Die Schule frisst meine Hobbies derzeit wirklich vollständig auf. Ich weiß nicht, wann ich mir das letzte Mal Zeit dafür nehmen konnte, ein gutes Buch zu lesen, in einem meiner Rollenspiele zu antworten oder mich gar mit dem Vorsatz an den Laptop zu setzen, tatsächlich etwas zu schreiben. Meine Freizeit besteht derzeit nur aus den Pausen, die ich mir von den vielen Hausübungen und dem Lernstoff gönne, und diese bestehen eigentlich zum größten Teil daraus, mit A. zu telefonieren oder Musik zu hören. Ich habe absolut keine Zeit mehr für all die anderen Dinge, die mir eigentlich wirklich Spaß machen, und ich habe nicht einmal wirklich die Zeit, es auch zu vermissen, weil die Tage gerade so dahinschmelzen, ohne dass ich sie wirklich wahrnehme.
Gestern habe ich mit meiner besten Freundin einen kleinen, spontanen Word War gestartet und habe in dieser halben Stunde tatsächlich nach mehreren Wochen endlich mal wieder etwas geschrieben. Du weißt gar nicht, wie sehr ich mich darüber gefreut habe, als die Worte plötzlich wieder aus mir herausgeflossen sind wie früher, als es sich plötzlich wieder so gut anfühlte, zu schreiben. Jetzt sitze ich hier und schreibe dir das, weil ich ziemlich stolz auf einen Teil des Geschriebenen bin und ihn dir deswegen zeigen möchte:
[ damals ]
Ich lache.
Marianne lacht auch. Sie lässt ihre halb aufgerauchte
Zigarette auf den Boden fallen und zerdrückt diese mit dem Absatz ihres
Stiefels. Sie ist mir so nahe, dass ich die Gänsehaut auf ihren Armen sehen und
ihre Wimpern zählen kann. Das schwarze Lackkleid schmiegt sich an ihren Körper
wie eine zweite Haut und macht sie zu einem Anblick, dem keiner widerstehen
kann. Ich beobachte, wie jeder, der an uns vorbeirauscht, für einen Moment
langsamer wird, um Marianne anzusehen; selbst im Halbdunkeln und ganz in
Schwarz gekleidet fällt sie auf. Ich wickle eine Strähne ihrer roten Locken um
meinen Finger und gebe ein leises Seufzen von mir. Sie lacht wieder.
»Warum lachst du?«, frage ich leise und beuge mich vor,
damit sie mich hören kann. Es ist laut und stickig in diesem Raum, aber sie
versteht mich und lächelt und entzieht mir ihr schönes, seidiges Haar. »Sie
gefallen dir.« Marianne hat grüne Augen und blasse Haut und Sommersprossen, und
diese unglaublichen roten Locken, wegen denen ich vom ersten Moment an wusste,
dass ich sie will. Sie sagt alles, was sie denkt, kennt keine Grenzen und keine
Tabus - weswegen ich auch im zweiten Moment noch wusste, dass diese Frau meine
sein soll.
Ihre Hand streift meine und eine Sekunde später sind es ihre
Lippen an meinen. Ich lächle in den Kuss hinein und greife in ihr rotes Haar,
obwohl ich weiß, dass sie das nicht mag, und mein Herz ist eine viel zu
schnelle, viel zu offensichtliche Pumpe, die mir zeigt, dass ich viel zu sehr
in die Frau mit den roten Locken verliebt bin. Ich bin 21 Jahre alt und
arbeitslos und ohne Alternative im Leben, aber sie ist nicht besser und auch
nach einem Monat fühlt sich ihre Nähe noch an wie tausend explodierende Sterne.
»Genug!« Sie löst sich von mir, und ihr Lachen ist eine
Melodie, die nur sie spielen kann. »Du gieriges kleines Ding.« Sie ist älter
als ich und sie ist erfahrener; aber noch lange nicht erwachsener. Ich lache
auch, weil ihre Nähe mich berauscht, und meine Hand wandert über ihr Haar
hinunter zu ihrem Nacken. Alles an ihr ist weich und schön und zart, und
gleichzeitig ist sie so wild und stur und leidenschaftlich. Alles an ihr ist so
verdammt Marianne und
unwiderstehlich.
»Yvonne.«
Ihre Stimme ist leise und fast ein Schnurren, liebevoll und
gleichzeitig so geheimnisvoll, dass ich nie weiß, ob ich die Gefühle dahinter
verstehe. Mein Name klingt unglaublich, wenn er nur von ihren Lippen perlt, und
ich fühle mich unglaublich poetisch und glücklich, als sie unsere Finge
ineinander verschränkt und mich mit sich zieht. Menschen starren ihr nach, aber
es ist meine Hand, die sie hält, und meine Wohnung, die wir bald betreten
werden; meine Marianne.
Meine Zukunft.
Außerdem habe ich dir noch gar nicht von meinem Abiball erzählt! Er war ziemlich lustig und meine Freundin und ich haben solange getanzt, bis unsere Füße in den hohen Schuhen fast abgefallen wären. Der Abend war sehr, sehr schön und viel besser, als ich es befürchtet hatte. Ich bin ja normalerweise nicht der Typ für abendliche Unternehmungen, aber der Abiball war wirklich ein schönes Erlebnis. Mein Kleid war echt bequem und sogar die Schuhe haben erst nach dem vielen Tanzen wirklich angefangen wehzutun. Hier:
In diesem Sinne wünsche ich dir noch ein schönes Wochenende. Ich fahre morgen mit einer Freundin nach Wien zu einer Gothic-Veranstaltung und freue mich schon wie irre darauf, endlich mein Korsett einweihen zu können. Fotos folgen natürlich und auch generell habe ich vor, in nächster Zeit ganz oft hier auch Fotos hochzustellen, weil ich weiß, dass dieser Blog ewig bestehen wird und so auch die Fotos darauf. Damit werde ich Schussel sie immerhin nicht verlieren! (: Ich hab dich lieb und denk immer an mich.
Itsuka.

Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen