Mittwoch, 24. August 2016

Schmetterlingssehnsüchte

Hay Ines,
ich muss erstmal ein bisschen drüber nachdenken, wie ich diesen Blogeintrag beginne. Ich weiß, dass ich den Drang habe dir zu schreiben und auch in etwa was aber die Gedanken manifestieren sich gerade noch nicht zu wirklichen Sätzen also fangen wir damit an:

Mein besonderer Mensch hat mir den Tag erzählt, dass er ein paar Blogeinträge von diesem Blog hier gelesen hat und - wenn ich das richtig verstanden habe - gemeint, dass er Sachen gelesen hat, die zwar du geschrieben hast aber die sehr nach mir klangen und ich finde, ich sollte dir das erzählen weil du dich vielleicht darüber freust, dass vollkommen Außenstehende sogar erkennen können, dass wir uns in vertrackten und absolut merkwürdigen Eigenschaften und Denkweisen ähneln.

Auf jeden Fall habe ich die letzten Tage ein bisschen durch meine alten Ordner auf dem PC gescrollt, Sachen von Lucy und mir gefunden aus der Zeit, in der wir noch gemeinsam zur Schule gingen, Bilder und kleine Geschenke von AE und dem Kleinen und zuletzt - Rollenspielposts. Und davon ne Menge.

Kiara, Kiara und immer wieder Kiara und ich habe gelesen wie ich mir damals diese Geschichte ausgemalt habe. Klar, es war ein Rollenspiel zwischen Tabea und mir aber letztendlich war es MEINE Geschichte. Es war schon immer meine Geschichte und sollte wohl immer meine Geschichte sein.
Ich lese also durch diese Texte und bin verzückt. Ganz ehrlich. Es begeistert mich, wie ich damals geschrieben, wie ich die Welt gesehen habe, wie gewandt mein Ausdruck, wie schlagfertig Kiaras Kommentare, wie vollkommen die Beschreibungen waren. Und ich entdecke Parallelen. Details.
Ich hatte gedacht ich bin im letzten Jahr mehr geworden, bin gewachsen, habe etwas dazu gewonnen aber wenn ich das lese, diese alten Posts, dann sehe ich, dass ich das schon immer WAR. Ich hatte es nur vergessen, hatte es weggesperrt in Ordner als Tabea verschwand und vor allem hatte ich es nie GELEBT.

Du glaubst nicht wie sehr es mich zum Lachen gebracht hat einige Passagen aus diesen alten Sachen zu lesen. Das meiste waren OneShots, weil ich mich ja irgendwann daran gewöhnt hatte, diese Geschichte im Alleingang weiter zu spinnen aber GOTT hat mir das damals gut getan, das alles auszuschreiben. Die Rollenspiele waren für mich die Art, es rauszulassen und wenn ich es jetzt lese, dann bin ich sehr stolz darauf, wieviel ich bin und wie lange ich all das schon bin und dass es niemanden gebraucht hat um das zu werden, sondern nur, um es zu ZEIGEN. Es hat lediglich jemanden gebraucht, der es sehen wollte, der diese Rollenspiele liest - im übertragenen Sinn.

Oh man, ich habe vorhin irgendein Random Lied auf YouTube angeklickt und höre jetzt irgendwie Metal oder so die ganze Zeit. Irgendwie passt es aber gerade. Es passt zu dem Ende eines so anstrengenden Tages wie heute, an dem ich kaum aus den Federn kam und mir dafür die Finger wund geschuftet habe in der Modeschule doch das Wissen, dass ich das Kleid in der wirklich knappen Zeitspanne trotzdem fertigstellen werde ist toll. Es ist einfach das, was ich kann, genau so wie Kiara sein, schreiben.

Ich weiß, dass es mir zurzeit gut tun würde, wieder Rollenspiele zu schreiben. Es würde mir gut tun, wieder mal in Rollen zu schlüpfen von Tänzerinnen, Verliebten, von fremdgehenden Diven und tollpatschigen Künstlern oder mächtigen Hexen oder ... na du weißt schon. Rollen eben.
Heute Abend bin ich zu einem Karaokeabend eingeladen aber ich weiß jetzt, dass ich nicht hingehen werde weil ich lieber hier sitze und dir schreibe und weil mir geraten wurde morgen rauszugehen und laut POCAHONTAS soll man wohl seinem inneren Kompass folgen und wenn ich also morgen alle Aufgaben erledigt und tatsächlich noch Zeit und Lust habe (was sehr fragwürdig und unwahrscheinlich ist aber WENN) dann schnappe ich mir das Fahrrad, das Papa mir freundlicherweise vor ein paar Tagen repariert hat und fahre dahin, wo die Sonne ist und Menschen und Platz und wo es mich - zumindest jetzt gerade heute Abend - hinzieht und nehme mir mein komisches Erotikromanheft mit und lese es bis ich keine Zeit mehr oder zuende gelesen habe und ich finde, das klingt nach nem guten Plan, der rechtfertigt, dass ich mich heute Abend immerhin nicht mehr aus meinem Zimmer weg bewege.

Ich habe in den letzten 12 Monaten meine innere Mary-Sue etwas rausgelassen und nun habe ich Sehnsucht nach ihr. Und bin ihrem Quil begegnet, den sich Tabea ausgedacht hat und der gar nicht existiert und der trotzdem genau die Rolle eingenommen hat, die ich ihm damals zugedacht hatte als ich angefangen habe, diese Geschichte zu schreiben.
Und ich weiß zwar nicht ob du all das verstehst aber es macht mich ein bisschen glücklicher, dass ich es dir trotzdem schreiben kann und schließlich heißt dieser Blog "Dear Mary Sue".

Ich hoffe es geht dir gut, Liebes.
~Evoliette

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