Samstag, 1. August 2015

Bereit zu fliegen

Dear Hanna.

Irgendwann breitet jeder Schmetterling seine Flügel aus und beginnt die große weite Reise ins Ungewisse. Für mich wird es im Oktober soweit sein - dann breite ich diese Flügel aus, voller Tinte und Worte, und wohin es mich verschlagen wird, ist noch unsicher. Ich habe große Angst davor und gleichzeitig kann ich es überhaupt nicht mehr erwarten. Die Zukunft - sie steht wie eine große, schier unüberwindbare Mauer vor mir und während ich darauf zugehe, kann ich es kaum erwarten, sie endlich zu erklimmen. Gleichzeitig habe ich Angst - was, wenn ich es nicht schaffe? Was, wenn es die falsche Mauer ist? Was, wenn niemand da ist, um mir zu helfen?

Das also ist mein Leben. Zurzeit arbeite ich in der Fakturierung einer Firma und ich mag diese Arbeit sehr gerne. Sowohl in Österreich als auch in Deutschland bin ich angemeldet für das Medizinstudium; für Österreich erfahre ich die Ergebnisse Mitte August, für Deutschland erst Ende September. Ich bange und hoffe auf Deutschland, wie du weißt, und dass es erst so spät die Gewissheit geben wird, macht mich verrückt. Aber ich arbeite und an den Wochenenden geht es mir gut. Ich habe Probleme und Ängste und Stress und irgendwo geht es mir gut. Auch mit A. - natürlich gibt es Probleme, massenweise, aber verdammt, ich kann nicht sagen, dass es mir nicht gut geht. Weil es mir gut geht. Wenn ich in den Spiegel sehe, sehe ich eine Frau, die die Zukunft packen wird, egal, wann es entschieden wird und was dann entschieden wird. Die Angst, die ich habe, ist da, aber - es ist schwer zu beschreiben, aber ich fühle mich schlichtweg bereit. Bereit zu fliegen.

Manchmal schreibe ich. Manchmal sitze ich vor meinem Computer und weine. Manchmal fühle ich mich allein und an anderen Tagen erdrückt mich die Anwesenheit anderer Menschen. Manchmal überlege ich, was mein Leben schön macht und dann wieder frage ich mich, warum ich mir solche Fragen überhaupt stelle, weil sie so einfach zu beantworten sind. I can't lie - it's a sweet life. [Hast du dir Pitch Perfect 2 schon angesehen? Dann weißt du auch, woher ich dieses wundervolle Zitat habe. Und wenn nicht, dann rate ich dir, es ganz schnell nachzuholen, denn dieser Film ist so unendlich perfekt. Ich habe ihn schon Dutzende Male gesehen.] Es überrascht mich, dass ich gerade jetzt - in einer Zeit voller Ungewissheit - diese Stärke in mir fühle, die ich früher immer verzweifelt gesucht habe. Aber jetzt ist sie hier. Und sie trägt mich. Sie ist der eine Flügel.

Der andere Flügel ist die Hoffnung. Hoffnung auf ein wunderschönes Leben an einem Ort, der seit zwei Jahren mein Zuhause ist. Hoffnung auf eine Universität, an der ich das Fach studiere, dem ich seit mehreren Jahren entgegenfiebere; Hoffnung auf ein Leben mit A. und D. in Dresden. Und dann liege ich nachts in meinem Bett und träume davon; träume davon, nach Hause zu kommen. Immer wieder. Ich habe vor, mir ein Tattoo stechen zu lassen. Es soll der Schriftzug "choose happiness" sein und dazu die Triskele - ich weiß nicht, ob du dieses Zeichen kennst, aber es sieht schön aus und hat eine persönliche Bedeutung für mich. Ich überlege noch, wo es hinsoll, aber ich will es haben. Unbedingt. Es ist das, wonach ich gesucht habe.

{your questions}

In deinem letzten Beitrag hast du mich gefragt, ob wir Zehngeschosser hier in Österreich haben, da, wo ich lebe. Das fand ich sehr lustig. Ich wohne in dem höchsten Wohnhaus meiner Stadt und zwar im 15. Stock. - Also, ja. Wir haben Zehngeschosser. Oder auch Siebzehngeschosser, wenn du so willst. Die Aussicht von hier oben ist atemberaubend und Leute mit Höhenangst sehen mich immer sehr seltsam an, wenn ich ihnen davon erzähle. Ich mag es hier oben; so weit oben, wie nicht einmal ein Schmetterling kommen kann.

Du hast mich auch gefragt, ob ich schon einmal am Meer war. Als Kinder fuhren meine Schwester und ich jedes Jahr mit meinen Großeltern nach Kroatien und haben dort eine oder zwei Wochen am Meer verbracht. Später dann habe ich das Meer in Ostende gesehen, einem Ort in Belgien, und dann später noch einmal in Triest, in Italien. Schulausflüge waren es, an die ich schöne Erinnerungen habe. Außerdem war ich als Kind zweimal in Tunesien, aber an das Meer dort kann ich mich kaum mehr erinnern. Manche Leute vermissen das Meer, wenn sie nicht dort sind; ich nicht. Es ist schön dort. Aber ich habe nie diese Sehnsucht danach entwickelt.

{my questions}

Warst du schon einmal außerhalb Europas? Ich war, wie bereits erwähnt, schon zweimal in Tunesien, aber da war ich sieben bzw. neun Jahre alt und ich kann mich wirklich kaum noch daran erinnern. Ich würde gerne mal nach New York oder Kanada, aber Afrika oder Asian oder gar Australien ist für mich kein Urlaubsort, der mich wirklich interessieren würde. Höchstens Japan.

Möge das Glück stets mit dir sein.
[Itsuka] 


Dienstag, 9. Juni 2015

Schmetterlinge über Wasser

Liebe Ines,

ich weiß, es ist lange her, dass ich hier geschrieben habe aber dir jetzt hier diesen Brief zu schreiben erschien mir als die beste Idee, die ich seit langem hatte.
Ich hatte einen wunderbaren und ereignisreichen Nachmittag und es gibt niemanden, dem ich davon erzählen könnte weil jeder einzelne, der dafür in Frage käme heute dabei war.

N. hat mich überredet mit ihm und ein paar Leuten aus seiner Klasse Wasserski zu fahren. Ich hatte wahnsinnig schiss und einiger Bedenken, weil ich Lucy dafür absagen musste aber wir konnten das Treffen auf Donnerstag verschieben sodass ich heute nach einem herrlich kurzen Schultag (6 Stunden) direkt zu N. fahren konnte, der direkt in einem Zehngeschosser neben einem See wohnt. (Habe ich dir schonmal erzählt wie herrlich die Aussicht aus seinem Zimmer ist?) Ich weiß nicht, ob ihr Zehngeschosser in Österreich habt dort wo du wohnst aber bald wohnst du ja in Dresden und da gibt es ganz sicherlich welche.
Naja, kommen wir zurück zum Wasserski. N. hat schon seit Ewigkeiten darauf gedrängt, dass ich das mal mit ihm mache, er hat jede Menge Spaß daran (und Übung) und so war es ganz toll, dass ich heute nicht die einzige Anfängerin war. Es ist nämlich irgendwo logisch, dass man beim ersten Mal (und meistens auch einige Male danach) beim Versuch auf den Skiern zu starten unästhetisch ins Wasser klatscht. Natürlich blieb das auch bei mir nicht aus und daher war ich froh, dass ich nicht die einzige arme Seele war, die sich vom Publikum ringsum auslachen lassen musste (zu dem unter anderem N, sein bester Freund, AE und meine Gute gehörten ... achja und N.'s Eltern).

Nach drei gescheiterten Versuchen stand ich dann urplötzlich auf Skiern, vollkommen durchnässt und in einem Tempo, mit dem ich gar nicht gerechnet hätte. (Weißt du? Ich gehöre zu der Ich-würde-niemals-mit-einer-Achterbahn-fahren-Fraktion weil ich diese hohen Geschwindigkeiten gemeinsam mit dem auf und ab einfach nicht abkann.) Daher gestehe ich, dass ich ein bisschen gekreischt habe am Anfang aber da es nicht sehr auf und ab geht beim Wasserski fahren konnte ich mich recht bald dran gewöhnen und ich bin nach zwei Stunden tatsächlich eine ganze Runde gefahren, um jede Kurve herum und an jeder Boje vorbei und ich war wirklich, wirklich stolz auf mich.

Andere waren nicht so ausdauernd und haben nach ein paar Versuchen aufgegeben, andere waren einfach nur super frustriert weil es nicht so gut geklappt hat und meine Gute hat AE förmlich dafür angegiftet, dass er es nach zwei Versuchen sofort richtig geschafft hat und dann nur noch fröhlich Runde um Runde fuhr während sie am Anfang der Strecke herumgurkte und ganz ehrlich? Ich wäre vermutlich auch so drauf gewesen...

Fakt ist, ich habe heute etwas getan, was ich noch nie zuvor in meinem Leben getan habe und obwohl ich die unsportlichste Person in meinem Alter bin, die ich kenne habe ich es gemeistert und war erfolgreich und es hat mich mit Leben erfüllt und über Schmerzen im Gesicht und am Knöchel hinwegsehen lassen. N. war auch total glücklich und ich glaube, das ist das allerbeste daran.

Zurzeit ist in der Schule nicht mehr viel los. Am 19. ist Notenschluss und die meisten Lehrer haben bei uns keine fehlenden Noten mehr, sodass Vorträge angehört und Filme geschaut werden und man sich absolut nicht mehr anstrengen muss und genau das brauche ich auch. Ich kann die Ferien kaum erwarten, ausschlafen und zocken und Zeit zu entspannen, also RICHTIG entspannen, nicht all das tun mit dem Hintergedanken was ich alles noch anderes machen muss. In zwei Wochen fahre ich mit N. und seiner Familie für ein Wochenende weg und in den Sommerferien mit meiner eigenen Familie an die Ostsee, ich werde viel spazieren gehen, zocken und Game of Thrones mit meinem Vater gucken ganz unabhängig was für ein Wetter sein wird und vielleicht haben wir ja Glück und können jeden Tag ans Meer. Warst du schonmal am Meer? Ich hab dich das noch nie gefragt.

