Mittwoch, 24. Dezember 2014

Itsus Weihnachtsgeschenk oder "Schleichers Erinnerung"

Schleicher

Wie ein Wirbelwind flitze Curly durch den Container, verwandelte ihn in ein buntes, glitzerndes Etwas. Ein paar Tannenzweige hatte sie gefunden, nass vom tauenden Schnee lagen sie auf dem Boden, aber Tannen gehörten zu Weihnachten also ließen wir sie liegen. Curlys Weihnachtsstimmung konnte man sich einfach nicht entziehen. Während Ben sie hochhob um eine anscheinend halb zerrissene Girlande an der Decke zu befestigen summte sie etwas, das annähernd nach „Carol of the bells“ klang. Mir war vorher noch nie in den Sinn gekommen, dass Straßenkinder keine Weihnachtslieder kannten. Doch so schief und falsch die Melodie auch klang, sie steckte an, sie steckte alle an und die Pappe brannte fröhlich knisternd in der Tonne und versprühte eine wohlige Wärme. Die Wärme, die hier alle vor dem Erfrieren schütze, doch nun sah man sie an als wäre sie ein lodernder Kamin in irgendeinem Wohnzimmer an Heilig Abend.
Die Weihnachtsmütze, die ihr wirres Haar bändigte hatte ich ihr mitgebracht und ihre Augen hatten so sehr gestrahlt, dass ich beinahe befürchtete sie würde vor Freude anfangen zu weinen.
Während sie weiter durch den Raum tänzelte stimmte Tanja mit ein und sie begannen kindlich umeinander herumzuhüpfen.
Ein bisschen beneidete ich Ben um seine kleine Schwester. Manchmal war es anstrengend ein Einzelkind zu sein, besonders wenn einen die Eltern zu vorführten wie mich. Doch Curly war mit der Zeit unser aller kleine Schwester geworden und Ben unser aller großer Bruder. Und so kam es natürlich, dass es sich unsere kleine Familie nicht nehmen ließ, gemeinsam Weihnachten zu feiern.

„Seit ihr alle bereit?“,quiekte die Kleine vergnügt. „Bereit wofür?“,fragte ich gespielt ahnungslos. Ich wusste genau, was jetzt kommen würde, auch Charlies Augen leuchteten bereits. „BESCHERUNG!“ Alle wir wir auf der Couch oder dem Boden saßen sprangen wir auf und versammelten uns um die Tonne. Ben schleifte einen blauen Müllbeutel aus einer Ecke des Raumes hervor und rief überschwänglich „Ho Ho Ho, wart ihr denn auch alle artig?“
Ich verschränkte die Arme vor der Brust und sah zu, wie sich die Mädels auf ihre Geschenke stürzten. Auch Ben schüttelte nur den Kopf und blickte lächelnd auf das Durcheinander.
Die meisten Päckchen waren mit Zeitungspapierresten umwickelt. Auch ich hatte mir mühe gegeben auf bedrucktes Geschenkpapier zu verzichten und hatte mich für silbrig glänzende Alufolie entschieden, meine Geschenke waren zumindest vor der Schneenässe verschont geblieben während die anderen etwas durchnässt aussahen, doch das störte hier niemanden.
Ich hatte versucht etwas nützliches zu schenken und hatte für alle Pullover gekauft, allesamt warm und kuschelig mit irgendeinem Weihnachtsmotiv. Curly und Ben hatten Pullis mit Renntiermotiv, die intentisch waren, außer, dass sie nebeneinander lächerlich aussahen, da einer aussah als wäre er für eine Puppe und der andere für einen Riesen. Sofort zogen sich beide den wärmenden Stoff über den Kopf uns lachten sich dann gegenseitig aus … oder an … oder sie freuten sich einfach nur, dass ihnen warm war. Tanja bekam einen roten Pulli mit weißen Schneeflocken und Charlies war tannengrün, mit kleinen silbernen Stickereien. Als ich ihn so an ihr sah musste ich mir auf die Lippe beißen. An ihr sah er wirklich teuer aus. Das war er auch gewesen und ich habe lange nach dem richtigen Teil gesucht aber es war immer etwas riskant, soetwas zu schenken. Allesamt sahen sie aus, als könnten sie mir um den Hals fallen und das taten sie letztendlich auch und ich landete lachend auf dem Boden. „Hab ich in einem Second Hand laden gekauft. Die Verkäuferin war leicht zu beeindrucken.“,murmelte ich mit einem Augenzwinkern und niemand stellte mehr Fragen.
Der Rest der Geschenke waren Kleinigkeiten: Zuckerstangen oder Lebkuchenherzen, die vom Weihnachtsmarkt mitgehen lassen wurden, Curly verschenkte ein goldenes Glöckchen an Ben und ging mit dem Geklingel allen auf die Nerven, auch wenn es ihr niemand übel nehmen konnte. Curly bekam Schokolade und ein Geschenk stach noch heraus. Ben schenkte Tanja eine Kette, eine kleine, dünne, glänzende Silberkette. „Die hab ich gefunden, nicht geklaut, ich schwöre.“,erklärte Ben, während er sie ihr um den Hals legte. „Der Verschluss war etwas kaputt, ich hab ihn reparieren lassen und ihr eine Politur verpasst.“ Er sah ziemlich verlegen aus und auf die kurze, bewundernde Stille danach folgte ein inniger Kuss, der nicht nur Ben verlegen sein ließ.
Curly stürzte mit einem Mal zum Müllsack und zog ein paar Stöcker heraus. Ich hielt es im ersten Moment für Feuerholz, doch als sie es über das küssende Paar hielt erkannte ich den Mistelzweig.

