Samstag, 26. April 2014

Ein paar Flügelschläge entfernt

Dear Hanna.

Als ich bei A. war, habe ich den ersten Schmetterling in diesem Jahr gesehen. Er war gelb, genauso, wie ich mir deine Flügel vorstelle, und obwohl er nur für ein paar Sekunden in meinem Blickfeld war, hat er mich an dich erinnert. Gerade jetzt, wo du so glücklich bist und alles sich zum Guten zu wenden scheint, bist du in meiner Vorstellung ein gelb leuchtender Schmetterling wie der, dem ich begegnet bin. Gelb ist schön und strahlend, ohne aufdringlich zu wirken. Gelb bist du, weil du so schön bist, wenn du glücklich bist. Und das macht mich glücklich.

Meine Ferien waren genauso wunderschön wie es deine wahrscheinlich waren. Ich war endlich wieder bei A. und konnte ihn anfassen, fühlen, umarmen, küssen. Ich konnte 13 wundervolle Tage in seinen Armen verbringen, in denen ich nicht an die Schule, meine Probleme und den Ort denken musste, an dem ich nun wieder bin. Ich konnte 13 Tage lang eine Freiheit ausleben, an die ich jetzt nur noch mit Wehmut zurückdenken kann. Ja, ich bin jetzt wieder an dem Ort, den ich eigentlich "Zuhause" nennen sollte. Aber mein Zuhause ist dort, wo A. ist und er ist nicht hier. Jetzt, wo ich solange weg war, hasse ich einfach jede Sekunde bei meiner Familie. Ich merke, wie ungerne ich eigentlich hier bin und wie wenig ich sie eigentlich mag. Das klingt hart, schließlich ist es meine Familie, aber ... in meinem Herzen ist sie das eben nicht. A. ist meine Familie. Und ich vermisse ihn schrecklich. Ich vermisse ihn so, als hätte ich mir ein Stück meines Herzens rausgeschnitten und bei ihm liegen gelassen. Ich musste weinen, als ich in diesen Zug steigen musste, und mir kommen die Tränen, während ich diese Zeilen schreibe. Ich habe solche Sehnsucht nach ihm, aber ein erneutes Wiedersehen wird es erst wieder im Juli oder August geben. Ich weiß nicht, wie ich das aushalten soll. Ich liebe diesen Menschen und jeder Tag ohne ihn ist zur Qual geworden.

Das klingt vielleicht etwas übertrieben. Natürlich kann ich auch mit dieser Fernbeziehung leben, aber ich kann es kaum erwarten, meinen Abschluss zu bekommen und zu ihm zu ziehen. Ich habe einfach unglaubliche Sehnsucht nach ihm. Ich vermisse es, alles an ihm, seinen Geruch, seine Nähe, seine Worte, sein Lachen. Er ist 500 Kilometer entfernt und das macht mich derzeit einfach nur fertig. Es fühlt sich so schrecklich an, nicht mehr jeden Tag neben ihm aufwachen zu können.

Du fragst mich, wie es mir geht? Ich vermisse. Ich habe Sehnsucht. Ich kann nichts dagegen tun. Ich will am liebsten die Schule abbrechen und sofort wegziehen, aber das kann ich nicht. Mir geht es nicht gut, gerade deswegen, und ich hasse jede Sekunde hier, was mein Unwohlsein verstärkt. Ich versuche, damit zu leben, aber es fällt mir unheimlich schwer. Sehr sogar. Aber ... was soll ich tun, außer alles versuchen, was mir möglich ist? Ich ... kann nicht, ich kann nicht mehr, Hanna, aber ich muss, um einen guten Abschluss zu bekommen, und ich bin so fertig. Aber deine Blogposts heitern mich immer wieder auf :] Danke dafür, für diese lichten Momente. Danke. ♥

Kurz, aber ich werde gleich ins Bett hüpfen. Gute Nacht, meine Liebe.

Itsu

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