Ich hoffe dein Tag war auch toll und ich wünsche dir ganz viel Spaß mit deinem A.
Bis zum Rand voll mit Leben und Liebe,
deine Hanna.
~Evoliette

Samstag, 21. März 2015

peut-être les papillons danseront ensemble bientôt ♥

Dear Hanna.

In Österreich sind zwar Vorabiturprüfungen gänzlich unbekannt, dennoch hat mir die Schule in letzter Zeit sehr viel Stress bereit. In einem Monat haben wir Notenschluss und die Schularbeiten und Tests reihen sich aneinander. Eine Verschnaufpause kann man sich in so einer Zeit nur sehr selten gönnen. Bis Montag muss ich zum Beispiel den Stoff von zwei Schuljahren Betriebswirtschaft lernen - und ich habe noch nicht angefangen. Aber ich bin eine gute Schülerin und gönne mir auch einmal eine Pause, um dir zu schreiben. Das muss ich ja; sonst würde ich ja zu überhaupt nichts mehr kommen. Auch in den Osterferien sollte ich eigentlich lernen, was ich auch vorhabe, aber ich habe mich dennoch dazu entschlossen, zu A. zu fahren und eben meine Schulsachen mitzunehmen. Ich möchte diese Gelegenheit nicht missen, vor allem, weil es jetzt auch noch eine Gelegenheit für uns geworden ist...  ♥

Ich hoffe, dass es dir inzwischen wieder besser gut und du den Stoff nachholen konntest. Ich war zuletzt vor einem Monat ein paar Tage lang nicht in der Schule, aber ich die Weisheitszahn-OP über mich ergehen lassen musste. Da habe ich leider auch ein paar Tage verpasst, was gerade in diesem Schuljahr wirklich nicht schön ist, aber man schafft es ja doch noch, alles irgendwie nachzuholen. Dafür gibt es die armen Wochenenden und Nachmittage, die man viel lieber an der frischen Luft verbringen möchte. Bei uns ist es inzwischen nachmittags richtig warm! Ich kann es kaum erwarten, wenn der Sommer wieder Einzug hält und ich in Kleidern herumlaufen kann. Heute muss ich unbedingt noch in die Stadt fahren, denn ich habe ein so schönes Kleid gesehen, das ich unbedingt haben muss. Wenn du magst, schicke ich dir ein Foto; es ist schweineteuer, aber das Geld lohnt sich für diesen Stoff. Vielleicht haue ich mal meine Mutter an, ob sie mir etwas hilft beim Einkaufen, schließlich schuldet sie mir noch ein kleines Geburtstagsgeschenk, haha. Jetzt, wo Sommer wird und ich im Winter Geburtstag hatte. Achja: In 9 Tagen hast du Geburtstag. Ich hoffe, du wirst ihn gebührend feiern!

Liebes, das ist aber auch absolut nichts Schlimmes, wenn es dir gleichgültig ist, dass du Menschen, denen es schlecht geht, nicht helfen kannst. Das musste auch ich über die Jahre lernen: Man kann nicht mit jedem gut Freund sein und man kann schon gar nicht jedem helfen. Die meisten Leute müssen sich selbst helfen, denn von außen kann man dabei oft nichts ausrichten. Aber das verstehen sie oft nicht, sie krallen sich an einem fest und glauben, dass man ihnen aus ihrer Misere raushelfen kann, dabei liegt es einfach nur an ihnen. Klar kann man ihnen beistehen, Ratschläge geben und eine Schulter zum Ausheulen sein... Aber man muss ja nebenbei auch sich selbst retten. Und das ist das Wichtigste, auch wenn es egoistisch klingt: Man muss erstmal sich selbst retten.
Ich hatte früher auch diesen Helferkomplex. Ich wollte immer mit jedem befreundet sein und überall helfen, auch wenn ich wusste, dass diese Menschen mich danach trotzdem wieder abschreiben würden. Auch heute passieren mir noch solche Ausrutscher, aber inzwischen bemerke ich es, wenn das unnötig ist oder ich hier einen Fehler gemacht habe. Man muss das einfach lernen, denke ich. Ich glaube auch nicht, dass es dir unbedingt gleichgültig ist, ich glaube, das ist das falsche Wort. Du hast einfach gelernt, dass man manchen Menschen nicht helfen kann und es würde dir und deiner Psyche immens schaden, wenn du tagelang über diesen Menschen grübeln würdest. Du hast gelernt, wann es gut ist, dem anderen zu helfen und wann es dir kein Kopfzerbrechen bereiten muss. So einfach ist das.