Charlie begann zu lachen. „Wo hast du den denn aufgetrieben?“ Curly grinste „ Hab ich geschenkt bekommen. Ich bin einfach zu der Verkäuferin gegangen und habe gesagt „Ich würde gern ein bisschen Liebe verteilen, dürfte ich bitte einen ganz kleinen Zweig haben?“ Ich habe ganz große Augen gemacht und e'voila!“ Sie fuchtelte damit rum und tänzelte weiterhin summend durch den Raum. Nachdem der Kuss vorbei war und Ben mit hochrotem Kopf, wennauch sichtlich glücklich in der Weltgeschichte herumschaute spürte ich plötzlich ein Tippen auf meiner Schulter. Hinter mit stand Curly und über mich hielt sie ihren Mistelzweig. Und neben mir, neben mir stand Charlie.

Sonntag, 19. Oktober 2014

creative butterflies

Dear Hanna.

Nach unzähligen Wochen war es heute endlich soweit und ich habe mir die Zeit genommen, in unseren wundervollen Rollenspielen zu antworten. Ich habe es genossen, endlich wieder diese Zeit dafür zu haben und noch mehr habe ich es genossen, mich dir beim Schreiben der Posts so unglaublich nahe zu fühlen. Diese beiden Rollenspiele sind wir in unserer kreativsten, reinsten Form und wenn ich darin antworte, fühle ich mich, als würdest du neben mir sitzen und mich für das, was ich schreibe, loben. Es ist schön, mich dir nahe zu fühlen, Hanna.

Ich kann dir nicht sagen, welches der beiden Rollenspiele ich gerade lieber schreibe. Ich bin wirklich sehr gespannt darauf, wie sich Fire noch entwickeln wird und ich kann es gar nicht mehr erwarten, bis wir endlich Carlisle und Dana schreiben können, und gleichzeitig macht mir kaum etwas so sehr Spaß wie zusammen mit Davide und Curly auf Erkundungstour zu gehen oder mit Charlie ihren Lebensweg zu gehen. Und eine ganz andere Seite meines Gehirns fragt sich, ob wir dazu kommen werden, unsere neue Idee zu verwirklichen. Moira und Olivia.

Irgendwie fühle ich mich heute generell ziemlich kreativ und bereit dafür, einfach stundenlang in die Tasten zu hauen. Meine Flügel sind heute wieder voller Tinte und bunt schillernd, so, wie du sie am liebsten magst, und sie freuen sich darauf, heute vielleicht noch ein paar andere Sachen  zu schreiben. Ich weiß, dass du meine Worte so sehr liebst wie ich deine liebe und für mich gibt es nichts Schöneres auf der Welt als deine Blogeinträge zu lesen oder deine Antworten in den Rollenspielen. Apropos Blog: Um deinen ist es ziemlich still geworden in letzter Zeit, mir fehlt es, dass du in den Ferien recht häufig geschrieben hast. Ich hoffe, dass du weiterhin jeden Monat etwas schreiben wirst, denn ich mag es, so immer einen Teil von dir zu lesen, dem es gut geht und der von seinem Leben berichtet. Es beruhigt mich irgendwie.

Ich hoffe, dass N. Spaß in Paris hat. Mich hat die Stadt wirklich umgehauen! Ich konnte davon gar nicht genug kriegen und die vier Tage, die wir dort verbracht haben, haben sich echt gelohnt. Ich hoffe, dass N. sich alles anschaut, was wir uns auch angeschaut haben: den Eiffelturm, den Arc de Triomphe, den Grand Arche, die Champs Elysées, den Obelisk, das Schloss Versailles, die wunderschöne Innenstadt. Ich hoffe, dass ihn die Stadt ebenso umhaut wie mich.

Hast du eigentlich Fotos von Paris gesehen? Ich glaube, ich habe dir gar keine geschickt und deshalb will ich das jetzt nachholen, damit du siehst, was N. vielleicht bald sehen wird:

 
Hier sieht man im Hintergrund den Eiffelturm. Von weitem sieht er eigentlich gar nicht so spannend aus, aber die Aussicht ist einfach hervorragend. Nicht nur vom Eiffelturm aus [die sowieso, vor allem nachts], sondern auch die von einer Brücke wie hier. Man sieht so wunderschöne Lichter und alles, und es ist einfach so unglaublich unglaublich!

Das ist die Pyramide beim Museum Louvre. Sie ist wirklich sehr beeindruckend. Man kann auch reingehen und sich das irgendwie von innen ansehen, aber das haben wir leider nicht gemacht, obwohl ich das gerne mal erlebt hätte. Aber auch so ist diese Pyramide einfach nur sehr, sehr beeindruckend, findest du nicht auch?

Das war Hannas kläglicher Versuch, die Champs Elysées zu fotografieren. Sieht meiner Meinung nach ziemlich cool aus.

Der Grand Arche. Den man wie einen Arsch ausspricht.

Das ist die Wendeltreppe, die auf den Arc de Triomphe hinaufführt. Irgendwo steht ein Schild, wie viele Stufen das sind, aber ich habe es verdrängt. Es wird einem auf jeden Fall ziemlich schwindlig, wenn man eine Viertelstunde lang nur enge, gewundene Stufen hinaufgeht. Ziemlich, ziemlich schwindlig sogar. Mir war danach so übel, das glaubst du gar nicht. Aber die Aussicht von dort oben lohnt sich auf jeden Fall, das kannst du mir glauben!

Das ist ein kleiner Tipp für N. Falls er in Paris mal etwas wirklich Gutes, aber auch Billiges essen will, kann er sich einen Quick suchen. Es erinnert ein bisschen an McDonalds, ist aber viel, viel besser! Und für Paris ist dieser geile Shit wirklich extrem billig, das muss man dem lassen. Und es schmeckt so geil, habe ich das schon erwähnt.

Mister Eiffelturm.

Jede halbe Stunde leuchtet der Eiffelturm nachts. Sieht das nicht unglaublich aus?




Viele Brücken in Paris sind völlig beladen von diesen Schlössern. Wenn Liebende zu zweit in Paris unterwegs sind, schreiben sie ihre Namen auf diese Schlösser und hängen sie an Brücken fest, damit ihre Liebe ewig hält. Auf der Brücke, wo wir waren, haben wir sogar einen Heiratsantrag  miterlebt. Das war so süß und die Frau war so happy und überhaupt und alle haben geklatscht und die Stimmung war einfach nur so Bombe!

Es ist einfach mein Lieblingsfoto von Hanna und mir. Aufgenommen im Park des Schloss Versailles.

Freitag, 17. Oktober 2014

Schmetterlingstanz

Dear Itsu,

ich habe einen total vollgepackten Tag. Eben musste ich innerhalb von einer halben Stunde den Anfang eines Weihnachtstanzes choreografieren. Mein Weib kann heute nicht mit mir die Kinder trainieren und deshalb mache ich das Training heute allein.
Die mittlere Gruppe wollte unbedingt Rock'n'Roll tanzen das heißt soviel wie: noch bevor ich bei der dritten Gruppe angekommen bin werde ich fix und fertig sein.
Trotzdem nehme ich mir meine verbleibenden 10 Minuten die Zeit, dir dieses Eintrag hier zu schreiben, der wegen des Zeitdrucks vermutlich äußerst kurz ausfallen wird.

Ich habe deinen Blogeintrag gelesen und ich freue mich, dass dich die Menschen, die in deiner Nähe wohnen genau so toll finden wie ich, auch, wenn ich finde, dass das irgendwie klar war. Ich meine du bist halt toll. Das ist eben so. :3
Ich weiß noch, wie ich mich gefühlt habe, als N. mich das erste Mal mit zu seinen Freunden genommen hat und wie nervös ich war und wie ich Angst hatte, total komisch rüber zu kommen. Gestern dann haben sie vorgeschlagen, mal gemeinsam in den Urlaub zu fahren. Sie würden alle zusammen - mit mir - in den Urlaub fahren wollen, was ich wirklich toll finde in Anbetracht der Tatsache, dass sie mich nicht mal ein Jahr kennen. Auf jeden Fall hab ich sie lieb und ich glaube, sie mich vielleicht auch ein bisschen.

