Dear Hanna.
Es ist schon wieder eine ganze Weile her, seit ich meinen letzten Tagebucheintrag getätigt habe. Zuerst einmal möchte ich dir mitteilen, dass ich schon wieder Lust habe, alle meine Accounts zu löschen. Ich schaffe es einfach nicht, private Sachen wie die auf meinem Blog länger als ein paar Wochen stehen zu lassen. Irgendwann kommt in mir wieder der Gedanke hoch, dass es zu privat ist, und ich lösche wieder alles, weil ich es hasse, dieses Gefühl zu haben. Ich bin nicht der Typ für Blogs und mich regt das auf, weil ich das eigentlich gerne mache. Außerdem mag ich es nicht, dass ich damit V und J ähnele; gerade J hat ja ihre FF-Accounts früher ständig gelöscht und wieder neu angelegt. Mir geht es mit den Blogs so und obwohl ich es hasse, kann ich nichts daran ändern, und ich weiß, dass das Gefühl nur weggeht, indem ich die entsprechenden Posts oder gleich den ganzen Blog lösche. Das nervt mich an, aber mir geht's besser, sobald ich einen neuen Blog habe. Aber ich hasse es, dass du das aushalten musst. Mann.
Wie auch immer. Zuerst einmal möchte ich auf deinen letzten Post eingehen. Meinem Finger geht es wieder hervorragend, auch wenn ich deutlich spüre, dass meine Arme überlastet sind. Gerade wenn ich am PC schreibe wie jetzt gerade, merke ich einen ziehenden Schmerz, der sich bis zu den Schultern hinaufzieht. Aber ich will dir jetzt unbedingt schreiben und außerdem bin ich das gewöhnt, also ignoriere ich das jetzt geflissentlich. Ich habe das ja schon sehr lange, aber dass mein Finger anschwillt, das war mir neu. Ist jetzt aber weg, also egal.
Ich bin sehr, sehr glücklich darüber, dass du dich immer so über meine Briefe freust! Vielleicht sollten wir das so fortführen? Da ich es ja offensichtlich nicht schaffe, einen eigenen Blog länger als einen Monat zu führen, sollten wir das vielleicht hier machen - mindestens einmal im Monat schreibt jeder von uns einen Post, was so passiert ist, ob es Neues gibt, worüber man sich gerade Gedanken macht. Wie fändest du diese Idee? Ich mag es nämlich, dir diese Briefe zu schreiben, und ich würde das gerne weiterhin regelmäßig machen. Hier habe ich nämlich auch nicht das ständige Bedürfnis, es wieder zu löschen, im Gegenteil! Ich lese mir all unsere Posts auf diesem Blog immer sehr gerne durch, ohne zu denken, dass es zu privat ist [obwohl es das doch offensichtlich ist].
Ich finde es super, dass du die Corsage schön findest! Es war die erste Corsage, die ich je in meinem Leben wirklich gesehen habe. Eine Freundin hatte auf einer Seite, wo man Outfits zusammenstellen kann, für mich etwas "Verruchtes" entworfen und da hat sie auch diese Corsage verwendet. Ich war sofort Feuer und Flamme, ich war sofort verliebt, aber ich konnte sie mir zwei Jahre lang nicht kaufen. Und jetzt habe ich sie endlich und du weißt gar nicht, wie überglücklich ich darüber bin! Sie stinkt zwar ein bisschen nach Amerika, aber sobald ich zuhause bin, kommt die erstmal in die Reinigung und dann passt das schon..
[Du vergisst, dass riesige Möpse auch weniger Nerven haben; wenn jemand ganz sanft darüber streicht und nicht gerade meine Nippel berührt, spüre ich das gar nicht bzw. nur den leichten Druck. Das Quetschen ist eigentlich sogar recht angenehm, weil mir so die Brüste nicht im Weg herumhängen, haha. Und so groß sind die nicht.]
Ich liebe die Zitronenpresse! Allerdings muss ich dich enttäuschen: laut A. ist sie von innen überhaupt nicht spektakulär und eher langweilig. Also eher den Anblick von außen genießen, der ist offensichtlich viel schöner und überhaupt! Ich würde dir jetzt gerne mehr Fotos von Dresden schicken, aber ich war recht fotografierfaul in den letzten Tagen und so gibt es da leider nichts Neues. Aber irgendwann kommst du nach Dresden und sieht all diese wunderschönen Dinge mit eigenen Augen und dann entführe ich dich an all die Orte, die A. mir schon gezeigt hat und ich hoffe, du wirst genauso fasziniert davon sein wie ich!