Die Serie, die du erwähnt hast, kenne ich nicht. Ist es nicht schade, dass all diese Serien, die wir in unserer Kindheit so vergöttert haben, nicht mehr existieren? Meine Nachmittage waren erfüllt von Cosma und Wanda, der Gummibärchenbande, Hanna Montana und Kim Possible (und noch vielem mehr) und wenn ich heute den Fernseher einschalte und auf diese Sender schaue, überkommt mich eine Übelkeit, die du dir gar nicht vorstellen kannst. Früher war einfach alles besser, um es in den Worten meiner Großmutter zu sagen. Und als Kind war alles erst recht besser, wenn die Familie sich noch mehr um einen selbst versammelt hat, wenn sie einen umsorgt hat, wenn man immer jemanden hatte, der mit einem spielte. Natürlich war die Welt da für das Kind in dir besser. Mir ging es doch genauso; da war meine Mutter, die immer da war, meine Schwester, mit der ich mich gut verstand, und ein ganzes Gasthaus als unser Spielplatz.
Heute hasse ich diese beiden Menschen und verbringe meine Zeit am liebsten vor dem PC, alleine in dieser Wohnung, ohne von ihnen gestört zu werden. Heute ist vieles anders; weil ich erwachsen geworden bin. Ich sehe diese Menschen nicht mehr nur unter dem Schleier der Familie, sondern ich sehe die Menschen darunter. Und mir gefallen diese Menschen nicht, ganz im Gegenteil. Heute hasse ich sie, und in manchen Momenten tue ich das so inbrünstig, dass ich mich vor mir selbst erschrecke. Ich bin erwachsen geworden. Ich habe gelernt, dass die Familie nicht unfehlbar ist und schon gar nicht superperfekt. Ich habe gelernt, dass das hier nicht mein Zuhause ist und dass es sehr leicht ist, sich davon zu lösen. Ich habe gelernt, dass meine Heimat nicht hier ist... sondern in Dresden.

Die Familie, die ich hier habe, diese Blutbande, sehe ich nicht als Familie an. Meine Freunde sind zur Familie geworden und das ist schon seit langem so. Ich brauche sie - nicht die Familie hier, der ich am liebsten aus dem Weg gehe. Ich habe mich von hier in dem Moment gelöst, als ich den Schleier, der darüber lag, weggerissen habe und den Schmutz darunter sah. Ich will mit all dem Dreck nichts mehr zu tun haben. Ich will zu meiner echten Familie, zu A. und zu D. und ich will mit ihnen ein Leben führen, das ich verdiene.

Ich sage es dir mit den Worten aus Gossip Girl, einer Serie, die ich derzeit wieder abgöttisch liebe:

Maybe it's not blood bonds that make us family.
Perhaps it's the people who know us and love us anyway.
So we can finally be ourselves.

So früh am Morgen habe ich diesen Post geschrieben und so voller Hass ist er am Ende geworden. Es hat geholfen, das Ganze raus zu lassen, auch wenn es nicht schön zu lesen war. Ich werde mir jetzt ein schönes kaltes Glas Cola gönnen und dann in die Stadt fahren und diesen Laden plündern. Mit diesem wundervollen Kleid. Und wenn ich zurückkomme, bist du vielleicht sogar da, damit wir ein bisschen quatschen können. Ich bin nämlich schon so gespannt, ob deine Eltern zustimmen! Wie schön wäre es eigentlich, diesen Blog mit Fotos von uns auffüllen zu können, zu zweit! Wie schön wäre das eigentlich, OH MY GOSH. ♥

Ich hab dich immer lieb, mein schöner Schmetterling.
Ines

Freitag, 6. März 2015

Butterfly Thoughts

Hay Itsulein,
schon lange nichts von dir gehört (oder gelesen). Wenn ich mir N. zurzeit so ansehen, kann ich mir vorstellen, woran das liegen könnte. Du bist schließlich zurzeit, genau wie er, im Abiturjahr und hast, wenn das in Österreich genau so ist wie hier, gerade Vorabiturprüfungen ... und selbst wenn nicht gibt es bestimmt trotzdem eine Menge zu lernen.

Ich war diese Woche krank, richtig mit den ganzen Tag im Bett liegen und Tee trinken und so. Am zweitmeisten ärgert mich daran, dass ich in der Schule so viel verpasst habe und es mir eigentlich noch nicht gut genug geht, mich mit dem fehlenden Stoff auseinander zu setzten. Aber wenn ich nicht bald loslege dann schaffe ich es nicht bis nächste Woche.

Das blödeste ist aber, dass ich dieses WE nicht zu N. kann. Sein Pa hat Geburtstag und ich konnte letztes Jahr um die Zeit schon nicht da sein, weil ich da gerade Migräne hatte und - genau wie jetzt - zu Hause rumliegen und mich mies und nutzlos fühlen musste.