Morgen feiert meine liebste Lucy ihren 18. Geburtstag, was krass ist, weil ich sie kenne, seit sie 6 ist und mittlerweile ist sie dreimal so alt und wir sind immer noch befreundet. Weil sie schon weiß, was sie bekommt habe ich mir etwas tolles für sie ausgedacht und ich hoffe, sie wird sich darüber freuen.
Es werden auch ein paar Leute da sein, die auf der Feier kaum jemanden kennen, aber ich bin zuversichtlich, dass der Abend toll wird und ich den 'Neulingen' ein tolles Gefühl geben kann. Wer weiß? Vielleicht bilden sich ja noch ein paar Freundschaften heraus.

Nächste Woche fährt N. auf Klassenfahrt nach Paris und er wird auf den Eiffelturm gehen und vielleicht genau dort stehen, wo du vor kurzem noch warst und vielleicht wird er sogar an dem Laden vorbeigehen, wo du deine Karte für mich gekauft hast und irgendwie ist das ein wirklich toller Gedanke.

Wusstest du, dass es beim Tanztraining für kleine Kinder eine Übung gibt, die "Schmetterling" heißt? Ich habe sie selbst schon gemacht, als ich ein Kindergartenkind war und ich jetzt mache ich sie jede Woche mit den Kleinen. Die Übung besteht darin, dass man sich auf den Boden setzt und mit geradem Rücken die Fußsohlen aneinander legt. Dann versucht man die Knie aus eigener Kraft Richtung Boden zu drücken und weil das auf die Dauer zu anstrengend werden würde, wippt man mit den Knien einfach auf und ab und versucht bei jedem Mal etwas tiefer mit den Knien gen Boden zu kommen. Man "flattert" quasi, mit den Knien über dem Boden ... wie ein Schmetterling eben.  Ich wette meine Beschreibung klingt viel komplizierter, als die Übung eigentlich ist, aber die Kinder haben Spaß dran, denn zu der Übung gehört (da wir ja alle Schmetterlinge sind) zu sagen, wo wir hinfliegen. Meistens kommt von den Knirpsen sowas wie "Ins Süßigkeitenland", einige Andere sagen auf, wo sie gern in den Urlaub fliegen würden, was immer da ist, wo sie schonmal waren (z.B. auf der AIDA oder auf Mallorca). Ich für meinen Teil gebe meistens den Ort an, wo sich N gerade meines Wissens nach befindet. Oder zu meinem Weib.

Aber heute.
Heute fliege ich nach Paris.

Ich habe dich lieb, kleines lockenköpfiges Etwas!
Deine Hanna.
~Evoliette

Montag, 13. Oktober 2014

Gothic-Flügel

Dear Hanna.

Wie ich bereits in meinem letzten Post erwähnt habe, war ich letztes Wochenende auf dem Schwarzen Reigen, einem Gothic-Ball in Wien. Ich werde hier jetzt keine Fotos posten oder mehr darüber erzählen, weil ich auf meinem Blog schon darüber berichtet habe, aber ich wollte einfach auch hier noch einmal erwähnen, dass ich es sehr schön fand, trotz des üblichen Dramas danach. Blöderweise konnte ich aber danach kaum schlafen und bin auch heute noch dementsprechend müde, aber Zeit für diesen Blog nehme ich mir natürlich immer, hallo. (:

[Und ich weiß nicht, ob wir schon einmal darüber geredet haben, aber ich interesse mich ja sehr für BDSM und habe da erstmal beim Eingang zwei Sklavinnen mit ihrem Meister gesehen und dann noch in dem Gebäude eine Domina mit ihrem Sub und das war einfach total faszinierend für mich.]


Jetzt aber mal zu N. und seiner Vorstellung, nach Wien zu ziehen. Es ist durchaus richtig, dass wir hier keinen NC haben, aber trotzdem kann er sich darauf einstellen, dass es vielleicht nichts werden wird. Stattdessen haben wir hier nämlich eine Aufnahmeprüfung für das Medizinstudium, die selbst die ärgsten Streber beim ersten Mal oft nicht schaffen. Also kann es durchaus auch hier möglich sein, dass er es nicht schafft - da würde ich es ehrlich gesagt doch eher mit Deutschland probieren und hoffen, dass es klappt. Wenn seine Abi gut ist, wird das, so hoffe ich doch, kein Problem sein. Außerdem wäre das echt total traurig, wenn wir quasi "Plätze tauschen" würden und auch in ein paar Jahren noch immer nicht im selben Land leben würden. Das sollte N. sich also noch einmal gut überlegen, wie gesagt ist es auch hier üblich, ein paar Jahre warten zu müssen.

