Sonntag, 20. April 2014

Neugeborene Flügelschläge

Liebe Itsu,

ich schreibe dir diesen Blogeintrag nicht, weil ich ein schlechtes gewissen habe, dass ich so lange nichts hier gepostet hab und auch nicht, weil ich dachte, dass es mal wieder Zeit wäre.
Nein, ich schreibe dir diesen Blogeintrag, weil ich heute oft an dich gedacht habe und weil ich dir gerne von dem verwirrenden Ereignissen erzählen möchte, die nach Außen hin vermutlich gar nicht so spektakulär klingen, aber für mich zurzeit eine große Rolle spielen und du bist diejenige, von dir ich möchte, dass sie daran Teil nimmt. Außerdem hoffe ich, dass du vielleicht mal wieder was auf deinem Blog veröffentlichst, die nächste month summary steht ja auch bald an und ich frage mich, wie es dir so geht und was dich zurzeit so beschäftigt.

Die Osterferien neigen sich dem Ende und sie gehören definitif zu den besten Ferien, die ich bisher hatte, was nicht zuletzt daran liegt, dass ich sie mit N. verbracht habe. Ich habe nicht die ganze Zeit vor dem PC verbracht wie so oft und ich bin sogar mal aus Magdeburg rausgekommen. Ich war lange wach ohne Panik zu haben, erwischt zu werden oder von einer vollkommen überdrehten und überfürsorglichen Mutter mitten in der Nacht empfangen zu werden. Und das sind nur sehr wenige der Gründe, weshalb meine Osterferien toll waren.
Das Schöne ist ja, dass DU deine Osterferien ebenfalls bei deinem Göttergatten verbingen konntest und du bist gar nicht mal (geografisch betrachtet) so weit weg von mir wie sonst und obwohl ich das rein logisch gesehen überhaupt nicht spüren könnte freut es mich irgendwie.  (:
Und wehe ich bekomme keinen detaillierten Bericht von dir wenn du wieder da bist. Ich vermisse dich!

Naja, auf jeden Fall habe ich einige Tage am Stück mit N. verbracht, was noch nie vorgekommen ist, weder mit ihm, noch mit einem anderen Menschen, der nicht zu meiner Familie gehört, wenn man von einem Ausflug absieht, den ich mal mit Lucy gemacht habe und der war schon echt schön.
Am Donnerstag waren wir mit seiner Familie in Leipzig und ich finde es so verrückt, wie sehr ich diese Familie lieb habe, die mir bis vor einigen Monaten noch vollkommen fremd war. Ich fühle mich unglaublich wohl bei ihnen und man bekommt ein Gefühl von Zusammenhalt und zu Hause, dass ich in der Wohnung meiner Eltern seit einigen Jahren oft vermisse. Es ist schön zu sehen, unter welchen wundervollen Menschen N. sein Leben lebt, zumindest außerhalb der Schule und das ist ein gutes Stichwort, denn auch mein Leben ist außerhalb der Schule so ganz anders.

Seit über einer Woche bin ich nicht mehr jeden Tag mit diesen Menschen, mit denen ich in eine Klasse gehe. Ich fühle mich zwischen ihnen immer anders, immer unpassend und ich bin auch froh, nicht so zu sein wie sie. Trotzdem war mir noch nie so klar wie jetzt, wie unglaublich unwohl ich mich in meinem Alltag in der Schule fühle, wenn man von der Arbeitsgemeinschaften mal absieht, die ich freiwillig besuche. Ich glaube wenn meine Schule nur aus meinem Klassenkameraden bestehen würde, hätte ich längst die Schule gewechselt. Es ist mir schleierhaft wie man Menschen, mit denen man jeden Tag mehrere Stunden auf engsten Raum verbringt, mit denen man arbeiten und leben soll teilweise so sehr ... wie soll ich sagen? Verachten währe zu hart gesagt. Aber ich hege solch eine Abneigung gegen sie und das Gefühl, dass sie mir geben. AE ist die einzige Ausnahme.

Nach so vielen Tagen zu zwei fühlt es sich komisch an, wieder unbemerkt zu leben. Ich meine, meine Mutter hat mich heute morgen angeschrien und ich bin deshalb in Tränen ausgebrochen, die niemand gesehen hat und in diesem Moment kamen mir die letzten Tage so vor, als wäre ich in einem ganz anderen Land gewesen oder so, in einem, in dem man sich einfach nur gut fühlt, in dem kein Druck ist, keine Sorgen oder Ängste und nach und nach fällt das alles wieder über mir zusammen und das, obwohl heute der allereste Tag des Jahres war, der für mich wirklich Sommer bedeutete. Es war so warm, dass ich ein Kleid tragen konnte und die Haut imemr noch glänzte. Durch den ständigen Wetterumschwung (morgen soll es wieder regnen) habe ich seit ein paar Tagen das Gefühl jeden Moment ab zu klappen. Über Ostern war meine Fam. zu besuch und ich habe so sau viel gegessen, dass ich mich körperlich einfach nur komisch fühle zurzeit, schwach irgendwie, weich und warm. Mir fehlen N.'s Arme, die mich zusammenhalten, dabei habe ich ihn erst heute Morgen gesehen. Meine Teenagerhormone geben ihr bestes mich dauerhaft zu verwirren. Ich fühle mich so, als würde ich alles was ich tue zum ersten mal machen und ich muss dringend wieder einen klaren Kopf bekommen bevor es am Dienstag wieder in die Schule geht.

Ich weiß nicht, wie ich das finden soll.

Wie findest du es? Wie waren deine Ferien und wie ist bei euch das Wetter und ... ach erzähl mir einfach ALLES!
Ich liebe dich.

~Evo

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