Eigentlich glaube ich, schreibe ich diesen Post um die Erledigung meiner Schulaufgaben aufzuschieben und weil ich dich vermisse. Ich habe vorhin einen Whatsapp Chat gelesen, der schon ein paar Monate her ist mit jemandem, zu dem ich schon lange keinen Kontakt mehr habe und ich habe mich wieder fragt, was in seinem Leben so Gott verdammt schief gelaufen sein muss, dass er so ist wie er ist. Gleichzeitig schockiert es mich ein wenig, wie gleichgültig ich damit umgehen kann, dass es Menschen da draußen gibt, die ein scheiß Leben führen und denen ich nicht helfen kann.
Ich meine, ich kenne einige Leute die diesen "Helferkomplex" haben und meinen, sich auf die Nase schreiben zu müssen die Welt zu verbessern. Als ich noch in die Grundschule gegangen bin war ich auch so - jetzt nicht mehr.

Als ich noch in die Grundschule gegangen bin habe ich oft nachmittags mit meinem Vater Animesendungen auf Pokito-TV geguckt und jeden Sonntag saß unserer Familie am Kaffeetisch und hat "Die verlorene Welt" geschaut. Kennst du das? Ich fand die Filmqualität schon damals grottig, aber es hat zu "Herkules" und "Xena" gepasst und ich hab es immer gemocht, selbst wenn Wiederholungen kamen. Bei "Die verlorene Welt" gab es eine Frau, die in einem Baumhaus gelebt hat und ich glaube erst heute, 5 Jahre nachdem ich sie erfunden habe wurde mir klar, dass ich Kiara, meine Mary Sue, nach ihrem Vorbild geschaffen habe. Damals lief die Serie schon lange nicht mehr.
Irgendwann wurde sie einfach eingestellt.

Als ich kleiner war, hat mein Bruder öfters mit mir gespielt. Er ist 10 Jahre älter als ich, weißt du? Damals war mal Vater auch immer nachmittags zu Hause. Heute ist mein Bruder quasi ausgezogen, was so viel heißt wie: Er wohnt zwar nicht mehr bei uns, blockiert aber das größte und hellste Zimmer in der Wohnung und bringt einmal die Woche seine schmutzige Wäsche ins Hotel Mama. Mein Vater arbeitet eigentlich rund um die Uhr.
Ich kann die Leute verstehen, die das Leben wegen sowas scheiße finden. Man bleibt nicht ewig Kind und die Vorzüge, die es hat klein und jung zu sein schwinden irgendwann. Man kann sich aber damit abfinden und irgendwann ... lößt man sich ja sowieso von zu Hause.

Bis dahin!
Lass mal wieder was von dir hören, Liebes!
~Evoliette

Sonntag, 8. Februar 2015

Honey in a Butterflys mind

Hallo Itsu!
Heute war so ein Tag, an dem nichts großartiges passiert, an dem nichts auf einen wartet und an dem es nichts gibt, auf was man sich besonders freuen kann. Ich hab lange geschlafen, war ausgiebig baden, hatte Besuch von meinen Großeltern und dann habe ich am Computer gespielt bis ich keine Lust mehr hatte... keine Lust mehr auf gar nichts.
Also habe ich meinen Blog geöffnet und da war ein neuer Post, dein neuer Post auf DMS und plötzlich kehrte ein bisschen Leben in mich zurück.

Ich freue mich sehr, dass A. und du euch dieses Jahr so oft und so lange sehen werdet. N. ist gerade im Urlaub mit seiner Familie und seinem besten Freund und ich sitzt hier und kann ab morgen jeden Tag um 9 frühs in der Fahrschule rumgurken und zuhören, wie ein Mann mit monotoner Stimme die Lektionen runterrattert. Außerdem haben wir ne Menge Schulaufgaben über die Ferien (jab, wir haben Ferien) aufbekommen und am Samstag, 14.02.15 - am Valentinstag - habe ich meinen alljährlichen großen Auftritt vor hunderten von Leuten im Alten Theater, weil dort Karneval gefeiert wird. Weißt du, dass ich Karneval echt gern mag? Aber N. wird nicht mitkommen. Er mag das ganze drumherum nicht und außerdem kommt er erst Samstag zurück.
N. muss zurzeit genau den selben Stress durchmachen wie du und wenn ich ihm so dabei zusehen, denke ich mir, dass ich darunter zusammenbrechen würde. Ich bin so froh, dass ich 13 Jahre Abitur machen und gleichzeitig macht es mir Angst, weil ich jetzt sehen kann, was nächstes Jahr auf mich zukommt und ich es fürchterlich finde.

Ich habe deinen Blogeintrag mir sehr viel Freude gelesen und allgemein schon wieder viel zu wenig Zeit gehabt, überhaupt mal von dir zu hören. Es hat mir gefehlt aber ich war sehr glücklich darüber, wie sehr du dich über den Weihnachtspost gefreut hast. Ich habe den ganzen Eintrag von dir mit einem Lächeln auf den Lippen gelesen und dann habe ich das Lied gestartet (was erstaunlicherweise sogar in Deutschland nicht von der GEMA gesperrt ist) und ich hatte Tränen in den Augen.
"Swedish House Mafia" mit "Don't you worry child" ist ein Lied, das AE eine Zeit lang wirklich mochte und ich habe es ein paar Mal mit ihm auf seinem MP3-Player gehört. Ich musste erst den ganz Text durchlesen und verstehe nun, wieso er es so mochte.