Über Wien kann ich es euch aber auch nicht sonderlich viel sagen. Ich habe noch nie gehört, dass die Universität dort sonderlich gut sein soll, soweit ich weiß, befindet sich die beste medizinische Fakultät in Salzburg [etwa vier Stunden entfernt]. Wien ist eine ziemlich dreckige und volle, laute Stadt und ich könnte mir nicht vorstellen, dort zu wohnen. Aber das ist wohl einfach Geschmackssache, glaube ich. Klar kann man als Deutscher dort wohnen, das ist sicherlich kein Problem, aber wie gesagt bin ich mir nicht sicher, ob N. das irgendetwas bringen würde. Das Schönste an Wien ist die Donauinsel im frühen Frühling, wenn man dort völlig alleine ist - das Schlimmste ist die Maria-Hilfer-Straße [eine Einkaufsstraße], die unglaublich voll ist. Das Schönste ist das Haus des Meeres mit einer Riesenschildkröte, das Schlimmste die Vergewaltigungen in U-Bahnen. Es gibt so viel über Wien zu sagen und ich persönlich finde die Stadt einfach dreckig und hässlich. Aber das muss jeder selbst entscheiden.

So. Und ich finde es toll, dass du im Januar meine zukünftige Heimatstadt besuchst! Ich hoffe, ihr werdet euch die Frauenkirche und den Zwinger ansehen, ebenso die Hofkirche und natürlich die Kunstakademie mit der schönen Zitronenpresse. Ich hoffe, du wirst dort etwas Gutes zu essen bekommen [am Postplatz gibt es die schärfte Currywurst der Welt!] und vor allem hoffe ich, dass du dir dort einen Moment Ruhe nehmen kannst - einen einzigen Moment, in dem du die Augen schließen und dir vorstellen kannst, dass auch ich an dieser Stelle gestanden habe. Vor der Zitronenpresse, auf den Treppen der Frauenkirche, auf der Augustus-Brücke. Ich liebe diese Stadt so sehr - und ich hoffe, du wirst einen Teil von mir dort wiederfinden.

Ich finde es übrigens eine Frechheit, dass wir uns kaum Bilder von uns schicken, weil ich es liebe, Bilder von dir zu sehen. Du bist nämlich ein sehr hübsches Persönchen und ich sehe dich auf so wenig Bildern und das finde ich doof. Andererseits sehe ich dich nächstes Jahr, hoffe ich zumindest, und das ist ziemlich cool. Aber den ganzen nächsten Sommer habe ich frei und da werde ich mir die Zeit nehmen, nach Magdeburg zu fahren oder so. Ganz sicher! Trotzdem ist mir gerade danach, dir ein Foto von mir zu zeigen:






Mit diesem Bild wünsche ich dir eine schöne Woche! Denk an dein lockiges Itsu, gönne dir auch mal Pausen und ich hoffe, dass du ein schönes Wochenende hattest! ♥

Itsuka (:

Samstag, 11. Oktober 2014

Schmetterlingsprinzessin

"Ist deine Brieffreundin noch krank?" Hat N. kleine Schwester eben gefragt.
"Nein.", hab ich gesagt. "Sie hatte vor kurzem ihren Abiball." Und alle in diesem Raum haben sich über dein Foto gefreut.

Vor genau sieben Tagen war in Magdeburg auf dem alten Markt der niederländische Stoffmarkt und ich habe wie erwartet den Stoff für mein Abiballkleid gefunden. Es wird das erste ernstzunehmende  Kleidungsstück sein, dass ich für mich selbst anfertige und der Entwurf steht seit Monaten. Der Stoff, den ich mir ausgesucht habe ist dunkelblau und glatt und fließend und weich und einfach genau so, wie ich ihn haben wollte. Trotzdem werde ich dir nicht beschreiben, wie es aussehen wird wenn es fertig ist, denn es soll einfach eine Überraschung werden. Auf jeden Fall habe ich letzten Samstag die genau dazu passende, dunkelblaue Spitze gefunden und einen Reißverschluss in dieser Farbe ... und ein paar Zierknöpfe aber mehr verrate ich nun wirklich nicht.

