Donnerstag, 18. Juli 2013

Schmetterlingsleben

Dear Hanna.

Unser ganzes Leben besteht aus Entscheidungen. Manche davon fallen uns leicht. Wir treffen sie, ohne lange darüber nachzudenken. Vielleicht, weil wir genau wissen, was wir wollen, oder weil uns die Alternative zu schwer oder zu surreal vorkommt. Andere Entscheidungen halten uns nächtelang wach, bringen uns zum Grübeln und werfen unser ganzes Leben über den Haufen, weil sie uns Wege offenbaren, die wir nie für möglich gehalten haben. Entscheidungen bestimmen unsere Zukunft. Wir werden nie erfahren, ob sie richtig oder falsch waren. Wir können nicht wissen, ob die Alternative uns nicht vielleicht ein besseres Leben beschert hätte. Aber wir können stolz auf unsere Entscheidungen sein. Schließlich sind es unsere.

Ich habe diesen Absatz vor einer halben Ewigkeit geschrieben. Ich weiß nicht mehr genau, für welche Geschichte er gedacht war, aber als ich heute erneut deinen letzten Blogeintrag gelesen habe, ist mir der Gedanke gekommen, dass er vielleicht für dich bestimmt ist. Es ist dieser Schmetterlingseffekt, von dem du gesprochen hast: die kleinste Entscheidung kann zu immensen Auswirkungen führen. Aber egal, wie weh wir uns und anderen damit tun, trotz allem war es immer noch unsere Entscheidung. Und dazu können wir stehen, denn manche Menschen scheuen sich selbst davor, einfachste Entscheidungen zu treffen. Wir können stolz auf jede sein, weil wir das schaffen.

Hanna, ich lese derzeit den Manga Naruto von Masashi Kishimoto. Mein Lieblingscharakter Gaara stellt sich dabei eine Frage, die ich gerne mit dir teilen würde. Sie regt sehr zum Nachdenken an und ehrlich gesagt ist sie der Grund dafür, dass ich mich heute aufraffe und diesen Post tippe. Ich habe lange nach einem Anfang für ihn gesucht und als mir schließlich der Absatz über Entscheidungen wieder einfiel und ich auf Gaaras Frage stieß, fand ich einen.

WOFÜR LEBE, WOFÜR EXISTIERE ICH?

Glaubst du an das Schicksal, Hanna? Ich persönlich tue es nicht. Ich glaube, man kann seine Entscheidungen selbst treffen und damit sein Leben nach seinem eigenen Willen lenken und verändern. Ich kann mich dazu entscheiden, nach Deutschland zu ziehen und damit meiner Zukunft eine neue Richtung verpassen. Du kannst dasselbe tun. Das Schicksal fesselt uns meiner Meinung nach nicht an einen Punkt. Und jeder kommt einmal an diesen einen Punkt, an diese eine Frage: Weshalb lebe ich? Wieso wurde ich geboren? Dient meine Existenz einem höheren Zweck oder bin ich nutzlos? Wofür lebst du, Hanna? Was bezweckt dein Dasein?
Ich suche nach einer Antwort, aber ehrlich gesagt weiß ich es nicht. Ich bin einen gute Freundin für manche Menschen, habe viele traurig gemacht, und ich habe diesen einen, den wichtigsten Menschen in meinem Leben glücklich gemacht. Ich bin voller Liebe und Freude und gleichzeitig ist da dieser schwarze Fleck in meinem Herzen. Ich bin ein Gegenteil in mir selbst - Wofür bin ich auf dieser Welt? Für die Leben, die ich als Ärztin retten werde oder für die, die ich sterben lassen werde? Für meinen Mann, den ich liebe und den ich nicht mehr aufgeben werde? Um ihn glücklich zu machen? Lebe ich, einfach um des Lebens willen, für mich? Kannst du dir diese Frage beantworten, Hanna?

Ich glaube, jeder von uns kann selbst entscheiden, aus welchem Grund er auf dieser Erde weilt. Wenn ich es mir aussuchen könnte, würde ich sagen: Ich lebe, um glücklich zu werden. Ich lebe, um meinen Mann glücklich zu machen und um seine und meine Träume zu erfüllen. Ich lebe, um Leben zu schenken, sei es für meine Kinder oder die vielen Menschen, denen ich als Ärztin helfen kann. Ich glaube, so, wie wir unsere eigenen Entscheidungen treffen können, können wir auch entscheiden, wofür wir existieren. Ich existiere, um Glück um mich herum zu schaffen, für mich und für all jene Menschen, die mir wichtig sind. Auch für dich.

Eine letzte Frage habe ich noch. Eine gute Freundin von mir hat sie sich selbst in einer Geschichte gestellt und auch geantwortet und diese Antwort ist so furchtbar schön war, dass ich sie dir auch mitteilen möchte. Vielleicht sollte man sich darüber im Klaren sein, wenn man etwas bewirken will. Wenn man andere glücklich machen will. Denn das ist die Quintessenz, die wir brauchen, um nicht nur uns selbst, sondern auch den Menschen um uns herum Freude zu schenken.

BIN ICH WERTVOLL?

Ich bin wertvoll, wenn ich glücklich bin.

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