AE ist ein bisschen Älter als wir aber gleichzeitig VIEL erwachsener in der Art und Weise, wie er ist und wie er sein Leben lebt. Er sieht die Dinge, wie sie sind und oft hilft einem das, auf dem Boden zu bleiben. Ich denke ihn werde ich am allermeisten vermissen, wenn der nach der 13. Klasse nicht mehr tagtäglich an meiner Seite sitzt. Er strahlt eine Beruhigung aus, die ich von niemand anderem kenne und die ich mitlerweile einfach brauche.

Gestern war ein verrückter Tag. Du musst wissen, dass ich schon ne ganze Weile nichts aktiv mit meiner Mutter unternommen habe, da ich die Wochenenden meisten bei N. verbringe und allgemein nicht das Bedürfnis dazu habe, mir ihre Probleme anzuhören oder etwas so mädchenmäßiges zu machen wie Schnulzen zu gucken oder shoppen zu gehen - igitt! Naja, auf jeden Fall ist meine Mum total unentspannt und kann mit dem Wort "Spontanität" nicht wirklich was anfangen, dafür kann sie Sachen planen, die immer aufgehen. Weil ich in letzter Zeit so wenig freie Minuten für sie hatte hab ich ihr versprochen, einen ganzen Ferientag mit ihr zu verbringen und dieser war gestern.

Wir sind (natürlich) shoppen gewesen und ich hab ein paar tolle Teile gefunden, die bestimmt auch N. gut gefallen werden. Wir waren ne ganze Weile auf den Beinen und dann hab ich ihr einfach vorgeschlagen, dass wir doch ins Kino gehen könnten und siehe da, was ich nicht wusste, sie wollte schon seit Wochen einen bestimmten Film im Kino sehen, aber Papa hatte keine Lust dazu also hatte sie es sich wieder aus dem Kopf geschlagen. Ich spreche hier von:
HONIG IM KOPF
Der Film hatte gute, wenn nicht sogar fantastische Rezensionen bekommen und obwohl ich etwas skeptisch war (ich bin absolut gar kein Fan von Til Schweiger und noch weniger von seinen Filmen) hatte ich wegen der Bewertungen trotzdem Lust darauf bekommen, ihn mir anzusehen und ich sage dir, wenn du ihn dir noch nicht angeschaut hast, solltest du das auf jeden Fall tun!
Es geht um eine Familie, in der die Eltern sich zwar lieben aber kaum Zeit füreinander haben und so kam es dazu, dass beide Elternteile zeitweise eine Affäre hatten, von der sie wissen. Trotzdem leben sie nicht getrennt und sie haben eine wundervolle Tochter, die sich wünscht, dass sie einfach weniger arbeiten und mehr Zeit haben würden. Dann verstirbt die Großmutter und bei ihrer Beerdigung stellt sich heraus, dass der Opa Alzheimer hat und während die Krankheit voranschreitet beschließt die Familie, ihn bei sich aufzunehmen.
An sich ist es eine sehr ernste Geschichte, in der es um Tod geht, Leben und den Sinn darin und letztendlich wie wichtig es ist, Dinge nicht zu vergessen. Alle im Kinosaal, selbst die erwachsensten Männer mussten an der einen oder anderen Stelle weinen und genau so, haben alle im Kinosaal an der einen oder anderen Stelle lauthals gelacht und ich denke du würdest den Film wirklich mögen, Itsulein.
In dem Film wird auch darüber geredet, ob es einen Himmel gibt und was denn passiert, wenn man das ganze Leben hinter sich gebracht hat, ob der Himmel einen Plan für Menschen hat...

Liebe Itsu, ich hoffe es geht dir bald wieder besser und ich wünsche dir ganz fest, dass du die stressige Abiturzeit mit ganz viel Liebe und Zuversicht überstehst.
Bei mir ist das mit der Schrift übrigens auch so komisch, aber es hat mich bisher noch nicht gestört, da ich meistens mit meinem Tablet lese und da kann ich die Schrift so groß machen wie ich will... ich kann aber mal schauen ob sich da was machen lässt, wenn du magst.

Ich hab dich lieb, kleiner kranker bunter Schmetterling!
Pass auf dich auf!
~Evoliette

See Heaven's Got A Plan For You, Dear Butterfly

Liebe Hanna.