Weil ich 13 Jahre Abi mache, habe ich noch eine Menge Zeit bis zu meinem Abiball. Über die Schuhe mache ich mir trotzdem noch Gedanken, denn ich denke nicht, dass ich welche in dunkelblau finden werde.
Aber ich brauche auf jeden Fall welche, in denen ich tanzen kann, schließlich belege ich den Tanzkurs mit N zurzeit nicht umsonst.

Gestern hat mich N vom Jazztanztraining abgeholt und auf dem Rückweg nach Hause hat er mich gefragt, ob ich es mir vorstellen könnte mit ihm nach Österreich, genau genommen Wien zum studieren zu gehen. er möchte Arzt werden, Chirurg soweit ich weiß und in Österreich gibt es keinen Numerus Clausus und so müsste er nicht jahrelang auf einen Studienplatz warten. Ich musste nur bitter auflachen und meinte zu ihm, was für ein schlechter Scherz es wäre, wenn du nach Deutschland ziehst und ich dann nach Österreich.

Trotzdem frage ich dich: Wie ist Wien so? Gibt es irgendeine Studienrichtung, für die Wien berühmt ist die besten Studenten auszubilden? Was ist das beste an der Stadt und was das schlimmste? Und könntest du dir vorstellen wie es ist, als Deutscher dort zu wohnen?

Unsere Sozialkundelehrerin hat uns letzten Freitag verkündet, dass wir im Januar für einen Tag nach Dresden fahren, inklusive Freizeit in der Stadt. Ich freue mich drauf, auch wenn ich natürlich gehofft hätte, Dresden lieber mit dir gemeinsam zu erkunden, als allein oder mit Teilen meiner Klasse. Trotzdem bin ich sehr gespannt auf die Stadt und ob ich deine heißgeliebte Zitronenpresse sehen kann, wenn ja verspreche ich dir, ein Foto zu machen mit mir und diesem Gebäude drauf und wenn du das nächste mal davor stehst, dann weit du, dass ich dort gewesen bin ... vor gar nicht allzu langer Zeit.

Ansonsten bin ich zurzeit voll in Action, Schule ist natürlich vorrangig aber ich arbeite wann ich kann in der Modeschule und choreografiere fleißig die Weihnachtstänze für meine kleinen Tanzmäuse. Weißt du wie komisch es ist sich jetzt, im Oktober, schon mit Weihnachten zu beschäftigen? Wenn du mich fragst kommt der Winter noch früh genug. ):

Ich wünsche dir ganz liebe Grüße von hier, aus Magdeburg, von den Kikis (Ns Familie) und mir.
Ich hab dich ganz dolle lieb,
behalt das hübsche, lockige Köpfchen oben!

Deine Hanna,
~Evoliette




Freitag, 10. Oktober 2014

Wiedergeborene Tintenflügel

Dear Hanna.

Die Schule frisst meine Hobbies derzeit wirklich vollständig auf. Ich weiß nicht, wann ich mir das letzte Mal Zeit dafür nehmen konnte, ein gutes Buch zu lesen, in einem meiner Rollenspiele zu antworten oder mich gar mit dem Vorsatz an den Laptop zu setzen, tatsächlich etwas zu schreiben. Meine Freizeit besteht derzeit nur aus den Pausen, die ich mir von den vielen Hausübungen und dem Lernstoff gönne, und diese bestehen eigentlich zum größten Teil daraus, mit A. zu telefonieren oder Musik zu hören. Ich habe absolut keine Zeit mehr für all die anderen Dinge, die mir eigentlich wirklich Spaß machen, und ich habe nicht einmal wirklich die Zeit, es auch zu vermissen, weil die Tage gerade so dahinschmelzen, ohne dass ich sie wirklich wahrnehme.

Gestern habe ich mit meiner besten Freundin einen kleinen, spontanen Word War gestartet und habe in dieser halben Stunde tatsächlich nach mehreren Wochen endlich mal wieder etwas geschrieben. Du weißt gar nicht, wie sehr ich mich darüber gefreut habe, als die Worte plötzlich wieder aus mir herausgeflossen sind wie früher, als es sich plötzlich wieder so gut anfühlte, zu schreiben. Jetzt sitze ich hier und schreibe dir das, weil ich ziemlich stolz auf einen Teil des Geschriebenen bin und ihn dir deswegen zeigen möchte:




[ damals ]



Ich lache.

