Glaub mir)

Und vielleicht solltest du auch einfach nur studieren.
Ich hab dich sehr lieb.

Pass auf dich auf bis zum nächsten Post.
~Evoliette

Freitag, 28. April 2017

Dear Mary Sue II + III

So before I save someone else, I’ve got to save myself 

So Liebes, hier bin ich wieder.
Das Lied hab ich aus offensichtlichen Gründen angehangen. Es passt zu dir, denn es gibt eine Sache, die ich dir gern in dein hübsches Lockenköpfchen hämmern würde, damit sie sich dort festpflanzt und bei Zeiten nicht mehr verloren geht:
Es ist nicht an dir, andere Menschen zu retten.
Wirklich nicht. So sehr du dich um Menschen sorgst, so sehr du dich kümmerst, so sehr sollte es bei dir an erste Stelle stehen, dich um dich selbst zu kümmern. Damit will ich nicht sagen, dass es eine gute Idee wäre, nur noch das zu machen, was du willst, aber ich denke ein spontanes Wochenende bei Menschen, die du liebst ist schonmal ein guter Anfang und ich hoffe, du lässt es nicht zu, dass dir das andere Leute wieder schlecht reden.

Ich habe eine Freundin, deren erster Freund ebenfalls krank war, ebenfalls Medikamente nahm, ebenfalls offene Selbstmordgedanken hatte. Seine Therapie hatte er, so wie ich das verstanden hatte, irgendwann abgebrochen, Sie hat versucht ihn zu retten und als sie feststellte, dass das nicht in ihrer Macht lag ohne selbst daran zu zerbrechen beschloss sie, sich von ihm zu trennen. Es geht einfach nicht, dass man von Menschen (egal absichtlich oder unabsichtlich, aus Krankheitsgründen oder bei vollkommener Gesundheit) als Spielball behandelt wird. "Sei für mich da und dann stoß ich dich wieder weg." Bei meiner Freundin ging es schließlich so weit, dass er ihr eintrichterte, wenn sie ihn verlässt, dann bricht er sich um.

Ich hoffe einfach, dass du dich von nichts und niemanden in so eine Lage drängen lässt. Wer solche Gedanken hat, wem es so schlecht geht, dem geht es schlecht und der wird diese Gedanken auch haben, egal ob du dich in ihrem/seinem Leben befindest oder nicht, egal ob du dich um sie kümmerst oder nicht. Diese Menschen haben ein Problem mit sich selbst, dass sie nur aus eigener Kraft lösen können.
So wie du dich auch nur selbst schützen, selbst retten kannst.
So wie wir uns alle nur selbst retten können.
Vielleicht ist der beste Weg dahin, einige Kontakte zu kappen, vielleicht wäre es das Beste, alles hinter sich zu lassen. Vielleicht wäre es die Entscheidung, monogam zu sein ... oder einfach eine Weile allein. Niemand kann dir sagen, was du zu tun oder zu lassen hast. Es gibt keine allgemeingültige Lösung für alle Probleme. Man stößt im Leben immer Menschen vor den Kopf, verletzt sie - verlässt sie. Aber ruf dir auch ins Gedächtnis, das die Entscheidung FÜR einen Menschen, nicht zwingend auch die Entscheidung GEGEN einen anderen ist, sondern dass die Menschen, die dir soetwas vorwerfen, das für sich selbst so aufnehmen. Es sind sie, die dir die Ultimaten stellen und damit auch sie, die es zu einer persönlichen Sache machen, wenn du eine Entscheidung triffst.
Es ist nicht deine Schuld.
Du kannst nicht immer Entscheidungen ausweichen. Du kannst nicht auf alle Rücksicht nehmen aber bitte, Liebes: Nimm Rücksicht auf dich.
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Ines,
erinnert du dich noch daran, dass wir früher immer Rollenspiele schreiben wollten, in denen alle verfügbaren männlichen (und meistens sehr sehr tollen) Charaktere auf ein und das selbe Mädchen standen? Oder höchstens mal auf zwei? Möglichst zeitgleich, damit es etwas Drama gab? Damit im Rollenspiel dann auch etwas PASSIERTE.
Ich sehe die Verwirklichung unserer Rollenspiele, allerdings nicht in einer Geschichte, sondern in deinem Leben zurzeit wieder.

Einen Tag schreibst du darüber, dass du dir nur wünschst, für irgendjemanden eine Nummer 1 zu sein, der für dich auch eine Nummer 1 ist. Einen Monat später, hattest du gleich zwei Menschen, auf die das zutraf.
Und trotzdem ging es dir damit nicht gut. 

Unsere Rollenspiele sorgten dafür, dass immer irgendjemand irgendwo Sex hatte (oder zumindest ein Date) während sich andere stritten und es wieder anderen schlecht ging. So läuft das eben, bei so vielen Beziehungssträngen. Schon in Rollenspielen war es manchmal schwierig, überhaupt noch den Überblick zu halten und ich will mir nicht vorstellen wie es ist, wenn man das in echt durchmacht.
Aber hey. Du bist dieses Mädchen. 
Ich lese in deinem Blog sehr viel davon, dass du dich außen vor - dass du dich allein fühlst - überflüssig. Andererseits lese ich von so vielen Leuten, denen du den Kopf verdrehst. Alina, Marudor, Sofa um ein paar Namen zu nennen. Es sind noch mehr.
Du hast nur so viele Probleme mit ihnen, weil du ihnen nicht egal bist. Sie lieben dich und sie hassen dich weil sie etwas für dich empfinden ... und nicht nur irgendetwas, Du machst dich manchmal selbst so klein und denkst, dass sie dich eher in ihrem leben "dulden", dass du nur darin bist, weil du so unbedingt darin bleiben möchtest, weil du dich "aufdrängst" und eigentlich bist du ja unwichtig.
Dabei siehst du gar nicht, dass du diese ganzen Probleme und scheiß Gefühle nur hast, weil sie so stark für dich empfinden. 
Die bist das Mädchen, dass sie lieben. Aus einem Grund. Aus vielen Gründen. Du bist absolut liebenswert, Itsu Wenn du das siehst, dann hast du den Sinn von meinen Blogposts hier erfasst.

Ich bin nicht dafür da, dir irgendwelche Vorschriften zu machen, dir zu sagen "das und das machst du falsch" und "das und das solltest du machen". Ich bin dafür da, als stiller Mitleser an deinem Leben teil zu nehmen, dir meine Eindrücke dazu zu vermitteln, da zu sein, wenn du mich brauchst (was ich in den letzten Monaten nicht war und das tut mir Leid) und irgendwie bin ich auch dazu da, auf dich ein bisschen aufpassen.

Aber in erster Linie musst du auf dich selbst aufpassen.
Bis dahin alles Liebe,

~Evoliette