Mehr als einen Monat ist dein letzter Post in diesem wundervollen Blog nun schon her. Weißt du, wie sehr ich mich über diese kleine Geschichte gefreut habe? Ich liebe dieses Rollenspiel ohnehin mehr als alles andere und dann auch noch diesen kleinen Blick in die Vergangenheit zu bekommen... Ich war schlichtweg begeistert und bin es immer noch! Das war eines der besten Weihnachtsgeschenke, die ich je bekommen habe, und ich danke dir hier noch einmal dafür: Vielen, vielen Dank, wundervolle Hanna. Ich bin so dankbar dafür, deine Freundin sein zu dürfen.

Vielleicht fragst du dich, warum ich gerade jetzt diesen Post tippe. Zuallererst deswegen, weil ich heute ein bisschen durch unseren Blog gestöbert habe und mir aufgefallen ist, dass in unseren Rollenspielen am Ende irgendwie gerade die Schriftgröße auf so minimal klein, dass es kaum mehr zu lesen ist gesprungen ist und ich mich frage, ob das bei dir auch so ist oder das an meinem Computer liegt. Was soll das denn jetzt schon wieder, Blogger? Willst du mich verarschen? Das sollten wir vielleicht wieder irgendwie hinbiegen, ich weiß nur nicht, wie, weil Blogger mich nicht sonderlich mag. Und der zweite Grund, warum ich hier schreibe, ist, dass ich krank bin, nichts zu tun habe und einfach das unbändige Bedürfnis habe, dir zu schreiben. Mein wundervoller Schmetterling.

Wie du weißt, habe ich derzeit einen versteckten Blog. Ich wollte ihn dir freischalten und ein paar Stunden später habe ich wieder alles, alles was ich dort geschrieben hatte, gelöscht. Ich kriege es einfach nicht hin, weißt du. Deshalb warte ich lieber noch damit, bis ich ihn für dich öffne, damit ich mir auch wirklich sicher bin, dich nicht zu enttäuschen. Das ist nämlich das letzte, was ich möchte. Achja; ich habe den Blog jetzt übrigens noch und versuche derzeit wieder, darauf zu schreiben. Mal sehen, ob es diesmal klappt. Drück mir die Daumen!

Bei mir gibt es derzeit eigentlich nicht sonderlich viel zu erzählen. Es gibt gute und es gibt schlechte Tage. Gestern war wieder ein schlechter, der heutige scheint gerade wieder bergauf zu gehen. André kommt vielleicht über Pfingsten nach Wien und das ist so schön, dass ich bei der Nachricht fast zu heulen begonnen hätte, weil das heißt, dass ich ihn im April, Mai und Juni sehe! Ist das nicht wunder, wunder, wunderschön? Ich habe mich wirklich riesig gefreut. Und im Oktober werde ich ja, wenn alles gut geht, zu ihm nach Dresden ziehen, und dann ist die Welt noch strahlender und schöner als jetzt.

Weißt du, das letzte Schuljahr ist gerade ziemlich stressig. Und das Jahr 2015 wird sowieso stressig, durch die Matura und die Bewerbungen und den ganzen Kram. Aber ich bin zuversichtlich, dass ich das alles hinbekomme, wenn ich es nur möchte und hart dafür arbeite! Siehst du, ich bin eine Optimistin geworden. Wer hätte das gedacht. Ich hoffe, für dich läuft 2015 auch halbwegs in Ordnung ab und wenn es dir mal schlecht geht, dann lies meinen Brief durch und erinnere dich daran, dass da jemand ist, der immer auf dich wartet. Der immer für dich da ist. Der dich liebt.

Und wenn das auch nichts hilft, denk dir nur eines: Der Himmel hat sicher einen Plan für dich, Liebes.


Mittwoch, 24. Dezember 2014

Itsus Weihnachtsgeschenk oder "Schleichers Erinnerung"

Schleicher

Wie ein Wirbelwind flitze Curly durch den Container, verwandelte ihn in ein buntes, glitzerndes Etwas. Ein paar Tannenzweige hatte sie gefunden, nass vom tauenden Schnee lagen sie auf dem Boden, aber Tannen gehörten zu Weihnachten also ließen wir sie liegen. Curlys Weihnachtsstimmung konnte man sich einfach nicht entziehen. Während Ben sie hochhob um eine anscheinend halb zerrissene Girlande an der Decke zu befestigen summte sie etwas, das annähernd nach „Carol of the bells“ klang. Mir war vorher noch nie in den Sinn gekommen, dass Straßenkinder keine Weihnachtslieder kannten. Doch so schief und falsch die Melodie auch klang, sie steckte an, sie steckte alle an und die Pappe brannte fröhlich knisternd in der Tonne und versprühte eine wohlige Wärme. Die Wärme, die hier alle vor dem Erfrieren schütze, doch nun sah man sie an als wäre sie ein lodernder Kamin in irgendeinem Wohnzimmer an Heilig Abend.
Die Weihnachtsmütze, die ihr wirres Haar bändigte hatte ich ihr mitgebracht und ihre Augen hatten so sehr gestrahlt, dass ich beinahe befürchtete sie würde vor Freude anfangen zu weinen.
Während sie weiter durch den Raum tänzelte stimmte Tanja mit ein und sie begannen kindlich umeinander herumzuhüpfen.
Ein bisschen beneidete ich Ben um seine kleine Schwester. Manchmal war es anstrengend ein Einzelkind zu sein, besonders wenn einen die Eltern zu vorführten wie mich. Doch Curly war mit der Zeit unser aller kleine Schwester geworden und Ben unser aller großer Bruder. Und so kam es natürlich, dass es sich unsere kleine Familie nicht nehmen ließ, gemeinsam Weihnachten zu feiern.

