In drei Wochen werde ich mein Zuhause erneut verlassen, in einen Zug steigen und zurück nach Österreich fahren. Wenn ich daran denke, kommt Traurigkeit in mir auf, aber weniger als ich eigentlich zuvor dachte. Hier spüre ich eine Stärke in mir, die neu ist und an die ich mich erst gewöhnen muss. Ich fühle mich irgendwie bereit dazu, zurück zu meiner Familie zu fahren. Ich fühle mich bereit dazu, das letzte Jahr in Angriff zu nehmen und zu kämpfen, um mir meinen Traum zu erfüllen und nach Dresden ziehen zu können. Ich weiß, dass es nicht leicht werden wird, mich gegen meine Eltern zu behaupten und auch noch das Abitur zu machen, aber ich fühle mich gerade so stark. Ich habe auch Angst in manchen Momenten, aber ich fühle, dass ich das schaffen kann. Ich schaffe es noch, ein Jahr lang, und dann wohne ich endlich da, wo mein Herz ist.
Viel ist nicht passiert, während ich dir nicht geschrieben habe. Das Praktikum ist anstrengend und es ist sehr schwer für mich, mich darauf einzustellen. Manchmal ist es langweilig, in anderen Momenten muss ich Dinge tun, die ich besser nie in meinem Leben tun wollte. Vor allem der Frühdienst macht mich einfach fertig, das frühe Aufstehen ist einfach gewöhnungsbedürftig und ich schaffe es nicht, mich daran zu gewöhnen. Es klappt einfach nicht. Zum Glück habe ich A, der mich aufweckt, damit ich früh genug aus dem Haus komme. Ohne ihn würde ich dauernd verschlafen. :D
Letztes Wochenende waren wir auf dem Sommerfest von Freunden. Es war irgendwie überwältigend, so vielen fremden Menschen auf einmal gegenüberzustehen, aber das Essen war lecker und ein paar der Leute echt nett. Auch wenn ich gemeinhin nur "As Süße" war. Ich habe Leute kennengelernt, auf die ich lieber verzichten möchte, aber das erzähle ich dir ein anderes Mal. Das ist zum Schreiben zu viel und auch zu privat. Auf jeden Fall hatte ich trotz allem ein bisschen Spaß und habe den letzten Rest Tiramisu gegessen. War so lecker, ich liebe Tiramisu.
Diese Woche ist etwas mehr passiert. Am Mittwoch hatte D ihre Operation und genau an dem Tag bin ich mit geschwollenem Mittelfinger aufgewacht. Wahrscheinlich hatte ich mich irgendwo angehaut und es nicht mitbekommen, aber er war auf jeden Fall geschwollen und ich konnte ihn kaum abbiegen. Das war Schicksal, weil ich D sowieso begleiten wollte. Auf jeden Fall bin ich erstmal zu meiner Arbeit und habe dort nachgefragt, wo ich hinkann wegen meinem Finger. Dann bin ich zurück nach Hause gefahren, um dann wieder mit D und A wieder zurückzufahren, um sie zur OP zu begleiten. Nach ihrem Beruhigungsmittel und einem "Ich fliege" sind wir dann rausgeschickt worden und erstmal zur Notaufnahme. Die haben mich zu einer anderen Notaufnahme geschickt und die haben mir wiederum eine Liste mit orthopädischen Praxen in die Hand gedrückt, weil sie so überfüllt waren. Also erstmal mit dem Bus wieder fast nach Hause, um dort in einer Praxis zu erfahren, dass die nur Akutpatienten aufnehmen. Also ganz nach Hause, zehn Minuten zur nächsten Artzpraxis laufen, dort zum Orthopäden, die meinten, ich soll zum Hausarzt. Also zu As Hausarzt im gleichen Haus gegangen, dort erstmal eine halbe Stunde gewartet, bis ich drankam.
Bekommen habe ich Ibuprofen, einen Krankenschein für diese Woche und die Diagnose Arthritis. War sehr lustig, aber okay. Ich tippe darauf, dass ich mir den Finger entweder irgendwo angehaut habe oder er einfach überbelastet ist. Mein ganzer Arm hat gestern ein bisschen wehgetan, also war es wohl letzteres. Ich schone den jetzt erstmal und dann schaue ich mal weiter.
Auf jeden Fall war ich dann im Krankenhaus und wir durften zu D, die dann langsam aus ihrer Narkose aufgewacht ist. Und es war so lieb und ich kann gar nicht beschreiben, wie ich mich gefühlt habe, irgendwo zwischen Mitleid und Erleichterung und einfach nur Erschöpfung. Inzwischen geht es ihr wieder prima, sie bekommt auch Ibuprofen und schläft sehr viel. Ich übrigens auch - die halbe Tablette heute Früh hat dazu geführt, dass ich todmüde war und am Nachmittag erstmal in einen Schlaf verfallen bin, von dem ich immer noch nicht ganz wach bin. Ich bin Schmerzmittel einfach nicht gewöhnt, haha. Was soll ich sagen.
Der schönste Moment gestern war aber, als wir im Aufzug standen, nur D und ich, und ich sie gestützt hatte, weil sie noch nicht so gut laufen konnte. Da hat sie mich auf die Stirn geküsst und mich umarmt und mir gesagt: "Du bist die liebste kleine Schwester, die man sich wünschen kann" und da bin ich einfach nur in Tränen ausgebrochen. Ich habe so geheult.
Und ich bin so glücklich, hier zuhause zu sein, Hanna, ich bin so glücklich.
Ich hab dich lieb,
Itsu
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| Die wunderschöne Zitronenpresse: Mein Lieblingsgebäude in Dresden. |
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| Ich hatte im Bus zur Arbeit ein bisschen Langeweile. |
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| Mein allerliebstes Lieblingskorsett ist da und es passt mir so gut und ich will es nicht mehr ausziehen. |



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