Montag, 3. Dezember 2012

Schmetterlingsherzen

Gestern bin ich aufgestanden, recht früh für meine Verhältnisse und war plötzlich hellwach. Ich richtete mich auf und schaute zu meiner Balkontür, das einzige Fenster in meinem Zimmer und die Metallrollos waren unten und trotzdem war es irgendwie ... hell. Als wäre das Licht von draußen in meinem Zimmer und in diesem Moment wusste ich, dass es geschneit hatte. Also bin ich aufgestanden und an meiner völlig irritiert drein blickenden Mutter vorbei zum Wohnzimmerfenster gelaufen. Auch wenn die Straßen immer noch grau waren, waren die Dächer und Autodächer schneeweiß und ich schaute nach draußen und ich habe gelacht, gelacht vor Glück. Ich war wirklich glücklich.
Weißt du? Ich hatte unglaublich Angst vor dem ersten Schnee, dieses Jahr. Die Jahreszeit, in der die Pärchen kuscheln und in der alle näher zusammen rücken und sich zu Hause zusammentun. Nur ich würde allein vor meinem PC sitzen und nichts tun, nicht raus gehen weil es zu kalt draußen war und weil ich nicht wollte und dann, dann kam der erste Schnee und mich überkam ein wundervolles Gefühl.
Dabei halte ich gar nicht viel von diesem weißen Zeug, es ist so unglaublich vergänglich und ungreifbar und doch ...

Du fragst mich, was mir Flügel wachsen lässt?

Weißt du, ich habe bis zu diesem Jahr nie begriffen wieso Ethik oder Religion unterrichtet wird. Ich fand es so grässlich sinnlos und unüberschaubar aber seit diesem Jahr finde ich es es wundervoll. Ob es nun an der Lehrerin liegt oder eher dran, dass ich alles langsam zu begreifen scheine weiß ich nicht aber ich freue mich auf jede Stunde. Zurzeit nehmen wir in Ethik Freiheit durch. Freiheit ist die Fähigkeit zur Autonomie und Selbstbestimmung, die Fähigkeit eigene Entscheidungen zu treffen, seine Meinung zu ändern und sie einfach wieder zu ändern, wenn einem das Leben nicht mehr gefällt, wie es bisher war. Irgendwie gibt mir das Hoffnung. Ich habe so oft lange nur meine Determinationen gesehen ohne auf die Freiheit zu achten, die mir noch blieb und ich möchte daran etwas ändern. Ich habe so wundervolle Freude, hier und in meiner nahen Umgebung, Freude, die auf mich Acht geben, die mich beschützen ob sie es nun zugeben wollen oder nicht.
Der Religionskurs, den mein bester Freund Emanuel besucht nimmt gerade eine Frage durch.

Woran hängst du dein Herz?

Es klingt so schön und ich würde auch das gern wissen. Diese Ansichten. Ohne lange zu überlegen war meine erste Antwort: Ich hänge mein Herz an meine Familie. Aber wenn ich länger darüber nachdenke ist das lange nicht alles. Ich hänge mein Herz an diese Welt, mit all ihren Tücken und Fehlern. Ich hänge mein Herz an die Erdenbewohner, den Strand und die Sonnen Auf- und Untergänge. Ich hänge mein Herz an jeden einzelnen Tag Leben, auch an einen Tag wie diesen, an dem eigentlich nur beschissene Sachen passiert sind. Doch dann hab ich deinen Blogeintrag gelesen und der war mein Licht an diesem dunklen Tag, die Schneeflocke, die schönste von Allen. 

Du fragst was mir Flügel wachsen lässt?
Ich bin schon mit Flügeln auf diese Welt gekommen, Ines.
Genau wie du.
Ich bin als Schmetterling auf diese Welt gekommen, lange nicht perfekt und ich bin oft abgestürzt.
Aber letztendlich reicht es, zum Leben.
Ich bin schon mit Flügeln auf diese Welt gekommen, Ines.
Aber wenn du wissen willst, was meine Flügel wachsen lässt, dann ist das ganz einfach.
Es ist nur ein Wort.
Liebe.

Die Liebe zum Leben und zu all den Menschen und den kleinen Dingen, die das Leben ausmacht, lassen meine Flügel wachsen. Und manchmal fühlt man sich, als wäre alles scheiße und man stürzt ab aber man rappelt sich immer wieder auf. Das Fliegen ist einfach zu schön, frei zu sein. Denn selbst der kleinste Schmetterling im Universum, selbst der kleinste Tropfen im Ozean hat es verdient zu leben.

Ich habe auch nie oft geweint, bei diesem Film schon. Ich habe sogar heute schon daran gedacht, an "my sister's keeper". Ich weiß nicht  mehr welche Gedanken mich dazu führten, vielleicht habe ich etwas geahnt. Ich habe den Film schon 3 mal gesehen und jedes Mal aufs Neue geweint. 
In letzter Zeit, da weine ich häufig. Nahezu jeden zweiten Tag, heute auch schon, mehrmals. Es ist schön es einfach aus zu leben, zu zeigen, dass man lebt, dass man FÜHLT. Es lohnt sich einfach nicht alles hinter einer Maske zu verstecken. Dafür ist das Leben viel zu schön. Das sollte man nie vergessen.

♥


Ein Sonnenuntergang über Magdeburg. es kommt selten vor, dass ich es sehe, aber es ist so schön.
Zum Zerreißen schön.
~Evoliette

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