„Seit ihr alle bereit?“,quiekte die Kleine vergnügt. „Bereit wofür?“,fragte ich gespielt ahnungslos. Ich wusste genau, was jetzt kommen würde, auch Charlies Augen leuchteten bereits. „BESCHERUNG!“ Alle wir wir auf der Couch oder dem Boden saßen sprangen wir auf und versammelten uns um die Tonne. Ben schleifte einen blauen Müllbeutel aus einer Ecke des Raumes hervor und rief überschwänglich „Ho Ho Ho, wart ihr denn auch alle artig?“
Ich verschränkte die Arme vor der Brust und sah zu, wie sich die Mädels auf ihre Geschenke stürzten. Auch Ben schüttelte nur den Kopf und blickte lächelnd auf das Durcheinander.
Die meisten Päckchen waren mit Zeitungspapierresten umwickelt. Auch ich hatte mir mühe gegeben auf bedrucktes Geschenkpapier zu verzichten und hatte mich für silbrig glänzende Alufolie entschieden, meine Geschenke waren zumindest vor der Schneenässe verschont geblieben während die anderen etwas durchnässt aussahen, doch das störte hier niemanden.
Ich hatte versucht etwas nützliches zu schenken und hatte für alle Pullover gekauft, allesamt warm und kuschelig mit irgendeinem Weihnachtsmotiv. Curly und Ben hatten Pullis mit Renntiermotiv, die intentisch waren, außer, dass sie nebeneinander lächerlich aussahen, da einer aussah als wäre er für eine Puppe und der andere für einen Riesen. Sofort zogen sich beide den wärmenden Stoff über den Kopf uns lachten sich dann gegenseitig aus … oder an … oder sie freuten sich einfach nur, dass ihnen warm war. Tanja bekam einen roten Pulli mit weißen Schneeflocken und Charlies war tannengrün, mit kleinen silbernen Stickereien. Als ich ihn so an ihr sah musste ich mir auf die Lippe beißen. An ihr sah er wirklich teuer aus. Das war er auch gewesen und ich habe lange nach dem richtigen Teil gesucht aber es war immer etwas riskant, soetwas zu schenken. Allesamt sahen sie aus, als könnten sie mir um den Hals fallen und das taten sie letztendlich auch und ich landete lachend auf dem Boden. „Hab ich in einem Second Hand laden gekauft. Die Verkäuferin war leicht zu beeindrucken.“,murmelte ich mit einem Augenzwinkern und niemand stellte mehr Fragen.
Der Rest der Geschenke waren Kleinigkeiten: Zuckerstangen oder Lebkuchenherzen, die vom Weihnachtsmarkt mitgehen lassen wurden, Curly verschenkte ein goldenes Glöckchen an Ben und ging mit dem Geklingel allen auf die Nerven, auch wenn es ihr niemand übel nehmen konnte. Curly bekam Schokolade und ein Geschenk stach noch heraus. Ben schenkte Tanja eine Kette, eine kleine, dünne, glänzende Silberkette. „Die hab ich gefunden, nicht geklaut, ich schwöre.“,erklärte Ben, während er sie ihr um den Hals legte. „Der Verschluss war etwas kaputt, ich hab ihn reparieren lassen und ihr eine Politur verpasst.“ Er sah ziemlich verlegen aus und auf die kurze, bewundernde Stille danach folgte ein inniger Kuss, der nicht nur Ben verlegen sein ließ.
Curly stürzte mit einem Mal zum Müllsack und zog ein paar Stöcker heraus. Ich hielt es im ersten Moment für Feuerholz, doch als sie es über das küssende Paar hielt erkannte ich den Mistelzweig.

Charlie begann zu lachen. „Wo hast du den denn aufgetrieben?“ Curly grinste „ Hab ich geschenkt bekommen. Ich bin einfach zu der Verkäuferin gegangen und habe gesagt „Ich würde gern ein bisschen Liebe verteilen, dürfte ich bitte einen ganz kleinen Zweig haben?“ Ich habe ganz große Augen gemacht und e'voila!“ Sie fuchtelte damit rum und tänzelte weiterhin summend durch den Raum. Nachdem der Kuss vorbei war und Ben mit hochrotem Kopf, wennauch sichtlich glücklich in der Weltgeschichte herumschaute spürte ich plötzlich ein Tippen auf meiner Schulter. Hinter mit stand Curly und über mich hielt sie ihren Mistelzweig. Und neben mir, neben mir stand Charlie.