Marianne lacht auch. Sie lässt ihre halb aufgerauchte Zigarette auf den Boden fallen und zerdrückt diese mit dem Absatz ihres Stiefels. Sie ist mir so nahe, dass ich die Gänsehaut auf ihren Armen sehen und ihre Wimpern zählen kann. Das schwarze Lackkleid schmiegt sich an ihren Körper wie eine zweite Haut und macht sie zu einem Anblick, dem keiner widerstehen kann. Ich beobachte, wie jeder, der an uns vorbeirauscht, für einen Moment langsamer wird, um Marianne anzusehen; selbst im Halbdunkeln und ganz in Schwarz gekleidet fällt sie auf. Ich wickle eine Strähne ihrer roten Locken um meinen Finger und gebe ein leises Seufzen von mir. Sie lacht wieder.

»Warum lachst du?«, frage ich leise und beuge mich vor, damit sie mich hören kann. Es ist laut und stickig in diesem Raum, aber sie versteht mich und lächelt und entzieht mir ihr schönes, seidiges Haar. »Sie gefallen dir.« Marianne hat grüne Augen und blasse Haut und Sommersprossen, und diese unglaublichen roten Locken, wegen denen ich vom ersten Moment an wusste, dass ich sie will. Sie sagt alles, was sie denkt, kennt keine Grenzen und keine Tabus - weswegen ich auch im zweiten Moment noch wusste, dass diese Frau meine sein soll.

Ihre Hand streift meine und eine Sekunde später sind es ihre Lippen an meinen. Ich lächle in den Kuss hinein und greife in ihr rotes Haar, obwohl ich weiß, dass sie das nicht mag, und mein Herz ist eine viel zu schnelle, viel zu offensichtliche Pumpe, die mir zeigt, dass ich viel zu sehr in die Frau mit den roten Locken verliebt bin. Ich bin 21 Jahre alt und arbeitslos und ohne Alternative im Leben, aber sie ist nicht besser und auch nach einem Monat fühlt sich ihre Nähe noch an wie tausend explodierende Sterne.

»Genug!« Sie löst sich von mir, und ihr Lachen ist eine Melodie, die nur sie spielen kann. »Du gieriges kleines Ding.« Sie ist älter als ich und sie ist erfahrener; aber noch lange nicht erwachsener. Ich lache auch, weil ihre Nähe mich berauscht, und meine Hand wandert über ihr Haar hinunter zu ihrem Nacken. Alles an ihr ist weich und schön und zart, und gleichzeitig ist sie so wild und stur und leidenschaftlich. Alles an ihr ist so verdammt Marianne und unwiderstehlich.

»Yvonne.«

Ihre Stimme ist leise und fast ein Schnurren, liebevoll und gleichzeitig so geheimnisvoll, dass ich nie weiß, ob ich die Gefühle dahinter verstehe. Mein Name klingt unglaublich, wenn er nur von ihren Lippen perlt, und ich fühle mich unglaublich poetisch und glücklich, als sie unsere Finge ineinander verschränkt und mich mit sich zieht. Menschen starren ihr nach, aber es ist meine Hand, die sie hält, und meine Wohnung, die wir bald betreten werden; meine Marianne.

Meine Zukunft.




Außerdem habe ich dir noch gar nicht von meinem Abiball erzählt! Er war ziemlich lustig und meine Freundin und ich haben solange getanzt, bis unsere Füße in den hohen Schuhen fast abgefallen wären. Der Abend war sehr, sehr schön und viel besser, als ich es befürchtet hatte. Ich bin ja normalerweise nicht der Typ für abendliche Unternehmungen, aber der Abiball war wirklich ein schönes Erlebnis. Mein Kleid war echt bequem und sogar die Schuhe haben erst nach dem vielen Tanzen wirklich angefangen wehzutun. Hier:


In diesem Sinne wünsche ich dir noch ein schönes Wochenende. Ich fahre morgen mit einer Freundin nach Wien zu einer Gothic-Veranstaltung und freue mich schon wie irre darauf, endlich mein Korsett einweihen zu können. Fotos folgen natürlich und auch generell habe ich vor, in nächster Zeit ganz oft hier auch Fotos hochzustellen, weil ich weiß, dass dieser Blog ewig bestehen wird und so auch die Fotos darauf. Damit werde ich Schussel sie immerhin nicht verlieren! (: Ich hab dich lieb und denk immer an mich.



Itsuka.
 