[Und nächstes Jahr sehen wir uns. Und wenn ich zu dir fahren muss: Egal! Wir sehen uns!]
Jetzt kommen wir aber zu den Tagen, die zwischen dem letzten und diesem Brief hier liegen. Es ist einiges passiert, und ich weiß natürlich gar nicht mehr alles. Aber die wichtigsten Sachen bzw. die lustigsten erzähle ich dir jetzt. Gestern zum Beispiel waren wir auf einem Dampfer und sind die Elbe hinuntergefahren und das war so toll! Dampfer sind wirklich beeindruckend und die Aussicht - unglaublich! Ich wäre am liebsten gar nicht mehr ausgestiegen, aber ich musste leider. Das muss ich wieder machen, am liebsten den ganzen Tag. Haben A. und ich sowieso vor - eine sechsstündige Fahrt durch die Sächsische Schweiz. Soll sehr schön sein, ich bin gespannt darauf. Das wird aber wohl erst nächstes Jahr etwas. Leider, aber diesmal ging sich nur die kurze Fahrt aus.
Warum? Nun - wir hatten am Tag zuvor ein kleines Problem. Gegen 22 Uhr kam D. auf Skype an und hat uns panisch mitgeteilt, dass in unserer Nähe eine Fliegerbombe gefunden wurde und wir in der Evakuierungszone liegen. Tatsächlich hat das gestimmt und um Mitternacht hat uns die Polizei dann aus der Wohnung gescheucht, weil tatsächlich evakuiert wurde. Zum Glück lag D.'s Wohnung nicht in dem Bereich, weshalb wir uns zu ihr verzogen haben. Dort haben sie und A. dann durchgemacht und 6 Stunden lang Monopoly gespielt, während ich auf der Couch lag und immer mal wieder eingedöst bin. Mann, war ich müde!
Es war auf jeden Fall ziemlich spannend, mal evakuiert zu werden, aber nichts, was ich noch einmal erleben möchte. Wir hatten ja noch Glück, dass D. in der Nähe war - ich möchte nicht in so einer alten Turnhalle übernachten müssen, wie viele andere Leute, die evakuiert wurden und niemanden hatten, bei dem sie übernachten konnten. Um 7 Uhr konnten wir dann nach Hause und haben erstmal bis Mittag geschlafen. Da ging sich dann nur eine kleine Dampferfahrt danach aus, die aber sehr, sehr schön war. Hach. Auf einem Dampfer will ich heiraten, habe ich beschlossen, ohne Wenn und ohne Aber. Punkt. Du bist eingeladen.
Mehr habe ich nicht zu erzählen. Außer:
Ich fahre am Samstag wieder nach Hause. 7 Stunden Zugfahrt und dann habe ich mein altes Umfeld wieder; meine Bücher, meinen Alltag, meine Routine. 7 Stunden Zugfahrt trennen mich dann von meinem Leben hier und meinem Leben in Österreich. Ich muss schon die ganze Zeit Tränen unterdrücken wegen diesem Gedanken. Nur noch zwei Tage, nur noch zweimal neben A. einschlafen und aufwachen, und dann ist es vorbei. Einfach so - ihn nicht mehr den ganzen Tag sehen, umarmen und küssen können. Keine Nähe mehr, kein Lächeln von ihm. Nichts. Nur noch Skype und die ständige Hoffnung, ihn bald wieder sehen zu können. Gott, mir kommt es wieder so vor, als wären diese eineinhalb Monate zu wenig Zeit gewesen. Zu wenig Zeit, um ihn mir einzuprägen, zu wenig Zeit, um ihm meine Liebe zu zeigen, zu wenig Zeit für alles. Ich will hier nicht weg.
Wegen ihm. Weil ich solche Angst davor habe, ihn zu vermissen, weil ich zu viel Angst vor dem Schmerz habe, der mich treffen wird, wenn wir am Bahnhof stehen und er sich von mir verabschiedet. Ich habe solche Angst davor, weil ich das schon kenne und weil ich diesen Schmerz kenne und ihn nicht noch einmal erleben möchte. Ich will hier nicht weg; nicht weg von diesem Menschen, den ich so liebe.
Ich höre jetzt auf, darüber zu jammern, weil es das nicht besser macht, und verabschiede mich von dir, um noch ein bisschen Nähe zu bekommen. Ich hoffe, wir können ab Samstag wieder ganz viel schreiben und reden und alles, denn du fehlst mir ziemlich viel! Ich freue mich darauf, habe dich lieb und fühl dich geherzt!
:* Itsu
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