Wie du bereits weißt, habe ich vor wenigen Tagen wieder all unsere schönen Blogeinträge, die hier zu finden sind, durchgelesen. Ich lag im Bett und wollte - konnte - nicht einschlafen und auf einmal kam mir der Gedanke, mich auf diesem Blog durchzublättern, denn wenn mich etwas glücklich macht, dann das. Und natürlich hat diese Beschäftigung es geschafft, dass ich wieder fröhlich war, ja, sogar eine Träne hatte es von meinem Auge über meine Wange geschafft, weil in diesem Augenblick, als ich las, unsere Verbindung so deutlich vor meinen Augen stand; eine Verbindung, wie ich sie nicht genug schätzen kann. Ich bin dir so dankbar dafür - für unsere Freundschaft.
In letzter Zeit habe ich häufig das Gefühl, den Boden unter den Füßen zu verlieren. Ich habe dir erst vor wenigen Tagen geschrieben, was mir alles Probleme bereitet; ich glaube, dass das nicht so ein großes Problem wäre, würde ich auch ab und an mal abschalten können. Aber es gibt unheimlich wenige Dinge, bei denen ich genau das tun kann, und es ist nicht schön, nie abschalten zu können und rund um die Uhr an seine Probleme zu denken. Wie schaltest du ab, wenn du nicht über so etwas nachdenken möchtest? Mir hilft es, mit meiner besten Freundin zu telefonieren, denn sie schafft es wunderbar, mich mit ihren Erzählungen abzulenken und aufzumuntern. Das ist das Einzige derzeit, was mich vollends abschalten lässt. Das und Schokolade. Natürlich.
In manchen Momenten bin ich unheimlich stolz auf mich; ich bessere mich in der Schule, ich habe mehr Geld auf meinem Konto als normalerweise, ich besitze inzwischen sogar so etwas wie ein soziales Leben und ich regle mein Leben zumindest ein bisschen besser, auch wenn ich immer wieder in frühere Verhaltensmuster zurückfallen. Diese nehme ich inzwischen aber bewusst war - das ist auch ein Schritt vorwärts. Aber derzeit bin ich nicht stolz, nein, im Gegenteil. Ich hasse mich selbst für alles, was ich tue, von dem ich weiß, dass es falsch ist. Ich hasse es, dass ich meine To-Do-Liste anstarre und letzten Endes Dr. House schaue oder einfach nur telefoniere. Ich hasse es, dass ich nicht produktiv bin sondern einfach nichts tue, nichts tue, nichts tue. Die ganze Zeit.
Natürlich stimmt das so nicht. In den letzten Tagen habe ich vermehrt an dem Weihnachtsgeschenk für meine bester Internetfreundin gearbeitet - jene Person, bei der ich wirklich abschalten kann. Es ist einiges an Arbeit und auch an Geld, aber es macht mir Freude, weil es ihr Freude machen wird. Und es gibt kaum etwas Schöneres auf dieser Welt als diese so kaputte Frau glücklich zu sehen. Und ich weiß, dass ich zwar gerade nicht viel tue, dass sich das aber schon bald wieder ändern kann. Ich habe meine Phasen, da mache ich gar nichts, und dann im nächsten Augenblick bin ich nicht aufzuhalten. Ich weiß das, und trotzdem hasse ich mich dafür, wenn ich in einer untätigen Phase stecke. Das ist blöd, irgendwie, verstehst du. Sich selbst zu hassen für etwas.
Aus Langeweile [und um in der Zwischenzeit das nächste Thema auszuwählen] schreibe ich dir einfach mal meine To-Do-Liste ab; viel ist es vielleicht nicht, aber ...
To-Do-Liste
[ ] Hannas Geburtstag [30.03][ ] Dikas Geburtstag [09.05.]
[ ] Praktikum
[ ] Frauenärztin anrufen
[ ] Briefe schreiben
[ ] Steckbrief für Isana
[ ] Weihnachtsgeschenk für Dika
[ ] Zusammenfassung des Buches Frauenpower auf Arabisch
[ ] Nachricht an Sebi
[ ] Kulturportfolio
[ ] Wettbewerbe: Tabu-Turnier & YourDrabble
Und natürlich stand auch der Name unseres gemeinsamen Blogs hier oben, denn ich weiß, dass ich dran bin mit Posten in unseren RPGs und auch mit einem ausführlichen Blogeintrag, der eigentlich davon handeln sollte, wie stark unsere Verbindung ist und wie sehr ich mir wünsche, dass diese niemals reicht. Aber ich bin eben ein Mensch, der gerne abschweift; du liest mich gerne, also macht es dir hoffentlich nichts aus. Ich habe dich lieb, Hanna.
Du gehörst zu den Menschen auf dieser Welt, die ich nie verlieren möchte. Es gibt nicht viele, die mir so viel bedeuten; fünf vielleicht. Du gehörst dazu. Denn obwohl ich dich noch nie gesehen habe und obwohl es manchmal Wochen gibt, in denen wir keinen Kontakt haben, weiß ich immer, dass du für mich da bist, wenn ich dich brauche; und ich weiß, dass du mich magst, dass du nicht böse bist, wenn ich mal abtauche. Bei unserer Freundschaft verspüre ich eine seltsame Sicherheit, als ob unsere Verbindung einfach zu stark für einen Riss sein könnte. Normalerweise habe ich starke Verlustängste, eben weil ich mir der Verbindung nicht sicher bin. Es ist schön, wenigstens bei einem einzigen Menschen auf dieser Welt so sicher zu sein - bei dir, meiner lieben Hanna.
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