Dienstag, 7. Oktober 2014

Tragende Flügel

Dear Itsu,

Niclas sitzt gerade in seinem Zimmer und macht Fahrschule während ich hier sitze und den ersten Teil eines Blogeintrags schreibe, der heute vermutlich nicht mehr fertig wird.
Zuerst einmal tut es mir schrecklich Leid, dass es dir nicht gut geht. Ich denke das Beste,was du tun kannst ist dich auf die Couch zu legen mit einer Decke und ein paar Plüschies und dir deine Lieblingsfilme anzusehen. Leider habe ich deine neue Blogadresse immernoch nicht gespeichert und dadurch konnte ich noch nichts von dir lesen, was mich ärgert, aber mal abgesehen davon hatte ich in letzter Zeit viiiieeel zu wenig Zeit auch nur irgendwas zu lesen ... nichtmal "Emilia Galotti" und das muss ich bis Donnerstag durch haben ... hmpf.

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So, den ersten Teil habe ich geschrieben unmittelbar nachdem ich deinen letzten DMS-Post gelesen habe und den hier schreibe ich jetzt, da ich gerade "Zeit" habe, wobei Zeit bei mir relativ ist, ich habe so viel zu machen, sagen wir einfach ich gebe meinem Brief für dich gerade schlichtweg die höchste Priorität.

Seit mein Schuljahr 12 angefangen hat, habe ich jeden Tag 8 Stunden was unglaublich, UNGLAUBLICH zeitraubend ist. Montags belege ich mit N zurzeit einen Tanzkurs für Standarttanz, schließlich hat er nächstes Jahr Sommer seinen Abiball und bis dahin müssen wir gewappnet sein. ;D
Dienstags ist Lucy-Tag. Meine beste Freundin nimmt sich jeden Dienstagnachmittag die Zeit, zu mir zu kommen und obwohl wir an sich nichts besondere machen, ist es nie langweilig. Außerdem komme ich so nicht dazu, sie zu vermissen.
Mittwochs ist Modeschule und ich fürchte, dass ich es das erste Mal nicht schaffen werde rechtzeitig zum Termin ein Kleid anzufertigen. Es nimmt zwar Gestalt an aber sehr sehr langsam und außerhalb der Modeschule komme ich einfach nicht zum arbeiten. 
Donnerstags ist normalerweise mein Jazztanztraining aber da sich mein Zeh erneut entzündet hat, nutze ich diesen einzigen freien Nachmittag für meine wöchentlichen Arztbesuche, was wirklich frustrierend ist, da mir der Arzt nichts weiter sagen kann als, das es sich nicht bessert und ich meinen OP-Termin, der nach den Herbstferien angesetzt ist, wahrnehmen soll. 
Freitags unterrichte ich mittlerweile drei Stunden verschiedene Kindergruppen im Tanzen, was ich ohne die praktische Unterstützung meines geschätzten Weibes nicht schaffen würde.
Das Wochenende ist sowieso verplant, letztes WE war es ein 18. Geburtstag und ein Auftritt von der Trommelgruppe. Nächstes WE ist der Hochzeitstag meiner Eltern und wir bekommen Besuch, das WE darauf feiern wir bei Lucy Geburtstag und ich wollte auch irgendwann noch "Maze Runner" im Kino gucken und dann fahre ich weg, an die Ostsee, weil dann auch schon Ferien sind.
Es ist wirklich eng.
Irgendwo dazwischen schaue ich immer mal wieder nach neuen Rpg-Posts oder Blogeinträgen und heute habe ich es in einem freien Bock mal geschafft, Emilia Galotti zu lesen, was echt Zeit wurde denn morgen haben wir Deutsch und Donnerstag schreiben wir einen Test darüber.

Naja, wie du siehst... an sich ist ein nur Glück, dass du diejenige von uns bist, die posten muss, denn ich hätte dazu genau so wenig Zeit wie du. Gestern übrigens, als ich diesen Blogpost angefangen habe, da saß Ns kleine Schwester neben mir uns hat gefragt, ob sie mitlesen darf. Sie fand den Namen "Itsu" total cool und wollte mit einem mal auch unbedingt eine Brieffreundin haben, dabei weiß sie selbst ganz genau, dass sie dazu niemals die nötige Ausdauer hätte. Außerdem hat sie nicht mal einen eigenen PC, brauch sie auch noch nicht. Ich finde es einfach nur süß, wie sie mich nacheifern will. 
Aber ich kann sie gut verstehen,
wer will schon NICHT so ne supercoole, allertollste Brieffreundin haben wie ich?!
^-^

Ich hab dich lieb,
mach dich nicht fertig, lass dich nicht unterkriegen und werde ganz schnell wieder gesund!

Deine Hanna
~Evoliette